Ein Model läuft bei der Berliner Fashion Week in einer Show mit nachhaltiger Mode über den Laufsteg. (Quelle: rbb/Vera Block)
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Nachhaltiges auf der Fashion Week - Ökologisch und sozial korrekt ist jetzt ein Modetrend

Nachhaltig hergestellte Kleidung und Schmuck haben auf der Berliner Modemesse Fashion Week ihren Platz gefunden: Erstmals gab es eine kuratierte Schau mit Kreationen von Designern, die umweltbewusst und sozial produzieren. Von Vera Block

Die Musik ist laut und schnell. Die Scheinwerfer tauchen die Backstein-Wände des alten E-Werks in der Wilhelmstraße in Neonlila und Flaschengrün. Die geladenen Gäste sitzen Schenkel an Schenkel, Mobiltelefone und Fotokameras im Anschlag.

Der Modereigen beginnt mit einem blauen Mantel und einem Schlabberhut, unter dem das Model ein buntes Dreieckstuch zusammengebunden hat. Es folgen Wuschel-Pantoffeln zu Regenmänteln, mit Spitze kombinierte Animal-Prints und eher züchtige Bade-Ensembles mit ausreichend Stoff um die Hüften. Gemustertes und Flatterndes. Klobiges und Hochtalliertes.

Ziel: ökologischen Fußabdruck klein halten

Die nachhaltige Modenschau Greenshowroom Selected zeigt eine Auswahl an Kreationen verschiedener Designerinnen und Modemacher, die während der Fashion Week ihre Modelle präsentieren: 38 unterschiedliche Looks. Und so entsteht während der rund 20-minütigen Show kein einheitliches Bild, das eine modische Tendenz erkennen lässt. Was auffällt: Grün als Farbe spielt keine Rolle auf dem Catwalk.

Dafür spielt eine "grüne" Lebenseinstellung eine umso größere Rolle bei der Entstehung der Modelle. "Das Grüne an der Mode sieht man nicht. Wichtig sind die Geschichten hinter den Labels, die fair arbeiten, nachhaltig sind, soziale Projekte machen", sagt nicht ohne Stolz Magdalena Schaffrin. Sie hat 2009 die Greenshowroom-Messe – in deren Rahmen die Modenschau stattfindet - ins Leben gerufen und wirkt seitdem als ihre Kreativdirektorin. Das Ziel war: ein Podium für Modeproduzenten und Designer zu bieten, die ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten wollen und Wert auf Transparenz, soziale Verträglichkeit und Nachhaltigkeit legen.

Fair produzierter Schmuck aus Afrika

So wie Alama. Das junge Berliner Unternehmen vertreibt Schmuck, der von Massai-Frauen in Tansania nach traditionellen Entwürfen unter fairen Bedingungen produziert wird. "Ich war von ein paar Jahren geschäftlich in Tansania und habe Massai-Frauen kennengelernt," erzählt die Firmengründerin Nini Gollong. Sie bräuchten ein Einkommen, um weiter in der Steppe überleben zu können und nicht in die Städte ziehen zu müssen.

Magdalena Schaffrin, Gründerin und Kreativdirektorin der Greenshowroom-Messe. (Quelle: rbb/Vera Block)Magdalena Schaffrin, Kreativdirektorin von Greenshowroom

"Da haben wir uns überlegt, wir machen eine Schmuckmarke. Design und Produktion liegen ganz in der Hand der 35 Massai-Frauen, die mit uns arbeiten." Jedes Schmuckstück habe eine Bedeutung und eine Geschichte, die im Verkauf zusammen mit dem Namen der Frau, die es gemacht hat, an die Kunden weitergegeben werde.

Inzwischen besitzen angeblich auch Pop-Sternchen wie Solange Knowles, die kleine Schwester des Pop-Idols Beyoncé, Ketten und Ohrringe von Alama. Auf der Greenshowroom-Selected-Show im E-Werk waren die filigranen und opulenten Schmuckstücke aus Ketten und Perlen in viele Outfits integriert und bildeten so ein stilistisches Leitmotiv der Schau. Zumal die Mode aus Afrika dieses Jahr auch einen Schwerpunkt auf der Messe bildet.

Nini Gollong, Gründerin der Filma Alma Projekt. (Quelle: rbb/Vera Block)Nini Gollong, Gründerin der Firma Alama Project

Ab Januar neues Format "Neonyt"

Neun Jahre nach der Gründung von Greenshowroom ist grüne Mode zum wichtigen Aspekt der Fashion Week Berlin geworden. "Das Thema Nachhaltigkeit ist das Alleinstellungsmerkmal von der Berlin Fashion Week" sagt Greenshowroom-Gründerin Magdalena Schaffrin. "Keine andere Fashion Week zeigt so viele Labels, die nachhaltig sind, und keine hat so eine Konzept-Show."

Inzwischen ist das Interesse an der grünen Mode so groß geworden, dass es ab der kommenden Fashion Week im Januar 2019 ein neues Format geben wird: "Neonyt". Der Name vereint den altgriechischen Begriff für "Neues" - neo - und das schwedische Wort für "neu" - nyt. Das alte und das neue "Neue" sollen zusammengefügt werden und eine Plattform - neudeutsch: Hub - bilden. Mit Konferenzen wie "FashionSustain" und "#Fasiontech", dazu Modeschauen, Messe und Thinktanks unter einem Dach soll Neonyt dann europaweit führend Themen und das Know-how rund um die nachhaltige und innovative Fashion der Zukunft bündeln. Die Modebranche befinde sich in einer Phase der Umwandlung, sagt Magdalena Schaffrin: "Das Business ist in einer Transformation begriffen. Es sind viele Themen, Nachhaltigkeit ist nur eines davon und deswegen denke ich, sind wir jetzt auf den Punkt".

Ein Model läuft bei der Berliner Fashion Week in einer Show mit nachhaltiger Mode über den Laufsteg. (Quelle: rbb/Vera Block)Ein Model bei der nachhaltigen Modenschau Greenshowroom Selected

Beitrag von Vera Block

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 2.

    Sieht ja dementsprechend blöd aus

  2. 1.

    Hat es das nicht schon mal gegeben Ende der 60er Jahre? Die Hippies liefen so herum. Kann mich noch gut selbst daran erinnern und Polyesterware gab es noch nicht. Ob’s was bringt, wage ich zu bezweifeln. Denn die vielen Stoffvarianten haben extrem zugenommen, besonders d.künstlich hergestellten. Da wird kaum ein Modedesigner sich zurückhalten können. Aber ein guter Ansatz allemal und schick dazu.

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