Fashion Week 1
Audio: rbb|24 | 02.07.2018 | O-Ton Pia Wiechert | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Interview | Mode-Einkäuferin zur Berlin Fashion Week - "Ottonormalverbraucher tragen die Mode-Trends meistens nicht"

Ab Dienstag ist wieder Fashion Week. Die Modewoche zieht etwa 100.000 Besucher an. Darunter ist auch Pia Wiechert. Sie bestückt ihr Friedrichshainer Geschäft auch mit dem, was sie auf der Messe einkauft. Sie weiß Bescheid über Trends und transparente Hosen.

rbb24: Mal soll es Ultra-Violett sein, mal Gelb. Ganz ehrlich: Gibt es in der Mode wirklich sowas wie Trendfarben oder andere Trends, die sich dann in der Garderobe der Normalsterblichen auch wiederfinden? Die transparenten Hosen von 2017 scheinen nicht mal auf der Kastanienallee aufgetaucht zu sein …

Pia Wiechert: Es gibt immer ein paar Frauen, oder oft auch junge Mädchen, die einen Trend aufnehmen. Vor allem, wenn es dann auch noch irgendeine Sängerin oder andere Berühmtheit anhatte. Aber der Ottonormalverbraucher trägt die Trends meistens nicht.

Gibt es denn eine neue Trendfarbe für dieses Jahr?

Da geht es ja jetzt schon um Herbst und Winter. Da sind die Farben sehr gedeckt. Ein Rot gibt es da und weiterhin Grün. Es sind eher dunkle Farben: Grau, Schwarz, Karo. Es gibt nicht so wirklich eine neue Farbe. Es gibt auch mal wieder den Ansatz von Lila – aber da glaube ich nicht dran. Lacht.

Wie machen Sie vor Ort auf der Fashion Week einen Trend aus und kann man da auch danebenliegen? Also wie entscheiden Sie, was sie kaufen? Wie exotisch darf es sein, wenn man einen Shop in Friedrichshain hat?

Man geht eigentlich über die Messe – denn dazu ist sie ja da – um sich zu informieren. Man schaut sich seine Labels an, schaut, was die machen und wo der Trend bei denen hingeht. Dann überlegt man sich, ob man den Trend überhaupt mitmachen will. Es gibt auch Sachen, die ich gar nicht in meinem Geschäft haben möchte. Die müssen die Kunden woanders kaufen. Weil ich sie nicht mag oder nicht dran glaube. Es ist Gefühlssache und man muss seine Kunden im Kopf haben.

Das heißt, die transparente Hose gab es bei Ihnen eher nicht?

Nicht so, wie sie auf der Fashion Week war. Etwas Ähnliches gab es aber schon.

Was ist als Mode-Shop-Besitzerin die Fashion Week für Sie - Inspiration oder tatsächlich die Gelegenheit zum Einkauf?

Beides. Es ist die erste Messe für uns in der Saison. Da lassen wir uns inspirieren. Aber wir kaufen auch ein. Es ist für mich also auch eine Arbeitsmesse. Da kann ich hingehen und ordern. Ich kann vergleichen, was ich wo schon gesehen habe und was wo schöner verarbeitet oder günstiger ist.

Sehen Sie mit Ihrem Mode-Blick auf den Straßen Berlins tatsächlich später mitunter Stücke, die Sie von der Fashion Week kennen?

Eher nicht. Denn wir sehen und kaufen ja jetzt den Frühling und Sommer 2019. Das ist dann ja schon ziemlich lange hin. Ich sehe dann zwar die Trends – aber ob das von der Fashion Week war weiß ich dann nicht mehr ganz genau.

Wer kauft und trägt in Berlin denn überhaupt die Mode. Berlinerinnen oder Touristinnen aus München oder Madrid?

Alle. Wir haben viele Stammkunden aus Friedrichshain, aber auch Kundinnen, die weggezogen sind in einen anderen Kiez und trotzdem noch wiederkommen. Aber es kommen auch die Touristen, die durch Friedrichshain schlendern. Aus Deutschland und aus eigentlich der ganzen Welt. Gerade gestern hatte ich Kunden aus Neuseeland.

Noch einmal zurück zur Fashion Week:  Ist das auch ein Ort für Normalsterbliche?

Es ist ja eine Fachmesse. Da haben Endverbraucher aus meiner Sicht eigentlich nichts zu suchen. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart. Aber es ist wie gesagt so, dass wir da einkaufen für nächstes Jahr. Ich weiß auch nicht, wie interessant das ist, sich dort nur Sachen anzugucken und nichts kaufen zu dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Interview führte Sabine Priess.

Sendung: Abendschau, 2.7.2018, 19.30 Uhr  

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wer schön sein will, muß leiden.

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