23.07.2018, Brandenburg, Küstrin-Kietz: Fast ausgetrocknet ist der Vorflutkanal am deutsch-polnischen Grenzfluss Oder. Der Pegel des Flusses stand am selben Tag bei etwa 110 Zentimetern an der Pegelmessstelle in Frankfurt Oder (Quelle: dpa/Pleul)
Bild: dpa/Pleul

Kein Schiff fährt mehr - Oder erreicht neuen Tiefstand

Die Oder hat einen neuen Tiefstand erreicht. Die Werte derzeit liegen bereits unter denen aus dem Sommer 2015, der als bisher trockenster für den Fluss galt, sagte Sebastian Dosch vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Eberswalde am Montag.

Zu Fuß durch die Oder

Bei aktuellen Pegelständen wie 1,60 Meter an der Messstelle Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) oder 1,41 Meter in Frankfurt (Oder) könne der Fluss derzeit quasi durchwatet werden. Bereits seit Wochen sei kein Schiff mehr unterwegs, da der Grenzfluss extremes Niedrigwasser führe.

Die Tendenz ist laut Dosch weiter fallend, da es im Odereinzugsgebiet in Polen und Tschechien keine nennenswerten Niederschläge gegeben hat. Mit der polnischen Seite habe sich seine Behörde darüber geeinigt, unter diesen Bedingungen keine Fahrrinnen- und Tauchtiefen mehr zu messen. "Wir kommen ja selbst mit unseren Schiffen nicht mehr durch, um diese Werte messen zu können", so Dosch.

Tourismus leidet unter Niedrigwasser

Doch nicht nur die Güter-Schifffahrt ist auf der Oder zum Erliegen gekommen. Es könne seit Wochen auch kein Ausflugsdampfer mehr ablegen, sagt Mario Quast, oberster Wirtschaftsförderer in der Stadtverwaltung Frankfurt (Oder). "Das hat natürlich großen, negativen Einfluss auf unseren Tourismus. Für viele Gäste, die in die Stadt kommen, gehört eine Fahrt auf der Oder dazu." Der Fluss ist einer der wenigen in Europa, der noch weitgehend naturbelassen in seinem Bett fließt. Es gibt keine Wehre oder andere Regulierungsmöglichkeiten.

Das Wasser möglichst in der Flussmitte zu konzentrieren, dafür sorgen lediglich Buhnen an den Ufern, dammartige Bauwerke, senkrecht zum Ufer aufgeschüttet. "Die extreme aktuelle Situation verdeutlicht uns, dass wir mit der Instandsetzung voran kommen müssen, um die Fahrrinne zu stabilisieren und höhere Wasserstände zu erreichen", sagt WSA-Sprecher Dosch. Ein deutsch-polnisches Stromregulierungskonzept liegt seinen Angaben nach seit Jahren vor, einen entsprechenden binationalen Vertrag gibt es seit 2015. Doch die Umsetzung dauere, erst im Oktober dieses Jahres seien neuerliche Abstimmungen anberaumt, berichtet der WSA-Sprecher.

Auf Flora und Fauna in und an der Oder habe das extreme Niedrigwasser absehbar noch keine Auswirkungen. Ein Fischsterben sei nicht zu erwarten, sagt Dosch. Mit insgesamt 866 Kilometern Länge biete der Fluss genügend Plätze, an denen sich die Tiere zurückziehen könnten

Auch Oder-Havel-Kanal droht Wasserknappheit

Zu befürchten sei allerdings, dass das Wasser auch in den Seitenarmen des noch gut gefüllten Oder-Havel-Kanals knapp werden könnte, sagt Dosch. Vor allem Landwirte ziehen seinen Angaben nach aktuell viel Wasser, um Felder zu beregnen. Der Oder-Havel-Kanal sei Hauptverkehrsader der Güterschifffahrt zwischen Berlin und dem polnischen Stettin. "Um die zu gewährleisten, müssen wir mehr Wasser aus den Seitenarmen dieser Wasserstraße nehmen", erläutert Dosch. Die Konsequenz sei, dass die 40 Schleusen in diesem Bereich möglicherweise nicht jederzeit betriebsbereit sein könnten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.7.2018, 16:30 Uhr

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