Blick auf die Ringbahn in Berlin in Halensee mit Messegelände und Funkturm (Quelle: dpa/Markus C. Hurek)
Bild: dpa

Ringbahn-Stationen auslassen - S-Bahn verteidigt umstrittenen Vorschlag zur Pünktlichkeit

Verspätete S-Bahn-Züge sollen auf der Ringbahnstrecke in Berlin nur dann an einzelnen Bahnhöfen vorbeifahren, wenn die Kunden diese Methode akzeptieren. Das stellte S-Bahn-Geschäftsführer Peter Buchner am Mittwoch in einer Mitteilung klar. Das Auslassen von zwei Stationen werde in einem Pilotprojekt ausprobiert. Es sei nur eines von 180 Elementen eines Qualitätsprogramms, das man in der kommenden Woche vorstellen werde.

Auf der Ringbahn fahren die Züge ohne Wendepunkt immer im Kreis. Hat ein Zug Verspätung, kommen auch die folgenden nicht pünktlich voran. Bislang müssen Züge eine Runde aussetzen, um wieder in den Takt zu kommen, wie die S-Bahn erläuterte. Für die Fahrgäste bedeutet das Zugausfall. Das könne vermieden werden, wenn der Zug seine Verspätung aufholt, indem er an zwei Bahnhöfen nicht hält. Dafür ausgewählt wurden Halensee und Hohenzollerndamm.

Durchfahrt in Halensee und Hohenzollerndamm

Der Sprecher des Berliner Fahrgastverbands, Jens Wiesecke, sagte dem rbb am Dienstag, der Vorschlag der S-Bahn sei nicht kundenfreundlich. Statt Haltestellen nicht anzufahren, sollten lieber strukturelle Probleme gelöst werden. "Die Infrastruktur auf der Berliner Ringbahn ist seit 1944 ein Provisorium. Sie ist nicht an diesen Vollring-Betrieb, den wir heute fahren, angepasst worden", so Wieseke. "Dazu müsste im Bereich Westend eine dritte Bahnsteigkante gebaut werden, wo man dann verspätete Züge rausnehmen kann, wenn ein Zug zu große Verspätung hat." Auf diese Kante wartet der Verband seit 20 Jahren. Außerdem gebe es nicht genug Signale, dass mehr Züge fahren können.

Wie viele Züge auf der Ringbahnstrecke durch Verspätungen jeden Tag ausfallen, wollte ein Sprecher der S-Bahn auf Nachfrage von rbb|24 nicht mitteilen.

Es gehe um einzelne Züge, betonte die S-Bahn. Die Fahrgäste würden über die Durchfahrt rechtzeitig im Zug und auf den Bahnsteigen informiert. In anderen Städten wie München und London werde das Verfahren schon praktiziert - ohne Fahrgast-Protest.

Sendung: Inforadio, 11.07.2018, 8.40 Uhr

Kommentar

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26 Kommentare

  1. 25.

    Schafft doch endlich die Fahrpläne ab, bei Terminen fährt man eh früher los. Gebt in der Stunde 10 bis 12 Züge je Richtung vor und gut ist. Wer braucht denn 3-4-Minuten Fahrpläne?

  2. 24.

    Die Fähigkeit des RBB zu Recherche – seitens der Rundfunkanstalten Kritikern gerne pauschal abgesprochen - scheint wohl bei eigenen Artikeln nicht sonderlich gut ausgeprägt zu sein? Oder macht sich der RBB zum Hofberichterstatter?

    Denn die Behauptung "In anderen Städten wie München (...) werde das Verfahren schon praktiziert - ohne Fahrgast-Protest." betreffend ausbleibender Fahrgast-Proteste bei außerplanmäßigen Haltausfällen von S-Bahnen ist bezüglich München schlicht und dreist gelogen, denn in solchen Fällen hagelt es sehr wohl Proteste seitens der Fahrgäste und mitunter auch der Kommunalpolitik!

    Beispiel: Münchner Merkur, Ausgabe Fürstenfeldbruck
    - "Ärger mit S3: Zug fährt ohne Halt durch" (2014)
    - "Ausgefallene Zughalte: Jetzt soll der Minister einschreiten" (2016)
    - "Zughalte fallen aus: Freistaat kritisiert Bahn" (2016)

  3. 23.

    Hinzukommt noch, dass nicht nur die Leute die sich auf dem Bahnsteig befinden, wenn der Zug vorbei rauscht, nicht mehr einsteigen können / dürfen. Sondern die sich im Waggon befinden, dann auch nicht mehr am gewünschten Bahnsteig aussteigen dürfen.
    Das grenzt wirklich schon an einer Aktion aus dem Tollhaus. Dies in einer Millionen Metropole.
    Na ja, das sind alles Auswirkungen, die sich bis heute hinziehen eines Herrn Mehdorn damaliger S-Bahn Chef (den Flughafen hat er auch nicht zustande bekommen), eines Herrn Wowereit und seines damaligen Spitzensenats, wie es bis heute der öffentliche Dienst zu spüren bekommt.
    Anstatt diese Stadt vor fünfzehn Jahren voran zubringen, wurde sie praktisch durch all diese Sparmaßnahmen in die Neunziger Jahre zurück geworfen.
    Das schlimme an der ganzen Sache dabei ist, dass es dieser Senat bis auf ganz wenigen Ausnahmen (SPD Senatoren) keinen Deut besser macht. Und der Regierende M.M sich am Nasenring der links-grünen durch die Manege führen lässt

  4. 22.

    Die übervollen Bahnsteige kann ich bestätigen, z.B. Frankfurter Allee, wo auf beiden Seiten der Treppe und des Aufzuges nur ca. 2 Meter Breite geblieben sind. Und da drängeln sich Menschen mit Fahrrädern, Flaschensammler mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen usw. Es ist oft gefährlich. Hinzu kommt, dass die Bahnsteige in Berlin von alters her für Züge mit 8 Waggons angelegt sind (die heutzutage eher die Ausnahme sind), aber wenn die Züge nur mit 4 oder 6 Waggons fahren, müssen sich die Fahrgäste zwangsläufig auf den Bahnsteigen zusammendrängeln.
    Vor diesem HIntergrund ärgere ich mich regelmäßig. dass der rare Platz auf den Bahnsteigen weiter eingeschränkt wird durch Fressbuden und Werbetafeln.

  5. 21.

    Es ist eine ABSOLUTE UNVERSCHÄMTHEIT was sich die obere Leitung der S-Bahn Führung da ausdenkt.
    Es ist eine KAPITULATION NICHT MEHR Herr der Lage in ihrem eigenen Arbeitsbereich zu sein.
    Die Bahnsteige sind zu Stoßzeiten jetzt schon völlig überfüllt. Die Bahnsteige aus der Vergangenheit entsprechen KEINESFALLS mehr der heutigen Situation.
    Beispiel der S-Bhf Gesundbrunnen ist mit seinen kleinen Bahnsteigen völlig zu klein. Man kommt jetzt schon kaum noch an wartenden Fahrgästen vorbei. Aber scheinbar lernen Führungskräfte die BWL studieren heute nichts anderes mehr als Minimal Maximierung an der UNI.
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/s-bahn-soll-stationen-auslassen-das-chaos-in-berlins-nahverkehr-ist-nur-noch-peinlich/22791402.html
    Hat der Berliner Senat da eigentlich auch noch ein Wort mitzureden, oder winkt der auch alles durch was man bei der Berliner S-Bahn verzapft ?

  6. 20.

    Von Freiheitsberaubung zu sprechen, so weit würde ich nicht gehen. Die Fahrgäste werden ja Minuten später wieder aus dem Zug rausgelassen. Auf jeden Fall ist es eine Irreführung der Öffentlichkeit und ein Einschnitt ist die Zeitsouveränität der Fahrgäste, ohne dass "höhere Gewalt" im Spiel wäre.

    Es ist schlicht "irdische Gewalt". - Diejenigen eines recht kurzfristigen und kurzsichtigen betriebswirtschaftlichen Vorgehens, dass ein Reparieren und ein Defekt-Beheben hinterher billiger kommt als eine turnusgemäße Durchsicht, die sich nur auf die sicherheitsrelevanten Teile beschränkt.

    Die Folgen eines solchen betriebswirtschaftlich kurzfristigen und kurzsichtigen Vorgehens bleiben nicht aus, angekündigt unter dem zudeckenden Begriffsreservoir "Störungen im Betriebsablauf".

    Wer Pünktlichkeit im Betriebsablauf will, sollte zur vorbeugenden Instandhaltung zurückkehren, auch wenn diese Personal und Kosten bindet. Sonst steht die Fahrplangarantie nur auf dem Papier.

  7. 19.

    Bei aller Kritik an der S-Bahn - Hr. Buchner fährt jeden Tag S-Bahn. Zwischen seinem Wohnort und der S-Bahn-Zentrale. Ich habe ihn selber schon in der S-Bahn getroffen.

  8. 18.

    Man sollte das auch bei der U-Bahn einführen. Ich finde es sinnvoll.

  9. 17.

    Bedeutet: Ich melde Bedarfshalt durch Ziehen der Notbremse an? Ein Notfall ist es ja, denn ich werde gegen meinen Willen festgehalten,also Freiheitsberaubung.

  10. 16.

    Jo klar,nur wenn die Reisenden das akzeptieren.
    Da steht die Mutter mit dem Kinderwagen,die S-Bahn rauscht vorbei.
    Die alte Dame winkt begeistert den vorbeifahrenden zu.
    Kinder wollen oder müssen zur Schule,die lachen sich ins Fäustchen.
    Deutsche Bahn-Die Zukunft sind wir.

  11. 15.

    Ich freue mich schon auf die anderen Punkte aus dem Qualitätsprogramm. So haben wir auch in den Ferien ein wunderbares Festival der Satire! In unserer Stadt hat der Wahnsinn seinen Hauptwohnsitz.

  12. 14.

    Dieses „Qualitätsprogramm“ wird doch längst seit Jahren praktiziert, in den letzten Wochen mehrfach z.B. auf der S3, S5, S7, S75 und weitere Linien in Richtung Außenbezirke. Heute Vormittag erst wieder, S7, 09:00 Uhr ab Ahrensfelde ausgefallen und fuhr stadteinwärts von einem anderen Bahnhof ab. Auch Abends auf dem Heimweg bereits mehrfach selber erlebt. Der Zug endete z.B. in Lichtenberg oder Springpfuhl und die Fahrgäste mussten auf die nächste Bahn warten.

    Und? Was wird das nächste „Qualitätsprogramm“ sein? Außenbezirke werden nur noch aller 20 Minuten angefahren? Die Fahrgäste werden jedenfalls aktuell bereits gezählt.

  13. 13.

    Herrn Buchner wird wohl nicht klar sein, dass das nicht seine Eisenbahnplatte aus Kindheitstagen ist, sondern im richtigen leben von Menschen benutzt und benötigt wird. Mit zwei Ringstationen wird angefangen und dann auf das ganze S-Bahn-Netz ausgeweitet.

  14. 12.

    Vielleicht mal aus “Qualtätsgründen“ keinen Fahrschein lösen, wenn ich morgens mal spät dran bin. Bin gespannt wie toll das dann Herr Buchner findet.

  15. 11.

    Oh je...
    Ich stelle mir folgende Situation vor: Ich komme in Zeitnot, weil die S-Bahn verspätet ist. Kommt ja auch nicht sooo selten vor.
    Und zur Belohnung kann ich nicht aussteigen, weil die Bahn einfach zwei Stationen durchfährt...
    Ich bin mir nicht sicher, ob das alles so durchdacht ist.

  16. 10.

    Herr Buchner fährt ja auch nicht jeden Tag mit der S-Bahn. Mit Firmen-PKW geht es viel einfacher.

  17. 9.

    Herr Buchner braucht doch nur die Kommentare von gestern zu lesen,um zu wissen,was die Leute davon halten.
    Auf das Qualitätsprogramm bin ich mal gespannt.

  18. 8.

    Recht so, sparen wir uns doch EINFACH mal die Verantwortlichen bei der S-Bahn.

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