Symbolbild: Das Berliner Straßenbahnnetz soll ausgebaut werden. (Bild: imago/Andreas Gora)
Bild: Video: Abendschau | 05.07.2018 | Rainer Unruh

Antwort auf offenen Brief - BVG verspricht Besserung für die Tramfahrer

Zu wenige Fahrer, zu kurze Pausen, mangelhafte Technik und nicht reparierte Weichen: Die Mängelliste, die die Berliner Straßenbahnfahrer in einem offenen Brief aufgeführt haben, ist lang. Die BVG-Spitze räumt in ihrem Antwortschreiben Schwierigkeiten ein.

Die BVG-Chefin Sigrid Nikutta und weitere Führungskräfte des Unternehmen haben auf einen offenen Brief der Straßenbahnfahrer geantwortet. Diese hatten sich zuvor in einem Brandbrief über ihre Arbeitsbedingungen beschwert. Sie beklagen darin "neben der bekannten prekären personellen Situation im Fahrdienst" auch träge Bordrechner, Taktzeiten, die nicht eingehalten werden können, zu kurze Pausenzeiten und defekte Weichen, die nicht repariert werden.

In ihrem Antwortschreiben, das rbb|24 vorliegt, hebt die BVG-Spitze hervor, was alles getan wird, um Probleme zu beheben - räumt aber auch einzelne Missstände ein. So sei in den vergangenen drei Jahren das Personal um 200 Fahrerinnen und Fahrer aufgestockt worden, um die "schwierige Personalsituation" in den Griff zu bekommen. Rein rechnerisch reiche das, um den aktuellen täglichen Bedarf abzudecken.

Weiter heißt es aber: "Leider kommt es in der Realität phasenweise trotzdem zu Situationen, in denen wir den selbst gesteckten Qualitätsansprüchen nicht gerecht werden können." Dies könne an zeitweise erhöhten Krankenständen oder "den oft schwierigen Verhältnissen auf den Berliner Straßen" liegen.

Seit Monaten seien offene Stellen nicht besetzt

Nach Aussage der Straßenbahnfahrer ist das Problem nicht nur eines, was ab und zu auftritt. Zum Stichtag 3.Juli hätten für 642 Dienste nur 590 Fahrer zur Verfügung gestanden, heißt es in ihrem offenen Brief. Zudem könnten "Verkehrsfunkwagen nicht eingesetzt werden, weil seit Monaten offene Stellen nicht besetzt sind. Es fehlen Dienstzuteiler, Gruppenleiter, Fahrzeug- und Personaldisponenten, Dienst- und Fahrplaner", heißt es weiter.

Die BVG schreibt in ihrer Antwort, sie sei dabei, in diesen Berufsgruppen elf neue Mitarbeiter zu qualifizieren.

"Nicht immer geht das überall und sofort"

Auch bei den Reparaturen hake es, moniert der Personalrat. So müssten am S-Bahnhof Köpenick Fahrer eine Weiche manuell umstellen, erklärt Frank Kulicke, Personalrat Straßenbahnverkehr und Fahrer, dem rbb. "Da muss der Kollege über eine Kreuzung laufen, 50 Meter bis zur Weiche, muss die mit der Hand stellen, 50 Meter wieder zurücklaufen über eine Kreuzung. Das ist unglaublich! Das dürfte keinen Tag dauern, da müsste das repariert sein", fordert Kulicke.

Zu diesem Punkt schreibt die BVG, man arbeite mit Hochdruck daran, Schäden schnell abzuarbeiten. Aber: "Nicht immer geht das überall sofort und gleichzeitig." So könne man nicht mehrere zentrale Netzabschnitte zeitgleich für Bauarbeiten sperren. Zudem sei im Bausektor die Marktlage aus Sicht der Firmen so gut, "dass nicht immer zum Wunschzeitpunkt der BVG ein entsprechendes Unternehmen parat steht, um die Arbeiten zu erledigen."

BVG räumt ein: Stimmt, die Fahrer haben zu kurze Pausen

Und auch in einem weiteren Punkt räumt die BVG ein, dass die Kritik berechtigt ist: So können die Straßenbahnfahrer oft nur sehr kurze Pausen an den Endhaltestellen machen. Straßenbahnfahrer Roger Eichelmann erläutert: "Die Haltezeiten, die man dort hat, sind einfach zu kurz. Vier Minuten, das ist in meinen Augen fast unmenschlich. Man hat nicht die Chance, mal von der Stulle abzubeißen oder auf Toilette zu gehen." Zehn Minuten Pause zum Erholen pro Wendeschleife wünschen sich die Fahrer.

Die zu kurzen Pausenzeiten für die Fahrer resultierten aus abgenutzten Schienen und Baustellen. An diesen so genannten "Langsamfahrstrecken" können die Fahrer keine Höchstgeschwindigkeit fahren, kommen dadurch später an und können kürzer Pause machen. "Bei den Langsamfahrstellen haben Sie in gewissem Maße recht", schreibt die BVG-Spitze. Weiter heißt es: "Hier sind wir quasi ein Opfer unserer eigenen Leistungsfähigkeit. Durch zusätzliche Fahrten, die wir für die wachsende Stadt leisten, wird natürlich auch unser Schienennetz stärker belastet.

Die BVG-Sprecherin verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Bezirke, die für die Baugenehmigungen zuständig sind: "Das geht manchmal nicht so flott, wie wir uns das vorstellen, aber da sind wir dran und die werden Stück für Stück auch wieder abgebaut."

"Lassen Sie uns im Gespräch bleiben!"

BVG-Sprecherin Reetz sieht hier allerdings auch die Personalvertreter in der Verantwortung. Die bekannten Langsamfahrstellen würden in den Dienstplan aufgenommen, erklärte sie. Und die Dienstpläne seien grundsätzlich mitbestimmt. "Das heißt, die Personalvertreter stimmen einem Dienstplan zu. Wenn sie das nicht tun, dann findet der Dienstplan auch nicht statt."

BVG-Chefin Nikutta findet in ihrem Antwortschreiben aber auch versöhnliche Worte und zeigt sich offen für berechtigte Kritik. Sie schreibt: "Lassen Sie uns im Gespräch bleiben und die Zukunft der Straßenbahn gestalten! Setzen Sie vor allem auch den bereits laufenden Dialog mit Ihren Führungskräften konstruktiv fort."

Eine Pressemitteilung zum Antwortschreiben auf die kritischen Worte hat die BVG allerdings nicht herausgegeben. Nur auf Nachfrage schickte die Pressestelle das Dokument rbb|24 zu.

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    "erfolgreicher Tarifabschluss 2018"... so wird behauptet, für wem? Nicht für sogenannte "Alt- oder Neu-Beschäftigte" Tramfahrer. 75 € Brutto. Nach Steuern bleibt ein Almosen dafür, dass man Nachts, Wochenende, Feiertags arbeiten geht, jeden Tag andere Arbeitszeiten hat, das Familienleben leidet, schlecht bis gar nicht schläft bei 11 Stunden Ruhezeiten zwischen den Schichten und nach ein Paar Jahren einfach nur fertig ist mit den Nerven. Lohngruppe 5 bis ans Lebensende als Fahrer. Opfer von Beleidigungen (Straftaten)jeden Tag ausgesetzt und still in sich reingefressen, um nicht "aufzufallen" und beobachtet zu werden von sogenannten "Führungskräften", denn die Statistik der Straftaten im ÖPNV könnte so negativ nach oben schnellen - auf das 50 ig fache der BVG schätzung(?). Nur Dumme machen diesen Job oder Leute die zu alt sind, sich was anderes zu suchen. Das Thema ist in der Presse schon wieder erledigt, zum Glück der BVG- Führungsriege.

  2. 7.

    Warum kürzt der Senat der BVG für diese miesen Leistungen nicht seine Zuschüsse? Macht man doch bei der Bahn im S-Bahn und Regionalverkehr m.W. auch. Ach so, die horrenden Bezüge der Chefs müssen ja gewährleistet sein, verstehe Frau Nikutta.

  3. 6.

    Lassen Sie uns im Gespräch bleiben....

    Dieser Satz sollte als Unsatz des Jahrhunderts eingehen.

    Ohne Personal geht nichts. Also liebe Tram, U Bahn und Busfahrer tut euch zusammen und legt alle samt die Arbeit nieder! Lasst euch alle gleichzeitig krankschreiben.

    Bin auf das Chaos gespannt und wie die da oben das dann lösen wollen und können.

    Wie sagt man zu Kindern, wer nicht hören will, muss fühlen.

  4. 5.

    Die Ausreden der BVG-Chefs und Sprecher sind einfach nur noch peinlich. Hört sich alles an wie billige Ausreden von Erstklässlern. Ausserdem sind kurze Pausen, fehlendes Personal, mangelnde Reparaturen etc das ist alles genau so gewollt. Dann "spart" die BVG Geld was dann in der Bilanz gut aussieht und der Vorstand und die Chefs können weiter ordentlich Kasse machen.

  5. 4.

    Na ja...wenigstens hat man reagiert auf DEN Brief....aber ob den Worten Taten folgen...bin ich ja mal gespannt..oder ob es nur eine Sprechblase war...wie schon öfter in den vergangenen Jahren......das es bei den Versprechen bleibt...:o(

  6. 3.

    Na wer sagts denn..Freitag ist...Feierabend ist..und aus der Führungsetage KEINE Reaktion...das scheint denen daoben alles am A..... vorbei zu gehen.....wie immer

  7. 2.

    Das ganze kann man auf die anderen Dienstellen U-Bahn , Bus eins zu eins übernehmen . Ich bezweifel ganz stark das man an der Situation überhaupt was ändern möchte . Die schwarze Null die der Senat der BVG aufgezwungen hat ist deutlich wichtiger wie der stabile Betriebsablauf und zufriedene motivierte Mitarbeiter die gerne zur Arbeit kommen. Man fährt und arbeitet bis zur "Kotzgrenze" auf Verschleiß , an Morgen wird seitens des Senats und der BVG Führung nicht gedacht (siehe Personalmangel und z.B der Fahrzeugmangel bei der U-Bahn) Wenn nicht sofort umgesteuert wird (bei dem Senat kann man das bezweifeln) und die BVG finanziell wieder so ausgestattet wird das sie ihre Dienstleistung und die Bezahlung /Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter deutlich verbessert kann ,wird es einen ganz großen Knall geben und dann will man seitens der Verantwortlichen mal wieder davon nichts gewusst haben und die Verantwortung wird solange der Reihe rum gereicht bis das Thema im Sande verlaufen ist.

  8. 1.

    Da kann man noch so viele Briefe schreiben...da ändert sich sowieso nix...das ist doch schon seit vielen, vielen Jahren so.zum Beispiel mit den Ampeln....sie kriegens einfach nicht hin,oder wollen garnicht...weil ja die lieben Autofahrer 3sek.länger bei rot stehen müssen.traurig alles..

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