Die Fassade des neu eröffneten Schultheiss-Quartiers in der Turmstraße in Moabit (Bild: rbb-Fernsehen/Abendschau)
Video: Abendschau | 16.08.2018 | Arndt Breitfeld | Bild: rbb-Fernsehen/Abendschau

Neues Shopping-Center eröffnet - Und noch eine Mall - diesmal in Moabit

Früher wurden im Schultheiss-Quartier in Moabit Millionen Hektoliter Bier gebraut - jetzt warten an der Turmstraße über 50 Geschäfte auf neue Kunden. Am Donnerstag hat dort ein neues Shopping-Center eröffnet - das 68. in Berlin. Es wird nicht das letzte sein.

"Mall of Berlin", "Das Schloss" oder "Alexa" - fast an jedem Hotspot in Berlin gibt es inzwischen eine Shopping-Mall. Nach Angaben des Einzelhandelsverbandes sind es inzwischen 67 - oder vielmehr 68, denn am Donnerstag ist eine weitere hinzugekommen.

Pünktlich um 9.00 Uhr wurde an der Turmstraße in Moabit das neue "Schultheiss Quartier" eröffnet - mit Zuckerwatte für die Kleinsten und allem, "was man braucht, um gut anzukommen". Gemeint sind offenbar Moabit sowie die 57 neuen Einkaufsmöglichkeiten - von "Kaufland" bis "Mediamarkt".

Zwei Kundinnen bei der Eröffnung des Schultheiss-Quartiers in Berlin-Moabit (Quelle: rbb/Abendschau)
Zwei Kundinnen im Schultheiss-Quartier | Bild: rbb/'Abendschau

Monaco, Mailand, München? Moabit!

Viele der Anwohner wissen das neue, wohnortnahe Angebot zu schätzen. Früher, sagte eine der ersten Kundinnen am Donnerstag dem rbb, hätten sie auch in Moabit alles gehabt - Hertie, Karstadt und Woolworth -  doch diese Kaufhäuser hätten alle dicht gemacht. Daher freue sie sich über das neue Einkaufszentrum. Natürlich wissen auch die Investoren um den Lokalpatriotismus der Moabiter. Daher haben sie gleich noch 4.000 T-Shirts drucken lassen, auf denen die Ortsnamen Monaco, Mailand, München und Moabit erscheinen - wobei die ersten drei fett durchgestrichen sind.

Handelsverband sieht bei den Malls noch "Luft nach oben"

Wohnraum in Form der ursprünglich geplanten Mikro-Apartments gibt es nicht, dafür insgesamt 15.000 Quadratmeter an Büroflächen - alles integriert in das historische Brauerei-Gelände, ebenso wie die neuen Verkaufsflächen, die sich nach Angaben des Investors über rund 30.000 Quadratmeter erstrecken. Erst 80 Prozent davon seien belegt, sagte Harald Huth am Donnerstag  der rbb-Abendschau - denn wegen der Konkurrenz durch das Internet sei es für den Einzelhandel derzeit "nicht unbedingt leichter". Er sei aber zuversichtlich, dass die restlichen Flächen bis Ende des Jahres noch vermietet werden könnten.

Handelsfläche summiert sich auf 4,6 Millionen Quadratmeter

Zur Eröffnung ist auch der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel, gekommen. Der Grünen-Politiker glaubt, dass der Standort Moabit vom neuen Einkaufszentrum profitieren wird. Das gelte auch für den Einzelhandel auf der Turmstraße.

Nach Angaben des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg summiert sich die Fläche des gesamten Berliner Handels inzwischen auf 4,6 Millionen Quadratmeter - 1,24 Quadratmeter pro Einwohner. Zum Vergleich: In Hamburg sind es 1,56 Quadratmeter, so dass Philipp Haverkamp vom Handelsverband noch "Luft nach oben" sieht. In der ehemals geteilten Stadt seien vor allem die Verkaufsflächen im Ostteil "unterdurchschnittlich entwickelt" gewesen, sagte Haverkamp am Donnerstag rbb|24. Daher habe es in Berlin einen regelrechten Boom an Shopping-Centern gegeben.

Allein in Lichtenberg gibt es heute zwölf Shoppingcenter, dagegen sind es in Tempelhof-Schöneberg nur zwei. Die größten Flächen entfallen auf die zehn Einkaufszentren in Mitte: Dort lässt sich auf fast 288.000 Quadratmetern einkaufen.

Karte mit Shopping-Malls in Berlin (Quelle: Handelsverband Berlin-Brandenburg)
Einkaufszentren in Berlin (gelb: Shopping Malls, blau: Fachmarktzentren) | Bild: Handelsverband Berlin-Brandenburg

Rot-Rot-Grün unterstützt "großflächige Einzelhandelsvorhaben"

Dabei ist die HGHI-Gruppe von Bauinvestor  Harald Huth einer der größten Player am Markt. Mit den Gropius-Passagen in Rudow und dem Einkaufszentrum "Das Schloss" am Rathaus Steglitz hat Huth schon vor 2007 große Projekte im Südwesten gestemmt. 2014 wurde dann die Mall of Berlin eröffnet, die nach Angaben der HGHI von über 20 Millionen Menschen pro Jahr besucht wird. Mit dem "Schultheiss Quartier" ist nun ein weiteres Großprojekt hinzugekommen.

Während der Senat vor einigen Jahren die Zahl neuer Malls noch begrenzen wollte, sind sie inzwischen zum festen Bestandteil der Stadtentwicklung geworden. Unter anderem gehe es darum, "neue (großflächige) Einzelhandelsvorhaben zentrenverträglich in das Stadtgebiet zu integrieren", heißt es auf der Website der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die Berliner und die zahlreichen Touristen wüssten "erlebnisreiche Orte des Einkaufs" zu schätzen, diese stünden für "funktionierende Nahversorgungsstrukturen".

Manche Anwohner befürchten Gentrifizierung

Die Anwohner in Moabit scheinen das so  ähnlich zu sehen. "Ich finde alle Läden toll", sagte eine junge Frau am Donnerstag dem rbb. "Allgemein ist es schön, endlich mal ein Center zu haben." Einige der Moabiter sind aber auch skeptisch: sie fürchten Lärm und Abgase durch den Lieferverkehr. Außerdem glauben sie, dass bestehende Kiez-Strukturen dadurch verdrängt und der traditionelle Einzelhandel leiden könnte.

Auch beim Handelsverband Berlin-Brandenburg will man diese Gefahr nicht ganz von der Hand weisen - doch große Einkaufszentren wie jetzt an der Turmstraße würden "nicht zwingend zur Verdrängung kleinerer Läden führen", sagt Verbandsreferent Haverkamp. Beispiele wie die Neukölln-Arcaden zeigten, dass Shopping-Malls auch viele neue Kunden anlocken. "Der Handel drumherum kann von diesen Kunden profitieren."

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 19.

    Früher gab es im Westteil von Berlin in jedem Bezirk genügend Einzelhändler/ Fachhändler mit ihren Warenangeboten, da mußte man nicht einmal von einem zum anderen Bezirk um Einkaufen zu gehen. Aber die Menschen lieben auch große Kaufhäuser( siehe Karstadt am Hermannplatz ). Die Malls sind ein Zeichen der Moderne und der heutigen Zeit entsprechend. Klar ist, auch ich wünsche mir all diese schönen kl. Läden zurück mit persönlicher Beratung und gutem Service.

  2. 18.

    Da wohnt doch gar keine Klientel oder wird in diese Mall Woolworth und Domäne einziehen? Der Herthie war doch schon eine Rumpelkammer und hat dann geschlossen. Die Gegend ist es nicht wert.

  3. 17.

    Naja.. das La Mandria hat sich auch noch gehalten, toi toi toi.
    Ich finde auch, dass die Turmstraße früher alles hatte. Ich bin dort nie weggezogen und kann deswegen mit Freuden sagen.. das S-Quartier ist vielleicht nicht das Schönste Gebäude überhaupt, aber immerhin haben wir jetzt wieder ein Woolworth in der Turmstraße. =^.^=

  4. 16.

    Ich glaube, wir sehen das die Ästhetik betreffend, in Nuancen anders. Was das Vermögen heutiger Architekten angeht, bin ich ehrlicherweise zwiegespalten: Bei derartigen Bauten, wo ältere, zeugnisgebendere in Nachbarschaft sind, sind Architekten in gewissem Maße die Hände gebunden. Schaue ich mir viele Architekturzeugnisse der heutigen Zeit an, erfahre und empfinde ich sie von menschlichen Gefühlen weiter entfernt als Erde und Mond.

    Im Prinzip fehlt eine "bodenständige" Architektur, die allerdings nicht gähnt vor Langeweile, sondern Akzente setzt, ohne überdreht zu sein. Das scheint mir in der Polarität der Auffassungen unterzugehen.

    Hier befindet sich Beides auf Tuchfühlung nebeneinander. Wie zwei Welten, die nicht zueinander wollen. Dafür gibt es dann im Inneren eine Einheit - Die weltweit einheitl. Gestaltung von Einkaufszentren und Malls, begleitet von Tiefenpsychologen, wo des verkaufsgängigen Anhalts wegen welche Längs- und Querlinie gesetzt wird,

  5. 15.

    Schade,

    was hätte man alles mit der zur Verfügung stehenden Fläche anfangen können. Berlin platzt aus allen Nähten...und das gemeine Volk der Konsum-Lemminge freut sich über eine neue Mall. Super. Wenn man drin ist weiß man nicht mal mehr, ob man sich in Steglitz, Marzahn, Spandau oder eben Moabit befindet. Und DAS soll das Ergebnis "moderner" Städteplanung sein? Ein Armutszeugnis.

  6. 14.

    Sind die einzige Alternative zu Baracken wirklich genormte Versorgungszentren? Ihre Einschaetzung des Hinkuckers teile ich: Trotz aller anderen Malls konnte ich nicht fassen, was fuer ein oeder Klotz auch das wieder geworden ist.

  7. 13.

    Wie kann man etwas gegen diese Mall haben, wenn man sich vor Augen führt, dass dort vorher nur Baracken standen? Außerdem ist damit das historische Schultheiss-Gelände bis ins Detail aufwendig renoviert und restauriert worden. Wirklich ein Hingucker!

  8. 12.

    Naja, das frühere Hertie auf der anderen Straßenecke war auch kein schöneres Gebäude :-) Schlimm, dass seit den 60ern nur so Einheitsbrei rauskommt, architektonisch... sieht alles aus wie überall auf der Welt, austauschbar.

  9. 11.

    Na nicht ganz so... Architekten würden gerne mehr. Das geht aber nicht, weil die Gestaltungssatzungen und so weiter der Städte und Kommunen dermaßen streng sind, dass nur noch Einheitsmüll rauskommen kann. Und dann kommt noch hinzu bei altehrwürdigen denkmalgeschützten Gebäuden, dass die zuständigen Aktenaufseher in den Denkmalämtern sich auch gerne selber ein Denkmal setzen mit sonstwas von unpraktikablen Forderungen. Ja und schon haben wir noch eine Mall im Metropolen-Einheitslook wie überall auf dieser Welt.

  10. 10.

    In diesem Punkt stimme ich Ihnen zweifellos zu:
    Die Eck-Architektur ist an Langeweile nicht mehr zu überbieten. Gleich, wer sie aus welchen Gründen baut.
    Bei einer gerade in Berlin recht engen Auffassung des Denkmalschutzes könnte ich mir allerdings auch vorstellen, dass es fast schon eine Auflage war, dass das Gebäude als Nachbar des Schultheiß-Brauerei-Gebäudes absichtlich ästhetisch abfallen muss, um nicht mit dem Schultheiß-Gebäude zu konkurrieren.

    In meinen Augen ist das ein Abgesang auf die Gestaltungsfähigkeit der heutigen Architekten. Darin sind bzw. wären auch selber verstrickt.

  11. 9.

    Wenn man von einer neuen Mall hört, dann weiß man, dass man da dann einen großen Bogen drum machen muss, weil immer die gleichen Marken/Geschäfte sich darin befinden . Das ist echt schon mehr als langweilig. Außerdem weiß jeder, dass dort die Preise besonders hoch sind, weil die Mieten enorm hoch sind. Hauptsache Mall, dann kann der vorher funktionierende Einzelhandelsmix der kleinen Händler drumrum eben den Bach runtergehen. Malls zerstören funktionierende Infrastruktur.

  12. 8.

    Also die Karte ist auch nicht mehr die aktuellste... Da ist ein Zentrum als Mall betitelt was definitiv keine Mall mehr ist und mindestens 1 Center drauf was bereits abgerissen ist...

  13. 7.

    Moabit hatte (!)alles. Eine funktionierende Markthalle, kleine Filialen von EH-Ketten (Drospa...) und ein Hertie an der Hauptkreuzung. Viel kleine Gastronomie. Überlebt hat dort nur mein Lieblingsgrieche...
    Der "Totengräber" von Hertie/Karstadt ist unterdessen Freigänger und Krankenpfleger. Er hat nicht eine Kaufhauskette in den Ruin getrieben, sondern ganze Stadtviertel platt gemacht - wo du nix kaufen kannst, wohnste nicht. Nie wäre ich in den Neunzigern auf die Idee gekommen, für sagen wir mal Haushaltswaren in die Stadt zu fahren oder das zu müssen! Spritsparend zu Fuß im Kiez gekauft. Lebensmittel und Feinkost? Markthalle. Kleidung? Hertie. Essen gehen, ein Bierchen? Ums Eck. Maximal ein Fahrrad brauchte man.
    Nur zur Arbeit musste man raus. U-Bahn.
    Unglaublich, oder? Heutige Zukunftsvisionen waren damals Realität...

  14. 6.

    Die T-Shirt-Aufdrucke bringen es auf den Punkt: Egal, wo Du auf der Welt bist, Du kannst in geklonten Gebaueden von immer denselben Firmen die immer gleichen Waren kaufen. Und das Volk ist begeistert mittenmang. - Wer haette das gedacht: Knapp 30 Jahre nach dem Ende der DDR kommt nun endlich die neue, echte Einheitsgesellschaft! Den Shopping-Rausch in seinem Lauf halten weder Rote noch Gruene auf. Hurra!

  15. 5.

    @1: Interessanter Hinweis, vielen Dank: Tatsaechlich war lt wikipedia Harald Huth auch der Investor der Mall of Berlin, sieht die Verantwortung fuer die Lohnschulden aber bei den Subunternehmern.

  16. 4.

    So was Häßliches hat man in Potsdam gerade abgerissen...Egal wie Sch... es aussieht, Hauptsache nichts aus dem Osten.
    Na ja, für Berlin reicht's. Wohnungen sind ja auch nicht so wichtig...

  17. 3.

    In den 1960ern bis 1980ern das schnöde Einkaufs-Zentrum mitsamt riesiger Kfz-Stellplatzflächen im Nirgendwo, in den 1990ern bis 2000er Jahren die Center, die der Innenstadt näher liegen und doch ihren chamäleonhaften Charakter nicht verbergen können - ein vermehrter Zustrom von außen, doch eine Plattdrücken der einheimischen kleinen Läden nach innen - und jetzt die so bezeichneten Malls. Von den Centern unterscheiden sie sich eigentlich nur im Namen. Im Grunde eine Sache des Marketings.

    Dass das Schultheiß-Gelände nicht mehr brachliegt, kann ich nur begrüßen. Dass Moabit nicht die letzte oder vorletzte "Adresse" ist, auch. Etwas mehr Durchmischung sollte schon sein. Doch dass die "Mall" eher öffnet, bevor ein anständiger Nahverkehrsanschluss da ist, ist genau so, wie dass das Potsdamer Stern-Center aufgemacht hat, bevor der fußläufige Brückenanschluss an das benachbarte Wohngebiet fertig war. Hauptsache, die Stellplatzflächen waren freigegeben.

  18. 2.

    Ich geh mal davon aus das auch dort nur derselbe Mist vorhanden ist wie in den andern Einkaufszentren. Klamoten, Schuhe, Parfüm, Essen.

    Natürlich vorwiegend für Frauen. Mediamarkt mal ausgenommen. Gibt es Alltagsbedarf ? Normale Kleidung oder nur überteuerte Markenklamoten ohne Qualität ? Das was früher Kaufhäuser ausmachte. Vermutlich nicht. Ach ja Buchladen ? Oder nur Zeitungen für funktionale Analphabeten. Bildleser und Chat-Junkies.

    Ich werde mal reinschauen wenn ich Montags in Moabit bin.

  19. 1.

    Bleibt nur zu hoffen, dass alle Handwerker auch Ihr Geld bekommen haben. Zu denen zählen auch alle Subunternehmer, die auf der Baustelle gearbeitet haben.


    Ich kann mich erinnern, dass einige Arbeiter aus Osteuropa die mit am " Mall of Berlin " gearbeitet haben, lange auf Ihr Geld warten mussten, wenn die es überhaupt bekommen haben.

    Letztendlich ist immer der Bauherr dafür verantwortlich, dass die Menschen Ihr Geld bekommen, die dort gearbeitet haben. Zuviel wie ich weiß, soll es der Selbe Investor sein. Solange die Arbeiter Ihr Geld nicht bekommen haben, werde ich diese Mall´s nicht aufsuchen, um dort einzukaufen.

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