Leerer Schalter von Ryanair am Flughafen Barajas am 10.08.2018 (Quelle: Paul White/AP)
Bild: AP/Paul White

Tarifkonflikt über bessere Bezahlung - Ryanair-Piloten streiken

Dutzende Ryanair-Flüge ab Berlin und Hunderte in ganz Europa sind am Freitag ausgefallen. Die Piloten fordern eine bessere Bezahlung durch die Billigairline. Rund 55.000 Passagiere waren von dem 24-Stunden-Streik betroffen.  

Der Pilotenstreik bei Ryanair hat am Freitag zu zahlreichen Flugausfälle geführt. Die Fluggesellschaft strich europaweit rund 400 von etwa 2.400 geplanten Flügen. Am frühen Samstagmorgen beendeten die Piloten die Maßnahme wie geplant.

Schwerpunkt des Ausstands war Deutschland mit 250 abgesagten Verbindungen und 42.000 betroffenen Passagieren. Am Flughafen Schönefeld (Dahme-Spreewald) wurden 32 von 48 Verbindungen gestrichen. Auch Tegel war betroffen: Dort wurden vier von zehn Flügen gestrichen, die die irische Fluggesellschaft für Laudamotion übernimmt.

Tausende mussten umorganisieren

Eine rbb-Reporterin sprach von einer ruhigen Lage am Flughafen Schönefeld. Das Unternehmen hatte seine Kunden bereits vor zwei Tagen über den geplanten Streik informiert. Es wird geschätzt, dass rund 8.000 Berliner und Brandenburger ihre Flüge umbuchen oder stornieren mussten.

Der Arbeitskampf begann am Freitag um 3:01 Uhr und endete am Samstag um 2:59 Uhr. Wichtige deutsche Ryanair-Basen sind neben Berlin-Schönefeld auch Frankfurt (Main), Weeze und der Hunsrück-Flughafen Hahn.

Erst sei 2017 werden Gewerkschaften anerkannt

Mit ihrem 24-Stunden-Ausstand wollen die Piloten den Billigflieger dazu bringen, einen Tarifvertrag zu vereinbaren. Ryanair sieht sich seit längerem Vorwürfen ausgesetzt, seine Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Billigfluggesellschaften. Erst im vergangenen Jahr hatte sich die Airline nach langem Druck grundsätzlich bereit erklärt, Gewerkschaften anzuerkennen.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die Vereinigung Cockpit (VC) will bei der Airline erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht zum Vergleich Konkurrenten heran. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten, die über dem Niveau von Eurowings oder Norwegian lägen. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.

Die deutschen Ryanair-Piloten hatten mit  "überwältigender Mehrheit" für Arbeitsniederlegungen gestimmt.

Streiks auch in anderen Ländern

Auch in Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden legten Piloten am Freitag ihre Arbeit nieder, um bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten. Vor zwei Wochen hatten bereits Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen.

Unter den europäischen Piloten hatten zuvor einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt. Ein Warnstreik der VC in Deutschland war im vergangenen Dezember ohne Flugausfälle geblieben, weil Ryanair ausreichend Ersatzpiloten mobilisieren konnte.

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