Flugzeuge der Fluggesellschaft Air Berlin stehen im Oktober 2016 am Flughafen BER (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Video: Abendschau | 15.08.2018 | Martin Küper | Bild: dpa

FBB-Chef Lütke Daldrup - Berliner Flughäfen haben Air-Berlin-Lücke geschlossen

An einem der größten Hangars auf dem Gelände des BER prangt nach wie vor das Logo der abgewickelten Air Berlin. Schaut man durch die Scheiben der zentralen Abflughalle, sieht man den Schriftzug ebenso in mehrfacher Ausführung, meist eingewickelt in Plastikfolie. 2012 wollte Air Berlin am BER ein neues Drehkreuz einrichten. Für den Flughafen sollte die Airline zum größten Kunden werden.

Erst verschob sich jedoch die gemeinsame Zukunft beider Unternehmen ins Ungewisse, als 2012 die BER-Eröffnung platzte. Mit der Insolvenz von Air Berlin verlor der immer noch nicht eröffnete BER schließlich seinen größten, als sicher gesetzten Kunden. Von der Lücke, die die Airline nach Einstellung des Flugbetriebs an den Berliner Flughäfen hinterlassen hatte, sei mittlerweile jedoch nichts mehr spürbar, sagte BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup dem rbb.

"Wenn man heute zurückschaut, hatten wir im Jahr 2017 mehr Verkehr als im Jahr 2016. Wir hatten im ersten Halbjahr etwas weniger Verkehr. Wir werden im gesamten Jahr wahrscheinlich sogar das 2017-Ergebnis übertreffen", sagte er der rbb-Abendschau. "Wenn Sie sich vorstellen, dass wir einen Kunden verloren haben, der 30 Prozent unseres Marktes bedient hat, haben wir die Krise sehr gut überstanden."

Lütke Daldrup hält Übergangskredit für richtig

Von der Pleite habe er schon Tage vor der öffentlichen Bekanntgabe erfahren, so Lütke Daldrup. "Ich habe von der Insolvenz erfahren, indem mich dann an dem Wochenende der Anruf der Air-Berlin-Spitze erreichte. Wir standen ja in engem Kontakt." Er habe zwar um die Probleme gewusst, mit der die Airline kämpfe. "Wir hatten allerdings nicht erwartet, dass es so schnell zu einer Insolvenz kommen würde. Das traf alle überraschend."

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (Quelle: ZB/Bernd Settnik)

Am 11. August 2017 hatte der Großaktionär Etihad angekündigt, anders als zuvor zugesagt, Air Berlin keine finanzielle Unterstützung mehr zukommen zu lassen. Am darauf folgenden Dienstag meldete Air Berlin Insolvenz an. Dass die Bundesregierung für einen Übergangskredit bei der Kreditantstalt für Wiederaufbau (KfW) gebürgt habe, habe einen "geordneten Übergang" ermöglicht, sagte Lütke Daldrup.

Air Berlin machte FBB für Millionenverluste verantwortlich

Air Berlin und die FBB lagen lange Zeit miteinander im Streit. Das Managment der Fluglinie, insbesondere während der Führung durch Hartmut Mehdorn, warf den Flughafenbetreibern nach der vermasselten Eröffnung im Juni 2012 vor, millionenschwere Verluste bei Air Berlin verursacht zu haben.

Anfang 2014 - da war Mehdorn bereits Chef des BER - kündigte Air Berlin deshalb an, die FBB auf Schadenerstatz in Höhe von 48 Millionen Euro zu verklagen. Im Juni des gleichen Jahres bezweifelte ein Gericht allerdings, dass es zwischen beiden Parteien einen Vertrag gegeben habe und drängte auf einen außergerichtlichen Vergleich. Die "Bild"-Zeitung berichtrete damals, Air Berlin habe eine Entschädigung von 1,8 Millionen Euro erhalten.

Sendung: Inforadio, 15.08.2018, 07:05 Uhr

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