Hauptverwaltung von Siemens am Siemensdamm im Bezirk Spandau (Quelle: dpa/Kumm)
Video: rbb aktuell | 02.08.2018 | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Konzern plant Forschungscampus in Spandau - Bürgermeister Müller schaltet sich in Gespräche mit Siemens ein

Siemens will 500 bis 600 Millionen Euro in einen neuen Forschungscampus investieren - wahrscheinlich in Berlin-Spandau, aber das hängt auch vom Entgegenkommen des Senats ab. Nun hat sich der Regierende Bürgermeister eingeschaltet. Höchste Zeit, heißt es aus der Opposition.

Der Technologiekonzern Siemens will auf dem traditionsreichen Gelände in Spandau 500 bis 600 Millionen Euro in einen Innovationscampus investieren. Der größte private Arbeitgeber Berlins stellt dafür Bedingungen: "Es muss dafür aber auf höchster Ebene Dialogbereitschaft geben", sagte ein Konzernsprecher der "Berliner Zeitung" am Mittwoch. Nun will sich Michael Müller persönlich der Sache annehmen - am 8. August soll es Gespräche zwischen ihm und Mitgliedern des Siemens-Vorstandes geben.

Die Pläne waren bereits vergangene Woche bekannt geworden. Aus Unternehmenskreisen hatte es geheißen, das Projekt könnte auch international ausgeschrieben werden. Ob Berlin dabei den Zuschlag erhalte, sei fraglich. Nach Informationen von "Bloomberg" sei das Unternehmen sogar drauf und dran, sich für eine andere Metropole zu entscheiden. Der Berliner Senat habe bisher nicht besonders viel Interesse an Siemens' Projekt gezeigt, zitiert das Wirtschaftsmedium eine mit den Vorgängen vertraute Quelle aus dem Konzern.

Opposition: Siemens muss Chefsache sein

Doch die Entscheidung für einen anderen Standort will Berlins Regierungschef Müller (SPD) nun offenbar verhindern. "Es ist klar, dass sich der Regierende Bürgermeister zu gegebener Zeit in diese Gespräche einschalten wird", sagte die stellvertretende Senatssprecherin Kathi Seefeld am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presseagentur.

Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte den Senat am Mittwoch aufgefordert, die Initiative zu ergreifen und auf den Konzern zuzugehen. Müller müsse in Abstimmung mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) schnellstmöglich eine Einladung aussprechen, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Christian Gräff. "Siemens muss Chefsache mit Dringlichkeit sein." Der FDP-Wirtschaftsexperte Stefan Förster riet Müller dazu, "frühere Differenzen mit der Geschäftsleitung zu überwinden und sich mit Siemens an einen Tisch zu setzen".

Er spielt damit auf Müllers Kritik am Abbau von 900 Arbeitsplätzen in Berlin an. Seitdem ist das Verhältnis zwischen der Siemens-Geschäftsführung und dem Berliner Senat schwierig. Dazu kommt: Der Senat und das Bezirksamt Mitte lehnten im Juli die Pläne von Siemens ab, dessen Berliner Repräsentanz in einem denkmalgeschützten Ensemble gegenüber der Museumsinsel zu bauen.

IHK unterstützt geplantes Engagement

Die Grünen-Politikerin Pop hatte die Idee eines Zukunftscampus' bereits am Freitag befürwortet. Dem rbb sagte sie: "Berlin ist ein starker Innovationsstandort. Gerade in der Verbindung von Industrie und Digitalisierung hat Berlin unheimlich viel zu bieten. Und deswegen ist Berlin auch der richtige Ort für diesen Siemens-Zukunftscampus." Die Senatskanzlei wies darauf hin, dass die Staatssekretäre Steffen Krach und Christian Rickerts in den vergangenen Monaten erste konzeptionelle Gespräche mit Siemens über den Campus geführt hätten. Über die genauere Ausgestaltung werde in den kommenden Wochen mit beteiligten Akteuren aus Senat, Wirtschaft und Wissenschaft "konstruktiv beraten", hieß es.

Auch die IHK drängt den Senat zur Initiative. Der Innovationscampus wäre laut der IHK-Präsidentin Beatrice Kramm "für den Wirtschaftsstandort Berlin ein Impuls von großer Tragweite". Der Senat solle deshalb "aktiv den Austausch mit Siemens suchen und ein starkes Signal an das Unternehmen senden". Der wirtschaftliche Erfolg Berlins sei auf einen zukunftsorientierten Industriekern angewiesen.

"Konstruktive Handhabung" des Denkmalschutzes

Falls sich Siemens für Berlin entscheidet, soll der Zukunftscampus am Stammsitz des Konzerns in Spandau entstehen, also in Siemensstadt. Hier arbeiten heute 11.700 Mitarbeiter, der größte Standort in Deutschland. Die Konzernzentrale befindet sich in München.

Nach einem Konzeptentwurf sollen in Spandau auf knapp einem Quadratkilometer Büros, Forschungslabors, Hightech-Produktionsanlagen, ein Hotel, eine Schule und Einzelhandel untergebracht werden. Geplant ist, Start-up-Firmen auf dem Gelände anzusiedeln, außerdem soll es dort Mietwohnungen geben.

Dafür fordert die Unternehmensführung vom Senat unter anderem eine "konstruktive Handhabung" des Denkmalschutzes, schnelles Internet und eine moderne Verkehrsinfrastruktur an dem neuen Standort. Gerade die Verbindung zum künftigen Hauptstadtflughafen BER müsse verbessert werden, nachdem Tegel geschlossen sei.

Sendung:  Inforadio, 02.08.2018, 06:35 Uhr

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Früher gab es auch nicht soooo die Globalisierung wie sie heute ist. Oder macht Siemens den meisten Umsatz in Deutschland? Wenn Deutschland bei Unternehmen nicht mehr lukrativ ist, wandern sie ab, so oder so. Da braucht der Hr. Müller gar nicht antanzen und Männchen machen.

  2. 9.

    Früher war Siemens mal ein Top-Arbeitgeber- aber in den letzten Jahrzehnten hört man doch nur von Stellenabbau und Umstrukturierung. Soll jetzt Tegel offen bleiben, damit Siemens sein Gelände teuer vermietet und die 500 Arbeitsplätze entstehen in der Start-up-Szene, die für ihre schlechten Arbeitsbedingungen und ihre Kurzatmigkeit bekannt ist??

  3. 8.

    Heute durch Josef Käser aus Niederbayern, gemeinhin als Joe Kaeser amerikanisiert, bekannt gegeben, dass es nur noch 3 Bereiche geben wird( "Digital Industries" mit Sitz in Nürnberg, "Smart Infrastructure" mit Sitz in Zug in der Schweiz und Energie mit Sitz im texanischen Houston"). Der Hauptanteil geht ans Ausland, make Siemens great again natürlich die USA, wo schon Kleinfeld brillierte...
    Was genau soll da ein "Zukunftscampus" in Berlin? Wo bitte? Berlin?

    Anstelle etwas zu lernen oder gar zu können, sich auf Werte zu konzentrieren, eiert man weiter rum, organisiert so lange rum, bis jeder Mitarbeiter schon einmal in jedem Geschäftszweig angesiedelt war - obwohl er seit 30 Jahren das gleiche macht... und am Schluss gehts immer weiter bergab und in voller Fahrt in den Graben - wir erinnern uns noch an den Mobile-Hype, der die Handysparte zu BenQ machte, um sie dann zu schließen.

    Macht weiter so. Nur zu.
    Das Ende ist greifbar nahe...

  4. 7.

    Müller hatte sich auch beim BER eingeschaltet
    hat doch viel gebracht----also jetzt bei Siemens

  5. 6.

    Da hat man einen Stadtteil, der seit je her den Namen der Firma trägt, da hat man herausragende Bauten von (mindestens) europäischem Rang, darunter mit dem Schaltwerkhochhaus das erste Fabrikhochhaus auf dem Kontinent, da hätte man sogar eine eigene Bahnstrecke, auf der man (auch) eigene Produkte vorführen könnte - und den Herrschaften fällt vor allem ein, den Denkmalschutz "konstruktiv zu handhaben", was im PR-Schwatz heißt "auszuhebeln"?

    Das ist wohl modernes Management (die Siemens-Ahnen, die gute Architektur auch zur Selbstdarstellung nutzten, drehen sich im Grabe um).

  6. 5.

    Wenn Siemens endlich die Zentrale wieder nach Berlin, den Gründungsstandort, verlegt, und wenn es ein Abkommen mit der IGM/den Arbeitnehmervertretern gibt, dass keine weiteren Werksschließungen, Verkäufe, Umwandlungen Berlin betreffen werden, könnte man sich dafür einsetzen. Auch, wenn Tegel dafür offen bleibt. Leider ist die Verelendung in Siemensstadt bereits weit vorangeschritten, der Kiez stirbt. Die vorhanden Hotels und Einzelhandel werden durch die Siemens-Pläne weiter geschwächt.
    Silicon Valley ist nicht geplant entstanden, nicht durch Zugeständnisse, Geschenke, Subventionen - durch Hirn und Innovationsgeist ist es freiwillig entstanden. Ohne Senatens.
    Das wird genauso ein totes Ding wie das Projekt "ZN 2000" in Siemensstadt, die Öffnung der Betriebsgelände für Fremde. Wie den Ersatz der Siemensianer durch Osteuropäische Leihkräfte.
    Am Schluss bleibt die Zentrale weiter in München und in Berlin hocken Leiharbeiter in Neubauten, wo einst denkmalgeschützte Gebäude standen.

  7. 4.

    .......na dann kann ja gar nichts mehr schief gehen ( !? ) wenn sich Herr Müller persönlich kümmert , ODER ?!

  8. 3.

    Sicherlich entsprechende Genehmigungen und Infrastruktur. Der Industriestandort Berlin stirbt, wenn weiter die Werke (nicht nur Siemens) geschlossen werden. Es können nicht alle nur im Handel und Dienstleistungen arbeiten.
    Berlin ist mit Siemens bisher nicht schlecht gefahren. Es tut gut daran, sich um seine Unternehmen zu kümmern.

  9. 2.

    DIe Berliner Zeitung liefert mehr Infos (s. obiger Link). Zum einen erweitertes Baurecht aka gelockerter Denkmalsschutz. Und (Nicht)Schließung Tegel ist wohl auch ein Grund.

  10. 1.

    Und was verlangt Siemens von Senat. Geld? Reaktivierung der Siemensbahn?

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