Eine Filiale der Postbank in Berlin hinter Gitter (Quelle: imago /Steinach).
Video: Brandenburg Aktuell | 18.09.2018 | Katja Geulen | Bild: imago stock&people

Zweigstellen schwinden in Brandenburg - Wenn die nächste Bankfiliale 20 Kilometer weit weg ist

Aus fünf mach zwei: Den Angermündern gehen die Banken aus. Für ihre Bankgeschäfte müssen manche Bewohner jetzt ziemlich weit fahren. Und sie sind damit in Brandenburg bei weitem nicht allein. Von Felix Klein und Nick Holdorff

Die nächste Bank verlässt Angermünde und die Einwohner sind empört. Seit September gibt es nur noch zwei Banken in der Kleinstadt mit 14.000 Einwohnern. Schon seit 2016 finden Angermünder Commerzbank-Kunden in ihrer ehemaligen Filiale nur noch einen Geldautomaten. Davor ging bereits die Deutsche Bank. Vor drei Wochen schloss auch noch die Zweigstelle der Postbank.

Die Kunden der Postbank müssen nun 20 Kilometer in das benachbarte Schwedt fahren, um zur nächsten Filiale zu gelangen. Gerade ältere Menschen haben damit Probleme und das Angermünder Durchschnittsalter ist deutlich über dem Bundesschnitt. Der Unmut über die Filialschließung ist groß. Einige Angermünder nutzen zwar Onlinebanking, doch gerade die Rentner wünschen sich persönliche Beratung. "Man spricht von Digitalisierung und weiß ich was alles, aber Internet, das wollen wir nicht, wir wollen die Beratung da, wo wir wohnen", ärgert sich eine 80-jährige Angermünderin.

Postbank will bundesweit jede zehnte Filiale schließen

Wie der Kleinstadt in der Uckermark ergeht es vielen deutschen Kommunen: Überall werden Bankfilialen geschlossen. Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 1.900 Bankfilialen dicht gemacht, etwa sechs Prozent aller Zweigstellen. Die Postbank will deutschlandweit bis zum Ende des Jahres über 100 Filialen schließen, etwa jede zehnte. Auch die Zahl der Filialen der Berliner Volksbank sinkt. Allein von Januar 2016 bis April 2018 wurden 40 Filialen in Berlin und Brandenburg geschlossen. Nach Angaben der Bundesbank sind der Kostendruck sowie der Trend zum Online-Banking die Ursachen dafür, dass es immer weniger Filialen gibt.

Auch eine Sprecherin des Genossenschaftsverbands sagt auf Anfrage von rbb|24: "Da Online- und Mobile Banking beliebter werden, nehmen Kundinnen und Kunden in den Bankfilialen seltener als früher einfache Dienstleistungen wie die Erstellung von Überweisungen oder Daueraufträgen in Anspruch." Der Genossenschaftsverband vertritt die brandenburgischen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Mehr als 60 Prozent der Kunden nutzten bereits Onlinebanking, so die Sprecherin.

Betroffen ist vor allem der ländliche Raum

Auch bei den Genossenschaftsbanken kam es in den vergangenen Jahren zu Filialschließungen. 2013 hatten die elf Brandenburger Mitgliedsbanken des Genossenschaftsverbandes zusammen noch 149 Filialen. Ende 2017 waren es noch 128 - ein Rückgang um 14 Prozent. Dennoch werden weiterhin mehr als 30 Prozent aller Bankfilialen von Genossenschaftsbanken betrieben. Die Schließungen betreffen im ähnlichen Maße Sparkassen sowie Privatbanken. 2016 kündigte die Deutsche Bank an, 188 ihrer 723 Filialen in Deutschland schließen zu wollen.

Wenn Bankfilialen geschlossen werden, trifft das besonders Menschen im ländlichen Raum. Hier sind die Wege zur nächstgelegenen Filialen länger und die öffentlichen Verkehrsmittel schlechter ausgebaut. Während die Banken auf die Möglichkeiten des Online-Bankings verweisen, fühlen sich viele Menschen trotzdem nicht ausreichend versorgt. Teile der alternden Bevölkerung Brandenburgs haben gar keinen Zugang zum Internet. Zudem ist vielen Kunden der persönliche Kontakt lieber. Bei beratungsintensiven Dienstleistungen wie einer Baufinanzierung bevorzugen viele Kunden das persönliche Gespräch mit ihrem Bankberater - in der Filiale vor Ort.

Bank-Busse als fahrbare Zweigstelle

Eine kreative Lösung hat die Mittelbrandenburgische Sparkasse gefunden. Sie betreibt zwei Busse, die regelmäßig kleinere Ortschaften in Brandenburg aufsucht. Das Innenleben des gepanzerten Busses ist ähnlich wie ein konventioneller Bankschalter aufgebaut. Es gibt einen Schalter samt Glasscheibe sowie einen Arbeitsplatz für den Bankangestellten. Hier können die Kunden unter anderem Bargeld abheben oder Überweisungsträger einwerfen. Auch die Berliner Volksbank betreibt mittlerweile eine solche fahrbare Zweigstelle, die elf Brandenburger Orte ansteuert.

Einen ganz anderen Lösungsansatz verfolgt die Sparda-Bank in Frankfurt (Oder). Die Bank vermietet einen Teil der Filialfläche als Coworking-Areal an Freiberufler und Gründer – und spart so Mietkosten ein.

In Angermünde bleibt den Postbank-Kunden immerhin ein Trost: Die Postdienstleistungen übernimmt jetzt der benachbarte Spielzeugladen.

Der Text entstand im Rahmen der rbb-Sommerakademie 2018.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 18.09.2018, 19.30 Uhr

Beitrag von Felix Klein und Nick Holdorff

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