Symbolbild - Eine Frau sitzt im Büro vor einem Computer (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Video: rbb|24 | 28.09.2018 | 17 Uhr | Bild: dpa/Patrick Pleul

Unter 80.000 Personen in Brandenburg - So wenige Arbeitslose wie seit 27 Jahren nicht

Zu Herbstbeginn ist die Zahl der Arbeitslosen in der Region zurückgegangen. In Brandenburg waren erstmals seit 27 Jahren weniger als 80.000 Personen gemeldet. Berlin muss sich dagegen mit einem Beinahe-Rekord zufrieden geben.

In Berlin und Brandenburg ist die Zahl der Arbeitslosen im September gesunken.

In der Hauptstadt waren im September 152.555 Menschen als erwerbslos registriert, wie die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit am Freitag mitteilte. Das sind 6.069 weniger als im August und 12.803 weniger als im September 2017. Damit sank die Arbeitslosenquote auf 7,9 Prozent - zum zweiten Mal seit dem Mauerfall. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote bei 8,7 Prozent. Es gab im September in Berlin auch mehr offene Stellen. Gemeldet waren 25.872 freie Arbeitsplätze, 1.286 mehr als ein Jahr zuvor.

Quote in Brandenburg: 5,9 Prozent

In Brandenburg waren erstmals seit 27 Jahren in einem September weniger als 80.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Mit einem Rückgang von 3.390 auf 78.902 sank die Arbeitslosenzahl nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verglichen mit August deutlich. Die Quote ging um 0,3 Prozentpunkte zurück und liegt nun bei 5,9 Prozent. Das waren 0,6 Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. 

Damit ist der Wert nach Angaben der Brandenburgischen Staatskanzlei erstmals seit der Wende unter die 6-Prozent-Marke gefallen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einer "guten Nachricht für das ganze Land". Wenige Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit zeigten die neuesten Arbeitsmarktzahlen exemplarisch, wie stark und erfolgreich sich Brandenburg in den vergangenen Jahren entwickelt habe, erklärte Woidke.

Arbeitsministerin Susanna Karawanskij (Linke) hingegen warnt, die gute Entwicklung der Arbeitsmarktzahlen dürfe nicht den Blick auf notwendige Verbesserung trüben. "Viele Menschen haben nur befristete Arbeitsverträge oder befinden sich unfreiwillig in Teilzeitarbeit." Zudem sei der Niedriglohnsektor zu groß, gleiche Bezahlung in Ost und West weiterhin kein Standard und die Tarifbindung gehe zurück.

Positive Prognose

Rechnet man allerdings laut Bundesagentur zu den Arbeitslosen die Frauen und Männer in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie etwa Weiterbildungen sowie kurzzeitig Arbeitsunfähige hinzu, läge die Zahl der Arbeitslosen in Brandenburg um rund 30.000 höher. Diese sogenannte Unterbeschäftigung ging im September verglichen mit August nicht so stark zurück wie die offizielle Arbeitslosenzahl.

Insgesamt werde der positive Trend aber anhalten, versicherte Bernd Becking, der Leiter der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Agentur. Das Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent in Berlin wie in Brandenburg schaffe "eine solide Basis für mehr Beschäftigung und für eine sinkende Arbeitslosigkeit". Viele Unternehmen suchten Mitarbeiter. In Berlin und Brandenburg seien 50.000 Stellen frei. In Berlin sei die Zahl der Arbeitslosen innerhalb von drei Jahren um mehr als 37.000 Personen gesunken. 

Bundesweit auf 5 Prozent gesunken

Bundesweit ist die Zahl der Arbeitslosen im September auf 2,256 Millionen Menschen zurückgegangen. Das ist laut Bundesagentur für Arbeit der niedrigste Wert seit dem Jahr 1991. Im Vergleich zum Vormonat nahm die Zahl der Jobsucher um 94.000 ab, im Vorjahresmonat hatte sie noch um 192.000 höher gelegen. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent.

Sendung:  Inforadio, 28.09.2018, 10:00 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 4.

    Pippi Langstrumpf lässt grüßen: 2 x 3 macht 4, Widdewiddewitt und Drei macht Neune! Wir machen uns die Welt, Widdewidde wie sie uns gefällt ... (von Astrid Lindgren)

  2. 3.

    Diese Zahl spiegelt nicht die Realität wider. Arbeit ist das eine. Von seiner Arbeit leben können das andere. Vor gar nicht allzu langer Zeit reichte ein Einkommen um die Miete in einer der vielen Plattenbauwohnungen Potsdams bezahlen zu können. Heute teilen sich oft in Form einer WG mehrere eine dieser Wohnungen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Von passendem Wohnraum in den vielen oft unter belegten und zum Teil Zweck entfremdet genutztem Wohnraum nördlich der Havel in Potsdam ganz zu schweigen.

  3. 2.

    Zum Verständnis der statistischen Prozentsätze möchte ich die §§ 53a Absatz 1 SGB II in Verbindung mit § 16 SGB III sowie den § 53a Absatz 2 SGB II empfehlen. Es dürfte anzunehmen sein, dass die besagten Quoten höher ausfallen dürften, beständen nicht die gesetzlichen Bedingungen bzw. Einschränkungen zur Definition eines Arbeitslosen.

  4. 1.

    Prozentual wie viele Arbeitnehmer/innen in Berlin und Deutschland haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit Tariflöhnen?

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