Untersuchung von Brunnenwasser-Proben durch Lina Remme und Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz (Quelle: VSR/Gerhard Seybert)
Bild: VSR/Gerhard Seybert

Messungen des VSR-Umweltverbandes - Gewässerschutz schlägt Nitratalarm für Bernau und Nauen

Gewässerschutz-Experten haben auf eine hohe Nitrat-Belastung des Brandenburger Grundwassers hingewiesen. Bei Brunnenwasser-Proben, die am 4. Juni in Nauen (Havelland) und am 30. Juli in Bernau (Barnim) entnommen worden waren, lagen die Nitratwerte bei jeder neunten Probe oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter.

Das teilte am Dienstag der VSR Gewässerschutz mit, ein privater Verein mit Sitz in Nordrhein-Westfalen, der sich seit 1981 für den Schutz von Grundwasser und Oberflächengewässern einsetzt und nach eigenen Angaben bundesweit über 30.000 Fördermitglieder hat, zahlreiche davon auch in Brandenburg.

Fast viermal soviel Nitrat wie erlaubt

Bei der diesjährigen Messung in Nauen hätten Grundstückseigentümer insgesamt 46 Wasserproben aus privat genutzten Brunnen zur Verfügung gestellt, sagte VSR-Projektleiter Harald Gülzow am Dienstag rbb|24. Die Proben stammten aus den Bereichen Friesack, Nauen, Brieselang und Ketzin. Mit 184 Milligramm Nitrat pro Liter stammte die am stärksten belastete Probe aus der Ortschaft Paulinenaue. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Nauen (86 Milligramm) und Utershorst (54 Milligramm) fest.

Ähnlich hohe Werte stellten die Gewässerschützer Ende Juli auch in Bernau und Umgebung fest. Dort waren 141 Proben mit Brunnenwasser untersucht worden. An der Spitze lag dabei eine Probe aus Friedenstal, die 198 Milligramm Nitrat pro Liter aufwies - das ist fast das Vierfache des zulässigen Grenzwertes. Zu hohe Werte stellten die Grundwasser-Experten auch in Schönow (74 Milligramm), Birkenhöhe (71 Milligram), Bernau (98 Milligramm) und in Biesenthal (102 Milligramm) fest.

Nitrathaltiges Wasser bedeutet zusätzliche Düngung

Wasser, dass so stark belastet ist, sei zum Trinken nicht mehr geeignet, sagte Gülzow. Bei der Bewässerung von Pflanzen, insbesondere von Nutzpflanzen, müsse bedacht werden, dass das im Wasser enthaltene Nitrat eine zusätzliche Düngung bedeute. "Diese muss in die Berechnung über den Stickstoffbedarf der angebauten Pflanzen miteinbezogen werden", sagte der Diplom-Physiker. Nur so könne eine Überdüngung und eine Nitratanreicherung beispielsweise im Gemüse verhindert werden.

Nach Angaben des VSR Gewässerschutzes trägt die intensive Landwirtschaft in erheblichem Umfang zu den hohen Werten bei. In den vergangenen zehn Jahren habe sie sich immer weiter ausgebreitet, sagte VSR-Projektleiter Gülzow.

Kommunen sollten ökologischen Landbau stärker fördern

Gleichzeitig habe der ökologische Landbau kaum wachsen können, obwohl die Verbraucher verstärkt Produkte aus ökologischem Anbau nachfragten. Daher müssten vor allem die Verpächter handeln. Der VSR-Gewässerschutz rät Gemeinden, Kreisen und Kirchengemeinden dazu, ihre landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaften zu lassen - weil der Bedarf nach Öko-Produklten sonst aus weitern aus EU-Importen gedeckt werden müsse.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Aktuelle Nitratwerte des Trinkwassers in Nauen liegen bei 1,7 mg/l (nachzulesen beim zuständigen Wasserverband WAH).
    Keine Ahnung was der VSR hier gemessen hat. Mir scheint die privaten Gärten werden zu stark gedüngt, oder die eigenen Abwasserleitungen sind undicht und man misst die eigene Sch.....
    Ich lasse mich von dieser Panikmache jedenfalls nicht beeindrucken.

  2. 3.

    @rbb Gut, dass langsam immer mehr Fakten zur zunehmenden Gefährdung unseres Trinkwassers öffentlich werden. Hoffentlich trägt das zu einem Umdenken und tatkräftigem Gewässer- und Grundwasserschutz bei. Bitte dranbleiben an dem Thema - gerne auch mit regionalen Recherchen.

  3. 2.

    Moderne Landwirtschaft hat nur Nachteile.

  4. 1.

    ... das Trinkwasser in Deutschland ist das Beste.... keiner hat die Absicht das Trinkwasser zu vergiften....scheinbar doch..

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