"Ryanair must change" - Transparent der Gewerkschaften Verdi und Cockpit am Flughafen Schönefeld (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.09.2018 | Miriam Keuter | Bild: dpa/Paul Zinken

24-Stunden-Streik - Ryanair-Passagiere kommen nicht weg aus Berlin

Seit Mittwochfrüh befinden sich Piloten und Flugbegleiter der Airline Ryanair im Streik. In der Nacht zu Donnerstag soll der Ausstand zu Ende gehen. Allein in Schönefeld wurden 40 Maschinen gestrichen, auch Tegel ist betroffen.

Die Streiks der Piloten und Flugbegleiter von Ryanair haben an den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel am Mittwoch zu zahlreichen Flugausfällen geführt. Allein in Schönefeld wurden 20 Starts und Landungen abgesagt, fast die Hälfte aller Flugbewegungen bei Ryanair.

Auf dem Flughafen Tegel waren vier Verbindungen der Ryanair-Tochter Laudamotion betroffen, darunter jeweils ein Flug nach Mallorca und Faro. [Aktuelle Informationen bei berlin-airport.de für Schönefeld und Tegel]

Deutschlandweit müssten rund 150 der geplanten 400 Verbindungen gestrichen werden, hatte die Fluggesellschaft am Dienstag angekündigt.

Ein Banner der protestierenden Ryanair-MitarbeiterInnen in Berlin Schönefeld. (Quelle: rbb/Keuter)
"No rights, no flights", sagen die Ryanair-Mitarbeiter. | Bild: rbb/Keuter

Passagiere müssen sich nach Angaben der Flughafengesellschaft in Schönefeld und Tegel bis in die Nacht auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Der Ausstand soll 24 Stunden dauern und erst um 2.59 Uhr in der Nacht zu Donnerstag zu Ende gehen.

Ryanair-Kunden wurden über Ausfälle per Mail informiert

Ein Chaos am Flughafen Schönefeld blieb am Mittwochmorgen allerdings aus, Ryanair hatte betroffene Passagiere im Vorfeld per E-Mail über die Ausfälle informiert. Eine Ryanair-Kundin war trotzdem genervt und berichtete von einer überlasteten Servicehotline der Fluglinie. Und: "Die Kundennummer zu finden, war fast unmöglich", sagte sie.

Mehr als 50 Ryanair-Verbindungen von und nach Schönefeld waren auch vom Streik nicht beeinträchtigt - etwa nach Rom, London, Madrid und Palma. Auch in Tegel hoben viele Maschinen trotz Streik ab.

Ryanair-MitarbeiterInnen beim Verdi-Streik in Berlin Schönefeld. (Quelle: rbb/Keuter)
Rund 25 Mitarbeiter versammelten sich am Mittwoch vor dem Flughafen Schönefeld. | Bild: rbb/Keuter

Gewerkschaften fordern mehr Geld und Tarifvertrag

Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Verdi fordern für die Piloten und Flugbegleiter höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen.

Rund 25 Flugbegleiter versammelten sich am Mittwochvormittag am Flughafen Schönefeld und zogen mit Fahnen und Transparenten durch das Flughafengebäude. Auf einem Banner war "No rights, no flights" zu lesen. Sie forderten damit eine bessere Bezahlung und einen Tarifvertrag. Verdi-Sprecher Andreas Splanemann kritisierte, dass der irische Arbeitgeber "weder deutsches Arbeits- noch Sozialrecht anerkennt und sich davor scheut, in Deutschland einen Tarifvertrag abzuschließen."

"Miese Arbeitsbedingungen bei Ryanair"

"Diejenigen, die streiken, riskieren ihren Arbeitsplatz", sagte Splanemann am Flughafen Berlin-Schönefeld dem rbb. Seit Anfang dieses Jahres sei die Zahl der Verdi-Mitglieder bei Ryanair enorm gestiegen. "Wir erleben hier heute ein Stückchen Sozialgeschichte, denn erstmals hat Verdi bei diesem Unternehmen zum Streik aufgerufen", so Splanemann.

Er hoffe, dass vom 24-Stunden-Streik eine klare Botschaft an die irische Fluggesellschaft ausgeht. Die Beschäftigten seien nicht gewillt, diese "miesen Arbeitsbedingungen bei Ryanair länger hinzunehmen und zu ertragen." Das Unternehmen müsse seine Unternehmensphilosophie ändern, forderte der Gewerkschafter.

Dagegen sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary, die Fluggesellschaft sei den Mitarbeitern bereits in allen wichtigen Punkten entgegengekommen. Das einzige, was man abgelehnt habe, sei die "aberwitzige" Forderung nach höheren Gehältern. Ryanair beharrt darauf, bereits jetzt besser zu zahlen als Mitbewerber. "Wir werden nicht nachgeben", sagte O'Leary. Er rief die Gewerkschaften auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Ryanair soll Mitarbeiter deutlich schlechter bezahlen

Ryanair ist mit rund 430 Flugzeugen, 130 Millionen Passagieren pro Jahr und mehr als 4.000 Piloten der größte Anbieter von innereuropäischen Flügen. Neben Berlin-Schönefeld gehören zu den wichtigen Basen in Deutschland Frankfurt, Weeze und Hahn. Seit diesem Sommer bietet die Airline auch Flüge vom Flughafen Tegel nach Mallorca an.

Die Airline sieht sich seit Längerem Vorwürfen ausgesetzt, ihre Mitarbeiter deutlich schlechter zu bezahlen als andere Fluggesellschaften. Das Unternehmen hatte sich erst im vergangenen Jahr bereiterklärt, Gewerkschaften überhaupt anzuerkennen. Ryanair drohte inzwischen mit einem Stellenabbau in Deutschland für den Fall, dass Piloten und Flugbegleiter erneut die Arbeit niederlegen.

Letzte Streikrunde der Piloten im August

Bereits vor einem Monat waren die Ryanair-Piloten in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Schweden in den Streik getreten. Damals wurden am Flughafen Schönefeld (Dahme-Spreewald) 32 von 48 Verbindungen gestrichen. Am Flughafen Tegel fielen vier von zehn Flügen aus, die die irische Fluggesellschaft für Laudamotion übernimmt. Nach damaligen Schätzungen mussten rund 8.000 Berliner und Brandenburger ihre Flüge umbuchen oder stornieren.

Europaweit waren Anfang August rund 400 von etwa 2.400 geplanten Flügen gestrichen worden. Ein Drittel der Flüge in Deutschland konnte damals stattfinden, weil die Maschinen aus dem nicht bestreikten europäischen Ausland kamen.  

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.09.2018, 10:00 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

25 Kommentare

  1. 25.

    De Kohle bleibt bei O´Leary, die Luftverpestung bleibt in Tegel, Schönefeld und Umgebung. Und die Anwohner sind zu dumm die Gefahr durch die Giftgase zu sehen.

  2. 23.

    Chapeau! und Danke
    Schön zu sehen dass es noch Bürger gibt die wissen was wirtschaftlich in dieser Republik abläuft.
    Unser Wirtschaftssystem funktioniert nur noch weil etwa ein Viertel der in Deutschland Beschäftigten in prekären Arbeitsverhältnissen und für Niedriglöhne arbeitet. Auch die Scheinselbstständigkeit nimmt immer weiter zu. Immer mehr Arbeitgeber drücken sich um die Zahlung von Steuern und Sozialabgaben. Dabei sind diese für einen funktionierenden Staat unerlässlich. Die europäische Politik muss hier endlich einheitliche Rahmenbedingungen schaffen. Steuern und Sozialabgaben müssen an dem Ort erbracht werden wo die Dienstleistung erbracht wird bzw. die Ware verkauft wird. Nur so ist die immer größer werdene Ausbeutung von lohnabhängigen Beschäftigten zu minimieren.

  3. 22.

    "........... in Schönefeld wuden
    40 Maschinen gestrichen....."

    Haben Sie Bilder davon ?

  4. 21.

    Jedes Milchmädchen und jeder Baumschüler müsste sich denken können dass diese niedrigen Flugpreise nichts mit sozialer Marktwirtschaft zu tun haben können.

    Die extrem niedrigen Löhne und Gehälter bei Ryanair und vielen anderen Firmen in Deutschland beuten nicht nur die jeweiligen Arbeitnehmer aus. Sie sorgen auch für geringe Einzahlungen in die Sozialsysteme. Alle sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und Rentner haben dadurch später weniger Rente zur Verfügung. Wer weiter denkt unterstützt solche Geschäftspraktiken nicht.

  5. 20.

    Es wird keiner gezwungen dort zu arbeiten

  6. 19.

    Werte Diskutantin oder werter Diskutant,
    ich möchte Ihnen höflich und respektvoll mitteilen dass sie offensichtlich keine Ahnung haben was sich am deutschen Arbeitsmarkt abspielt.
    Sehr wohl sind viele Arbeitnehmer direkt oder indirekt gezwungen solche Arbeitsverhältnisse einzugehen.
    Nicht alle Menschen haben einen perfekten Lebenslauf und exzellente Zeugnisse. Viele Menschen sind gebunden durch Familie und Wohnort. Nicht alle Menschen sind Tag und Nacht individuell mobil.
    Andere wieder werden vom Jobcenter gedrängt eine miserable Arbeitsstelle anzunehmen. Ryanair ist da nur die Spitze des Eisberges. Auch Amazon zahlt schlechte Löhne.
    Aber auch qualifizierte Fachkräfte finden immer weniger unbefristete Arbeitsverträge mit Tariflöhnen. Leiharbeit, Outsourcing und Werkverträge greifen in der Arbeitswelt immer weiter um sich. Arbeitnehmer werden immer mehr zum Kostenfaktor und gnadenlos ausgebeutet.
    Mehr dazu unter Einkommens- und Vermögensverteilung.

  7. 17.

    Vielleicht arbeiten die Leute dort um zu arbeiten und nicht herumzuhocken? Schonmal darüber nachgedacht?
    Ergo sind diejenigen, die nur mit Ryan fliegen, Leute, die wissentlich prekär beschäftigte Menschen, die eben NICHT der Sozialkassen Leistungen in Anspruch nehmen ausnutzen. Gehen Sie mal für gute 1700€ brutto bei Ryan arbeiten und haben Verantwortung für die Billigheimer, die auch noch den Hintern geputzt haben möchten.
    Abgesehen davon, dass nur über solche Beschäftigungsverhältnisse die Maschinen halbwegs wirtschaftlich betrieben werden. Wenn Sie rechnen könnten, würden Sie nicht so urteilen.
    Der einzige der profitiert ist O´Leary - kein anderer. Und zahlt der Steuern hier in D? Fragen Sie mal.
    Der Streik ist mehr als berechtigt.

  8. 16.

    Es ist weder jemand verpflichtet bei Ryanair zu arbeiten, noch mit Ryanair zu fliegen. Wer dort einen Arbeitsvertrag unterschreibt, dem ist nicht zu helfen und der soll auch nicht später rumheulen.

  9. 15.

    Diese Firma bzw. ihr oberster Chef sind ein Musterbeispiel wohin der neoliberale markradikale Weg des Raubtierkapitalismus führt. Der Chef und einige Großaktionäre bereichern sich in skrupelloser Gier auf Kosten der Arbeitnehmer. Man kann den Gewerkschaften nur viel Erfolg beim Kampf gegen diese Ausbeutung wünschen.
    Ryanair hat im übrigen die Werbeplakate für den Flughafen Tegel für die FDP finanziert.

  10. 14.

    Irgendjemand muss ja den ganzen
    Billigflugwahnsinn bezahlen.

    Wenn es schon nicht die Passagiere tun,
    dann bleibt es eben am Personal hängen.
    Und zwar nicht an den Allerobersten,
    sondern - wie immer - am Fußvolk.
    Dauu gehören auch die Piloten.

    Für mich ist und bleibt es ein Rätsel, wieso
    dieser Sklavenbetrieb überhaupt Leute findet,
    die solche Konditionen akzeptieren.

  11. 13.

    Ich würde bei so einer Airline keinen Flug buchen. Wie gesagt bin kein Freund von Streiks wenn aber bei dieser Airline ist er mehr als überfällig. Ich wünsche den Mitarbeiter viel Erfolg.

  12. 12.

    Vollste Zustimmung zu ihrem Kommentar. Wer mit der Arbeitnehmer-Ausbeuter-Linie Ryanair fliegt müsste viel öfter mit Streiks rechnen.

  13. 11.

    Ich kann die Crews verstehen und habe dafür Verständnis. Auf der einen Seite die geizigen Kunden die für ab 5,00 € z.B. Berlin nach Mallorca fliegen möchten und auf der anderen Seiten das Personal was für bedenklich niedrige Löhne arbeitet. Fest steht, das dies in Zukunft nicht mehr funktionieren kann. Fliegen muss teurer sein als eine Bahnfahrkarte zum Flughafen. Das Personal muss besser bezahlt werden und der Fluggast muss bereit sein mehr zu zahlen für sein Flugticket. Es müssen realistische Mindestflugpreise eingeführt werden, das ist gut für die Fluggesellschaft, den Mitarbeitern kann vernünftiger Lohn gezahlt werden und die Fluggäste haben am Ende einen fairen Flugpreis. Das aufgegebene Gepäck und das Handgepäck sollte wieder inklusive sein.

  14. 10.

    Wer meint, für 28 euro nach London und zurück zu kommen, ohne Einbußen zu haben, ist halt blauäugig.... jemand zahlt immer drauf. Bei der Mischkalkulation die hochpreisigen Bucher, beim der Airline das Personal, beim Streik der Unschuldige - nur einer gibt nix ab und nimmt nur: der Besitzer.
    Den nächsten billigen Flug könnt ihr ja zu seinem Wohnsitz buchen und mal bei ihm klingeln :-)

  15. 9.

    Keine Informationen soweit, hoffe alles läuft nach Plan...
    Danke für den Tip: "berlin-airport.de"

  16. 8.

    Wenn man auf der Berlin-Airport Seite nachzählt sind es aktuell 31 Ab- und Anflüge in TXL und SXF, also 50% mehr als Ryanair angibt...

  17. 7.

    Wir fliegen morgen von London nah Nürnberg zurück unser Flug ist noch nicht annuliert.

  18. 6.

    Bin morgen von Pisa nach Berlin dabei. Und sehr gespannt über Informationen und Erstattungen. Naja, Einzelschicksale!!

Das könnte Sie auch interessieren

Archivbild: Tagung der Kohlekommission in Brandenburg. (Quelle: rbb/Brandenburg Aktuell)
rbb/Brandenburg Aktuell

Interview | Diskussion um Ausstiegsdatum - Kohlekommission unter Druck

Raus aus der Braunkohle bis 2038? Mit diesem Vorstoß hat Roland Pofalla, Vorsitzender der Kohlekommission, die am Dienstag zusammenkommt, sich nicht nur Freunde gemacht. Was die Diskussion für die Region bedeutet, erklärt Andreas Rausch aus dem rbb-Studio Cottbus.