Eine Karstadt-Filiale in Berlin-Steglitz (l.) und das Galeria-Kaufhof-Gebäude am Alexanderplatz
Video: rbb24 | 11.09.2018 | Bild: imago stock&people

Frühere Erzrivalen fusionieren - Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen

Karstadt und Kaufhof, die letzten verbliebenen deutschen Kaufhausketten, wollen verschmelzen. Für die Kunden sieht der Handelsverband Berlin-Brandenburg zunächst keine großen Veränderungen. Die Standorte lägen günstig.

Deutschlands beide letzten großen Warenhausketten Karstadt und Kaufhof schließen sich zusammen. Zukünftig soll dadurch ein neuer Riese im Einzelhandel entstehen, der europaweit 243 Standorte haben und insgesamt rund 32.000 Mitarbeiter beschäftigen soll, wie der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa und der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson's Bay Company (HBC) am Dienstag offiziell mitteilten. Die zuständigen Kartellämter müssen allerdings noch zustimmen.

Offiziell ist von einer "Fusion unter Gleichen" die Rede, allerdings wird Karstadt-Chef Stephan Fanderl die Leitung des Warenhaus-Konzerns übernehmen. Und auch die Mehrheit der Anteile am neuen Unternehmen liegt künftig bei der Signa-Holding des Karstadt-Eigentümers René Benko: Signa erhält 50,01 Prozent, HBC 49,99 Prozent. Stephan Fanderl, derzeit Vorstandsvorsitzender bei Karstadt, soll den neuen Konzern führen.

Neuer Name noch nicht bekannt

Nach zwölf verlustreichen Jahren konnte Karstadt 2017 erstmals wieder einen Gewinn ausweisen. Mittlerweile öffnet das Unternehmen sogar wieder neue Kaufhäuser. Neben den bestehenden acht Filialen in Berlin und einer in Potsdam will das Unternehmen im Oktober eine weitere in Berlin, in den Gropius-Passagen eröffnen. In Berlin-Tegel wurde vor einigen Monaten der Grundstein für ein neues Kaufhaus gelegt – zum ersten Mal seit rund 30 Jahren.

Kaufhof hat hingegen mit anhaltenden Problemen zu kämpfen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete vergangene Woche, dass Banken zur Bedingung für ihre Zustimmung gemacht hatten, dass im Management des neuen Konzerns keine HBC-Mitarbeiter Positionen beziehen sollen. Der kanadische Konzern habe demnach mehrfach Kreditvereinbarungen gebrochen. Kaufhof betreibt unter anderem drei Filialen in Berlin und eine in Cottbus.

Die Konzerne äußern sich in der Mitteilung nicht über die Zukunft der Markennamen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof zunächst als Marken bestehen bleiben.

Optimismus für Standorte in der Region

Der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, zeigte sich am Dienstag in der rbb-Welle Radioeins überzeugt, für die Kunden in Berlin und Brandenburg werde sich "auf kurze Sicht nicht viel ändern". Die Standorte lägen "sehr weit auseinander", daher konkurrierten die Standorte nicht direkt miteinander.

In Brandenburg gebe es ein Karstadt-Warenhaus in Potsdam und einen Kaufhof in Cottbus. Und die derzeit bestehenden Warenhäuser in Berlin seien ebenfalls "schön verteilt". Das sei eine "gute Grundlage, optimistisch für einzelne Standorte zu sein".

Wie viele Mitarbeiter in der Region von Stellenstreichungen betroffen sein werden, dazu könne er nichts sagen, so Busch-Petersen. Die Erfahrung zeige aber, dass bei Fusionen großer Betriebe Doppelstrukturen zunächst in den Zentralen und nicht vor Ort zu suchen seien. 

Kein Wort zu möglichen Stellenstreichungen

Generell dürfte die Fusion und die damit einhergehende Bündelung ihrer Einkaufsmacht Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von Lieferanten zu bekommen. Außerdem könnten nach Einschätzung von Branchenkennern in den Bereichen Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik beträchtliche Summen gespart werden. Offen ließen die Warenhausketten zunächst, ob im Zuge der Fusion auch Filialschließungen geplant sind. Auch zu einem möglichen Stellenabbau gab es keine Angaben.

Ein Wort mitzureden haben die Wettbewerbshüter. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, die Fusionspläne auf jeden Fall genau unter die Lupe zu nehmen: "Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein." Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden. Dabei müsse man nicht nur den stationären Handel berücksichtigen, sondern auch den Online-Handel. "Wir hatten bisher noch keinen Fall, in dem wir uns in diesem Umfang mit diesen Fragen auseinandersetzen mussten", sagte Mundt.

Die Gewerkschaft Verdi hatte schon beim Bekanntwerden der Fusionsgespräche betont, dass für sie im Fall eines Zusammenschlusses drei Themen im Vordergrund stünden: "die Tarifbindung, die Beschäftigungssicherung und die Standortsicherung".

Sendung: Inforadio, 11.09.2018, 10 Uhr

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