Grafik: Auf dem Gelände des ehemaligen TLG-Gebäudes am Alexanderplatz sollen neue Hochhäuser entstehen. (Quelle: rbb/TLG Immobilien)
Bild: TLG Immobilien

Abrisspläne für das Haus der Elektrotechnik - Zwei Hochhäuser statt eines langen Riegels am Alexanderplatz

38 Meter hoch und 221 Meter lang - wie eine gigantische Wand aus Glas und verblendeten Ziegelsteinen steht das Haus der Elektrotechnik am Alex. Die Eigentümerin würde es abreißen und Hochhäuser bauen - auch das Hofbräuhaus müsste weichen. Von Oliver Noffke

Pläne, den Alexanderplatz radikal umzugestalten, gibt es bereits seit mehr als 25 Jahren. Mal sollten hier elf neue Hochhäuser gebaut werden, mal war von acht oder neun die Rede. Gebaut wurde bisher kein einziges. Weit über die Designphase hinaus hat es noch keines der Projekte geschafft. Nun startet sogar ein weiterer Grundstückseigentümer die Suche nach der passenden Form.

Die Berliner Firma TLG Immobilien hat eine Modellgrafik veröffentlicht, die als Blaupause für einen Architekturwettbewerb Mitte kommenden Jahres dienen soll. Die Abmessungen dieses sogenannten Volumenmodells dienen als Vorgaben für die Fassadengestaltung. Insgesamt werden drei neue Gebäude an der Nordseite der Alexanderstraße entwickelt – aus zwei Blöcken soll jeweils ein 130 Meter hoher Turm wachsen. Das Haus der Elektrotechnik, ein 221 Meter langer Riegel, der derzeit die Keibelstraße und die Alex-Weddingstraße vom Alexanderplatz abschneidet, müsste dafür ebenso weichen wie der Klotz an der Karl-Liebknecht-Straße, in dem sich zum Beispiel das Hofbräuhaus befindet. Beide Grundstücke gehören der TLG.

TLG zensiert sich selbst bei der Höhe

Das vorgestellte Modell entspricht in etwa dem Plan der Architekten Hans Kollhoff und Helga Timmermann, der 1993 zum Leitplan für die Umgestaltung des Alexanderplatzer ausgewählt wurde. In überarbeiteter Version gilt der sogenannte Kollhoff-Plan noch heute. Die Pläne von TLG zeigen lediglich einen Unterschied auf: Damals wurden den Bauherren bis zu 150 Meter eingeräumt.

"Uns ist bewusst, dass der Senat gern bei 130 Metern deckeln möchte, damit das Park Inn nicht übertroffen wird", sagte Wilhelm Christoph, Unternehmenssprecher von TLG Immobilien am Mittwoch auf rbb|24-Anfrage. "Wir möchten aber trotzdem die mögliche Bruttogeschossfläche ausnutzen, deswegen haben wir dem Baukollegium die Volumenstudie für entsprechend in der Höhe reduzierte Türme vorgestellt." Dadurch werden die Türme allerdings wesentlich kompakter und nicht nach oben hin verjüngt, wie im Kollhoff-Plan ursprünglich vorgesehen.

Insgesamt sollen die drei Gebäude eine Bruttogeschossfläche von 149.500 Quadratmetern bieten - etwa dreimal so viel wie die derzeitigen Gebäude. Neben Büro- und Gewerbeflächen sollen auch Wohnungen entstehen. Durch die vorgeschlagenen Neubauten würde sich der Charakter der Alexanderstraße grundlegend ändern. Die weite Nordseite der Straße mit dem breiten Grünstreifen würde nahezu komplett verschwinden. Stattdessen würden die Gebäude viel näher an die Straße heranrücken. Platz für Grünflächen oder gar einen Park wird es nicht geben.

Gegenüber soll in vier Jahren das erste neue Hochhaus stehen

Wie viel das Bauvorhaben kosten soll, wann mit die Gebäude fertig sein sollen, wann genau der Architekturwettbewerb ausgeschrieben wird oder wie er gestaltet sein wird und wie lange im Hofbräuhaus noch Helles gezapft werden kann, bevor es gemeinsam mit dem ehemaligen DDR-Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik abgerissen wird, ist derzeit allerdings unklar.

Dutzende Autos der Typen Trabant und Wartburg parken auf dem breiten Mittelstreifen der Alexanderstraße. Dahinter stehen das Haus der Elektrotechnik, das Haus des Reisens und das Haus der Statistik (v.l.n.r., Quelle: akg-images /Straube)
Die Nordseite der Alexanderstraße im Jahr 1975: Streng geometrisch sind die Fassaden vom Haus der Elektrotechnik, dem Haus des Reisens und dem Haus der Statistik gestaltet. Die Straße gilt als Aushängeschild für die DDR-Moderne. | Bild: akg

"Sowohl bei der Vorstellung des Volumenmodells im Baukollegium als auch bei dem angekündigten gestalterischen Wettbewerb handelt es sich um Meilensteine auf dem Weg zu einem Bauantrag", so Christoph. "Wir sind schon jetzt in Gesprächen mit der Verwaltung und beziehen diese mit ein, damit wir später keine Überraschungen erleben."

Etwas weiter sind die Pläne hingegen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Das französische Unternehmen Covivio will bis 2022 einen ebenfalls 130 Meter hohen Turm neben dem Park Inn erreichten. Am Freitag soll das finale Design präsentiert werden.

Beitrag von Oliver Noffke

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8 Kommentare

  1. 8.

    Endlich bekommt der Alex an dieser Seite eine vernünftige Fassung. Der bestehende Riegel ist völlig unmaßstäblich. Das in Berlin neben Wohnungen auch dringend Büros fehlen ist ja bekannt (Leerstand unter 5%) und auch ein gutes Zeichen für eine wachsende und prosperierende Stadt. Der Standort ist für Wohnen ungeeignet - dafür gibt es in anderen Ecken mehr als genug Platz (RotRotGrün müsste halt mal endlich einen Gang zulegen...!). Der Alex ist verkehrlich hervorragend erschlossen - dort sollte neben der City West ein moderner 2. CBD entstehen. Dazu könnten die drei Gebäude gut beitragen!

  2. 7.

    Wenn dort schon zu lesen ist, dass Grünstreifen verschwinden und Gebäude direkt bis an die Straße gesetzt werden und auch auf der gegenüberliegenden Straßenseite solch ein Teil hinkommen soll,
    dann ist mir herzlich egal, wie der Gewinnerentwurf dann aussieht.
    Es gibt weniger Licht, weniger Freiraum und mehr ungenutzten SpekulationsWohnraum, der nicht grad Leben bedeutet.
    Dann sieht es ähnlich scheisse aus, wie schon an der East-Side-Gallery, wo neben hochbauenden Glaspalästen eine weitere Schandtat in Form eines hässlichen Konsumtempel hingeklatscht wird. Ein bisschen Contenance wäre angesagt!

  3. 6.

    Lieber Lothar. Wie wollen Sie denn "Charme" aus einer nicht einmal gerenderten Prinzipperspektive erkennen? Das sind reine Baumassen und selbst eine klassizistisch anmutende Zehlendorfer Villa würde in solch einer Visualisierung ohne "Charme" daherkommen. Warten Sie doch einfach die Ergebnisse der Architekturwettbewerbe ab, bevor Sie sich ein Urteil erlauben...

  4. 5.

    Ein weiterer „Meilenstein“ der Berlin optisch kaputtbauen wird. Zugegeben, der Alex gewinnt an vielen Stellen keinen Schönheitswettbewerb, doch macht es die Bebauung mit Hochhäusern wirklich besser?
    Am Ende ist es ein weiteres hohes „Glashaus“ mit viel Gewerbe drin. Ein guter Deal in der aktuellen Zeit mit knappen Wohnraum.
    Ob den Bauherren bewusst ist, dass Räumlichkeiten am Ende nur benutzt werden können, wenn auch Menschen in der Umgebung wohnen können?

  5. 4.

    Sehr interessant was Sie uns hier aufzeigen. Bin kein Finanzexperte, vermute aber hinter all dem ein fettes Geschäft nur im Sinne der Investoren. Obendrein sieht das ganze aus wie dahingeklatscht. Unpersönlich, ohne jeglichen Charme. Somit stimme ich Ihnen voll zu: so etwas brauchen wir nicht im Centrum der Stadt.

  6. 3.

    @Immanuel

    Jaein, ehemals eine Tochter dieser. Wikipedia hilft aber weiter: mit einem Eintrag zum Unternehmen als AG, wozu als Besitzer auch Singapur gehört.

  7. 2.

    Wer hat eigentlich wann und zu welchem Preis der TLG-AG diese extrem wertvollen Grundstücke verkauft?

  8. 1.

    Frage: Wer ist TLG = Treuhand Liegenschaftsgesellschaft?

    Antwort:

    Die TLG Immobilien AG wurde 1991 als Tochtergesellschaft der Treuhand gegründet. Bis 2012 war sie im Eigentum des Bundes. Im Dezember 2012 verkaufte das Bundesfinanzministerium die TLG Immobilien GmbH (also die Gesellschaft mit den Gewerbeimmobilien) für 1,1 Mrd. Euro an den US-amerikanischen Finanzinvestor Lone Star. Seit September 2014 firmiert das Unternehmen in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft; am 24. Oktober 2014 fand die Notierung an der Frankfurter Wertpapierbörse im Prime Standard statt. Lone Star hat inzwischen seine Aktien verkauft.

    Am 21. März 2018 setzte sich die Eigentümerstruktur wie folgt zusammen:
    Anteil Anteilseigner
    50,86 % Streubesitz
    17,35 % Gerhard Schmidt
    16,82 % Adar Capital Partners
    9,25 % Regierung von Singapur
    5,72 % Julius Bär Gruppe

    (Quelle: wikipedia)

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