Amazon-Paketzulieferer in Mariendorf. (Quelle: rbb/Abendschau)
Video: Abendschau | 20.10.2018 | Ulli Zelle | Bild: rbb/Abendschau

Anwohner in Berlin-Mariendorf klagen - Amazon-Lieferfahrzeuge sorgen für Stau in der Porschestraße

Mehrmals täglich ist in der Porschestraße in Berlin-Mariendorf schwer durchzukommen: Lieferfahrzeuge drängen sich dort auf dem Weg zum Auslieferungslager des Online-Riesen Amazon. Die Anwohner sind genervt und haben das Bezirksamt eingeschaltet. Von Ulli Zelle

Morgens um neun Uhr geht es regelmäßig los, dann rauscht ein Lieferfahrzeug nach dem anderen durch die Porschestraße in Berlin-Mariendorf. Sie alle sind auf dem Weg zum Auslieferungslager von Amazon. Im Sekundentakt fahren Fahrzeuge auf das Grundstück des Online-Versandhandels. Mitarbeiter des Unternehmens in Sicherheitswesten versuchen, ein wenig Ordnung in das Chaos auf der kleinen Straße zu bringen.

Nachbarn sind vom Verkehr genervt

Das nervt Nachbarn wie Sandra Tschirsch. Sie sagt mit Verweis auf die Bestrebungen Berlins, die Stadt von Dieselabgasen zu befreien: "Und dann lässt man sowas zu". Zudem sei die Situation eine Gefährdung für die Anwohner. "Wir können die Straße gar nicht mehr einsehen", sagt sie und berichtet auch von Lieferlärm in der Nacht.

Und was nachts angeliefert wird, muss morgens verteilt werden. Hunderte Einzelunternehmern mit Leihfahrzeugen aus dem ganzen Bundesgebiet, sogar dem Ausland, übernehmen den Job. Die "Amazon-Amtssprache" ist Englisch. Anwohner Christian Schönfisch berichtet, dass man sich kaum mit den Fahrern unterhalten könne. "Sie stehen im absoluten Halteverbot, mitten auf dem Bürgersteig, es ist katastrophal".

Probleme haben auch Gewerbetreibende wie Kfz-Meister Marko Schröter. Bei ihm kämen Kunden schon kaum mehr auf den Hof seines Geländes oder wieder runter, berichtet er. Teile von Zulieferern kämen deshalb teilweise nicht mehr pünktlich. Wenn man die Fahrer anspreche, berichtet er, "wird man noch blöd angepampt". Seit Juli gehe das so. Die Anwohner haben sich an das Bezirksamt gewandt mit der Frage, ob das rechtens ist. Bisher haben sie noch keine Auskunft dazu erhalten.

Straße liegt in einem Industriegebiet

Die Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, Angelika Schöttler (SPD), erklärt dem rbb auf Nachfrage, sie wolle allen Anwohner-Beschwerden nachgehen. "Wir kümmern uns darum, was zulässig ist und was nicht", sagt Schöttler. Sie verweist aber auch darauf, dass die Porschestraße in einem Industriegebiet liege. "Dort ist der Dreischicht-Betrieb zulässig", sagt sie. "Aber sicherlich will das Unternehmen seinen Geschäften im Einklang mit dem Umfeld nachgehen", so Schöttler.

Das will es tatsächlich. Ein Amazon-Mitarbeiter hat die Nachbarn sogar einzeln besucht und sich die Beschwerden angehört. "Die Anwohner haben alle meine Kontaktdaten. Sobald es irgendeine Frage gibt, beantworten wir die. Auch, wenn es irgendetwas zu lösen gibt", sagt Christian Ortmann, der Betriebsleiter von Amazon Mariendorf. Damit sei man "bisher ganz gut gefahren".

Ganz offensichtlich gibt es aber trotzdem noch Klärungsbedarf für die Anwohner. "Es muss von oberster Stelle geklärt werden, dass der Verkehr hier ordentlich geregelt wird", fordert Kfz-Meister Schröter. Bisher machten die Fahrer einfach, was sie wollten.

Vorerst hilft nur, die Fenster in den Stoßzeiten zu schließen und längere Wartezeiten beim Rein- und Rausfahren aufs eigene Grundstück in Kauf zu nehmen. Und darauf zu hoffen, dass Schilder wie "Ausfahrt freihalten" gelesen und auch verstanden werden.

Beitrag von Ulli Zelle

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Teil 2:
    Dass es sich bei der Dederingstraße um eine Einbahnstarße handelt, wird von den Kurierfahrern oft nicht beachtet. Ständig kommen in dieser sehr kleinen Straße Transporter gegen die Fahrtrichtung eingefahren. Ab ca. 9:00 Uhr kommen die Transporter in mehreren Wellen, jeder stellt sich auf dem Hof auf, wie er gerade möchte und sofort ist die Einfahrt zugestaut, obwohl nicht einmal der halbe Hof gefüllt ist. Die eigens dafür abgestellten Einweiser werden leider nicht wirklich Herr der Lage.

    Gerne lade ich Herrn Zelle auf einen Kaffee um 9:00 Uhr in mein Büro ein. Von dort hat er einen wundervollen Ausblick auf das Geschehen in der Straße. Es ist täglich fast schon zum schmunzeln, wenn man das zum Teil völlig sinnfreie Treiben beobachtet. Für weitergehende Fragen und Antworten stehe ich gerne zur Verfügung.

  2. 12.

    Teil 1:
    Es ist schön zu lesen, dass der Herr Ortmann mit den Nachbarn in der Porschestr. gesprochen hat. Leider wurde das Problem nun in die hinter der Amazonhalle liegenden Straßen, hier ganz speziell die Dederingstraße verlagert. Nun haben die dort ansässigen Firmen das Problem, dass die Straße, bei der es sich im Übrigen um eine Einbahnstraße handelt, mit den Transportern zugestaut wird.

    Das Problem wird auch noch in die hinter der Dederingstraße liegende Greinerstraße verlagert. Da es sich auch bei der Greinerstraße um eine Einbahnstr. handelt, können die dort ansässigen Firmen nur von der Südseite, die sie unter anderem über die Dederingstraße erreichen, einfahren.

  3. 11.

    Ich finde den Bericht sehr einseitig. Wie kommt es, dass sich Bewohner eines Industriegebietes über Verkehr und Lärm der ansässigen Firma beschweren, immerhin handelt es sich ja nicht um ein Wohn- oder Umweltschutzgebiet. Außerdem: Typisch für unsere immer egoistischer werdende Gesellschaft - mit dem Auto überall hin, aber bitte kein Verkehr vor meiner Tür, mit dem Flugzeug in den Urlaub, aber bitte keine Flugroute über mein Dach, ich will ständig und immer meine Waren des täglichen Bedarfs bekommen, aber bitte ganz ohne Anlieferverkehr. Wo bitte führt das hin...?
    Ich jedenfalls freue mich, wenn große Firmen wie Amazon in unserer wunderbaren Stadt investieren und Arbeitsplätze für Jedermann schaffen. Denken wir nur mal zurück, wie es noch vor 15 Jahren in Berlin mit der Arbeitslosigkeit aussah!

  4. 10.

    Wieder ein Bashing: Das böse Amazon macht Deutschland kaputt.
    Ich bestelle aber bei Amazon, da die Lokalen Geschäfte des Einzelhandels die Handelsspanne überstrapazieren und abzocken.

  5. 9.

    .... na, mit Tennisplätzen hat es ja auch geklappt. Man baut dichte bei und klagt später erfolgreich gegen den Spielbetrieb. ;-) Soll auch ähnliches mit Schulen in der Nähe sein. Ja, Sie haben den Kern des Problems erkannt. Gewerbe und Wohnen passen nicht zusammen.

  6. 8.

    Weiß zufällig jemand was zuerst da war - die Wohnhäuser oder die Betriebe?
    Es sind ja nicht nur die Anwohner, die darunter leiden. Betroffen sind ja auch andere Gewerbetriebe,
    bei denen das sogar Geschäftsschädigend sein kann. Und wenn eine Firma zurecht ein Auslieferungslager
    im Gewerbe- bzw. Industriegebiet platziert, heißt das doch nicht automatisch, das Recht zu haben, umliegende
    öffentliche Straßen zu verstopfen. Auch wenns private Auslieferfahrer sind, trägt Amazon die Verantwortung dafür.
    Da hätte man besser planen müssen.
    In wie weit sich der Mitarbeiter von A. bemüht, steht noch offen. Bisher wird nur zugehört und gelabert - wie auch in der Politik üblich. Wir werden aber anhand unserer Taten gemessen. Und mit der Kneipe kann ich Ihnen auch nicht ganz zustimmen. Kannte eine Kneipe, die viel Ärger hatte, nachdem neue Nachbarn darüber eingezogen sind (obwohl bekannt war, dass die gut läuft). So war es z.B. verboten ab 20Uhr kicker zu spielen.

  7. 7.

    Geh doch shoppen und unterstütze die Kaufleute, anstatt diesem Sklaventreiber das Geld in den Rachen zu stopfen. Dann lieber prekäre Beschäftigung, Umweltverschmutzung fördern, immer mehr Müll verursachen usw. Heldenhaft und echt klug. Kannst Dein Geld auch essen? Wohl bekomms.
    Hauptsache billig...

  8. 6.

    Es ist wirklich dreist, erst in ein Gewerbegebiet zu ziehen und dann die fehlende Ruhe eines Villenvirtels zu beklagen. Da habe ich gar kein Verständnis für..

    Amazon bemüht sich offenbar um eine Lösung, die die Anwohner zufriedenstellt. Das hätten sie nicht mal nötig.

    Wenn ich über einer Kneipe einziehe und mich aschließend über Lärm und evtl. Küchendünste beklage, dann schmettert mich jeder Richter bei einer Klage ab.

    Nicht immer sind andere schuld.

  9. 5.

    Tja, Qualität, Service und Geschwindigkeit setzen sich eben durch. Das alles habe ich bei Amazon. So einfach ist das...

  10. 4.

    Ich verstehe nicht, wieso Menschen ins Industriegebiet ziehen und sich dann wundern.

    Und zum Preussenpark ind Ludwigsfelde:
    Habe dort bei Siemens gearbeitet. Und was gab es für Probleme? Anwohner die sich über den Lärm beschwert haben...... Unbegreiflich sowas.

    Habe auch mal an einer viel befahrenen Straße mit Nachtbus gewohnt. Bin dann weggezogen, weils nervte, anstatt die BVG und die anderen Menschen dafür verantwortlich zu machen.

  11. 3.

    Das ist ja Gewerbegebiet. Und das Land Berlin will bestimmt nicht, das alles Gewerbe nach Brandenburg abwandert. Mir stellt sich die Frage, weshalb man in einem Gewerbegebiet wohnen möchte......

  12. 2.

    Na, ja, die Zeit bleibt nicht stehen, aber natürlich hätte man sich gleich eine Liegenschaft in Brandenburg suchen sollen, im Industriegebiet z.B. Preußenparkt, in dem keine Menschen wohnen...

  13. 1.

    Tja, viele wollen es billig und billiger, da ist A. das beste Beispiel für das Versagen der Politik. Aber bestellt mal immer fein weiter bei diesem Sklaventreiber und regt Euch über Lieferwagen, die dann auch noch immer fein den Motor im Stand laufen lassen.
    Amazon ist mit der schlimmste Verpester für Mensch und Umwelt.

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