Junger Mann und junge Frau, die eine Ausbildung zum Fluggerätmechaniker absolvieren. (Quelle: dpa/R4200)
Audio: Inforadio | 09.11.2018 | Natascha Gutschmidt | Bild: dpa/R4200

Brandenburg - Bewerber und Ausbildungsplätze finden sich nicht immer

In Brandenburg sind in diesem Herbst noch mehr Lehrstellen frei als zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Ende September waren bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) 1.865 freie Ausbildungsstellen gemeldet, das sind rund zehn Prozent mehr als 2018. Die Zahl der unversorgten Bewerber lag mit knapp 1.200 in etwa auf dem Vorjahresniveau, wie der Chef der BA-Regionaldirektion, Bernd Becking, am Freitag in Potsdam mitteilte.

Im gesamten Ausbildungsjahr 2017/18 gab es rund 14.700 Bewerber - etwa 150 mehr als im Vorjahr. Angeboten wurden 13.828 Ausbildungsstellen, 28 weniger als im Jahr davor. Damit standen mehr Ausbildungswillige zur Verfügung als Azubi-Stellen angeboten wurden.

Experten: Fachkräftemangel auch hausgemacht

Experten der Regionaldirektion sind der Meinung, dass der Mangel an Fachkräften in bestimmten Branchen hausgemacht ist. So seien die Konditionen in Ausbildung und Job teils wenig attraktiv. Als Beispiele wurden niedrige Löhne und Schichtarbeit genannt. Gleichzeitig würden Unternehmen staatliche Hilfen nicht nutzen, um auch schlechtere Schüler in die Ausbildung zu holen, hieß es auf eine Anfrage von rbb|24.  

Andere Branchen hätten schlechte Zukunftsaussichten: So müsse beispielweise ein Busfahrer-Azubi fürchten, in einigen Jahren durch autonom fahrende Busse wegrationalisiert zu werden. Gleichzeitig lägen Angebot und Nachfrage weit auseinander, heißt es. Um beides besser zusammenzubringen, müsse schon in den Schulen gegengesteuert werden.

Tierpflege besonders beliebt

Probleme macht, dass Ausbildungswünsche und Angebote teils deutlich auseinanderklaffen. So gab es 167 Bewerber für die Fachkraft Haus- und Zootierpflege, aber nur 20 angebotene Ausbildungsplätze. Auch die Ausbildung für Sport- und Fitnesskaufleute war 221 Mal gesucht, aber nur 65 Mal angeboten. Bessere Chancen gab es für künftige Verkäufer von Fleischwaren: Hier wurden 15 Bewerbungen, aber 155 Stellen gezählt.

Auch die regionale Verteilung bereitet Kopfschmerzen - vor allem im Nordosten Brandenburgs gibt es mehr Bewerber als Angebote. Becking forderte die jungen Menschen zu Mobilität und die Arbeitgeber zu einem größeren Angebot auf.

Debatte über Mindestbetrag bei der Ausbildungsvergütung

Brandenburgs Sozialministerin Susanna Karawanskij (Linke) sagte, die Stärkung der dualen Ausbildung bleibe das Ziel der Landesregierung, allerdings gebe es weiter einen starken Trend zum Studieren. Zudem verwies sie auf die große Spreizung bei der Ausbildungsvergütung. Im Schnitt liege sie bei 824 Euro im Monat, es gebe aber starke Abweichungen nach oben und unten. Ein Mindestbetrag wäre sinnvoll.

Der Chef der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg, Alexander Schirp, warnte dagegen vor staatlichen Eingriffen. Dadurch könne die Tarifhoheit eingeschränkt werden, zudem sei die Vergütung kein Arbeitsentgelt.

DGB-Chef Christian Hoßbach hingegen fordert ebenfalls eine Untergrenze. Manch junger Mensch müsse sich sonst überlegen, ob er sich eine Ausbildung überhaupt leisten könne. Die schwarz-rote Koalition im Bund hat eine Mindestvergütung für Azubis in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart.

Sendung: Inforadio, 09.11.2018, 15.40 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Die meisten sind leider nur für ein Studium geeignet, nicht aber für praktische Arbeit bzw. einer Ausbildung.

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