Siemensbahn in Siemensstadt (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)
Audio: Inforadio | 28.11.2018 | Sebastian Schöbel | Bild: imago/Jürgen Heinrich

Großprojekt Siemens-Campus - Jede Menge Pläne für die neue alte Siemensbahn

Die hochfliegenden Pläne für die "Siemensstadt 2.0" haben die Fantasie der Berliner Stadtplaner beflügelt. Auch die Bahn lässt sich mitreißen und will die einstige Siemensbahn reaktivieren. Doch manch einer denkt schon viel weiter. Von Sebastian Schöbel

Viereinhalb Kilometer ist sie lang, die Siemensbahn, gebaut in den späten 1920er Jahren zwischen dem Ringbahnhof Jungfernheide und dem Spandauer Ortsteil Gartenfeld, mitten durch die Siemensstadt. Die Pläne von damals gingen aber noch viel weiter, erzählt der für Berlin zuständige Bahn-Manager Alexander Kaczmarek.

Möglicherweise Verlängerung bis Tegel

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Siemensbahn über die Insel Gartenfeld bis nach Hakenfelde zu verlängern. In der ganz alten Planung hätte die Strecke sogar bis Hennigsdorf reichen sollen, sagte Kaczmarek am Mittwoch dem rbb. Eine "Trassierung" habe es aber nie gegeben. Das könnte sich nun ändern, 90 Jahre später: In der Infrastrukturplanung bis 2030 ist nämlich schon angedacht, eine reaktivierte Siemensbahn auch Richtung Westen bis zur Wasserstadt Spandau zu verlängern - also fast so weit wie früher geplant.

Allerdings wäre die Siemensbahn auch für ein anderes Berliner Großprojekt enorm wichtig, meint der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Oliver Friederici.

Auch das Flughafengelände in Tegel könnte profitieren

Es sei wünschenswert, auch das Gelände des heutigen Flughafens Tegel anzubinden, sagt der CDU-Politiker - "sollte er denn Innovationsstandort werden". Weit wäre der Weg nach Tegel jedenfalls nicht: Das Flugfeld ist gerade mal eineinhalb Kilometer Luftlinie von der Siedlung Gartenfeld entfernt.

Doch in Bezug auf Tegel hat die Siemensbahn inzwischen schon Konkurrenz bekommen. So wird untersucht, ob der Flughafen im Berliner Norden nicht auch ans U-Bahn-Netz angebunden werden könnte. Bis 2020 soll diese Frage geklärt sein.

Bevor sich Berlin auf eine Verlängerung der Siemensbahn festlegt, will Harald Moritz, verkehrspolitischer Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, alle Optionen in Ruhe prüfen lassen. So sieht es auch der Verkehrsexperte der SPD, Daniel Buchholz. Allerdings dürfe man nicht warten, bis die Siemensstadt 2.0 fertig ist. "Damit wir dort nicht vorher schon ein Verkehrschaos produzieren, brauchen wir dringend eine leistungsfähige, öffentliche Erschließung mit Personennahverkehr", sagt der SPD-Politiker.

Bund soll Kosten für die Reaktivierung tragen

Die Mittel für die Reaktivierung der Siemensbahn müsste der Bund tragen, sagt CDU-Politiker Friederici. Er beruft sich dabei auf den Einigungsvertrag. Dieser besage, dass das Berliner Bahnnetz mit Stand von 1938 zu Lasten der Bundeskasse wieder aufgebaut werden müsse. Und für die Verlängerung der Siemensbahn nach Tegel oder Spandau könne das Land ebenfalls Bundesmittel beantragen, aus der Gemeindeverkehrsfinanzierung. Das müsse der Senat nun zügig klären, sagt Friederici.

Apropos schnell: Die alte Siemensbahn wurde in nur vier Jahren geplant und gebaut. Gefragt, wie schnell das heute gehen könnte, erklärt Bahn-Manager Kaczmarek selbstbewusst: "Eigentlich wollen wir ja immer noch ein bisschen schneller sein als unsere Vorfahren, oder?"

Beitrag von Sebastian Schöbel

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um eine Antwort zu verfassen.

Antwort auf [andrae] vom 29.11.2018 um 17:14
Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

1 Kommentar

  1. 1.

    In vier Jahren geplant und gebaut, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!! Da kann man nur sagen, nachmachen!! Keine bürokratischen Hemmnisse mehr, die Bahn wird dringend benötigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Straßenansicht Manfred-von-Richthofen-Straße
radioeins/Mücke

Unterwegs in der Manfred-von-Richthofen-Straße - Im Sturzflug durch die Geschichte

Herrschaftliche Gründerzeit-Paläste neben kleinen Reihenhäusern: Die Manfred-von-Richthofen-Straße in Berlin-Tempelhof wirkt recht uneinheitlich. Um die Ecke ist das hippe Kreuzberg, aber das interessiert hier längst nicht alle. Von Annekatrin Mücke

radioeins sendet ab 13 Uhr live aus der Manfred-von-Richthofen-Straße