Symbolbild - Eine Hand hält ein Schild mit der Aufschrift "UBER" aus einem Autofenster (Bild:dpa/Dennis Van Tine)
Video: rbb24 | 01.11.2018 | S. Adamek, B. Malter | Bild: dpa/Dennis Van Tine

Krieg der Chauffeure - Berliner Taxifahrer werfen Uber illegale Fahrten vor

Mietwagenfirmen, die mit Uber kooperieren, verhalten sich offenbar oft illegal. Die Fahrer, so das ARD-Magazin Kontraste, kehren nicht an den Firmensitz zurück, sondern suchen nach Fahrgästen - sehr zum Unmut von Berliner Taxifahrern. Von S. Adamek, B. Malter & B. Eyssel

"Lass uns auf jeden Fall nochmal am Flughafen Tegel vorbeischauen. Ich hab gehört, dass sich dort viele Mietwagen bereithalten. Die schnappen wir uns heute." Zwei Berliner Taxifahrer sind unterwegs, um Uber-Fahrer zu jagen. Das ARD-Magazin Kontraste hat sie begleitet. Die Männer wollen anonym bleiben. Sie versuchen zu dokumentieren, wie Mietwagenfahrer gegen das Gesetz verstoßen - und ihnen Fahrgäste wegnehmen, so der Vorwurf.

Rückkehrpflicht zum Firmensitz wird offenbar missachtet

Uber X nennt sich das Angebot des US-Fahrtenvermittlers, mit dem man sich in mehreren deutschen Großstädten einen Wagen bestellen kann - ganz praktisch per Smartphone-App und meist günstiger als die traditionellen Taxis. Zum Schutz des Taxigewerbes gilt für Mietwagen, die Personen befördern, aber eine gesetzliche Rückkehrpflicht zum Firmensitz. Und die wird offenbar oft nicht eingehalten, so die beiden Uber-Jäger.

"Wir sind ja keine Feinde von Uber", sagt einer der Taxifahrer. "Wir finden nur den Markt extrem ungeregelt, und dagegen gehen wir halt an." Es gehe um illegalen Wettbewerb - "um Spielregeln die eingehalten werden müssen."

Eigene App hilft beim Sammeln von Verstößen

Ein Beispiel: Eine Mietwagenfirma mit Sitz in Schönefeld außerhalb von Berlin bekommt von Uber eine Fahrt vom Flughafen Tegel zur Messe vermittelt. Kommt anschließend nicht sofort ein neuer Auftrag, muss das Auto an den Betriebssitz in Brandenburg zurückkehren. Das ist teuer - und so sind die Fahrer auf der Suche nach Kunden häufig weiter unterwegs oder parken und warten auf Aufträge.

Um zu dokumentieren, wenn die Uber-Fahrer nach einer Fahrt nicht an den Betriebssitz zurückkehren, haben die Taxifahrer sogar eine App entwickeln lassen, mit der Verstöße gesammelt und gemeldet werden können: "Man fotografiert und dann landet das hier in unserer Ablage. Und hier kriegt man dann einen Zeit- und Datumstempel drauf. Jetzt können wir hier das Kennzeichen angeben."

Verdi warnt vor Entwicklung wie in den USA

Auch Kontraste hat verdeckt Fahrten mit Uber unternommen. Die Recherchen führten zu verlassenen Unternehmenssitzen in Brandenburg. Nach Angaben eines Postboten handelt es sich um Briefkastenfirmen. Uber hat inzwischen angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen. Die Gewerkschaft Verdi kann die Ängste der Taxifahrer nachvollziehen.

Verkehrsexpertin Mira Ball warnt vor negativen Beispielen wie in den USA. Dort haben Fahrdienstanbieter wie Uber den Taxi-Markt auf den Kopf gestellt: "In New York ist ganz klar, dass der Umstieg auf Uber von den Taxen, aber auch vom öffentlichen Nahverkehr stattgefunden hat. Es hat fast keine Reduzierung des Verkehrs gegeben. Im Gegenteil es ist jetzt mehr Verkehr. Und die Taxenunternehmen haben große Schwierigkeiten."

Allerdings dürfen in den USA auch Privatleute mit ihren Autos Fahrten anbieten - ohne spezielle Versicherung und ohne Personenbeförderungslizenz. In Deutschland ist der Markt deutlich regulierter. Die Gewerkschaft Verdi schlägt dennoch vor, noch einen Schritt weiterzugehen: "Man sollte darüber nachdenken, ob man Mietwagen tatsächlich in Ballungsräumen braucht oder ob man das nicht in Ballungsräumen ausschließt und dafür Mietwagen nur dort erlaubt, wo die  Bedienung durch Taxen - zum Beispiel wegen zu wenigen Fahrgästen - nicht möglich ist, wie im ländlichen Raum", sagt Mira Ball von der Gewerkschaft Verdi.

Sendung: ARD Kontraste, 01.11.2018, 21.45 Uhr

Beitrag von Sascha Adamek, Bettina Malter und Benjamin Eyssel

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74 Kommentare

  1. 74.

    Die gleichen Sprüche lässt unser über Chef (wien) auch regelmässig los, im Endeffekt ignorieren sie seit 5 Jahren alle Gesetze und gerichtsurteilen. Selbst Strafen sind denen wurscht, kommt nur wieder nen Spruch ala "jo wir waren bis dato zu aggressiv aber wir bessern uns" und das seid Jahren im monatstakt. Aber in Wien hat's sich eh bald erledigt, die letzten taxler sind schon am kämpfen, selbst Weihnachtsgeschäft is nix mehr wegen extremen Marketing seitens uber und negativwerbung Massenweise von irgendwelchen über Lobbyisten... Wünsche euch viel Glück, und nicht solche Politiker wie bei uns die sich leichter kaufen lassen als ne taxilizenz..... bei uns is schon zu spät, freu mich schon drauf wenn endlich über bei uns das Monopol hat, und s7ch Preise machen kann wie sie lustig sind, weil irgendwie regeln lassen sich die sowieso nicht

  2. 73.

    Wie sollen denn bitte Taxifahrer gegen Schwarzarbeit, Steuer- und Sozialbetrug vorgehen? Den "Kollegen" auf der Straße können sie nicht ansehen, ob diese die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen, und dies auch nicht kontrollieren. Das ist einzig und allein Aufgabe der Behörden.

  3. 72.

    Der Streit zwischen Uber und dem Taxiverband ist deren Sache. Preise regelt der Staat derzeit und kann sie auch künftig regeln. Lizenzen kann er an Bedingungen knüpfen, welcher Anbieter da auch kommen mag. Für den Kunden sind neben Dem Preis auch der Service wichtig. In der Diskussion hier geht es auch darum, dass die Taxiunternehmen immer gerne Jammern und sich als Opfer darstellen. Und dabei den Kunden eher nicht im Blick haben. Und wenn die Taxifahrer mal gegen ihre eigenen schwarzen Schafe vorgehen würden wie jetzt gegen Uber dann würden sie vielleicht auch glaubwürdiger rüberkommen. So sieht es einfach nach "Pfründe sichern" aus.

  4. 71.

    Es geht hier nun mal im das illegale Treiben von Uber und deren Subunternehmern. Da auf den mangelnden Ortskenntnissen eines Teils der Taxifahrer herumzureiten, bringt die Diskussion auch nicht wirklich weiter. Abgesehen davon dürften die Ortskenntnisse der Uber-Fahrer denen der Taxifahrer im Schnitt deutlich unterlegen sein. Dass es auch in der Taxibranche schwarze Schafe gibt, ist schlimm genug und sollte besser bekämpft werden. Aber bei Uber gehört die Missachtung von Gesetzen zum System. Und wer sich jetzt noch an den etwas niedrigeren Preisen von Uber erfreut, dem sei gesagt: Wenn das Taxigewerbe mit seinen gesetzlich festgelegten Tarifen erst einmal am Boden liegt, wird Uber kräftig an der Preisschraube drehen!

  5. 69.

    Seit vier Tagen schaue ich mir diesen thread an und immer möchten gewisse Kommentatoren ein „letztes Wort“ haben, indem sie monothematisch einerseits die Qualitätsdefizite der Taxibranche in den Vordergrund stellen und andererseits übergeordnete Thematiken komplett ignorieren bzw. nicht auf vorhergehende Kommentare rekurrieren.
    Es gäbe genügend Kritik darüber, was in der Kontraste-Sendung eben nicht vorkam. Was die Medienschaffenden eventuell aber auch nicht gesehen haben und was ich, trotz allem Ernste, hier resümieren möchte, ist eine Analogie, die weit „damals“ schon Loriot in Szene setzte. Der „gestellte“ Uber-Fahrer und dessen Pausenbrot in der medialen Darstellung ist ein Pendant: https://www.youtube.com/watch?v=ixyn_wl4G0I
    Es mögen nun die Trolle das letzte Wort in diesem thread ergreifen. Bis zur nächsten, hoffentlich objektiv aufklärenden Sendung, bin ich hier raus. Enchanté

  6. 68.

    Die meisten Taxifahrer sind auf das Navi angewiesen bzw. fragen mich als Kunden, wie Sie an das Ziel gelangen. Ortskunde kann ich oftmals nicht erkennen. Da ist kein Vorteil zu Uber erkennbar.

  7. 67.

    Warum keine Alternative zu Berliner Taxifahrern? Diese kennen den Weg oft nicht, müssen Strassen buchstabiert bekommen- und haben vielfach keinen TAXISCHEIN!!!! Eine Vielzahl von Taxifahrern fährt ohne Genehmigung und Prüfung. Danke auch!

  8. 66.

    Mir ist es egal was auf dem Taxi drauf steht, mir ist es wichtig dass Taxis ohne Navi zurecht kommen. LOL.

  9. 65.

    Auf Kommentare sollten Sie schon konkret eingehen. Die meisten hier haben ihre Erfahrungen mit Taxifahrern beschrieben. Möchten Sie noch mehr Beispiele? Bitte: neulich hat ein Taxifahrer erstmal seinen Kofferraum aufräumen müssen, damit mein Gepäck Platz fand. Das Taxi war für eine Fahrt zum Flughafen Tegel vorbestellt. Ich hatte nur einen Koffer.... Noch ein Beispiel: Vom Sophie-Charlotte-Platz Richtung Zehkendorf Mitte wollte der Fahrer die Kantstrasse bis zum Zoo fahren. Erst auf Nachfrage, weshalb der Umweg kam ein Brummeln und dann fuhr der Fahrer ohne Umweg. Keine Erklrärung für sein Verhalten. Beim Bezahlen gab es natürlich kein Trinkgeld. Darauf hin wurde ich beschimpft über meinen Geiz...Hab leider noch mehr Beispiele. Auch in Gesprächen mit Kollegen kommen immer wieder kritische Töne über das Taxigewerbe.

  10. 64.

    Aus so vielen Kommentaren geht leider hervor, dass diejenigen, die das Taxi in Berlin nie nutzen, die größten Kritiker sind. Die Herrschaften schimpfen vom Hörensagen auf das Gewerbe und haben noch nie ein Taxi von Innen gesehen. Es geht einzig und allein darum, dass nicht mit gleichen Regeln gespielt wird. Taxen gehören zum öffentlichen Personennahverkehr und bekommen gesetzliche Vorgaben, die sie zu erfüllen haben. Da wird dann nicht nur der Preis vom Senat festgelegt. Nur das unternehmerische Risiko, das haben die Unternehmer gefälligst selbst zu tragen. Berlins Taxiflotte ist wohl die modernste Deutschlands. Tausende Fahrzeuge sind in den letzten 3 Jahren erneuert worden. Und dann kommt so ein hergelaufener Multikonzern und zerstört eine bestehende und funktionierende Infrastruktur, setzt Sozialbetrueger in Autos, die auf 450€-Basis arbeiten, wo es nicht möglich ist, Umsätze oder Arbeiszeitnachweise zu dokumentieren, da keine Wegstreckenzaehler eingebaut sind.

  11. 63.

    Vielleicht sollten Sie mal überlegen, weshalb Uber überhaupt eine Chance auf dem Markt hat. Das könnte ja vielleicht auch am schlechten Angebot der „klassischen“ Anbieter liegen. Wenn bei denen mal der Servicegedanke in die Köpfe k9mmen würde, könnte Uber nicht Sie in den Markt eingreifen, Aber als Kunde eines Taxifahrers komme ich mir oft vor wie reines Transportgut. Taxis müssen einfach besser werden.

  12. 62.

    >>Nach dem Fehlstart in Deutschland 2014 will Uber-Boss Dara Khosrowshahi nun zuerst in den Dialog mit Politikern und den Stadtverwaltungen treten. "Früher ist Uber immer volle Kraft voraus - rein in ein Land und los. Die lokalen Gesetze und Gegebenheiten wurden viel zu wenig berücksichtigt. Das haben wir ganz klar geändert", macht Khosrowshahi in einem Interview mit der "FAS" deutlich.<< Fehlt nur noch: "Und heute ändern wir die Gesetze gleich mit!" https://taxiinformationen.wordpress.com/2018/10/12/studie-uber-state-interference/

  13. 61.

    Vielleicht wäre es ja auch mal einen Gedanken wert, ob nicht der Flughafenbereich gesondert vergeben werden könnte. Hin ist ja kein Ding, Aber reguläre Taxis müssten da nicht stehen und warten. Da könnte Vlt ein anderer Betreiber Shuttle Dienste "besser" anbieten. Das ist jetzt noch kein näher durchdachter Vorschlag. Mehr so eine Idee für ein Brainstorming, Viele Taxen stehen da eh lange nutzlos herum.

  14. 60.

    Nun findet ja Taxifahren in Berlin bei weitem nicht nur am Flughafen Tegel statt. Allerdings ist die Situation dort in der Tat problematisch, wahrscheinlich findet sich dort die höchste Konzentration an inkompetenten und auch zum Teil illegal arbeitenden Fahrern. Leider ist die Berliner Verwaltung offensichtlich nicht willens oder in der Lage, diesem Treiben durch Kontrollen in ausreichendem Maße Einhalt zu gebieten. Dies schadet den Fahrgästen und ehrlich arbeitenden Fahrern gleichermaßen. Gleichwohl ist es auch am Flughafen Tegel möglich, per Telefon oder App ein Taxi zu bestellen. Dies dürfte die Chance auf einen freundlichen und kompetenten Fahrer beträchtlich erhöhen...

  15. 59.

    Viele die für UBER als Sub-Unternehmer hinter dem Lenkrad sitzen,sind ehemalige Taxifahrer,die mit defolierten Ex-Taxen sich illegal Bereithalten...Es gibt jährlich nur um die 150! schriftliche Beschwerden, bei jetzt über 8138 Taxen in Berlin...Keine Behörde kann mehr sagen,wieviele Mietwagen sich täglich illegal Bereithalten...

  16. 58.

    Schön, wie einige hier die Taxler in Schutz nehmen. Ich finde die meisten leider einfach unhöflich und nicht hilfsbereit. Damit sage ich nicht, dass Uber toll ist. Ich sage nur, unser Taxi(un)wesen ist einfach nicht fähig, ausreichend gute Fahrer zu bekommen. Kennt jemand zufällig Statistiken über Beschwerden ggü. den Taxiunternehmen? Ich lasse mich durch Zahlen gerne davon überzeugen, dass nur ich dem Taxigewerk ein schlechtes Image bescheinige.

  17. 57.

    Da haben Sie völlig recht!
    Sogar im Koalitionsvertrag ist verankert dass man über eine Lockerung des Pbge verhandeln muss!
    Da fragt sich wirklich warum sich unsere von uns gewählten Volksvertreter von Uber kaufen lassen!

  18. 56.

    Ohne Uhr kann und darf ein Taxi nicht fahren, da die meisten ein Fixal Taxameter haben und ab 2020 müssen es alle Taxen Deutschlandweit eingebaut haben.
    Uber dagegen stellt sich klar über das deutsche Gesetz hinweg, zahlt alle Strafen , Bußgelder aus der Portokasse.
    Siehe Beispiel Wien und Istanbul!
    Uber will mit allen Mitteln den Markt beherrschen um danach die Preise zu diktieren.
    Am Ende sind nicht nur die Taxifahrer betroffen sondern der Endverbraucher.
    Also wir allee!

  19. 55.

    Gegen Uber mit „Niedriglohn“ zu argumentieren halte ich für gewagt. In der Taxibranche wird nicht selten unter Mindestlohn oder für Wartezeiten garnicht gezahlt, siehe z.B. „Taxiunternehmen mogeln sich um Mindestlohn“ im Tagesspiegel Ende 2017.
    Wenn die Taxibranche sich nur mit rechtlichen Mitteln gegen Uber wehren kann und nicht durch Mehrleistung gegenüber dem Konkurrenten, dann hat sie den Kampf schon verloren. Auch hier ein disruptiver Markt, wie schon bei Handys, Fernsehern, Kameras, Hotels (AirBnB).
    Und da ich sowohl als Fahrgast als auch als Autofahrer wahrlich kein Fan vieler Taxifahrer bin, freue ich mich über den Konkurrenzkampf.

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