Eine Pflegekraft kümmert sich in einem Pflegeheim um eine ältere Dame und kontrolliert den Blutdruck. (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)
Video: Brandenburg aktuell | 26.11.2018 | Bild: dpa

rbb|24-Datenrecherche - Diese Fachkräfte werden in Berlin und Brandenburg gesucht

Der oft beschworene Fachkräftemangel ist gar nicht so einfach zu berechnen. Die Zahlen der Arbeitsagentur legen zumindest nahe, dass es in bestimmten Berufsgruppen Engpässe gibt. Berlin und Brandenburg suchen etwa Altenpfleger. Von Götz Gringmuth-Dallmer

Die Arbeitsmärkte in Berlin und Brandenburg leiden offenbar in verschiedenen Berufsgruppen an einem Fachkräftemangel. Das legen aktuelle Daten der Arbeitsagentur nahe, die rbb|24 ausgewertet hat.

So gab es in Brandenburg im Verlauf der vergangenen zwölf Monate (Stand Oktober) unter anderem bei Klempnern, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern, in Gesundheitsberufen, in der Energietechnik und bei Altenpflegern durchschnittlich mehr gemeldete offene Stellen als Arbeitslose. Auch bei der Bodenverlegung, in der Mechatronik und Automatisierungstechnik sowie weiteren Berufsgruppen werden händeringend Fachkräfte gesucht. Insgesamt trifft der Mangel auf 14 Berufsgruppen zu (s. Grafik).

Zudem dauert die Besetzung der offenen Stellen in den genannten Bereichen im Schnitt zwischen fünf und acht Monaten und somit deutlich länger als in anderen Berufen.

Überangebot unter anderem bei der Gebäudetechnik

Ursachen für die Nichtbesetzung von Stellen sind die geringe Zahl an Bewerbern, eine unzureichende Qualifikation der Bewerber, fehlende Bereitschaft der Arbeitssuchenden, die Arbeitsbedingungen zu erfüllen, und zu hohe Lohn- und Gehaltsforderungen. Das geht aus der aktuellen Stellenerhebung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) hervor, bei der regelmäßig Betriebe in Deutschland nach Ihrem Arbeitskräftebedarf befragt [IAB.de].

Ein deutliches Überangebot im Jahresvergleich gab es dagegen zum Beispiel bei Berufen in der Gebäudetechnik, bei Büro- und Sekretariatskräften oder auch in der Hauswirtschaft und Verbraucherberatung.

Auch in Berlin fehlen Altenpfleger und Sanitärfachkräfte

Auch in Berlin gab es einige Berufsfelder, in denen es an Arbeitskräften fehlte, allerdings nur sechs und damit nicht ganz so viele wie in Brandenburg. Im Verlauf der vergangenen zwölf Monate (Stand Oktober) fehlten in der Hauptstadt insbesondere in der Altenpflege sowie bei Klempnern, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikern Fachkräfte. Hier gab es durchschnittlich mehr gemeldete offen Stellen als Arbeitslose.

Auch bei der Energietechnik der Mechatronik und Automatisierungstechnik, beim Verkauf von Lebensmitteln sowie bei Berufen aus den Bereichen  Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsdienst und Geburtshilfe gibt es Engpässe bei der Besetzung von Arbeitsstellen. Zudem dauert die Besetzung der offenen Stellen in den genannten Bereichen oftmals vier bis fünf Monate und somit länger als in anderen Berufen.

Ein  Überangebot gab es in Berlin dagegen zum Beispiel bei Berufen in der Gebäudetechnik, bei Büro- und Sekretariatskräften sowie in der Gastronomie.

Vakanzzeiten in beiden Bundesländern gestiegen

Die sogenannte Vakanzzeit war in Berlin in den vergangenen zwölf Monaten in der Altenpflege besonders hoch. Vakanzzeit ist die Zeit, die benötigt wird, um eine offene Stelle neu zu besetzen. Laut Engpassanalyse der Arbeitsagentur vom Oktober 2018 [arbeitsagentur.de] betrug sie in der Altenpflege im Schnitt 149 Tage, also mehr als fünf Monate.

Im Vergleich zu den Daten aus dem Oktober 2013 sind in beiden Bundesländern insgesamt die Vakanzzeiten in allen Berufen gestiegen. In Brandenburg stieg der Gesamtwert von 63 Tagen im Jahr Oktober 2013 auf 110 Tage im Oktober 2018. In Berlin lag der Gesamtwert im Oktober 2013 bei 70 Tagen, im Oktober 2018 bei 96 Tagen.

Viele Berufsgruppen waren in der Engpassanalyse im Oktober 2013 noch nicht vertreten, wie zum Beispiel Technische Zeichner, Kaufleute in Verkehr und Logistik oder Berufe in der Technischen Produktionsplanung.

Nicht beachtet wurden in dieser Analyse die sogenannten Helferberufe. In Branchen, die auch auf Helferberufe angewiesen sind, wie zum Beispiel die Altenpflege, können fehlende Helfer den Mangel noch verschärfen.

Bei den Berufsgruppen, die schon 2013 eine lange Vakanzzeit hatten, hat der Bereich Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klimatechnik um 126 Tage (102 auf 228 Tage) zugelegt. In Berlin gibt es im Vergleich zu 2013 die größte Steigerung beim Verkauf von Lebensmitteln (58 auf 146 Tage), eine Differenz von 88 Tagen.

Für einen Fachkräftemangel gibt es bislang keine allgemeingültige Definition. Der Fachkräftemonitor der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) zeigt in seinen Analysen teilweise andere Ergebisse - wie zum Beispiel bei Büro- und Sekretariatsberufen. Zudem gibt es für Unternehmen keine Verpflichtung, offene Stellen an die Arbeitsagentur zu melden. Die oben genannten Zahlen bilden deshalb auch nur einen Teil der Wirklichkeit ab.

Indikatoren für einen Fachkräfteengpass

Die Arbeitsagentur schreibt in ihrer Fachkräftenegpassanalyse: "Für die Beurteilung von Fachkräfteengpässen gibt es weder eine allgemeingültige Definition noch eine alles umfassende Berechnungsformel. Jedoch erscheint es möglich, aus der Zusammenschau verschiedener Informationen Fachkräftemangel in bestimmten Berufen oder Berufsgruppen zu lokalisieren."

Folgende Informationen sind bei der Bewertung relevant:

Ein Mangel liegt vor wenn folgende Grenzwerte erreicht werden:  

  • Die durchschnittliche abgeschlossene Vakanzzeit im betrachteten Beruf liegt 30 bis 40 Prozent über dem Durchschnitt aller Berufe. 
  • Auf 100 offene Stellen kommen bei Fachkräften und Spezialisten weniger als 200 Arbeitslose – bei Experten weniger als 400. 
  • Die berufsspezifische Arbeitslosenquote (bezogen auf alle Erwerbstätigen und Arbeitslosen) liegt nicht höher als drei Prozent.
Für die Auswertung liegen rbb|24 Zahlen zu den ersten beiden Punkten vor, für den dritten Punkt nicht. Berufsgruppen, die diese beiden Grenzwerte erreicht haben, sind in den Diagrammen oben dargestellt. In der Engpasanalyse sind sozialversicherungspflichtige Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten (das heißt ohne Helfer) enthalten, vorausgesetzt, es gibt mindesten 60 gemeldete offene Stellen. Ausgeschlossen sind Stellen in der Zeitarbeit.

Sendung: Inforadio, 26.11.2018, 7 Uhr

Beitrag von Götz Gringmuth-Dallmer

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1 Kommentar

  1. 1.

    Warum werden Erzieher und Lehrer nicht aufgeführt? Hier soll es doch immer noch einen immensen Mangel geben...

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