Engelbert Lütke Daldrup (Quelle: NurPhoto/Emmanuele Contini)
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Lütke Daldrup für weniger Regulierung - Berliner Flughafenchef beklagt Zunahme von Baunormen

Knapp 800 technische Anlagen gibt es im künftigen Hauptstadtflughafen BER. Seit einem Jahr prüft der TÜV, vermutlich kommt noch eins hinzu. Der Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup meint: Die Deutschen machen es sich unnötig schwer.

Ein wachsender Wust von Normen macht aus Sicht des Berliner Flughafenchefs Engelbert Lütke Daldrup große Bauvorhaben immer schwieriger. "Vor 20 Jahren hatten wir nur 25 Prozent der Normen, die wir heute haben", sagte Lütke Daldrup der Architekturzeitschrift "ARCH+". "Ließe man von diesen die Hälfte weg, wäre es generell einfacher, billiger und effizienter in Deutschland zu bauen."

Lütke Daldrup arbeitet seit gut eineinhalb Jahren daran, den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld vor den Toren Berlins an den Start zu bringen. Der sollte eigentlich seit sieben Jahren in Betrieb sein. Die Eröffnung musste aber mehrfach verschoben werden, weil Planungsfehler, Baumängel und Technikprobleme die Zeitpläne zunichte machten. Auch Lütke Daldrups Vor-Vorgänger Hartmut Mehdorn hatte über deutsche Regelungswut geklagt.

"Wir fesseln uns durch ein regulatorisches Korsett"

"Es geht nicht nur um Berlin", versicherte Lütke Daldrup. "Fast alle Großprojekte in Deutschland haben Probleme." Normen gingen über das vernünftige Maß hinaus, es werde kontraproduktiv. "Wir fesseln uns durch ein regulatorisches Korsett und werden dadurch immer unbeweglicher."

Der gelernte Stadtplaner nannte als Beispiel Kabeltrassen, wie sie im BER-Terminal umfangreich saniert werden mussten. Es sei geregelt, wie Kabel voneinander getrennt werden, wie sie beschriftet werden, wie viele Aufhängungen in welchen Abständen es geben müsse, wie Kabel gebogen werden müssen und so weiter. Keinerlei Abweichung werde toleriert.

Lütke Daldrup vermutet Eigeninteressen von Ingenieuren

Hinter der wachsenden Zahl von Normen vermutet Lütke Daldrup Eigeninteresse von Ingenieuren in Normungsausschüssen, die auf Gutachteraufträge hofften. Er schlug vor, Normen zu befristen und ein Moratorium für weitere Regeln zu verhängen. "Man sollte den niedrigsten Baustandard aller Bundesländer zum bundesrechtlichen Regelstandard machen."

Baunormen seien nicht die Hauptursache, aber ein Grund dafür, dass der neue Flughafen mit seinen 786 technischen Anlagen nicht fertig ist, sagte Lütke Daldrup. "Seit einem Jahr werden wir vom TÜV geprüft und haben wahrscheinlich noch ein weiteres Jahr vor uns."

CDU wirft Frage nach Eröffnungstermin auf

Christian Gräff, der für die Berliner CDU-Fraktion im BER-Untersuchungsausschuss sitzt, erklärte zu den Äußerungen Lütke Daldrups, dies ließen "nichts Gutes hoffen". Er habe Zweifel, ob der Flughafenchef die Vorgänge in der Gesellschaft und auf der Baustelle wirklich noch im Griff habe. "Möglicherweise ist dem Geschäftsführer längst bewusst, dass der Eröffnungstermin im Jahr 2020 nicht zu halten ist, dann muss er es aber auch offen sagen", heißt es in einer Presseerklärung der CDU-Fraktion.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.11.2018, 11 Uhr

Kommentar

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34 Kommentare

  1. 34.

    Zuviele Fastfood-Köche verdarben den BER-Brei.

  2. 33.

    Hoffentlich verlieren wir nicht bald bei diesen jahrzehntelangen Verzögerungen den IATA-Code Anspruch.

  3. 31.

    Dann sagen Sie das mal dem Bauherrn des BER, dass ihn die Normen nichts angehen..... Herr Daldrup jammert doch über die Normen.... Sie verkennen die Verantwortung eines Bauherrn.

  4. 30.

    Der Bauherr ist der lediglich der Auftraggeber, der braucht sich nicht um Normen kümmern, denn das sollten Firmen erledigen, deswegen nimmt man sich Firmen für normgerechten Bau.
    Seit wann muss der Bauherr ein Fachwissen haben? Klar informiert werden will er, denn er muss es bezahlen.
    Sonst könnte jeder sein Eigenheim mit eigener Hand selber ohne Firmen bauen.
    Der Bauherr bekommt nur die Rechnung serviert.
    Wir brauchen unbelastete Firmen, bzw. Firmen die das tun was sie sollen, und nicht sabotieren und abzocken.
    Aber da stecken die Politiker und Manager zu stark im Sumpf. Um dem vorzubeugen sollte man endlich Vertragsstrafen wie in den USA verhängen, pro Tag mindestens 250.000 Euro je Firma.

  5. 29.

    Jeder kleine private Bauherr wird mit unzähligen Normen überfrachtet und vom Staat beaufsichtigt. Und dann schafft der Staat es nicht, sich an seine eigenen Regeln zu halten? Oder empfindet sie auf einmal als regulatorisches Korsett? Wer erteilt denn die Baugenehmigung mit den entsprechenden Normen? Unfassbar. Und das im Jahre....12(?) seit Spatenstich.... Mit der Zeitrechnung ist das so eine Sache, der Hinweis auf Normen von vor 20 Jahren Dienst wozu? Ich glaube seitdem haben wir unzählige Veränderungen schon alleine aufgrund der energetischen Anforderungen gehabt.

  6. 28.

    User Gala hat doch völlig Recht. Die De-Zentralisierungswut geht so weit, daß Gemeinden ihre eigene Stellplatzsatzung und Baumschutzsatzung haben. Wenn ich einen Baum fällen will oder die erforderlichen Stellplätze ermitteln, muß ich erst bei der Gemeinde nachfragen. Das ist doch VÖLLIG GAGA. Selbstverständlich ließe sich auch eine bundesweit einheitliche Bauordnung aufstellen. Ihr Einwand mit den Hochhäusern geht doch völlig an der Realität vorbei. Und die länderspezifischen Abweichungen sind eben NICHT marginal sondern sind regelmäßig dafür entscheidend, ob eine Baugenehmigung erteilt werden kann. Zu diesem Bürokratieterror kommt verschärfend hinzu, daß Bauordnungen usw. regelmäßig geändert werden. Das ist doch nicht mehr normal, was hier abgeht.

  7. 27.

    Oh mein Gott, hat denn dieser Hr. Daldrup keine Berater, die ihm raten, was man besser in der Presse nicht sagen sollte als Chef eines anspruchsvollen Großprojektes... Jetzt die Komplexität eines solchen Projektes zu bejammern lässt an der Tauglichkeit dieses "Flughafenchefs" doch ernstlich zweifeln. Man sollte denken, dass nicht nur Chinesen Flughäfen bauen können, sondern auch Deutsche; und das unter Einhaltung aller gültigen Normen. Aber das ist wohl doch nicht so. Sehr traurig das alles.

  8. 26.

    Ohhhh, nun mussa arbeiten.

  9. 25.

    @Gala: Weichen die Normen so stark voneinander ab?

    Nein. Die Länderbauordnungen beruhen auf der Muster-Bauordnung des Bundes. Länderspezifische Abweichungen dort sind eher marginal und auch hier gilt: Mit entsprechendem Fachverstand lassen sich Kompromisse finden. Flächenländer haben z. B. keine eigene Hochhaus-Bauordnung etc.. Den niedrigsten Standard aller Bundesländer zu definieren ergibt keinen Sinn. Dafür gibt es bereits die MBO.

    Normen gelten bundesweit (DIN) oder sogar europaweit (EN). Zuweilen gibt es Widersrprüche z. B. zu Normen des VDE (Verband der deutschen Elektroindustrie). Einer guten Fachplanung (Ingenieur nicht Stadtplaner) sind solche Dinge natürlich bekannt. Es gibt länderspezifische Verwaltungsvorschriften, aber auch diese sind kein Geheimnis und es würde mich wundern, wenn das Baurecht in Brandenburg besonders kompliziert ist. Hessen, Bayern und NRW haben länderspezifische Regelungen in deutlich größerem Ausmaß.

  10. 24.

    "Man sollte den niedrigsten Baustandard aller Bundesländer zum bundesrechtlichen Regelstandard machen." Weichen die Normen so stark voneinander ab?

  11. 23.

    Da hat der TÜV viel Arbeit, wenn die Verantwortlichen so über Normen denken. Nach der Aussage des Flughafenchefs würde ich ja noch genauer hinschauen......

  12. 22.

    Normen ziehlen zumeist auf die Eigenschaften des Produktes ab. Der Hersteller übernimmt bei nichteinhaltung keine Garantie. Ist also das Lichtleiterkabel zu stark gekickt......
    Was daraus wird ist so schön am E-Lüdershaus zu spüren. Aufsichtsrat und Kontrollgremien müssen halt arbeiten und nicht Schampanier saufen.

  13. 21.

    Wie voraus gesehen- großes Getöse beim Antritt, Zweifler niedergemacht, Vorschusslorbeeren in Form der dicken Abfindung kassiert, die Allgemeinheit mit Worthülsen bei Laune gehalten und nun da die Zeit zum Liefern langsam aufläuft, einen Schuldigen, sprich die bösen Normen, als Blitzableiter präsentieren. Das Managerversorgungswerk BER wird dem Steuerzahler wohl noch eine Weile erhalten bleiben. Man darf gespannt sein, wer der nächste Alleinunterhalter mit dem Titel Flughafenchef wird. Und wahrscheinlich wird allein nur der Auftritt und nicht die Leistung großzügig honoriert werden.

  14. 20.

    Wer beim bauen Normen einhält, bei dem besteht die Vermutungswirkung, dass er alles richtig gemacht hat. Normen sind keine Gesetze und deshalb darf beim Nachweis gleicher Sicherheit auch von Ihnen abgewichen werden. Sie befreien prinzipiell nicht vom Einschalten des gesunden Menschenverstands, wenn die entsprechende Fachkraft sich des eigentlichen Schutzziels (also des Sinns der Norm) bewusst ist. Abgesehen davon gibt es noch die Genehmigungsbehörden, mit denen man über die korrekte Anwendung der Norm durchaus diskutieren kann und darf. Bei derart komplexen Bauvorhaben muss das so sein.

    Aber Andersrum: Warum scheint es deutschlandweit außerhalb des BER mit dem normgerechten Verlegen von Kabeln keine grundlegenden Probleme zu geben? Wer will, kann ein gewisses Maß an Überforderung in so einer Aussage sehen.

  15. 19.

    Jetzt sind die Normen schuld. Klingt mir eher wie eine Ausrede für die nächste Verschiebung des Eröffnungstermins.

  16. 18.

    Wer, wie ich, über 30 Jahre mit dem Aufbau von Fabriken zu tun hatte, wundert sich nicht - Es muss so sein!
    Aber: Die Klage über regulative Einschränkungen zeigt, dass man nicht bereit ist, die Prozesse entlang der Gestehung zu optimieren. Wenn Auftraggeber den Auftragnehmern schon vor Auftragserteilung Millionen abgepresst haben, wird immer nur mit dem global billigsten Personal und dessen Qualifikation (über 90% EU Ausland im Osten) zu leisten sein.
    Projekte steuern heute Personen mit MBA Ausbildung - klar, dass denen Biege-Radien vorkommen wie "böhmische Dörfer". Fakt ist, wenn ein Lichtleiterkabel einmal zu stark (eng) gebogen wurde, arbeitet es lebenslang mit Fehlern. Die moderne Technik ist so gut, dass diese Fehler selten direkt als Fehler zu erkennen sind - aber die "Datenautobahn" ist dann nur noch ein "Feldweg mit Schlaglöchern" - ergo braucht es Kontrollen.
    Eigenverantwortung statt Normen braucht Qualität. Gönnen wir uns diese doch!

  17. 16.

    Sorry, da muss ich dem Herrn Lütke Daldrup irgendwie zustimmen. Habe selber jeden Tag damit zu tun und muss sagen es wird immer schlimmer. Jedes Detail wird mehr oder weniger sinnvoll oder sinnlos geregelt, erzeugt Aufwand und Kosten. Man fragt such manchmal, wo da der gesunde Menschenverstand bleibt . Aber Baunormen und gesunder Menschenverstand haben nicht immer etwas miteinander zu tun.

  18. 15.

    Erstklassige Choreografie eines Politprofis . . .

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