Lichtwellenleiter in Beton von der Firma SIUT (Quelle: SIUT/KRANERT)
Video: Brandenburg aktuell | 30.11.2018 | Isabel Bures | Bild: SIUT/KRANERT

Innovationspreis Berlin Brandenburg - Der Gag steckt im Beton

Ein leuchtender Bahnsteig und ein batteriebetriebener Zug: Das sind zwei von fünf Geschäftsideen aus der Region, die am Freitag mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg ausgezeichnet wurden. Franziska Ritter stellt die Gewinner vor.

Auf den ersten Blick sieht der "Talent 3" von Bombardier aus wie ein ganz normaler Zug aus. Doch in dem Triebwagen, den der Fahrzeughersteller zusammen mit der Technischen Universität Berlin entwickelt hat, steckt eine Innovation. Auf dem Dach befinden sich Lithium-Ionen-Batterien - sieben Tonnen schwer -, mit denen der Passagierzug auf Strecken ohne Oberleitung fahren kann. Dort sind bislang Dieselzüge im Einsatz, von denen es in Deutschland noch über 2.000 gibt. Sie pusten schädliches Kohlendioxid und andere Schadstoffe in die Luft. Batteriezüge könnten dafür sorgen, dass die Umweltsünder auf dem Abstellgleis landen.

"Talent 3" von Bombardier (Quelle: Franziska Ritter/rbb)
Der "Talent 3" auf der Teststrecke | | Bild: Franziska Ritter/rbb

Reichweite soll von 40 auf 100 Kilometer steigen

Gibt es auf der Bahnstrecke eine Oberleitung, werden die Lithium-Ionen-Akkus an Bord in bis zu zehn Minuten aufgeladen. Ohne Oberleitung fährt die E-Lok ihre Stromabnehmer ein und nutzt die zuvor gespeicherte Energie.

Momentan kommt der "Talent 3" mit seinen Hochleistungsbatterien maximal 40 Kilometer weit. Bei der nächsten Generation, an der Bombardier schon arbeitet, soll die Akkuladung für bis zu 100 Kilometer reichen. Dann könnte der Zug einen Großteil der Bundesstrecken abdecken, auf denen es keine Oberleitung gibt. Sie machen rund 40 Prozent des deutschen Schienennetzes aus.

Noch wartet der der Batteriezug auf seine Zulassung. Im kommenden Jahr soll er in Baden-Württemberg probehalber den Passagierverkehr aufnehmen, bevor er in Serienproduktion geht. Gebaut wird er im Werk in Hennigsdorf, heißt es vom Hersteller.

174 Bewerbungen, fünf Preisträger

Für den "Talent 3" ist Bombardier am Freitagabend mit dem Innovationspreis Berlin Brandenburg ausgezeichnet worden. Insgesamt fünf Preisträgern wurde im Berliner Museum für Kommunikation ein symbolischer Scheck über je 10.000 Euro überreicht.

Die Berliner Senatsverwaltung hatte den Innovationspreis vor 34 Jahren ins Leben gerufen - seit 1992 lobt sie ihn gemeinsam mit dem Land Brandenburg aus. Wirtschaftsunternehmen aus der Region unterstützen ihn finanziell.

In diesem Jahr sind 174 Bewerbungen für den Innovationspreis eingegangen, so viele wie noch nie. Experten aus Wirtschaft und Forschung bewerteten dann die Innovationskraft der eingereichten Ideen, ihre Marktreife und ihren volks- und betriebswirtschaftlichen Mehrwert. "Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr den gesellschaftlichen Nutzen für die Region Berlin-Brandenburg herausgearbeitet und bewertet", erläutert Eckart Uhlmann vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik, der der 17-köpfigen Jury vorsteht.

Wenn die Bahnsteigkante leuchtet

Die Firma SIUT war - nach 2016 - in diesem Jahr zum zweiten Mal für den Innovationspreis Berlin Brandenburg nominiert. Dieses Mal hat es mit einem Preis geklappt. Die Firmengründer, Benjamin Westerheide und Vincent Genz, integrieren Lichtwellenleiter in Beton und bringen den Werkstoff so zum Leuchten. Das sieht schick aus, ist aber auch funktional: Mit dem Patent lassen sich Formen, Linien und Pfeile darstellen. So wird der Bodenbelag zum Wegweiser oder Warnhinweis.

Das Start-up, das 2015 in Berlin gegründet wurde, arbeitet inzwischen mit der Deutschen Bahn zusammen. Lichtfaserbeton, wie die Firmengründer ihre Erfindung nennen, soll dafür sorgen, dass sich Reisende besser am Bahnsteig orientieren können. Bis Ende des Jahres testet der DB-Konzern die Technologie in einem Bahnhof in Stuttgart. Die leuchtende Bahnsteigkante zeigt an, wo der nächste Zug hält, wie lang er ist und zum Teil sogar, wo im Abteil noch Plätze frei sind.

Lernen im digitalen Zeitalter

Auch das Hasso-Plattner-Institut ist unter den fünf Preisträgern des diesjährigen Innovationspreises. Die Potsdamer entwickeln eine Internetplattform, die Lehrern und Schülern einen einfachen Zugang zu digitalen Lehrinhalten bieten soll. In der sogenannten Schul-Cloud gibt es Texte, interaktive Aufgaben, Bilder und Videos. Die Plattform, an der das Hasso-Plattner-Institut mit Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung und Bildung arbeitet, soll Inhalte verschiedener Anbieter einbinden. Bislang testen drei Schulen in Brandenburg und vier in Berlin die Onlinelösung.

Rohstoffe für die Energiewende, Orientierung ohne GPS

Preisträger Siqal aus Berlin wiederum hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Rohstoffe hergestellt werden können, die für die Energiewende von entscheidender Bedeutung sind: Aluminiumoxid, das als Basis für Leuchtdioden dient, und Silizium, welches für die Herstellung von Solarzellen benötigt wird. Das Berliner Unternehmen sucht derzeit noch Investoren, um eine Pilotproduktion aufzubauen.

Großes plant auch das Institut für Optische Sensorsysteme am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Es hat eine Technologie entwickelt, die bei künftigen Forschungsmissionen auf fremde Planeten eine entscheidende Rolle spielen könnte. Das Sensorsystem bestimmt seine Position und eigene Bewegung, ohne dafür ein GPS-Signal zu benötigen.

Beitrag von Franziska Ritter

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9 Kommentare

  1. 9.

    So so, direkt im Beton? Oder eher als eingelassene Metallschiene? Hier ist keine Naht. Keine Stolperquelle. Das Licht ist direkt im Beton. Sie erkennen den Unterschied?

  2. 8.

    Trotz gegenteiliger Behauptungen ist der Batteriezug nicht die günstigste Option. Denn wirtschaftlich überlegen ist er nur, wenn man die Kosten für die Ersatzbatterie ausblendet. So in einer aktuellen Studie zu lesen: ETR, 9/2018, S. 116

    Ganz ohne Strom fährt ein Biomethan-Zug auf Abfall- und Reststoffbasis.

  3. 7.

    Auf dem oberen S-Bahnsteig Friedrichstraße gab es die auch schon mal, aber nur kurz.
    Also was ist an dem Vorschlag innovativ? - Vermutlich gab es auch einen triftigen Grund, das wieder abzuschaffen, oder ging es nur um das Stromsparen ?

  4. 6.

    Genau. Das stimmt! Diese Leuchtstreifen gab es schon mal. Ich glaube allerdings, dass die damals größer waren. Wenn mich nicht alles täuscht waren die 2005 oder 2006 noch in Verwendung.
    Also ist das wirklich keine Innovation. Ha. Lächerlich :-)!

  5. 5.

    Wenn diese Preisverleihung tatsächlich etwas mit Innovationen zu tun haben soll, dann bange ich um die Zukunft Deutschlands!

    Graf von Schellenberg

  6. 4.

    Wenn die triviale Lixhtzeichenanlage wirkungsvoll verhindern könnte, dass auf den Bahnsteig die aussteigenden Passagiere behindert werden und dass spätestens mit den neuen S-Bahnen niemand mehr die Abfahrt durch Blockieren der Lichtschranke in den Türen verhindert, wäre sie preisverdächtig.

    So ist sie es aber genausowenig wie die Akkus auf dem Dach eines E-Zuges.

  7. 3.

    Ganz großartig, Spielerei³.

  8. 2.

    In der großen weiten Welt Gang in gebe.
    Au Mann sind die Weltfremd. Sorry komme gerade aus KL und SIN.

  9. 1.

    Das gab es in den 90ziger Jahren schon mal auf dem S - Bahnsteig Alexanderplatz.

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