Florian Augustin, Stefan Krajci und Anne Calmet von <<Öklo>>. (Quelle: rbb/Martin Adam)
Audio: Inforadio | 01.11.2018 | Martin Adam | Bild: rbb/Martin Adam

Sägespäne zum Spülen - Brandenburgisches Start-up setzt auf Öko-Klos

Von Start-ups aus Brandenburg hört man vergleichweise wenig - noch. Martin Adam hat ein junges Unternehmen in Eberswalde besucht, das im wahrsten Sinne des Wortes aus "Scheiße Gold machen" will: mit Öko-Toiletten zum Mieten.

"Es geht um Leben und Kot!" steht auf einem Aufkleber an der Tür, die Stefan Krajci gerade vom Lkw hievt. Daneben das Logo seines jungen Unternehmens: "Öklo". Krajci hängt die Tür ein – und die Öko-Klokabine aus Holz ist einsatzbereit. Etwa zwei bis drei Minuten daure es, bis ein Klo steht.

Innenansicht einer <<Öklo>> Toiletten-Kabine. (Quelle: Stefan Krajci)
Blick in die Öklo-Toilette | Bild: Stefan Krajci

Als Auffangbehälter dient eine kleine Standard-Mülltonne. Darüber kommt ein Brett mit Loch und Klobrille. Davor sind drei Stufen, um überhaupt auf die Höhe zu kommen. Rückwand und Dach sind aus Lkw-Plane. Das alles wird zusammengehalten von einem schmalen Metallgerüst.

Komposttoiletten statt Dixiklos – für Straßenfeste, Festivals oder Bauarbeiten. Die Benutzung sei ganz einfach, verspricht Stefan Krajci. "Davor steht ein Topf mit Sägespänen und ein Schild, auf dem steht: Streuspülung. Da kann man sich den Becher schnappen, und damit betritt man die Kabine. Und dann kann es losgehen."

Leben und arbeiten in einer alten Papierfabrik

Stefan Krajci und seine Öklo-Mitbegründer haben bisher rund 90 Kabinen im Angebot. Wenn sie nicht vermietet sind, lagern sie wenige Kilometer von Eberswalde entfernt in einer ehemaligen Papierfabrik. Hier hat das Toiletten-Start-up sein Hauptquartier, hier wohnt und arbeitet auch das Team. Zu dritt haben sie Öklo gegründet: Stefan, Cornelius und Florian, alle Ende 20, alle Absolventen der Eberwalder "Hochschule für nachhaltige Entwicklung".  

Florian hat schon während des Studiums seine erste Öko-Toilette gebaut und den kompostierten Inhalt als Dünger gleich weiterverwendet: "Im Jahr darauf habe ich schon angefangen mit dem Material, das wir kompostiert haben, zu gärtnern. Das war faszinierend, wie gut das Gemüse dort wächst. Diesen 'Scheißegarten' hatte ich am anderen Ende des Grundstücks. Da musste ich ein Zehntel soviel gießen, wie die Leute, die vor dem Haus im Sand gegärtnert haben."

Aus dem "Scheißegarten" wurde ein Geschäftsmodell. Anderthalb Jahre später sind sie zu fünft. Für Florian ist das die optimale Arbeit: selbstständig und gut für die Umwelt. Denn die Öklos haben zwei Geschäftszweige: Sie vermieten Toiletten für Veranstaltungen, Baustellen und Schrebergärten und sie wollen aus dem Kompost nachhaltigen Dünger gewinnen. "Beim Ölklo geht es darum, dass man menschliche Ausscheidungen, die sehr nährstoffreich sind, weiter nutzen kann." Kreislaufwirtschaft ist das Ziel.  

Wirtschaftliche "Klovolution" ist angestrebt

"Ressourcenfeuerwerk" nennt Florian das, was am Anfang und Ende der Verwertungskette stattfindet. Aus der Kette müsse ein Kreis werden, findet Florian. Statt Exkremente im Klärwerk zu vernichten, müssten sie als Kompostdünger auf die Felder – eine wirtschaftliche "Klovolution".

Für die muss auch geschweißt und gebohrt werden. Die fünf Öklo-Teilhaber reparieren etwa ihre Klokabinen selbst. Die Werkstatt dafür haben sie direkt vor der Haustür in der alten Papierfabrik. Für ein Start-up wie ihres, sagt Stefan, sei Brandenburg viel besser als Berlin: "Wir hatten schon unser Netzwerk, kannten viele Leute. In Berlin hätten wir gar nicht diese Möglichkeiten, auch nicht die Werkstätten." Außerdem sei Eberswalde gar nicht mehr so piefig. Manchmal weht fast ein wenig Berlin-Spirit durch die Straßen. Vor allem die Hochschule hat viele Jüngere in die Stadt geholt, die auch nicht sofort nach dem Studium wieder weg wollen. "Wir finden es einfach auch schön, in ländlichen Regionen etwas entstehen und wachsen zu lassen."

Innenansicht einer Öklo-Herrentoilette (Quelle: Stefan Krajci)Öklo-Herrentoilette

Noch leben sie aus der Sparbüchse

Auch finanziell haben die fünf Gründer ihr Toiletten-Unternehmen in Brandenburg in Bewegung gesetzt – ohne Start-up-Fördermodelle und Risikokapital. Das Geld dafür, rund 25.000 Euro, kam von Bekannten und Verwandten. Noch leben sie aus der Sparbüchse. Doch sie hoffen, dass sie sich im kommenden Jahr zum ersten Mal auch ein kleines Gehalt auszahlen können. Denn die Aufträge werden größer, erzählt Florian. In diesem Sommer haben sie den Karneval der Kulturen mit Toiletten ausgestattet – und das Wilde-Möhre-Festival mit 5.000 Besuchern.  

Bürokratie kontra Kreislaufwirtschaft

Geschäftsmodell 1, die Vermietung, läuft also. Geschäftsmodell 2 macht Probleme: Denn um tonnenweise Exkremente zu kompostieren, muss ein Platz im Kompostierwerk angemietet werden. Und hier kommt die Bürokratie ins Spiel: Für Dünger aus menschlichen Ausscheidungen existiert noch keine rechtliche Kategorie. Deswegen darf das Toiletten-Start-up aus Eberswalde bisher nur mit Sondergenehmigung arbeiten und den kompostierten Dünger nicht verwenden. Kreislaufwirtschaft ist das noch nicht.

Jetzt wollen die fünf mit wissenschaftlicher Begleitung der Uni Gießen den nächsten Kompost ansetzen – in der Hoffnung, dass der Gesetzgeber bald nachzieht und Kompostklodünger legalisiert.  

Dieser Beitrag ist leicht gekürzt und überarbeitet. Die Originalversion können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Header des Artikels nachhören.  

Beitrag von Martin Adam

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Man sollte froh sein, dass man heute hygienisch sauberzuhaltende WC's und ähnliches hat, und diese Besserwisser kramen eine Bakterienbombe heraus. Leute, wir haben nicht umsonst einen Kanalisation.

  2. 7.

    Bedenklichkeit der Inhaltsstoffe bei Ausscheidungen von Menschen:

    "Das war faszinierend, wie gut das Gemüse dort wächst."

    Der Grundgedanke ist äußerst löblich. Beim Gärtnern, insbesondere beim Anbau von Gemüse und Obst zum menschlichen Verzehr, sollte jedoch dringend davon Abstand genommen werden. Die Bioakkumulation von Arzneimitteln, Schwermetallen, Mikroplaste etc. ist nicht Sinn und Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. Daher Verwendung im Garten ja, aber bitte nicht bei Kulturen zum Verzehr.

  3. 6.

    Wesentlich besser als ein Chemieklo. Durch die Sägespäne riecht es sogar gut.

    @SB
    "Denn die Aufträge werden größer, erzählt Florian. In diesem Sommer haben sie den Karneval der Kulturen mit Toiletten ausgestattet – und das Wilde-Möhre-Festival mit 5.000 Besuchern."
    Auch Dixies werden sicher nicht gratis aufgestellt. Dass mit den Sinnen würde ich mir also noch mal überlegen.

  4. 5.

    Ich finde es wunderbar, dass immer mehr junge Menschen den Begriff Kreislaufwirtschaft verstehen und nicht wie meine Generation den Begriff nur in den Präambeln verkommen lassen (Bio-Anbauverbände). Ich drücke euch ganz fest die Daumen. Und wenn ihr über die GLS Bank mal crowdfunding macht....wäre ich dabei!

  5. 4.

    Öklo statt Google. Wirklich wegweisend, was unsere Hochschulen so auswerfen. Zumal für jeden, der noch alle Sinne beisammen hat, feststeht, dass diese „Jungunternehmer“ nie von ihrem Geschäftsmodell leben werden können. Egal, wenn’s fürs Gute ist…

  6. 3.

    Da ich Plumpsklos noch aus meiner Kindheit kenne, frage ich mich zugleich, wie soll diese Konstruktion aus Holz sauber gehalten,ja, steril bleiben? Ansonsten keine schlechte Idee,

  7. 2.

    Naja ich geh zu Hause auf Klo... aber danke für die Info.

  8. 1.

    Ich habe noch ein guten aber vielmehr nicht so ernstgemeinten Werbespruch für den Start-UP:
    "Wir machen aus Scheiße Geld". Viel Glück Euch;-)))

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