Die sozialistischen Prachtbauten der Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain (Quelle: imageBROKER/Thomas Robbin)
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Wohnungen in der Karl-Marx-Allee - Mieter sollen ohne Eigenkapital kaufen können

700 Wohnungen in der Berliner Karl-Marx-Allee sollen an die Deutsche Wohnen verkauft werden. Die Mieter haben jedoch ein Vorkaufsrecht. Dieses können sie nun wahrnehmen, selbst wenn sie kein Eigenkapital haben, verspricht Finanzsenator Kollatz.

Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hat den Mietern in der Karl-Marx-Allee im Berliner Ortsteil Friedrichshain am Donnerstag Unterstützung beim Kauf ihrer Wohnungen zugesagt. Etwa 700 Wohnungen in den sogenannten Stalinbauten sollen an die Immobilienfirma Deutsche Wohnen verkauft werden, die Mieter haben allerdings das Vorkaufsrecht.

Um dieses Recht in Anspruch nehmen zu können, sollen der Wohnungskaufohne Einsatz von Eigenkapital möglich sein, sagte Kollatz dem rbb. Demnach sei das Ziel dieser Vereinbarungen, dass die Kredite mit den Beträgen bedient werden können, die den derzeitigen Mietzahlungen entsprechen. Die Mieter haben bis zum 5. Januar Zeit, ihr Vorkaufsrecht in Anspruch zu nehmen.

Neben den Mietern wurden auf der Versammlung auch Stadtentwicklungssenatorin Margaretha Sudhof (SPD) sowie Vertreterinnen der Investitionsbank Berlin über den Vorschlag informiert. Üblicherweise müssen die Käufer einer Immobilie mindestens 20 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital mitbringen.

Bezirk hatte bei einem Gebäude selbst Vorkaufsrecht

Die Wohnungen, um die es nun geht, wurden vom Senat nach der Wiedervereinigung verkauft. Der letzte Eigentümer will sie nun an die Deutsche Wohnen abgeben. Es handelt sich um vier Gebäude, von denen eines in einem sogenannten Milieuschutzgebiet liegt. Bei diesem Haus mit 80 Wohnungen hätte der Bezirk selbst ein Vorkaufsrecht geltend machen können, um der Verdrängung alteingesessener Mieter entgegenzuwirken und preisgünstigen Wohnraum zu erhalten. Allerdings könnte sich auch der neue private Eigentümer - in dem Fall die Deutsche Wohnen - verpflichten, bestimmte Standards einzuhalten.

Bei den anderen drei Bauten ist die Sachlage laut Senats komplizierter. Damit eine landeseigene Wohnungsgesellschaft die dortigen Wohnungen hätte kaufen können, hätten die Mieter auf ihr Vorkaufsrecht verzichten müssen.

In der Karl-Marx-Allee in Mitte und Friedrichshain fanden zu DDR-Zeiten Jubelmärsche der SED und Militärparaden statt. Die markanten Gebäude entlang der Magistrale im sozialistischen Stil stammen aus den Fünfziger und Sechziger Jahren.

Sendung: rbb24, 06.12.2018, 21.45 Uhr

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    dann soll man das generell so regeln, dass bei milieuschutz betroffene mieter mithilfe von sonderkonditionen vom, Staat über die investitionsbank unterstützt werden. dies im einzelfall zu machen wirkt ungerecht. die eigenkapitalquote ist teil des Verbraucherschutzes, damit der käufer nicht überschuldet wird.... auch mit blick auf die faulen
    kredite, die zt. von banken mal vergeben wurden. wenn der staat solche überlegungen anstellen möchte, sollte er es offen sagen, denn letztendlich haftet der steuerzahler dann.

  2. 14.

    Was der Senat, die Stadt, die politisch gewählten Vertreter hier machen hat zweifelsfrei eine "winkeladvokatische" Komponente. Ziel der Aktion ist die Rekommunalisierung der Wohnungen. Nicht einzelnen Mietern Eigentum zu finanzieren. Das Gesetz sieht für dieses Ziel kein Vorkaufsrecht vor. Dieses Mandat muss der Wähler jenen Parteien geben, die bereit sind öffentlich zu vertreten was jeder weiss der sich in der Wohnungsfrage auskennt: Ausgehend von einem Durchschnittsverdienst und auf ein Erwerbsleben bezogen, lässt sich mit dem Lebensmittel Wohnungen kein grosser Gewinn erzielen. Das ist einfach so, wenn man die Sozialverpflichtung des Eigentums im Grundgesetz ernst nimmt. Kreditfinanzierte, das Risiko auf den einzelnen Bürger abwälzende Modelle sind in grossem Ausmass in den USA, in GB in Spanien mit hohen sozialen und ökonomisch-gesellschaftlichen Kosten gescheitert. Wir müssen uns -wie Wien- die Stadt zurückkaufen...und kämpfen.

  3. 13.

    Es steht Ihnen frei sich an einer konstruktiven Debatte darüber zu beteiligen, wie bezahlbares, menschenwürdiges, stadtplanerisch und stadtsoziologisch vernünftiges Wohnen organisiert und zur Verfügung gestellt werden kann.
    Gerne aber konstruktiv.
    Sie bezahlen mit Ihrem Steuerbeitrag nicht weniger und nicht mehr für die Bedürfnisse oder Rechte von Anderen als wir alle. Ich geh nicht in die Oper. Das die Steuerlast plus Basis-Lebenshaltungskosten in Abhängigkeit zum Verdienst nicht gerecht angesetzt ist, ist vor allem jenen politisch-ökonomischen Richtungen zu verdanken, die sich mit solchen Sprüchen wie Sie sie hier machen wählen lassen. Damit es genauso bleibt. Angenommen Sie zahlten einen Kredit ab. Wie kommen Sie darauf das sei nicht auch mein Geld mit dem Sie da jonglieren? Wer glauben Sie hat das Geld das Sie nicht haben auf ein Konto eingezahlt, von dem Sie eine Menge Geld auf gut und glauben kriegen. Überraschung! Ist mein Geld. Hab ich verdient und auf die Bank getragen.

  4. 12.

    Leider fehlt der Hinweis, dass der Senat, der die Wohnungen nach der Wiedervereinigung verkloppt hatte, von den Parteien Die Linke und SPD gestellt wurde. Zwischenzeitlich lebten die Mieter viele Jahre im Ungewissen und sind die Mieten ordentlich geklettert. Hätte der rot-rote Senat den Mietern bereits damals das Angebot gemacht, wären die Bewohner längst Eigentümer der Wohnungen. Die zwischenzeitlich erzielten Spekulationsgewinne hätte es dann allerdings nicht gegeben.

  5. 11.

    Das kostet nicht die Stadt Geld, sondern den Steuerzahler, der in aller Regel genug damit zu tun hat, seinen Lebensunterhalt und seine Miete oder Immokreditrate zu bezahlen. Warum sollte Otto-Normal-Steuerzahler für andere Leute Kredite nicht nur subventionieren, sondern auch noch für deren Ausfall haften?

  6. 10.

    Ich kann über einige Kommentare hier nur den Kopf schütteln.
    Da werden Sachen behauptet die jeder Grundlage entbehren. Nein Berlin will nicht die Finanzierung übernehmen und auch nicht auf die Grundsteuer verzichten. Was Berlin machen will ist den Mietern möglich zu machen den Kauf über die Landeseigene Investitionsbank komplett zu Finanzieren. Dabei soll auf Branchenübliche Forderungen verzichtet werden, wie die Eigenkapitalquote, die Mindesttilgung und ein Höchstalter, damit die Wohnungen mit der bisherigen Kaltmiete finanziert werden können. Es wird also niemandem etwas geschenkt. Was gemacht wird ist, dass höhere Kreditausfallrisiko zu übernehmen was keine normale Bank machen würde. Ja das könnte die Stadt in Zukunft Geld kosten wenn der Mieter den Kredit nicht mehr bedienen kann und die Wohnung weniger Wert ist als jetzt.
    Dieses Finanzierungsangebot sollte Berlin aber allen machen die von Verkauf oder Umwandlung in Eigentumswohnung betroffen sind.

  7. 9.

    Hallo Micha, die vier betroffenen Wohnblöcke befinden sich östlich des Strausberger Platzes. Die Gebäude heißen Block D-Nord, Block D-Süd, Block C-Nord und Block C-Süd. Hier sind die vier Blöcke vermerkt (rechts und links von der Straße der Pariser Kommune): https://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp?loginkey=zoomToMapById&mapId=denkmal@senstadt&Id=FLD_09085174
    https://fbinter.stadt-berlin.de/fb/index.jsp?loginkey=zoomToMapById&mapId=denkmal@senstadt&Id=FLD_09085173
    In diesem Beitrag sind die Wohnblöcke ganz unten ungefähr vermerkt: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/2018/12/karl-marx-allee-gespraeche-senat-bezirk-deutsche-wohnen.html

  8. 8.

    Habe auch schlechte Erfahrungen mit der Deutschen Wohnen AG (Berlin) gemacht:

    Wir wollten als Nachmieter in eine Wohnung einziehen. Der Vormieter wusste schon, dass es zum Mieterwechsel eine Mieterhöhung geben sollte, nur wurde weder ihm noch uns vorab gesagt, wieviel genau. Erst als alle Formalitäten soweit geklärt waren kam dann die Katze aus dem Sack: fast 200 Euro wollte die Deutsche Wohnen auf die Netto-Kaltmiete draufschlgen! Das entsprach in dem Fall ungefähr 25% Aufschlag, eine überzogene Frechheit!

    Bei der o.g. Wohnung und auch bei anderen vergleichbaren sind mir außerdem extrem hohe Betriebskosten v.a. für Heizung und Warmwasser aufgefallen: Wie kommt man bitte auf über 240 Euro Heizkosten für 90 qm??? Bestimmt schöpfen die auch darüber Gewinn ab, lässt sich bei Fernwärme ja vom Mieter nicht wirklich kontrollieren ......

  9. 7.

    Ohne Eigenkapital: sehr gefährlich. Und nicht alle Mieter werden noch in jungen Jahren sein, eher im Gegenteil. Also der Vorschlag ist mit Blick auf die Problemlösung für die Mieter nur ein Placebo.

  10. 6.

    Na Mensch, dann bekommen jetzt also alle Berliner Mieter die Chance ihre Wohnung zu Topkonditionen und ohne Grunderwerbsteuer kaufen zu können? Super! Achnee, Moment, sicher nur wenn die Medien darüber berichten.

  11. 5.

    finanziert der Steuerzahler jetzt ausgewählten Mietern den Kauf ihrer Wohnung? Gibt es dann auch für andere Käufer entsprechende Hilfen? Was wird das?

  12. 4.

    Es wäre an der Zeit, wenn das Modell die Häuser bzw Wohnungen ohne Eigenkapital vor den Spekulanten zu schützen, auch für andere MieterInnen möglich gemacht wird! Denn es scheint ja keine anderen Bestrebungen von Seiten der Politik zu geben, diese unsoziale Praxis mit Wohnraum zu spekulieren endlich zu stoppen!

  13. 3.

    Leider ist dem Beitrag nicht zu entnehmen, wer denn nun unter dem Strich das fehlende, aber doch notwendige Eigenkapital finanziert.

  14. 2.

    Die Straße ist lang, genauso wie die Stalinbauten selbst. Welche Hausnummer / Blöcke sind denn hierbei betroffen, alle Bauten entlang der Straße?

  15. 1.

    Ich hoffe den Leuten wird genau erklärt worauf sie sich da einlassen. Ohne Eigenkapital finanzieren ist schon eine gefährliche Nummer aber bei Eigentumswohnungen gibt es keinen Vermieter mehr, den man Belangen kann. Diese Leute müssen also den Kredit beibringen sowie Rückstandszahlungen bzw Instandhaltungszahlungen leisten, da dass Haus in Zukunft Reparaturen und mehr benötigen wird.

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