Das ehemalige Kaufhaus Wertheim am Kurfürstendamm, in dem zuletzt eine Filiale von Karstadt war (Quelle: imageBroker/Thomas Robbin)
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Audio: Inforadio | 04.12.2018 | Thorsten Gabriel | Bild: imageBROKER

Karstadt-Areal am Ku'damm - Keine Mall, keine Hochhäuser, kein Plan

Der Karstadt-Konzern will 900 Millionen Euro in Hochhäuser am Ku'damm investieren. Die Stadt bremst, hat aber selbst keinen Plan. Nicht nur was Hochhäuser angeht, sondern auch mit Blick auf die Zukunft des Einzelhandels im Berliner Westen. Von Oliver Noffke

Wie werden wir in zehn Jahren einkaufen? Wie in 20 oder 50 Jahren? Für die Berliner City-West ist eine belastbare Antwort auf diese Frage überlebenswichtig. Angefangen beim Kadewe am Wittenbergplatz über die Tauentzienstraße, die Kantstraße und vor allem den Ku'damm reihen sich Hunderte Geschäfte. Von der Ich-Herz-Berlin-Tasse bis zur Handtasche im Wert eines Kleinwagens gibt es hier alles zu kaufen. Nur wie lange können die Läden noch der Konkurrenz durch den Online-Handel standhalten? Die Einkaufsmeile braucht dringend einen Plan.

Der österreichische Konzern Signa, Eigentümer Deutschlands größter Kaufhauskette Karstadt, glaubt, in den Innenstädten wird es in Zukunft generell weniger Geschäfte geben. Stattdessen werden große Marken schicke Ausstellungsräume haben, in denen die Kunden viel ausprobieren können. Ob sie dann gleich vor Ort kaufen oder später per App, macht für den Anbieter dann keinen Unterschied mehr. Showroom heißt so etwas auf Neudeutsch. Apple unterhält nach diesem Konzept seit Jahren sehr erfolgreich eine Art Tempel am Ku'damm.

Ein Vorschlag im Wert von 900 Millionen Euro

Aufgrund dieser erwarteten Entwicklung hat Signa angekündigt, auf den Bau eines Einkaufszentrums am Ku'damm zu verzichten. Für die Stelle an der sich der Karstadt befindet, besitzt das Unternehmen eine Baugenehmigung für eine Mall mit 118.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Es wäre die 70. Berlins. Vermissen wird sie wohl niemand. Von den bestehenden 69 Einkaufszentren ist kaum eins voll vermietet.

Stattdessen hatte das österreichische Unternehmen gehofft, die Stadt mit einem ganz großen Entwurf von einer anderen Zukunft überzeugen zu können. Fünf verschiedene Volumenmodelle wurden am Montagabend dem Baukollegium präsentiert, die jeweils zwei oder drei Hochhäuser zeigten. 90 bis 150 Meter hoch, öffentliche Terrassen und freier Zugang zu den obersten Stockwerken, Durchquerungen, mit denen auch der vernachlässigte Los-Angeles-Platz wiederbelebt werden soll. Sogar von "hängenden Gärten" war die Rede.

Nur noch ein Bruchteil der 120.000 bis 180.000 Quadratmeter Fläche des Ku'damm 231 genannten Projekts soll als Verkaufsflächen dienen. Stattdessen sollen gastronomische Angebote Besucher anlocken. Was genau in die Türme soll, blieb recht vage. Von einem Hotelturm war die Rede sowie von Büroflächen. 900 Millionen Euro will Signa investieren.

Baukollegium lehnt Einzelprojekt ab

Doch daraus wird - zumindest vorerst - nichts. Das Baukollegium unter der Leitung von Regula Lüscher hat die Pläne abgelehnt. "Wir haben das Gefühl, dass das Projekt wahnsinnig aufgeblasen ist", sagte die Senatsbaudirektorin. "Da scheint sehr viel Einzelhandel geplant zu sein, der nur sehr schwer zu bespielen sein wird und damit das gelingt, wird hier noch oben drauf gebaut." Das Gremium kritisierte insbesondere, dass durch weitere Hochhäuser in der Gegend, viele prägende Bestandsbauten verblassen würden.

Wir müssen neu definieren, wie so ein großer Einzelhandels- standort überhaupt attraktiv bleiben kann.

Oliver Schruoffeneger, Bezirksbaustadtrat Charlottenburg-Wilmersdorf

Ob ein Cluster an Hochhäusern um den Bahnhof Zoo sinnvoll ist, welche Belastungen dadurch auf die Verkehrsinfrastruktur zukommen, welche langfristigen Auswirkungen Schattenwürfe haben und so weiter, solle erst einmal in einer Studie geklärt werden. Diese müsse aber vom Senat in Auftrag gegeben werden. Das Baukollegium, das sich vor allem mit ästhetischen Fragen beschäftigt und den Senat lediglich berät, habe dazu nicht das Mandat, so Lüscher.

Auch stadtplanerisch war das Gremium von dem Konzept nicht überzeugt. Die beiden bestehenden Hochhäuser seien auf den Breitscheidplatz ausgerichtet. An den Eingang zu der "berühmten Adresse" Ku'damm, ein Boulevard, der sich durch Geschäftshäuser in einheitlicher Traufhöhe auszeichne, nun plötzlich ein Hochhaus hinzubauen, hält das Gremium für falsch. Wenn es ein politisches Mandat für weitere Hochhäuser an der Stelle gebe, sollten diese besser rund um die Gedächtniskirche entstehen. Das setze aber eine großflächige Planung voraus und kein punktuelles Projekt.

"Hochhaus-Cluster kann man nicht wollen, Cluster entstehen", hielt der niederländische Architekt und Professor für Stadtplanung, Kees Christiaanse, Lüscher entgegen. Er hatte die Modelle für das Areal entwickelt. Statt Tendenzen zu stoppen, solle die Stadt die wirtschaftliche Entwicklung begleiten, sagte er.

Bisher bietet Berlin kaum Antworten zur Zukunft des Ku'damms

Einen Entwicklungsplan für Orte, an denen in Berlin Hochhäuser gebaut werden könnten, hat der rot-rot-grüne Senat bereits 2017 angekündigt. Ende 2019 soll er fertig sein. Potenzial für neue Büroflächen im großen Stil in der Innenstadt bietet derzeit nur der mehr als 25 Jahre alte Entwicklungsplan für die Gegend um den Alexanderplatz.

Der Bedarf scheint aber anderorts viel höher zu sein. Der Lobbyverein AG City, der Gewerbetreibende rund um den Breitscheidplatz vertritt, klagt seit Jahren darüber, dass ein Mangel an Büroflächen das Wirtschaftswachstum im Berliner Westen gefährde. Mehrfach unterstützte die AG City spektakuläre Entwürfe für neue Bürotürme, auch dann, wenn sie aufgrund fehlender Grundstücksrechte ziemlich illusorisch waren. Angespornt sind die Bestrebungen vom Erfolg der beiden neuen Hochhäuser an der Kantstraße, Upper West und Zoofenster, in denen sich Hotels befinden, aber auch große Flächen an Büros vermietet werden.

Sind das Konzepte, die nachhaltig Arbeitsräume in die City-West schaffen? Können so rund um den Bahnhof Zoo Orte entstehen, die auch dann noch lebenswert sind, wenn irgendwann am Ku'damm nur noch gebummelt wird, aber kaum noch gekauft? Bisher hat Berlin darauf keine Antworten.

Der zuständige Bezirksbaustadtrat aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Oliver Schruoffeneger (Grüne), war am Montag dennoch froh, dass das Projekt im Baukollegium besprochen wurde, weil nun endlich eine Diskussion um die Zukunft des Ku'damms beschleunigt worden sei. "Frau Lüscher hat ja auch jetzt zusammengefasst, dass wir uns dieser Frage stellen müssen und neu definieren müssen, wie so ein großer Einzelhandelsstandort überhaupt attraktiv bleiben kann." Ein Entwicklungsplan für Hochhäuser kann da nur ein Anfang sein.

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Ich würde mich über mehr Hochhäuser in der City West freuen. Die Verknappung von Bauflächen in der Stadt spricht eindeutig dafür!

  2. 14.

    Der ständige Kampf gegen Hochhäuser führt auch zu Wohnungsnot. Es macht nämlich absolut Sinn Büros, Hotels etc. in die Höhe zu bauen. Dann bleibt nämlich unten mehr Platz zum Wohnen. Andere Städte wissen das.

  3. 13.

    "Wenn es ein politisches Mandat für weitere Hochhäuser an der Stelle gebe, sollten diese besser rund um die Gedächtniskirche entstehen. Das setze aber eine großflächige Planung voraus und kein punktuelles Projekt." Was soll das denn heißen bitte? Das Bikini ist neu, nicht aufgestockt worden. Auf der einen Seite steht das E Center und an der Kreuzung Ranke ist auch alles zugebaut. Was denkt sich jemand, der so etwas schreibt? Rund um die Gedächtniskirche.... Man muss doch mal vom Machbaren reden. Dort alles umbauen ist einfach eine Wunschvorstellung, die nicht realisierbar ist. Das in Rede stehende Projekt ist ja auch nah an der G-Kirche. Manchmal sollten Stadtplaner einfach Gelegenheiten ergreifen und mutig sein. Die beiden Hotelhochhäuser sehen erstaunlich gut aus. Der Neubau mit dem Primark ist Geschmacksache. Insgesamt hat die Gegend gewonnen. Also, ran an Karstadt und mit dem Investor planen. Gibt bestimmt eine Kompromissmöglichkeit.

  4. 12.

    Wozu um alles in der Welt und vor allem für wen sollen denn in Berlin solche Hochhäuser stehen? Die echten Berliner brauchen das ganz bestimmt nicht, nur dahergelaufene Glücksritter kommen auf solche kruden Ideen.
    Wer unbedingt eine Stadt wie New York bauen will, soll sich mal in Brandenburg oder Mekpomm (die werden sich auch schön bedanken) ne freie Fläche kaufen und da bisken rumspielen. Da können sich dann die ganzen Superreichen der Welt niederlassen in all den schönen neuen Hochhäusern , dann könnte auch gleich ein funktionierender Flughafen hingebaut werden nebst ÖPNV., bzw. befahrbaren Straßen. Alles das wäre dann auch geleitet und regiert von 'angestellten ' Politikern, die bestimmt alles besser können als die Berliner gewählten Politiker. Wäre doch super. Sogar die historischen Gebäude könnten dort einfach nachgebaut werden und die Museen und Theater dazu. Fertig wäre Ihre Wunschstadt! Aber lassen Sie doch bitte die Berliner in Ruhe...

  5. 11.

    Ich habe nichts gegen Hochhäuser , aber nicht dort. Mir ist eine schöne Flaniermeile wie sie jetzt ist lieber.

  6. 10.

    Ich meine damit eine Erneuerung von innen. Hohe Wolkenkratzer passen nicht im Gesamtbild vom Kudamm !

  7. 9.

    Zitat: "Kann man denn nicht mal einmal etwas so lassen, wie es ist ?!! Eine Erneuerung wäre sinnvoll." Da widersprechen Sie sich aber gewaltig. Nein, Berlin ist grau und zunehmend langweilig. Überall entstehen diese Schuhkartons in Traufhöhe mit monotoner Optik. Berlin braucht endlich was Neues. Etwas zum hin und aufblicken. Und dazu gehören insbesondere Häuser, die auch die 150m weit überragen dürfen und mit einer gewagten Architektur brillieren. Was Berlin hingegen nicht braucht, sind die ewig gestrigen und die Provinzpolitiker, die z.Zt. Berlin dahin "regieren".

  8. 8.

    Ja, Berlin wird sehr oft mit New York vergleichen. Somit täte es Berlin gut, echte "Wolkenkratzer" (>150m) zu haben und nicht die langweiligen Lüscher-Lompscher 60m Stummel in DDR-Optik, von denen es wirklich sehr viele gibt. Schaut man nach Frankfurt-Main und dort auf das Projekt "Four", dann hat das große Ähnlichkeit mit dem hier vorgestellten klasse Projekt. In einer Zeit, in der sich Frankfurt massiv erneuert und sich für die Zukunft aufstellt, verpennt Berlin wieder mal die Zukunft - danke RRG und seiner völlig unfähigen, provinziell-bräsig handelnden Politiker.

  9. 6.

    Die beiden Halbhochhäuser haben den Breitscheidplatz enorm aufgewertet. Es könnte also mit architektonisch mutigen Hochhäusern weitergehen. Ich kann das Traufhöhengelaber nicht mehr hören. Liebe Investoren: Geht einfach in eine andere Stadt, ohne Provinzpolitiker, die offen ist für gute Architektur. In Berlin werden auch die letzten Flächen mit langweiligen Schuhkartons gefüllt werden.

  10. 5.

    Wir haben doch schon so viele Malls in der Stadt. Kann man denn nicht mal einmal etwas so lassen, wie es ist ?!! Eine Erneuerung wäre sinnvoll.

  11. 4.

    Berlin kann froh sein, dass es Investoren gibt die sich den Stress mit diesem unfähigen Senat überhaupt antun! Jede Stadt der Welt wäre froh über ein Investment von 900 Millionen und würde es mit Kusshand begrüßen. Aber nach dem unsäglichen Aus für den Google Campus jetzt gleich der nächste Rückschlag. Hochhäuser können unglaublich hässlich sein (siehe DDR Bauten), aber auch extrem modern und ansprechend. Und vor allem schaffen sie Linderung des eklatanten Mangels an Office-Flächen. Was wiederum Ansiedlungen von Unternehmen verhindert und damit Wachstum und Arbeitsplätze. Was wiederum Extremismus eindämmt etc... Aber irgendwie scheint dieser Senat Berlin kleinhalten zu wollen.

  12. 3.

    Das ist wieder typisch Berlin. Selbst hat man keinen Plan, was man in Zukunft machen soll, aber der Vorschlag eines Investors wird erstmal abgewiesen mit dem Verweis, er sei zu aufgeblasen.

    Gottseidank brauchen wir in Berlin weder Fortschritt noch Investoren. Lieber die kleinen Gebäude, die nach Bauvorschriften von Achtzehnhunderleipzig/-einundleipzig gebaut wurden schützen vor den großen bösen Wolkenkratzern!

  13. 2.

    die Hochhäuser die da anwesiert sind passen nicht in das Stadtbild,haben wir nicht jetzt schon genug davon,oder wollen wir ein zweites mainhätten werden?

  14. 1.

    ___" KEINE Ahnung "---fehlt noch

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