Karl-Marx-Allee in Berlin (Quelle: imago/Meissner)
Bild: imago stock&people

Rekommunalisierung in der Karl-Marx-Allee - Gewobag stimmt "gestrecktem Erwerb" zu

Die geplante Rekommunalisierung von rund 700 Wohnungen in der Berliner Karl-Marx-Allee hat eine weitere Hürde genommen. Der Aufsichtsrat der landeseigenen Gewobag stimmte zu, drei Blöcke zu kaufen, die über das Mietervorkaufsrecht gesichert werden sollen.

Der Aufsichtsrat des landeseigenen Wohnungsunternehmens Gewobag hat dem Ankauf der Blöcke C Süd, C Nord und D Nord in der Berliner Karl-Marx-Alle zugestimmt. Damit sei die letzte Hürde für die Rekommunalisierung der Wohnungen genommen, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen am Samstagabend mit.

Bis zum 5. Januar Vorkaufsrecht für Mieter

Dadurch sei die Übernahme der Wohnungen nach der Ausübung des Mietervorkaufsrechts durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft garantiert, hieß es weiter. Nach dem sogenannten Modell "gestreckter Erwerb" können die Mieter bis zum 5. Januar von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen, danach wird die Wohnung von der Gewobag abgekauft. Zuletzt gab es allerdings noch viele offene Fragen, beispielsweise im Hinblick auf Kredit-Sicherheiten.

In den letzten Tagen und Wochen sei "auf Hochtouren" an der juristischen und politischen Umsetzung des Modells gearbeitet worden, teilte Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) mit. Das Verfahren sei deutlich vereinfacht und ein Mieterbevollmächtigter gefunden worden. Weitere Einzelheiten sollen auf Informationsveranstaltungen für die Mieter am 2. und 3. Januar bekanntgegeben werden.  

Block D Süd soll an WBM gehen

Insgesamt geht es um 675 Wohnungen in den sogenannten Stalinbauten, die nach der Wende vom Senat verkauft wurden. Ein weiteres Gebäude mit 80 Wohnungen (Block D Süd) liegt in einem Milieuschutzgebiet, dort will der Senat sein Vorkaufsrecht über die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBM ausüben.  

Der derzeitige Eigentümer will das Immobilienpaket an den börsennotierten Konzern Deutsche Wohnen veräußern. Mieter der betroffenen Wohnungen machen seit Monaten gegen den Verkauf mobil, weil sie explodierende Mieten befürchten.

Kurz vor Weihnachten hatte die Deutsche Wohnen ein weiteres Gebäude mit 150 Wohnungen an der Karl-Marx-Allee gekauft. Verkäufer ist wie schon im Falle der anderen Blöcke die Firma Predac.

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3 Kommentare

  1. 3.

    Blendwerk und purer Populismus, der hier vom RRG-Senat betrieben wird. Was ist mit den anderen Wohnungen, Häuser, Grundstücke die die Deutsche Wohnen kaufen will. Kommt da der Senat auch um die Ecke und kauft diese aus sozialromantischem Antrieb?
    So leid wie mir das mit den Bewohnern der Häuser/Wohnungen auch tut, wenn sich Heuschrecken derer bedienen, aber das löst nicht das grundsätzliche Probe von fehlenden Wohnungen.

  2. 2.

    Ein Artikel der TAZ von 29.12.1993 zum Verkauf der Wohungen in der Karl-Marx-Allee - http://www.taz.de/!1584443/ - unter der Federführung des damalinge Bezirksbürgermeisters und Aufsichtsratsmitglied der WBF (Wohungsbaugesellschaft Friedrichshain)Helios Mendiburu; Titel: "Bei Nach und Nebel Karl-Marx-Allee vertickt" -
    Nach diesem Artikel wurden damals Mieterinnen und Mieter vor vollendete Tatsachen gestellt. Und auch heute gibt es ja nicht wirklich eine Alternative zum Kauf unter dem Mantel einer Wohnungsbaugesellschaft. Außer mensch will dem Investor carte blanche geben. Mich würde interessieren, wie hoch die Differenz zwischen dem damaligen Verkaufserlös und dem heuten finanziellen Aufwand für den Rückkauf ist. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass Stadt und Land dabei einen guten Schnitt machen.... Hoffentlich hilft das wenigstens den Bewohnerinnen und Bewohnern. Ein Trauerspiel...

    Gruß
    Hajakon

  3. 1.

    Herzlichen Glückwunsch dem Aufsichtsrat zu dieser Entscheidung und den jetzigen und künftigen Mietern zu hoffentlich weiterhin halbwegs moderaten Mieten. Mir fällt es schwer den Senat zu beglückwünschen, da die Wohnungen zuvor kurzsichtig vom Senat veräussert wurden, um nicht selbst moderate Mieterhöhungen verantworten zu müssen. So können Steuergelder auch verbrannt werden; passt zur andauernden neoliberalen Politik. Bitte von Wien lernen, wie günstige Mietwohnungen massenhaft als kommunales Eigentum gebaut werden können.

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