Dorfstraße in einem etwas verlassenen Dorf in Brandenburg (Quelle: dpa/Norz)
Video: Brandenburg aktuell | 12.12.2018 | Karsten Zummack | Bild: dpa/Norz

Mobilfunk-Netzabdeckung - In diesen 53 Orten in Brandenburg herrscht Funkstille

Ganz Deutschland redet von 5G und der Zukunft superschneller Mobilübertragung. Ganz Deutschland? Nun ja. In 53 Brandenburger Städten und Dörfern gibt es nicht mal Handyempfang. Von Claudia Stern

Herzberg (Elbe-Elster), Storbeck bei Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) oder Klosterdorf bei Strausberg (Märkisch-Oderland) – diese drei Orte in Brandenburg haben etwas gemeinsam: Während andernorts die Menschen im ultraschnellen Netz mobil surfen, würden die Herzberger, Storbecker und Klosterdorfer mit ihren Handys gerne wenigstens telefonieren. Geht aber nicht! Oder nur zum Teil.

Und die drei Gemeinden sind keine Einzelfälle. In insgesamt 53 Orten in der Mark ist Handyempfang Fehlanzeige (siehe Karte).

Eine Liste der Orte, die mithilfe des Funklochmelders der Brandenburger CDU und Daten der drei Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone erstellt wurde, liegt rbb|24 vor. Ebenfalls auf der Liste: das seit den verheerenden Waldbränden im Sommer bundesweit bekannte Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Dort hatten die Einsatzkräfte nicht nur gegen die Flammen, sondern auch mit dem schlechten Funk- und Handynetz zu kämpfen, bis schließlich ein zusätzlicher Funkmast aufgestellt wurde.

Kein erneutes Stadt-Land-Gefälle bei 5G

Ein nicht haltbarer Zustand für ein deutsches Bundesland im Jahr 2018, findet der Brandenburger CDU-Abgeordnete Dierk Homeyer: "Außendienstmitarbeiter, die für ihre Kollegen oder Arbeitgeber unerreichbar sind; Geschäftsleute, die unterwegs keine Telefonate erledigen können, weil sie von einem Funkloch ins nächste fahren; Touristen, die sich in die Vergangenheit versetzt fühlen; Bürger, die keinen Notruf absetzen können - sind ein ganz normaler Alltag in Brandenburg. Es ist längst an der Zeit, dass wir alle Brandenburger mit den technischen Möglichkeiten ausstatten, die uns im 21. Jahrhundert zur Verfügung stehen."

Homeyer hatte im November eine Aktuelle Stunde im Landtag zum Thema Mobilfunkausbau beantragt. Der Konsens: Bei der Lizenzvergabe für das neue Mobilfunknetz 5G im kommenden Jahr darf es nicht erneut zu einem Stadt-Land-Gefälle kommen, weiße Flecken auf der Brandenburger Landkarte sollen endlich der Vergangenheit angehören.

"Es geht um die Existenz der ländlichen Räume"

Doch das ist bislang nicht mehr als eine fromme Hoffnung. Laut Bundesnetzagentur sollen zwar 98 Prozent aller Haushalte im 5G-Netz telefonieren können, statt bislang 97 Prozent im LTE-Netz; das seien aber nur 70 Prozent der Fläche, verwies die Grünen-Abgeordnete Heide Schinowsky im Rahmen der Debatte auf die dünn besiedelten ländlichen Gebiete.

Auch die CDU fordert, die Lizenzvergabe für den neuen 5G-Mobilfunkstandard nicht an Haushalte, sondern an die Fläche zu binden. Es gehe um die Existenz der ländlichen Räume,  betont der CDU-Abgeordnete Dierk Homeyer. Deshalb müsse die Landesregierung auch eigenes Geld in den Ausbau stecken. Andernfalls blieben wie bisher bis zu 30 Prozent des Landes unterversorgt. "Mir fehlt bei der Landesregierung das Bewusstsein dafür, dass ein Funkloch heute genauso wirtschaftlichen Schaden anrichten kann wie ein Schlagloch. Auch das Bewusstsein dafür, dass es schon längst eine Frage der Daseinsvorsorge ist - und das bedeutet die Mitverantwortung des Staates", sagte Homeyer rbb|24.

Landesregierung weist Verantwortung von sich

Das Brandenburgische Wirtschaftsministerium verweist auf Anfrage von rbb|24 darauf, dass der Mobilfunk in Deutschland privatwirtschaftlich organisiert sei und entsprechend die Telekommunikationsunternehmen für den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur zuständig seien.

"Um die Mobilfunkversorgung dennoch zu steuern, verbindet die Bundesnetzagentur ihre Frequenzversteigerungen mit Versorgungsauflagen, die die Unternehmen erfüllen müssen. Damit will die Bundesnetzagentur sicherstellen, dass die Telekommunikationsunternehmen nicht nur in den rentablen Ballungszentren ihre Infrastruktur ausbauen und Dienste anbieten", teilte das Ministerium schriftlich mit.

Da die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur bislang keine flächendeckende Mobilfunkversorgung vorgesehen hätten, hätten die Telekommunikationsunternehmen in ganz Deutschland Gebiete mit geringer Bevölkerungsdichte bislang noch nicht vollständig erschlossen. Deshalb gebe es auch in Brandenburg noch unterversorgte Gebiete.

"Das ist für die Kommunen risikoreich und damit nicht sehr attraktiv"

Ein Landesförderprogramm für die Kommunen zum Mobilfunkausbau, wie es in Bayern aufgelegt wurde und auch in Hessen angedacht ist, schlägt die CDU-Fraktion im Landtag vor. So könnten Versorgungslücken in für Mobilfunkanbieter unwirtschaftlichen Gebieten geschlossen werden. Doch die Brandenburgische Landesregierung lehnt ein solches Programm ab.

Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es dazu, das bayerische "Betreibermodell" könne zwar "sicherlich einen Beitrag zur Verbesserung der Mobilfunkversorgung auf dem Land leisten", gleichzeitig stelle es aber auch "eine große Belastung für die Kommunen dar". "Denn durch die Förderung werden die Kommunen zu Eigentümern der Infrastruktur, die sie dann an die Telekommunikationsunternehmen vermieten. Das bedeutet, der planerische Aufwand zur Errichtung der Masten sowie das finanzielle Risiko liegen bei den Kommunen. Das ist für die Kommunen risikoreich und damit nicht sehr attraktiv."

Das zeige auch das aktuelle Breitbandprogramm des Bundes, mit dem bundesweit die Verlegung von Glasfaser gefördert wird. In dem Programm könnten Antragsteller auch mit einem Betreibermodell den Glasfaserausbau umsetzen. Diese Möglichkeit sei in Brandenburg jedoch von keinem einzigen Antragsteller genutzt worden. Außerdem gelte es sicherzustellen, dass die Telekommunikationsunternehmen durch staatlich geförderte Programme nicht aus der Pflicht genommen werden.

Rot-Rot setzt auf weitere BOS-Masten

Die rot-rote Landesregierung will stattdessen bis zu 32 weitere sogenannte BOS-Masten aufstellen, teilte das Innenministerium im Mai mit und bestätigte das Vorhaben jetzt erneut rbb|24. Diese Masten sind eigentlich für den Digitalfunk von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) bestimmt, also für die Polizei, Feuerwehren und Rettungsdienste. Die Mobilfunkbetreiber sollen die Masten, wie auch die bereits bestehenden, aber mietzinsfrei mitnutzen können. Dadurch werde die Netzabdeckung in Brandenburg signifikant besser, teilte das Wirtschaftsministerium rbb|24 mit. "Eine vollständige Flächendeckung wird damit jedoch nicht erreicht."

Wann die 32 neuen Masten aufgestellt werden und wie viele davon die Mobilfunkanbieter tatsächlich nutzen werden, ist auch ein halbes Jahr nach der Ankündigung noch offen. "Zurzeit befinden sich 10 BOS-Masten in Planung", teilte das Wirtschaftsministerium mit und verwies auf das komplexe Verfahren zur Auswahl der konkreten Standorte der Masten.

Hoffnung auf schnelle Abhilfe gibt es für die Herzberger, Storbecker, Klosterdorfer und für viele andere Dorfbewohner in Brandenburg also derzeit wenig. Zumal die zusätzlichen BOS-Masten die bestehenden Funklöcher bei weitem nicht schließen können. Immerhin besteht in einem Einigkeit zwischen Landesregierung und Opposition: Eine Versorgung mit leistungsfähigem Mobilfunk ist ein wichtiger Bestandteil, um gleiche Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Land zu schaffen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 12.12.2018, 19:30 Uhr

Beitrag von Claudia Stern

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Man merkt ihrem Text an, daß er in der Großstadt geschrieben wurde. Es gibt weit mehr Orte, an denen man keinen Handy-Empfang hat, bzw. nur bei einem der 3 Netzbetreiber. Wir wohnen in der Uckermark, allein hier kenne ich diverse Orte, wo das so ist. Selbst im offiziellen Weihnachtsort Himmelpfort geht Mobil wenig. Und wenn sie einmal mit dem Zug von Neustrelitz nach Berlin gefahren sind haben sie (trotz Tempo 160) oft Minutenlang kein Netz. Die Schlagzeile "53 Orte" ist daher stark untertrieben.

  2. 15.

    In Grebs kann man sagen wir leben im Tal der Ahnungslosen, denn auf dem Berg steht ein Funkmast der wahrscheinlich nicht ausreicht. Kein Telekomnetz. Armes Deutschland. Trotzdem
    Tarif 44€ !!!!!!

  3. 14.

    Das Problem ist seit einem Jahrzehnt bekannt: Es gibt keine flächendeckende Versorgung mit (schnellem) Mobilfunk. In den Ballungsgebieten nicht, weil das Datenaufkommen immer zu hoch sein wird, in den ländlichen Gebieten weil damit kein Gewinn gemacht werden kann. Unter "Gewinn" wird ja in der Regel nicht die Versorgung /die Infrastruktur verstanden, die Grundlage für Entwicklung und Bevölkerungsverteilung (Landflucht) darstellt. Sondern die Intelligenz und Weitsicht einer Exceltabelle - deren Voraussicht selten mehr als 5 Jahre in die Zukunft reicht.
    Bereits seit spätestens 10 Jahren müsste ein (nationales)Infrastrukturprogramm laufen, das sich recht griffig formulieren lässt: Wo die Strasse aufgemacht ist, muss immer ein Glasfaserkabel gelegt werden. So wie jedes Dorf einen Stromanschluss hat. Erst wenn ein Grossteil der Datenströme via Glasfasernetz transportiert werden können, werden die Frequenzen "frei" bzw. entlastet die für die mobile Versorgung funktionieren sollen.

  4. 13.

    Sie verwechseln hier was. Wer ein Handy hat, muss ja nicht in ein Gebiet mit Funklöchern gehen oder ziehen. Big Brother is watching you.

  5. 12.

    Das kommt davon, wenn den Mobilfunkunternehmen keine Auflagen erteilt bzw. nicht kontroliiert. In Finnland wurden die Unternehmen dazu verpflichtet. Typisch deutsch - da regiert das Geld!
    Die CDU braucht nicht den Kümmerer zu spielen- die sind 13 Jahre im Bund an den entscheidenen Stellen zu finden.
    Was nützt ein Mast der Telekom in Kleßen, wenn man Kunde bei Vodafone oder o2 ist?

  6. 11.

    https://www.heise.de/newsticker/meldung/Klessen-Goerne-Deutschlands-beruehmtestes-Funkloch-erweist-sich-als-hartnaeckig-4249259.html

  7. 10.

    53 Städte und Dörfer? Die sind nur die Spitze des Eisbergs. Bei meinen Fahrrad-Touren durch Brandenburg hatte ich viel häufiger keinen Empfang. Die meiste Fläche in Brandenburg besteht nämlich nicht aus Städten und Dörfern. Im wirklich ländlichen Bereich ist ganz Brandenburg ein einziges Funkloch.

  8. 9.

    Sie verwechseln hier was. Wer nicht möchte, dass er ausspioniert wird, braucht sich einfach kein Handy zuzulegen. Wer ein Handy hat, will das hingegen auch nutzen können. Ihre Schlussfolgerung, dass Funklöcher "gut" seien, ist aus diesen Gründen kompletter Unsinn.

  9. 8.

    Im Text steht

    "Laut Bundesnetzagentur sollen zwar 98 Prozent aller Haushalte im 5G-Netz telefonieren können"

    Diese Aussage ist so nicht richtig. Bei der Versteigerung der "5G-Frequenzen" im Jahr 2019 wird es eine Versorgungsauflage für 98% der Haushalte geben. Diese Versorgungsauflage ist technologieneutral formuliert, d.h. sie können mit jeder Technologie erfüllt werden, die die anderen Leistungsparameter erfüllen (z.B. 100 Mbit/s Download im Antennensektor. LTE ist dazu in der Lage, mit etwas gutem Willen wird man HSDPA auch dazu bringen mit MIMO.)

  10. 7.

    „In Brandenburg, in Brandenburg...“ (Rainald Grebe)

  11. 6.

    Kein Handyempfang ist doch was gutes. Warum soll man ständig abrufbereit sein und sich ausspionieren lassen. Dazu sind die Dinger wirklich da. Nicht zur eigenen Freiheit sondern zur ständigen Kontrolle. Wer etwas anderes glaubt ist naiv.

  12. 5.

    Darum nennt man es "Mobilfunk", man muss mobil sein um Empfang zu bekommen.

  13. 4.

    Es ist ja sehr schön, dass man mit 5G viele Bedingungen verkünpfen möchte. Für mich aber die absolute falsche Wahl. Zumal 5G erstmal in Jahren kommen wird und noch fast kein Smartphone 5G unterstützt.

    Das 3G (UMTS) sterben wird, ist mehr als klar. Daher sollte man jetzt ganz verstärkt auf 4G setzen.
    Und auch mal in ländlichen Gebieten Masten aufstellen. Zudem sollten die 3 Mobilfunkanbieter
    verpflichtet werden, ihr 4G Netz auch den Discountern zu öffnen.

    Und mal ehrlich, wer braucht schon 5G? Ein SEHR gut ausgebautes 4G Netz sollte für über
    95 % der Deutschen ausreichen.

  14. 3.

    Schade, Grafik oder Karte nicht zu sehen. Ja, leider ist es so, Brandenburg besteht aus Funklöchern abwechselnd mit Orten mit schlechtem Empfang (Edge...). Aber auch rein nach Berlin (Unter den Eichen Höhe BMF) wird einem stets die Leitung gekappt, ebenso am Autobahnkreuz Schöneberg. Oder Finkensteinallee. Und das sind keine Löcher, sondern BVG-/S-Bahn/BMF-Störsender. Ansage/Anzeige an der Haltestelle? Hat Vorrang vor einem Telefonat. Klack. Wir haben Sie mal rasch aufgelegt.

    Offenbar sind wir weder willens, Kommunikation sicherzustellen, noch können wir es technisch. Danke, Deutschland. Schweigt mal weiter...

  15. 2.

    Der Satz “die Landesregierung weist die die Verantwortung von sich” treibt mir Falten auf die Stirn. Ich denke die Politiker schaffen die Rahmenbedingungen und damit die Voraussetzungen für die Industrieansiedlungen? Wenn es komplizierter wird ist keiner zuständig. Bei dem oben genannten Satz denke ich mit Entsetzen an den Kohleausstieg, denn dieser Satz passt immer wenn es schwierig wird. Nur geholfen wird den Betroffenen damit nicht.

  16. 1.

    Definitiv nicht angenehmn fü die Betroffenen. Am lächerlichsten finde ich das Funkloch der Telekom auf der Leipziger Strasse neben vor der Mall of Berlin.

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