Eine rote Fahne der Gewerkschaft IG Metall. Quelle: imago
Video: Abendschau | 30.01.2019 | Martin Küper | Bild: imago stock&people

400 Jobs in Berlin-Spandau bedroht - Betriebsrat verhandelt über Infinera-Schließung

Der Betriebsrat des von der Schließung bedrohten Werks Infinera in Spandau verhandelt am Freitag erstmals mit der Geschäftsführung über die Zukunft der Mitarbeiter. Wie die Gewerkschaft IG Metall mitteilte, stehen am Berliner Standort des US-Konzerns 400 Jobs auf dem Spiel. Infinera stellt optische Übertragungssysteme für schnelle Datenleitungen im Bereich Telekommunikation her. Sie werden auch für den künftigen Mobilfunkstandard 5G benutzt.

Nach Angaben der IG Metall plant die Unternehmensleitung in den USA, das Werk am Siemensdamm zum 30. September zu schließen. Der Belegschaft sei die Entscheidung bereits mitgeteilt worden. Öffentlich jedoch äußerte sich das Unternehmen nicht.

"Das geht gar nicht!"

Infinera hatte den Standort erst am 1. Oktober von der Firma Coriant übernommen, die früher wiederum Teil von Siemens war. Das bevorstehende Aus sei überraschend gekommen, sagte die Berliner IG-Metall-Bevollmächtigte Birgit Dietze am Mittwoch. Infinera habe sich mit dem Kauf 1.600 Patente gesichert. Aus Sicht der IG Metall ist es nicht sinnvoll, die Produktion von Forschung und Entwicklung zu trennen. Infinera wolle "einfach mal die Kundendatei und die Patente einstecken und den Berliner Standort schließen".

Der Spandauer CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Wegner wies darauf hin, im ehemaligen Coriant-Werk würden komplexe Leiterplatten hergestellt für den Einsatz auch "in höchst sicherheitsrelevanten Bereichen". Sein SPD-Kollege Swen Schulz sagte: "Firmen aufkaufen, das Know-how und die Kundenkartei mitnehmen, aber das Werk schließen und die Mitarbeiter auf die Straße setzen: Das geht gar nicht!"

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wir würden uns über eure Unterstützung sehr freuen.
    https://www.openpetition.de/petition/online/infinera-mit-seinen-400-industriearbeitsplaetzen-am-standort-berlin-erhalten
    Vielen Dank

  2. 3.

    Ich ergänze die Liste:
    2017/2018 Siemens COM(BSS) Softwareentwicklung am Siemensdamm 50. 2013 von Nokia-SIemens an Redknee(Optiva) verkauft und nun komplett geschlossen unter Verlust aller 400 Arbeitsplätze.

  3. 2.

    Das ist typisch für Siemens seit Klaus Kleinfeld, im Prinzip schon H. v. P. - wenn man sich die Hände durchs Schließen von Werken/Bereichen nicht schmutzig machen will, verkauft man sie an einen Schließer. Für Patente, Netze/Rechenzentren, Kundenkarteien bekommt man viel Kohle. Die Mitarbeiter bekommen keine. Die IGM wird regelmäßig getäuscht.

    2001: über 41 % der Siemensianer sind in Deutschland tätig, 2018 nur noch 31 %

    Ausgliederungen:
    1999 Halbleiter -> Infineon
    2006 Bauelemente -> Epcos
    2005 Sinitec -> a&o, Insolvenz 2007
    2005 Siemens mobile -> BenQ, Insolvenz 2006
    2006 JV Nokia Siemens -> 2008 Schließung des Standorts Bochum, 2300 Arbeitsplätze
    2008 SEN minus 6200 Mitarbeiter
    2011 SIS minus 2000 Stellen in D
    2011 verkauf SIS an Atos
    2017 Kraftwerkssparte: minus 2600 MA in D, minus 760 MA bei elekt. Antrieben
    2013-17: Med, Osram, BS Hausgeräte, mobility: an die Börse, JV, ausgegliedert, weg.

    Und wer glaubt noch an den Siemens-Campus??

  4. 1.

    Das ist Kapitalismus pur und wurde in den Neunziger Jahren insbesondere von den Treuhandspezialisten praktiziert.

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