Eine Maschine der Fluggesellschaft Germania am Flughafen Erfurt-Weimar (Bild: imago/Steve Bauerschmidt)
Video: Abendschau | 09.01.2018 | S. Wendling/F. Herkt | Bild: imago/Steve Bauerschmidt

Kurzfristiger Liquiditätsbedarf - Germania befindet sich in akuter Finanznot

Verzögerungen beim Flottenumbau, hohe Kerosinkosten und ein schwacher Euro belasten die Kassen bei der Berliner Fluglinie Germania. Der Flugbetrieb sei nicht gefährdet, beruhigt das Unternehmen. Allerdings wird schon über einen Verkauf spekuliert.

Nach dem turbulenten Flugsommer 2018 steckt jetzt die Fluggesellschaft Germania in finanziellen Schwierigkeiten. Die Airline prüft nach eigenen Angaben mehrere Finanzierungsoptionen, um einen kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern.

"Es geht dabei um die zentrale Frage, wie wir als mittelständisches Unternehmen auch weiterhin in einem Marktumfeld schlagkräftig bleiben, das von Fluggesellschaften mit konzernähnlichen Strukturen geprägt ist", teilte Germania mit. Beim Flugbetrieb soll es aber keine Einschränkungen geben. Alle Germania-Flüge fänden planmäßig statt, hieß es.

Gründe für die finanzielle Schieflage seien neben dem zunehmenden Konkurrenzdruck, der steigende Kerosinpreis sowie, dass für die Flotte des Unternehmens außergewöhnlich viele Serviceleistungen angefallen seien.

Das Luftfahrtportal "Aero Telegraph" [externer Link] geht davon aus, dass ein Verkauf der Gesellschaft erwogen wird. Die Suche nach neuen Aktionären sei aber bisher erfolglos geblieben. Dem Bericht zufolge brauchte Germania bereits kurz vor dem Jahreswechsel 20 Millionen Euro, um weiterfliegen zu können. Eine Germania-Sprecherin wollte diese Informationen am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur DPA nicht kommentieren.

Flottenumbau bei Germania stockt

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie betreibt 35 Mittelstreckenjets und ist neben Linienflügen auch für viele Reiseveranstalter unterwegs. Außerdem hatte sich das Unternehmen mit Sitz in Berlin den Werksverkehr für den Flugzeugbauer Airbus gesichert. Jährlich fliegen demnach mehr als vier Millionen Passagiere mit Germania.

Der weltgrößte Reisekonzern Tui ist nach eigenen Angaben punktuell mit Germania im Geschäft. So habe der Veranstalter für die kommenden Tage eine geringe Zahl von Germania-Flügen von Leipzig/Halle aus gechartert, teilte Tui mit. Ab 19. Januar werde hier aber ein neuer Partner übernehmen. Zudem habe Tui vereinzelt Tickets für Flüge von kleineren Flughäfen bei Germania eingekauft. Änderungen seien nicht geplant.

Germania gehört über eine zwischengeschaltete Beteiligungsgesellschaft komplett ihrem Chef Karsten Balke. Dieser startete Mitte 2016 eine Investitionsoffensive. So orderte Germania auf der Farnborough Airshow bei London 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A320neo-Modellfamilie und sicherte sich Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe. Die Auslieferungen sollen nach bisherigen Angaben im Jahr 2020 beginnen. Allerdings hat Airbus derzeit Probleme bei der Fertigstellung dieses Modells. Künftig will Germania mit einer reinen Airbus-Flotte unterwegs sein, um Kosten zu sparen. Auch das hätte zu den "großen Belastungen" und der aktuellen Geldknappheit beigetragen.

Pleitewelle auf Europas Flugmarkt

Den Problemen von Germania gingen in Europa zuletzt eine ganze Reihe von Airline-Pleiten voraus. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und der britischen Fluglinie Monarch 2017 waren im vergangenen Jahr gleich mehrere kleinere Gesellschaften wie Skyworks (Schweiz), VLM (Belgien), Small Planet und Azur Air (Deutschland), Cobalt (Zypern) und die skandinavische Primera Air kollabiert.

Als potenzielle Investoren für Germania kommen große europäische Luftfahrtkonzerne wie Lufthansa, Ryanair, Easyjet oder IAG in Frage. Eine Easyjet-Sprecherin sagte, man wolle die Spekulationen um Germania zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren. Die Intro-Gruppe des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, die 2017 Interesse an Air Berlin hatte, teilte auf Anfrage mit, man könne zu der Angelegenheit "keine Auskunft geben".

Hohe Entschädigungszahlungen belasten Fluglinien

In Berlin forderte die FDP-Fraktion den Senat auf, Germania in der Hauptstadt zu halten. Die Fehler von 2017, als Air Berlin von Regierungschef Michael Müller (SPD) vorschnell der Lufthansa angedient worden sei, dürften nicht wiederholt werden.

Neben gestiegenen Treibstoffkosten machte vielen Airlines 2018 das Flugchaos in Europa zu schaffen. Eine große Zahl von Verspätungen und Flugausfällen zogen Entschädigungen und Ersatzleistungen für die Passagiere nach sich. Der Weltluftfahrtverband IATA schätzt, dass Fluglinien für Entschädigungen europaweit rund zwei Milliarden US-Dollar (knapp 1,8 Mrd Euro) zahlen mussten. Zu den Ursachen zählten Streiks von Fluglotsen in Frankreich, Engpässe an deutschen Flughäfen und die Neusortierung der Luftfahrt-Branche nach der
Air-Berlin-Pleite
.

Sendung: Inforadio, 09.01.2019, 7:40 Uhr

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Germania befindet sich in akuter Finanznot - Millionen von Mitmenschen hierzulande auch.

  2. 11.

    AirBerlin fehlt schon an allen Ecken und Enden. Es gibt nur noch wenige Direktflüge ans Ziel. Nun womöglich die nächste Insolvenz von Germania.

    Das wäre sehr schade, denn Alternativen gibt es kaum noch.Eurowings ist eine schlechte Airline. Missmutiges Personal und schlechter Service.

    Ryanair & Co. fliege ich aus Prinzip nicht. Solche Airlines muss man nicht unterstützen. Denen wünsche ich eher, dass sie in die Insolvenz gehen.

    Flüge als Abbildung von Kommerz und aus Langeweile stattfindend zu bezeichnen, ist wohl einem bestimmten eigenen Status geschuldet.

  3. 10.

    wie im Bericht dargelegt ist die Pleitewelle auf Europas Flugmarkt noch nicht zu Ende. Die gestiegenen Treibstoffkosten , das Flugchaos in Europa und Entschädigungen und Ersatzleistungen für die Passagiere sind große Probleme, wobei letztere auch maßgeblich durch häufige Streiks des Bodenpersonals verursacht sind, ob zu Recht kann ich nicht beurteilen.
    Für die Fluggäste sind aber immer wieder ausfallende Flüge mit viel Ärgernissen verbunden , privat als auch geschäftlich. Es werden also Alternativen wahrgenommen weil gebuchte Flüge immer häufiger ausfallen.Die LH hat damit scheinbar kein spezielles Problem obwohl es dort negative Kundenmeldungen gibt.

  4. 9.

    Das ist wirklich schade, die einzige Fluggesellschaft mit der man noch bequem und entspannt fliegen konnte.
    Aber das haben sich die ganzen Geizkragen eingebrockt, nur immer billig billig geht eben nicht, dann vielleicht lieber mal auf einen Flug verzichten.
    Wer schon mal in den ultra engen und extrem unangenehmen Ryanair Fliegern unterwegs war weiß was ich meine.
    Mal abgesehen von deutlich weniger kg fürs Gepäck und komplett kostenpflichtiger Angebote im Flieger.
    Das war alles so wunderbar anders bei Germania, bin echt traurig und weiß nicht was ich dann noch als Flugbetreiber nehmen kann :(

  5. 8.

    Flugverkehr ist ein Abbild der Kommerzgesellschaft. Aus Langeweile muss man überall hinfliegen können.

  6. 7.

    Im Gegensatz zu bezahlbarem Wohnraum sind Flugtickets aber kein Teil der alltäglichen Daseinsvorsorge.

  7. 6.

    Berlin hat vor einigen Jahren schon zig Milliarden Euro für die Fehler einer Bankgesellschaft versenkt. An einem Punkt, wo dieses Land nicht nur hätte einschreiten können sondern aus ureigensten Interesse einschreiten müssen, da hat die Politik versagt. Air Berlin hat jedes Jahr weltweit zig Millionen Euro und ein positives Image für die Wirtschaftsraum Berlin-Brandenburg generiert. Beim Niedergang dieser Airline, mit vielen gut bezahlten Arbeitsplätzen, haben alle zugesehen.

  8. 4.

    Warum soll der Senat eingreifen?
    Wir leben in einer Marktwirtschaft.
    Wenn Germania in die Insolvenz schlittert, tut es mir zwar sehr leid um die Mitarbeiter, aber in der Pflicht ist der Eigentümer.

  9. 3.

    Wozu sollte der Senat eingreifen? Hoffentlich nicht, um mit Geldern aus Finanzausgleich und Steuern ein nicht ausreichend erfolgreiches Unternehmen zu retten?

  10. 2.

    Na toll .Nummer 2 .der Senat muß Eingreifen

  11. 1.

    Good bye!

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