Amazon-Paketzulieferer in Mariendorf. (Quelle: rbb/Abendschau)
Bild: rbb/Abendschau

Glosse | Lieferverkehr in Berlin-Mariendorf - Wie Amazon seinen Nachbarn eine Drei als Acht verkauft

Durch ein Berliner Industriegebiet zieht sich seit Monaten eine Perlenkette weißer Lieferwagen. Seit Amazon da ist, sind Nachbarn genervt: Lärm, Stau, Abgase. Das Unternehmen verspricht Lösungen - doppelt und dreifach. Von Oliver "Oliver Noffke" Noffke

Teilweise im Sekundentakt brausen die weißen Lieferwagen durch das Tor zum Logistikcenter von Amazon in der Porschestraße. Seit das Unternehmen im vergangenen Jahr in Berlin-Mariendorf aufgeschlagen ist, gibt es Streit mit den Nachbarn. Verstopfte Straßen, ungehobelte Fahrer, Lärm, Abgase - die Beschwerdeliste ist lang, wie rbb|24 berichtete. Ende Oktober versprach die zuständige Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) genervten Anwohnern und benachbarten Unternehmern Abhilfe.

Nun hat der US-Konzern einen Acht-Punkte-Plan vorgestellt, mit dem das Chaos in den Griff bekommen werden soll [externer Link]. Bereits bei flüchtigem Hinsehen wirken die einzelnen Ideen allerdings, als hätte sich das derzeit wertvollste Unternehmen der Welt von Power-Point-Präsentationen besonders fauler Studenten inspirieren lassen. Eine Reihe von gebrainstormten Selbstverständlichkeiten wird möglichst redundant ausgebreitet. Kreative Einfalt sozusagen.

Eine überraschend redundante Liste (aber das wissen Sie ja schon)

Gleich zweimal wird angekündigt, dass Amazon disziplinarische Maßnahmen ergreifen will, mit denen auffällige Lieferanten zu besseren Verkehrsteilnehmern erzogen werden sollen. Das gilt allgemein für Partnerunternehmen (Punkt 5) sowie speziell für Lieferwagenfahrer (Punkt 6). Wer sich nicht an die Parkgebote hält oder den Verkehr behindert, soll eine Sperre erhalten. Fahrer, die falsch parken, will Amazon eine Woche nicht mehr auf das Gelände lassen. Andere für den Platzmangel auf dem eigenen Hof verantwortlich machen? Klar, das könnte funktionieren.

Viermal wird herausgestellt, dass Problembewusstsein geschaffen werden muss. In "Start-Meetings" soll die Hofaufsicht jeden Morgen mit den Fahrern über Themen wie Müllentsorgung und Parken sprechen (Punkt 3) - fällt ein Fahrer als Schmutzfink auf, wird das angesprochen (kein Witz, sondern Power-Idee Numero 4). Täglich soll es Gespräche mit dem Management von Partnerunternehmen vor Ort geben (Punkt 7) - worüber bleibt unklar. Partner, die weiter weg heimisch sind, werden einmal pro Woche telefonisch über Vorschläge oder Beschwerden der Amazon-Nachbarn informiert (Punkt 8).

[An dieser Stelle ist dem Management leider etwas die Puste ausgegangen. Deswegen weitere kreative Informationsideen von uns im Überblick: Punkt 9 Schild aufstellen, Punkt 10 Lieferanten per E-Mail über Liste informieren, Punkt 11 Bonbons für gute Fahrer, Punkt 12 Lieferanten per E-Mail an Liste erinnern...]

Immerhin: Die Einfahrt zu dem Gelände wurde verlegt (Punkt 1). So soll der Verkehr auf der Porschestraße vormittags um die Hälfte reduziert werden. Außerdem wurden zwei Mitarbeiter eingestellt, die die Porschestraße und die parallel verlaufende Dederingstraße überwachen (Punkt 2). Mit welchem Ziel genau? ¯\_(ツ)_/¯

Amazon überprüft Amazons Umsetzung der Amazon-Vorschläge

Ob der Verkehr im Mariendorfer Industriegebiet mit diesen drei... pardon... acht Maßnahmen entzerrt werden kann und sich die Lage wirklich beruhigt, wird sich zeigen. Bezirksbürgermeisterin Schöttler hofft es jedenfalls und dankt dem Online-Versandhaus für die Kooperationsbereitschaft.

Wie der Erfolg der von Amazon vorgeschlagenen Maßnahmen, deren Umsetzung Amazon übernimmt, von Amazon gemessen wird, bleibt vorerst offen. Das muss aber vielleicht auch gar nicht getan werden. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg bezeichnet die Vorschläge des Online-Riesen in einer Pressemitteilung gar nicht erst als Maßnahmen, sondern direkt als "Lösungen gegen Verkehrsbelastung". Damit sind diese Zeilen bei Veröffentlichung vielleicht schon redundant.

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

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14 Kommentare

  1. 14.

    Ihre Beleidigungen nehme ich einfach mal zur Kenntnis. Schade, Sie haben es nicht verstanden und meine Aussagen einfach als Unsinn abgestempelt. Über Einzelhändler können wir uns gerne austauschen. Aber Sie ziehen sich ja zurück. Realität ist, dass die Ware nicht vom Einzelhändler produziert wird. Er kauft sie, ebenso wie Amazon und andere größere Unternehmen ein. Die Preise für den Endverbraucher kalkuliert der Händler. Und ich zahle eben nicht mehr als ich muss. Wozu auch?

  2. 13.

    Platt!
    Ich belehre nicht, ich bin erstaunt über so viel Realitätsferne. Nur zur Info: ich lebe keinen Luxus, kaufe bewusst bei Händlern und die Plattitüde der "Kreuzfahrtfinanzierung" für irgendwen auch immer ist völliger Blödsinn, da Einzelhändler wohl eher am Minimum existieren.
    Ich habe den Eindruck, dass Sie mit dem Vorwurf der Belehrung wohl eher von sich ablenken möchten.
    Daher beende ich hiermit den Diskurs mit Ihnen, bringt doch eh nichts, da Argumente anscheinend als Belehrung aufgefasst werden. Wer keine Argumente mehr hat, der fängt an auszuteilen, ziemlich platt halt.
    Viel Spaß noch mit Amazon.

  3. 12.

    Platt? Nur, weil ich ehrlich bin und nicht dieselbe Meinung habe wie Sie? Das empfinde ich als sehr belehrend. Bitte, gehen Sie mit gutem Beispiel immer voran. Vielleicht machen es genügend Leute so wie Sie, ich mag mir diese Art Luxus nicht leisten. Ich komme mir blöd vor, wenn ich einem Einzelhändler mehr bezahle als nötig. Übrigens kenne ich genug Gewerbetreibende. Die freuen sich über Leute wie Sie, finanzieren Sie doch auf diese Weise die nächste Kreuzfahrt mit ;-) Muss ich nicht unterstützen.

  4. 11.

    Was eine platte Antwort. Ich zahle gerne mehr, auch ohne Krösus zu sein und unterstütze gerne den Einzelhändler, anstatt auf Kosten von Umwelt und Ressourcen eine "Geiz ist geil" - Mentalitat zu leben, die in der Gesamtheit der Bilanz verheerend für unseren kleinen Planeten ist.
    Ich bleibe auch dabei: Sie können stolz auf sich sein; die Gründe dafür wiederhole ich aber nicht.

  5. 8.

    Wie wäre ein Standort außerhalb Berlin machbar??
    Nähe Stadtgrenze?? Da gibt es sicherlich noch genügend Platz.
    Wer hat diesen Bau genehmigt und abgesegnet???
    Sich fürchterlich beschweren und selbst bei dem "Verein" kaufen ist natürlich zweierlei Maß.

  6. 7.

    Amazon? Ist das nicht das freundliche Ausbeuter- und Verbrecherunternehmen aus dem gelobten Amiland? Das darf das alles und es darf auf keinen Fall kritisiert werden. Sonst seid ihr antiamerikanisch!

  7. 6.

    Ich frage mich mal wieder wo unsere Polizei bleibt , um im öffentlichen Strassebverkehr für Ordnung zu sorgen? Wer sich so verhält wird abkassiert und dann wird sich die Situaton ach Ändern.

  8. 5.

    Glückwunsch Mr. Green, wieder einen Teil Regenwald vernichtet, die Luft verpestet, Menschen ausgebeutet und den Amazonboss reicher gemacht. Seien Sie stolz auf sich.

  9. 4.

    habe auch mal wieder Amazon in Anspruch genommen. Lief besser als jeder Service der mit DHL zusammenhängt. Sorry, aber mir kommt es auf das Ergebnis an, wenn ich etwas kaufen will.

  10. 3.

    Wer bei Amazon kauft, hat eh keinen Sinn für die Natur und unsere immer knapper werdenden Ressourcen. Und es werden anscheinend immer mehr....auch in unserer Nachbarschaft - machen einen auf Öko und lassen sich fast ausschließlich beliefern - wie doppelzüngig und verlogen - eben Ama(o)zon........

  11. 2.

    Vorschlag Nr 0: neue Lieferwagen bestellen, die es in der Größe serienmäßig mit Elektroantrieb gibt. Davon hat die ganze Stadt was; plus Imagegewinn!

  12. 1.

    Ähnliches findet auch in der Industriestraße in Tempelhof statt. Täglich gegen 10 fährt eine endlose Kolonne kleiner weißer Lieferwagen - ein Potsdamer Unternehmen und Mietwagen - im Auftrag von Amazon - vom Gelände und bringt allen anderen Verkehr zum erliegen. Das ist wohl schon seit dem letzten Jahr so.

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