Reisende warten an einem Schalter am Flughafen Tegel (Bild: dpa/Zinken)
Video: rbb|24 | 07.01.2018 | Naomi Donath | Material: NonstopNews, rbb|24 | Bild: dpa

Sicherheitspersonal streikt - Streiks führen zu langen Schlangen an Berliner Flughäfen

Knapp 60 Flüge sind am Montag an den Berliner Flughäfen gestrichen worden - noch immer müssen Reisende mit Verspätungen und Ausfällen rechnen. Hunderte Sicherheitsleute waren am Morgen im Ausstand - und es wird wohl nicht der letzte Streik gewesen sein.

Der Warnstreik der Sicherheitsmitarbeiter an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld hat am Montag zu erheblichen Einschränkungen für Flugreisende geführt. Wie die Flughafengesellschaft mitteilte, mussten knapp 60 Flüge gestrichen werden. Zwar hat sich der Flugbetrieb zum Nachmittag hin weitgehend normalisiert, dennoch wurden Passagiere darauf hingewiesen, dass den gesamten Tag mit Ausfällen und Verspätungen von Flügen zu rechnen sei.

500 Mitarbeiter streikten ab 5 Uhr

Ab 5 Uhr hatten Sicherheitsleute in Tegel und Schönefeld ihre Arbeit für rund vier Stunden niedergelegt. Insgesamt beteiligten sich etwa 500 Mitarbeiter an dem Streik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. "Der Warnstreik war gut organisiert, und wir sind zufrieden mit dem Ablauf", sagte ein Gewerkschaftssprecher.

Zahlreiche Flüge wurden laut An- und Abflugplänen der beiden Airports gestrichen, viele andere hatten mehrstündige Verspätungen. Fluggäste waren aufgerufen worden, sich vor der Fahrt zum Flughafen bei den Airlines über die aktuelle Lage zu erkundigen. In Schönefeld seien am Morgen alle Abfertigungen geschlossen gewesen, so ein Verdi-Sprecher.

Lage trotz Flugausfällen "relativ entspannt"

Den Ausstand hatte die Gewerkschaft zwei Tage vorher angekündigt, daher waren viele Passagiere auf Alternativen ausgewichen. Am Morgen war die Lage von einem Flughafensprecher als "relativ entspannt" bezeichnet worden, jedoch bildeten sich beispielsweise in Schönefeld, wo 25 Flüge verschoben wurden, sehr lange Schlange in den Terminals. Obwohl die Flughafengesellschaft damit gerechnet hatte, dass der Betrieb bereits eine Stunde nach Streikende wieder normal laufen sollte, beruhigte sich die Lage erst am Nachmittag.

Warnstreik für bessere Bezahlung des Sicherheitspersonals

Verdi erklärte, mit dem Warnstreik solle "ein erstes Signal" an die Arbeitgeber gesendet werden, ein verhandlungsfähiges Angebot für die rund 23.000 Beschäftigten im Bereich der Sicherheit an deutschen Flughäfen vorzulegen. Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen habe auch in der vierten Verhandlungsrunde vor Weihnachten "ein völlig unzureichendes Angebot" unterbreitet.

Weitere Arbeitskämpfe nicht ausgeschlossen

Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung des Stundenlohns im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle auf 20 Euro. "Weitere Arbeitskämpfe auch an anderen deutschen Flughäfen sind nicht ausgeschlossen", kündigte Verdi an. Die Ferienzeiten der einzelnen Bundesländer sollten dabei jedoch berücksichtigt werden.

Nach den letzten Gesprächen hatte Rainer Friebertshäuser, Leiter der Tarifkommission auf Arbeitgeberseite, gesagt: "Verdi will scheinbar keinen Tarifvertrag verhandeln, sondern lieber streiken." Nach seiner Darstellung habe die Gewerkschaft stur an der Forderung nach einem bundesweit einheitlichen Stundenlohn von 20 Euro festgehalten. Das würde in einzelnen Tarifgebieten bis zu 55 Prozent mehr Geld bedeuten. Die Arbeitgeber hätten zwei bis 8,1 Prozent mehr pro Jahr angeboten. Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser kritisierte: "Es ist bedauerlich, dass das neue Jahr schon wieder mit Unregelmäßigkeiten für unsere Fluggäste beginnt."

Die nächste Runde der Tarifverhandlungen ist für den 23. Januar angesetzt. Auf den beiden Berliner Airports sind laut der Gewerkschaft rund 3.000 Beschäftigte bei privaten Sicherheitsfirmen angestellt.

Sendung: Inforadio, 07.01.2019, 06:00 Uhr

Kommentar

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24 Kommentare

  1. 24.

    Hallo alle zusammen !
    Dass ver.di für die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes einen Stundenlohn von 20 Euro erkämpfen will, ist ja der Hammer.
    Welche Pflegekraft im Altersheim oder im Krankenhaus erhält 20 Euro pro Stunde ? Keine !! Und diese Leute arbeiten mit Sicherheit körperlich viel schwerer.
    Wir als ehemalige Mitarbeiter eines Tochterunternehmens der Telekom hatten mit ver.di als unser Interessenvertreter kein so großes Glück, ganz im Gegenteil. Wir mussten eine Lohnkürzung von 10% hinnnehmen, obwohl wir in dem Tochterunternehmen die gleichen Aufgaben erledigten wie zuvor als Mitarbeiter der Telekom. Danke ver.di !!

  2. 23.

    Sie fallen also lieber vom Himmel,

    leider können wir nicht mit Wattebällchen schmeißen
    dem entsprechend bleiben uns keine anderen möglichkeiten.

    Mfg

  3. 22.

    Guten Morgen, in erster Linie egal wo gestreikt wird es hat immer einen bitteren Nachgeschmack für die betroffenen Kunden / Passagiere. Was den gestrigen Streik angeht, wurde dieser ja frühzeitig angekündigt und der FBB hätte dementsprechend reagieren können, ebenfalls die Airlines z.B. Ryanair . Man kann die Wut der Passagiere verstehen, was den Service zu diesem Zeitpunkt angeht aber bitte, man sollte seinen Unmut nicht an die Streikenden richten, sondern an die, die den Service nicht richtig ausgeführt haben. Es ist ein Irrglaube wenn man behauptet das im Bereich der Luftsicherheit, nur ungebildete-Schulabbrecher-Harz4 Mitarbeiter diese Arbeit durchführen. Im Bereich der Luftsicherheitskontrolle bestehen wie auch woanders Einstellungsvoraussetzungen. Bei Ende der Ausbildung wird die Abschlussprüfung durch die Bundespolizei absolviert. Diese Tätigkeit ( Luftsicherheitsassistent ) wird dann im Auftrag der Bundespolizei ausgeführt. Der Streik ist gut begründet, denn die Anzahl der Passagiere geht ins Unermessliche hoch hinaus, Dank Spot Preise durch Ryanair Beispiel 20€ Spanien hin und zurück. Die Sicherheit muss gewährleistet sein zu 100% zu Gunsten der Passagiere. Andernfalls könnte man sich überlegen, billige Flugpreise keine Sicherheit mehr, teure Flugreise 100% Sicherheit - Terrorabwehr. Wer sicher mit einem Flugzeug fliegen möchte, sollte für die Terrorabwehr auch bezahlen.

  4. 21.

    Ich fliege seit über zwanzig Jahren jede Woche und habe für den Streik vollstes Verständnis. Naja,... wäre nett gewesen, wenn das nicht gerade am ersten Arbeitstag im neuen Jahr passiert wäre. Aber egal, ich würde mir wünschen, wenn wir endlich mal eine Streikkultur wie in Frankreich hätten. Die Lohnschere geht immer weiter auseinander und einige Volksvertreter stellen das Streikrecht in Frage. Das ist der eigentliche Skandal.

  5. 20.

    Es herrschten katastrophale Zustände ab Mittag auf Berlin Schönefeld! Unendlich viele wartende Passagiere in meterlangen Schlangen. Die Getränkeautomaten waren leer, Passagiere kippten in den Schlangen einfach um, keine Ansprechpartner weit und breit und das Gepäck, welches bereits aufgegeben wurde kann man sich bis 24 Uhr am Fundbüro wieder abholen. Unter Service verstehe ich etwas anderes und habe keinerlei Verständnis für die Streikenden die ihren Arbeitskampf auf den Schultern und zu Lasten Unschuldiger austragen!. Unverantwortlich eine solche Aktion!

  6. 19.

    Hallo Toska! - "Umwelthilfe" - wär' auch nicht schlecht. Die sorgen sich jedenfalls um die Gesundheit, respektive um die Einhaltung der amtlichen Höchstwerte für die Verschmutzung der Luft, der Luft, die wir Menschen - auch Sie - zum Gedeihen brauchen. Eigentlich doch Sache der Ämter oder Behörden ... . Aber gut, dass des die DUH gibt!!

    Zum Rest will ich mich gar nicht äußern, da haben Sie gewiss eine schöne Wut im Bauch.

    Und es freut mich, wenn Sie nun eine alternative Reiseroute gefunden haben. Es gibt aber auch verlässliche bodengebundene Alternativen von Berlin aus in die weitere Nachbarschaft: Vgl. Hanus Rechercheergebnis in # 12

    @ Hanu # 12: Danke!

    Viel Glück!

  7. 18.

    So habe ich früher auch gedacht: vor der Schummelsoftware non VW oder dem Missmanagement am BER.
    Da jönne ich anderen lieber einen guten Stundenlohn!

  8. 17.

    Informieren sie sich vorher, bevor sie so einen Stuss von sich geben!

    Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist definitiv notwendig.
    https://www.jobamflughafen.de/luftsicherheitsassistent/#c35

    Wenn man als Gewerkschaft etwas für seine Belegschaft erreichen will, muss man hoch ansetzen um einen guten Kompromiss zu finden.

    Des Weiteren haben diese AN eine sehr große Verantwortung für die Passagiere und das sollte auch entsprechend bezahlt werden.

  9. 16.

    Aha... und deswegen mussten Sie Wikipedia zur Hilfe nehmen, ich dachte schon Sie sind bei der "Umwelthilfe" tätig.
    Den Streikenden hilft das allerdings nicht weiter und den Flugästen schon garnicht. Verdi ist ein totaler veralteter Verein der sich nur profilieren will. Da wo es wirklich in der Vergangenheit brannte wie z.B. Schlecker hatte Verdi nur schöne Worte.Eine total überspannte Tarifforderung denn die Zeche zahlen die Fluggäste, Ich fahre mit der Bahn nach Österreich oder einen Nachbarland und fliege von da, viel billiger und bessere Maschinen und Service, meinetwegen können die streiken so viel sie wollen.

  10. 15.

    Zumindest als ich dort anfing, war eine abgeschlossene Berufsausbildung definitv erforderlich. Ob es in letzter Zeit noch immer so ist, möchte ich nicht beschwören, da es einen enormen Personalbedarf gab und auch immer noch gibt, aber nicht genügend Bewerber, bzw. die Durchfallquote bei den Prüfungen durch die Bundespolizei sehr hoch ist. Also kann es durchaus sein, dass die Voraussetzungen nach unten geschraubt wurden, wie in vielen anderen Bereichen (z.B. Polizei) auch.

  11. 14.

    Es ist keine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf erforderlich. Falls ich falsch liege, dann her mit der entsprechenden Info.

  12. 13.

    Woher hast du denn diese Information? Abgeschlossene Berufsausbildung war Einstellungsvorraussetzung. Und selbst wenn es alles Schulabbrecher wären, würden sie heute selbst für ihren Unterhalt aufkommen und zahlen entsprechende Steuern und machen es sich nicht in der Hartz4-Hängematte bequem. Hochgebildete Langzeitstudenten sind ja viel produktiver, oder? Und JEDER hat nunmal das RECHT für seine optimale Entlohnung zu kämpfen. Wer die Hintergründe und Arbeitsbedingungen z.B in TXL nicht kennt, sollte sich vorab informieren. Ebenso sollten Krankenschwestern, Pflegekräfte, Polizisten, Feuerwehrleute etc. für eine anständige Bezahlung ihrer wichtigen Jobs kämpfen. Und ich hoffe und wünsche es denen, dass es auch so kommt. Meine Unterstützung haben sie.

  13. 12.

    Die im Bericht genannten, ausfallenden Verbindungen lassen sich alle per Bus und Bahn gut erledigen. Gut, Moskau wird schwierig, aber selbst hierfür gibt es einen direkten Kurswagen ab Berlin. Und manche Reise ist eh überflüssig.

  14. 11.

    Fehlgeleitete Tarifautonomie! Der Staat als Auftraggeber gibt die Kosten einfach an die Passagiere weiter und hat keinen Druck gegenzuhalten. Wenn angelernte Kräfte (z.T. ohne Ausbildung und Schulabschluss) solche Löhne bekommen, dann verrät verdi die eigenen Mitglieder, die sich für ihre Jobs durch entsprechende Ausbildung qualifiziert haben. Pervers!

  15. 10.

    Was passiert bei ausländischen Besuchern, die ihre maximale Aufenthaltszeit von 90 Tagen innert der zurückliegenden 180 Tage erreicht haben und nicht plan- und gesetzmäßig den Schengenraum verlassen können? Eintrag im SIS und Einreisesperren, nur weil an den Flughäfen nichts geht? Vor genau dieser Frage stehe ich, falls am kommenden Montag wieder gestreikt werden sollte und der Flug ausfällt.

  16. 9.

    Die Verhandlungsmacht des Einzelnen erbringt den "vor die Tür gesetzten Stuhl". Gut, dass wir diese Gewerkschaft haben! Gemeinsam sind wir stark!

    Viel Glück den streikenden Kollegen und den enttäuschten Mit-Dem-Flugzeug-Reisenden (gute Gelegenheit, einfach mal zu sein - ;).

  17. 8.

    "Betroffene Passagiere seien von den Airlines im Vorfeld gut informiert worden."

    Nee. Wie von Ryanair erwartet, keinerlei Benachrichtigung. Erschien um 8:50, immer noch nicht durch Sicherheitskontrollen bei SXF um 11:00 Uhr.

  18. 7.

    Irgendwann ist die deutsche Wirtschaft kaputt gestreikt.
    Verdi geht es nicht mehr um die Sache, sondern nur um sich selbst zu profilieren.
    Die Forderungen sind utopisch, damit es einen Grund gibt weiter zu streiken.

  19. 6.

    Es gibt ja auch Alternativen zum Fliegen. Z.B. darüber nachdenken oder ausprobieren, ob und wie es „ohne“ geht. Aber das würde nicht zur Gewohnheit der wenigsten „Titanic“-Passagiere passen.
    Gleichwohl: „Angesichts des zunehmenden Luftverkehrs und des hohen Kerosinverbrauchs werden die durch Flugreisen verursachte Klimaschädigung und die Umweltverschmutzung zu einem weltweiten Problem. ... ist der Ausstoß von CO2 in großer Höhe klimaschädlicher als eine gleiche Menge Emissionen am Boden. ... dass der Gesamtbeitrag des Flugverkehrs zur Klimaerwärmung wegen der größeren Schädlichkeit der Schadstoffe in großen Flughöhen global gemittelt zwei- bis viermal höher ist als bei entsprechenden Emissionen am Boden.“ Vgl. „Flugreise“ - Wikipedia.

  20. 5.

    Das Traurige daran ist, dass man sich als Arbritnehmer noch darüber freuen sollte.
    Auf Nachfrage bei meinem früheren Arbeitgeber, ob man einen Inflationsausgleich erhalten könnte, war die Antwort: „Welche Inflation?“
    #unfähiges Führungspersonal

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