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Audio: radioBerlin 88,8 | 19.01.2019 | Holger Hansen | Bild: Imago/ Ritter

Projekt der Wohungsgesellschaften - Tauschbörse für Berliner Mieter bleibt bisher wirkungslos

Mit großen Erwartungen brachten die landeseigenen Berliner Wohnungsbaugesellschaften im Herbst eine Tauschbörse an den Start. Rund 600.000 Mieterinnen und Mieter können sie nutzen, erfolgreich ist das Projekt bisher noch nicht. Von Holger Hansen

Einen gewissen Erfolg kann man der Tauschbörse der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften nicht absprechen. Immerhin mehr als 2.000 Nutzer zählt die Börse seit ihrem Start im September 2018 - und die haben inzwischen auch über 8.000 Tausch-Anfragen gestellt. Zum Erfolg geführt haben aber bisher nur zehn der Anfragen - das teilte der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) am Donnerstag mit.

"Das jeweils Passende finden"

Trotz der geringen Erfolgsquote zeige das Projekt, dass es bei den Mieterinnen und Mietern durchaus einen Bedarf zum Tauschen gebe, sagt die Wohnungs- und Mietenexpertin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Katrin Schmidberger. Die Zahlen würden zeigen, dass die Tauschbörse funktioniere, aber auch, dass es sich nur um einen kleinen Beitrag zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt handeln könne.

Ziel der Tauschbörse sei es, den Wohnraum, der sich in Landeseigentum befinde, möglichst bedarfsgerecht zu verteilen. So gebe es viele Menschen, die in Wohnungen lebten, die ihnen zu groß seien - ebenso wie auch den umgekehrten Fall. Es wäre wünschenswert, wenn die Leute auch "das jeweils Passende" bekommen könnten.

Mit Tauschbörse Mietsteigerungen umgehen

Bisher sind Wohnungswechsel fast zwangsläufig mit Mietsteigerungen verbunden, deshalb will kaum jemand seinen Mietvertrag kündigen. Beim Tausch von landeseigenen Wohnungen über die Plattform ist deshalb garantiert, dass die jeweiligen Nettokaltmieten beider Wohnungen unverändert bleiben. Da Bestandsmieten meistens niedriger sind als Neumieten, kann sich so ein Tausch vor allem für junge Familien lohnen, wenn sie etwa einen jahrzehntealten Mietvertrag von älteren Menschen übernehmen.

Grundsätzlich kommt auch aus der Opposition Zustimmung zu der Idee. Trotz der bisher niedrigen Erfolgsquote solle man solle das Projekt weiterlaufen lassen, sagt Stefan Förster, der wohnungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion. Menschen, die auf diese Weise eine geeignete Wohnung fänden, seien ja auch zufriedene Mieter. Nur solle man nicht allzu hohe Erwartungen haben. Nur Neubau könne den Wohnungsmarkt entspannen, und gerade Familien mit Kindern, die größeren Wohnraum suchten, würden ihn im Rahmen der Tauschbörse nicht ausreichend finden.

Deutlich mehr Wünsche nach größerer Wohnung

Die Zahl der Wünsche nach größeren Wohnungen ist auf der Tauschplattform deutlich höher als die Zahl derer, die sich verkleinern möchten. Möglicherweise benötigen ältere Menschen, die sich im Internet nicht gut auskennen, mehr praktische Hilfen und Beratungsmöglichkeiten, sagt die Grünen-Politikerin Schmidberger - obwohl die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften per Post an sämtliche Haushalte Info-Material geschickt haben und versichern, dass ihre Service-Mitarbeiter bei Bedarf auch persönlich weiterhelfen.

Sendung: radioBerlin, 19.01.2019, 6.00 Uhr

Beitrag von Holger Hansen

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18 Kommentare

  1. 17.

    Das eine 61m2 Wohnung teurer ist, wie eine mit 59m2 bei gleichem Standard ist auch ein Problem desMietenspiegels. Das gilt auch für ehemals geförderte Wohnungen.
    In ihrem Fall müsste die Freigabe einer gr. Wohnung Vorrang haben. Insbesondere weil ja auch weitere Kosten der Teilhabe das rechtfertigen.
    Dieses "Fördertöpfe" Denken ist den politisch Verantwortlichen nur schwer auszutreiben.

  2. 16.

    Das ist nurbedingt richtig.
    Sie zahlen heut schon Grundsteuer. Das wird so bleiben. Wenn dann die Kinder raus sind und die Oma nicht betreut/aufgenommen wird. Ist es eine Frage der Ökonomie, ob die verbliebenen Bewohner sich das leisten wollen. H4ler können schon jetzt gezwungen werden kleinere Wohnungen zu beziehen!? Der einzelne Jupi oder Alt68erprofesor auf 160m2 zahlt das sicher gerne.

  3. 15.

    ...das stimmt so nicht. die miete wird von der grundsicherung nur zu einem bestimmten satz, für 1person kaltmiete 450€, übernommen.

  4. 14.

    Ich hab versucht zu tauschen, 3 Zimmer gegen zwei.
    Problem ist, dass meine 3-Zimmer billiger sind als die angebotenen zwei. Da ich Grundsicherung beziehe würde man die teurere Miete nicht genehmigen. Damit nutzte mir mein WBS für 2 Zimmer auch nichts und es hatte sich für mich der Fall erledigt. So sitze ich weiterhin mit meiner starken Gehbehinderung in der gr. Wohnung in der 3 Etage ohne Lift und weiß nicht wie ich am Leben teilhaben kann.

  5. 13.

    Was wollen Sie damit sagen? Bei H4 deckt doch eh der Staat alles ab... Manche Vermieter nehmen H4 deswegen sehr gerne. Der Staat zahlt alles ...

  6. 12.

    Versuchen Se mal, mit HartzIV ne Wohnung zu tauschen, ohne den Kitt aus de Fenster fressen zu müssen.

  7. 11.

    Aber die Kosten der Grundsteuer würden doch auf die Miete geschlagen werden. Das heißt die Älteren in der großen Wohnung werden weiter zur Kasse gebeten und müssten dann die Wohnung evtl. aufgeben, damit der Vermieter sie dann noch teurer weitervermieten kann?

  8. 10.

    es würde mich mal interessieren ob man auch mit abgelaufenem WBS auch tauschen kann ( schließlich wohnt man dann ja noch in einer geförderten Wohnung )

  9. 9.

    Vielleicht sollte man den ökonomischen Hebel ansetzen.
    Eine 100m2 Wohnung mit 2 Personen bewohnt kostet die volle Grundsteuer.
    4 Personen zahlen den ermäßigten Satz.
    Mit den Mehreinnahmen kann die Gemeinde sozialverträglich Wohnraum erhalten.
    Es ist aberwitzig, wenn eine 59m2 Wohnung mehr kostet
    wie eine 61m2 bei gleichem Standart. Ein sogenannter Investor hat gar kein Interesse familientaugliche Wohnungen mit Kinder-, Eltern- und Omazimmer zu errichten.

  10. 8.

    Ich bin Nutzer der Tauschbörse und finde die Idee sehr gut. Ich suche wegen meiner Schwerbehinderung eine Wohnung Parterre und biete im Tausch eine Wohnung in der 3. Etage an. Nach 3 Monaten Erfahrung ist mein Fazit: Es gibt mehr MIeter, die nach unten wollen, als nach oben.

  11. 7.

    Die Schwierigkeiten der Praxis mal ausgeblendet: eine gute Idee (Wohnung zu groß/klein, Wohnung in Nähe vom Arbeitsplatz etc.) und generell zur Nachahmung geeignet.

  12. 6.

    führt man eine Suche durch und findet ein Ergebnis wird beim Klick auf Details "Angebot abgelaufen" ausgegeben..
    vielleicht sollte man erstmal das System zum Laufen bringen.

  13. 5.

    Wie schon CD schreibt, ist ein Umzug für ältere bzw. alte Menschen nicht das gleiche wie für jüngere. Man hängt am Umfeld und an der Wohnung, man ist vielleicht auch überfordert mit den Behördengängen, die damit verbunden sind, muss sich von vielem trennen, was dann in eine kleinere Wohnung nicht mehr reinpasst. Alles muss verpackt werden, die alte Wohnung muss renoviert werden. Ein Umzug ist auch mit Kosten verbunden, nicht nur der Umzug selbst kostet, auch müssen evtl. neue Möbel angeschafft werden, es müssen Handwerker beauftragt werden, die von Lampen anbringen bis Dübel für alles mögliche in die Wand bohren Dinge erledigen, die ein alter Mensch nicht mehr selbst machen kann. Dieser angedachte Tausch wird nur funktionieren, wenn die Alten dabei "an die Hand genommen" werden.

  14. 4.

    Vielleicht sollte man die nicht gerade Nutzerfreundliche Oberfläche bzw. das Anmeldeprozedere deutlich vereinfachen.
    Das ist einer der schlechtesten Portale, die ich je gesehen habe.
    Das wird nie was.

  15. 3.

    oder Bitte an den rbb. Wie steht es bei den Genossenschaften. M.E. bieten die auch innerhalb der Genossenschaft Tauschmöglichkeiten. Gibt es hierzu Erfahrungen? Bzw. ist das Modell anders? Kann man das mal als Ergänzung bzw. zum Vergleich recherchieren? Wäre interessant, ob es dort besser läuft.

  16. 2.

    Im Alter ziehen Menschen ungern um, wenn sie schon Jahrzehnte in einer Wohnung leben und das ihr Zuhause geworden ist. Alte Bäume verpflanzen sich schwerer als junge. Und wenn eine neue, kleinere Wohnung dasselbe oder mehr kostet als die alte, große, ist derAnreiz zum Umziehen auch nicht da. Dann kann man auch in der vertrauten Umgebung bleiben und spart sich den Umzugs-Streß.

  17. 1.

    Ich finde, dass es zu wenig echte altersgerechte Wohnungen gibt, die bezahlbar sind. 4-Raum-Wohnung mit altem Mietvertrag ist billiger als 1-Raum-Wohnung Baujahr 2017 ff. Aber: die Diskussion ist mir zu knapp. Es gibt auch viele Menschen, die Wohneigentum erwerben möchten. Ich höre immer nur von Eigenheimen. Wir machen Wälder und Freiflächen platt, damit immer mehr Menschen sich einen Gartenzwerg auf die eigene Treppe stellen können. Ich finde, es sollte in Wohneigentum in Form von Eigentumswohnungen investiert werden. Wohnungsverbünde, 4-oder 6-Familienhäuser fände ich sehr viel förderungswürdiger als Einfamilienhäuser. Wir haben nicht nur junge Familien hier. Gerade ältere Menschen brauchen Nachbarn und viele wollen gar nicht im eigenen Haus leben, Mülltonnen rausstellen, Schnee fegen, Rasen mähen, Wasser abstellen ... , sondern in Eigentumswohnungen mit Balkon oder Terrasse und Wohnungsverwaltung. Man findet kaum etwas Bezahlbares auf dem Markt, es sei denn in Trabantenstädten.

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