Die Feuerwehr Fürstenberg bekämpft ein Brand am Forsthaus Schönhorn (Quelle: Feuerwehr Fürstenberg)
Bild: Feuerwehr Fürstenberg

Gefährliche Funklöcher - Fürstenberg will Netzbetreiber in die Pflicht nehmen

Funklöcher in Brandenburg sind real - und können verheerende Folgen haben, wie der Fall eines Försters im Dezember zeigte, der schwer verletzt zwei Kilometer zurücklegen musste, um einen Notruf abzusetzen. Lokale Politiker sehen die Netzbetreiber in der Pflicht.

Der Bürgermeister von Fürstenberg im Landkreis Oberhavel, der parteilose Robert Philipp, fordert mehr Engagement des Bundes, um Funklöcher zu schließen.

Dafür muss die Bundesregierung Philipp zufolge die Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen. Wenn der Staat Lizenzen und Frequenzen vergibt, müsse er den Unternehmen auch abverlangen, "dass sie an die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum denken", sagte Philipp am Freitag dem rbb. Es dürfe nicht nur der reine wirtschaftliche Erfolg vor Augen stehen.

Schwer verletzter Förster konnte keinen Notruf absetzen

Hintergrund ist der Fall des Forsthauses Schönhorn im Wald bei Großmenow, das im vergangenen Monat abgebrannt war. Weil der schwer verletzte Förster im Wald keinen Handyempfang hatte, musste er zwei Kilometer weit bis zur nächsten befestigten Straße fahren, um einen Notruf absetzen zu können. "Dieser Fall hat gezeigt, dass man an manchen Stellen nicht erreichbar ist", sagte Philipp.

Die Fürstenberger Netzpolitikerin Anke Domscheit-Berg sagte seinerzeit in der "Märkischen Oderzeitung": "Es ist unfassbar, dass Funklöcher zu solchen Tragödien führen." Niemand der 60 Einsatzkräfte habe vor Ort ein Handy nutzen können.

Domscheit-Berg fordert regionales Roaming

Sie wolle das Drama von Schönhorn in den zuständigen Gremien des Bundestages thematisieren. Ihrer Meinung nach reicht es nicht aus, wenn weiße Flecken formell verschwinden, "etwa weil ein einzelner Netzbetreiber dort aktiv ist". Weil Kunden und Nutzer von anderen Betreibern immer noch im Funkloch stecken würden.

"In schlechter versorgten Gegenden braucht es daher ein regionales Roaming (ein nationales Roaming wäre noch besser), damit man jederzeit ein beliebiges Funknetz nutzen kann, unabhängig vom eigenen Anbieter, so wie man das vom Ausland kennt", forderte Domscheit-Berg auf ihrer Webseite.

Fürstenbergs Stadtbrandmeister Dirk Stolpe hatte in der "Märkischen Oderzeitung" erklärt, dass das abgelegene Forsthaus wohl auch bei einem schnelleren Notruf nicht zu retten gewesen wäre. "Zehn Kilometer Anfahrt, davon drei über einen Waldweg, sind bei einem Holzhaus zu viel", sagte er der Zeitung im Dezember.

Die Probleme mit den Funklöchern seien aber real, wenngleich die Kommunikation über den Digitalfunk der Feuerwehr weitgehend funktioniere.

In Brandenburg gibt es insgesamt 53 Städte und Gemeinden, die nicht oder nur zu einem geringen Teil an das Mobilfunknetz angeschlossen sind.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.01.2019, 10.00 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Wenn man Vollversorgung möchte, dann muss man das eben so machen wie früher mit der Reichspost, der Deutschen Post und der Deutschen Bundespost: Ein Anbieter der alleine Im Staatsauftrag handelt! Das dies ansonsten nicht funktioniert ist Ergebnis der Privatisierung - die eben Mist war! Private wolen Profit und machen gar nichts besser. Weder in der Telekommunikation, noch in vielen anderen ehemaligen hoheitlichen Aufgabenbereichen.

  2. 7.

    Das Funkloch ist schon in Zehlendorf existent (Düppel), setzt sich über Kleinmachnow weiter fort in die Walachei (https://www.funkloch-brandenburg.de/karte). Wobei, in der Walachei ist definitiv sicher besserer Empfang, so wie in der Sahara. Nur hier halt nicht. Direkt in/an der Hauptstadt.

    Merken die Politiker aber nicht, die sind ja immer in Mitte.. wie die startups, die Yuppis, die Zugereisten. Für die ist Empfang da. Sch.. doch auf die eigentlichen Einwohner...

  3. 6.

    Schon krass, dass es das heute noch gibt.

  4. 5.

    Hallo Herr Schäfer,
    bei dem Haus auf dem Foto handelt es sich um das im Beitrag thematisierte Forsthaus. Bei der Bezeichnung des Hauses als "Holzhaus" hatte sich Fürstenbergs Stadtbrandmeister wohl etwas vertan. Es handelt sich aber um ein Originalzitat, was er in der Märkischen Oderzeitung so gesagt hat.
    Beste Grüße

  5. 3.

    Liebe Redation,
    auf dem Foto zum Artikel ist ein massives Haus (Stein auf Stein) zu sehen. Handelt es sich dabei um das im Artikel thematisierte Forsthaus? Wenn ja verstehe ich nicht, wie der Stadtbrandtmeister Dirk Stolpe von einem Holzhaus sprechen kann? Dem verletzen Förster die besten Genesungswünsche! Viele Grüße

  6. 2.

    Ich dachte bisher immer, daß ein Forstamt auf jeden Fall auch Festnetz hat.

  7. 1.

    Habe mir gerade die Netzabdeckungskarten der drei Betreiber für diese Gegend angetan. Ui. Die Telekon steht noch am besten da, bei Vodafone klaffen große Lücken und O2 hat offenbar aus sehr gutem Grund eine undurchsichtige Kartendarstellung gewählt...

    O2 schafft es auch als einziger Betreiber nicht, der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eine halbwegs vernünftige 3G/4G-Abdeckung zu geben. Beschämend.

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