Eine Frau sitzt auf einem Sofa, mit hochgelegten Beinen (Quelle: imago/diego.cervo)
Video: rbb|24 | 23.01.2019 | Bild: imago/diego.cervo

Neuer Feiertag beschlossen - Berlin groovt sich ein auf den arbeitsfreien 8. März

Jetzt ist es fix: Der Frauentag ist ab diesem Jahr in Berlin Feiertag. Das Parlament hat das Ganze am Donnerstag abgesegnet. Weil das absehbar war, hat sich Berlin schon frühzeitig aufs Feiern eingestellt. Von Friederike Steinberg

Der 8. März ist ab sofort in Berlin gesetzlicher Feiertag - das hat das Abgeordnetenhasu am Donnerstag beschlossen. 

Da der 8. März in diesem Jahr auf einen Werktag, einen Freitag, fällt, bedeutet die plötzliche Verwandlung eines Werktags zum Feiertag auch plötzliche Schließzeiten - für Schulen, Behörden, Verkehrsbetriebe oder Unternehmen.

Keine Behördentermine mehr am 8. März

Und tatsächlich hatten sich - noch bevor der Feiertag endgültig verankert war - erste Einrichtungen darauf vor: So war schon am Mittwoch auf der Internetseite des Bundesarchivs zu lesen: "Aufgrund des neuen gesetzlichen Feiertags im Land Berlin bleiben die Benutzersäle des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde und Berlin-Reinickendorf am Freitag, dem 8. März 2019, ganztägig geschlossen."

Die Berliner Behörden allgemein sind früh dran: Ein Termin am 8. März 2019 im Bürgeramt, um beispielsweise einen Personalausweis zu beantragen oder eine Wohnung anzumelden, war am Mittwoch schon nicht mehr zu haben - der 8. März war in der Online-Terminvereinbarung nicht anklickbar.

Die Standesämter in den Bezirken hatten nach eigenen Angaben zum Teil keine Buchungen für den 8. März, zwei Bezirke allerdings haben wohl vorhandene Termine gemeinsam mit den Brautpaaren verschoben. Andere Bezirke gaben an, die bereits geplanten Hochzeiten an den Tagen auch durchzuführen.

Screenshot der Terminvereinbarung im Service-Portal Berlin (Quelle: rbb]

BVG will umplanen und drängt

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) standen zwar in den Startlöchern, hatten Personal- und Fahrpläne aber bsi zur Abstimmung noch nicht verändert. BVG-Sprecherin Petra Nelken sagte am Mittwoch rbb|24, grundätzlich sei das Umplanen nicht schwierig: "Wir erklären einfach einen Freitag zu einem Sonntag." Das bedeute weniger Fahrzeuge und Personal im Einsatz am Tag und in der Nacht davor allerdings etwas mehr, "dann fahren wird durch". Das sei alles machbar, sagte sie, "man muss es nur endlich mal wissen!" Auch die Anschlüsse an Verbindungen in Brandenburg, wo der 8. März ja kein Feiertag werde, könne man finden - wenn denn endlich Nägel mit Köpfen gemacht seien.

Keine planbaren Operationen in der Charité

Auch der landeseigene Krankenhauskonzern Vivantes stellte sich bereits vorab auf den Feiertag ein: "Vivantes geht davon aus, dass das Abgeordnetenhaus von Berlin beschließen wird, den 8. März zum gesetzlichen Feiertag zu erklären und stimmt seine Dienstpläne und Prozesse daraufhin ab", teilte Vivantes-Sprecherin Kristina Tschenett am Mittwoch rbb|24 mit. "Planbare Operationen werden an diesem Tag nicht angesetzt, Notfälle aber in jedem Fall behandelt." Die personelle Besetzung, bespielsweise in Operationssälen, werde dann so sein wie an einem Wochenende.

Die Charité hingegen wollte nach eigenen Angaben noch das finale Votum abwarten. Dann werde der neue Feiertag "wie jeder andere Feiertag von der Charité berücksichtigt".

Unternehmen beklagen Einbußen

Viele Berlinerinnen und Berliner - vor allem die mit Job - dürften sich den 8. März inzwischen schon im Kalender angestrichen haben - und viele Unternehmer ebenso. Die einen als freien Tag, die anderen als erzwungene Produktionspause oder Geschäftsschließzeit. Thomas Dreusicke, Geschäftsführer der Firma India-Dreusicke, sagte dem rbb, er rechne für sein Unternehmen mit Einbußen in Höhe von 15.000 Euro für den arbeitsfreien Tag. Laut Industrie- und Handelskammer sind es für ganz Berlin insgesamt 160 Millionen Euro.

Die Berliner IHK kritisert vor allem die kurze Frist, dass kaum mehr als einen Monat zwischen der Entscheidung für den Feiertag und dem Feiertag selbst liegt. "Grundsätzlich gilt: Je kurzfristiger die Einführung, desto teurer ist es für die einzelnen Unternehmen, weil ad hoc Lieferketten, Arbeitsprozesse und Dienstpläne geändert und angepasst werden müssen", sagte Berlins IHK-Sprecherin Claudia Engfeld.

Sendung: Inforadio, 24.01.2019, 10:00 Uhr

Beitrag von Friederike Steinberg

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32 Kommentare

  1. 32.

    Der 8. März wird der zehnte gesetzliche Feiertag in Berlin.
    Immer dieses hin und her mit den Feiertagen.
    Schlimmer als die Zeitumstellung.

  2. 31.

    ...sich mit beißendem Spott, den ich in dieser Art nur von Leuten aus der ehem. DDR kenne, auf die Dinge zu stürzen, führt nur zu Unfrieden und keiner Lösung. Ich hätte mir einen konstruktiven und qualifizierten Beitrag gewünscht. Hier wird ein Rundumschlag aus einer verbitterten Ex-Ossi-Projektion heraus versucht. Und das letztlich gegen uns Frauen. Und jeder neue Beitrag wird sogleich im Keime erstickt. Das kommt wohl von dem alten System.... Da kann ich leider auch nicht mehr helfen!

  3. 30.

    Haben Sie sich die Kritikpunkte überhaupt durchgelesen, bevor Sie sich hier über Rumplärren über einen Feiertag mokieren? Es geht um Datum und Anlass. Kein Arbeitnehmer ist unglücklich über zusätzlich freie Tage, aber das was hier über die Köpfe der Bevölkerung hinweg in einer Hau-Ruck-Entscheidung entschieden wurde, wird ja noch diskutiert werden dürfen.

  4. 29.

    Wird jetzt hier wirklich rumgeplärrt, weil es einen Feiertag mehr gibt?

  5. 28.

    Irrtum. In einer Umfrage wurden mehrere Termine vorgeschlagen. Ich kann mich erinnern, dass die meisten Stimmen der 17. Juni bekommen hatte und nicht der Reformationstag.....

    Sei es drum, nun ist es also der 8. März. Ich freue mich über einen Tag mehr im Jahr.

  6. 27.

    Nächstes Jahr würde der 8. auf den Sonntag fallen. Nicht auf Samstag. Wir haben nächstes Jahr ein Schaltjahr, gelle?;-)

  7. 26.

    grooven heisst soviel wie „sich aufgrund von starken rhythmen oder takten zu einem tanz treiben lassen“, umgangssprachlich nahe liegt „einschwingen“ bzw. sich in einem positiven (!) sinn in etwas „hineinsteigern“

  8. 25.

    Ja, ja, ja - Berlin ist nicht nur eine moderne Stadt, sondern auch dank RRG, eine verdammt arme Stadt.
    Also mehr Feiertage, am besten gleich 20, 30, oder gleich 50 Feiertage.
    Dann sollen doch auch gleich die Geberländer aus dem Länderfinanzausgleich, den gesamten Haushalt Berlins übernehmen.

  9. 23.

    Alle Mitbürger, welche hier jetzt jammern, können ja gern arbeiten gehen und am Sonntag dann gleich mit. Da freut sich dann der Arbeitgeber.
    Anstatt sich zu freuen, dass es einen freien Tag gibt, wir hier mal wieder, wie in Deutschland üblich, nur gejammert.
    Weiter so!!!!!!!!!!!!

  10. 21.

    Berlin hat jetzt schon bundesweit mit 9 Tagen die wenigsten Feiertage bundesweit. Andere Bundesländer haben 14. Daher wären 12 Feiertage im Jahr ein Minimum. Dass es nicht nur Christenfeiertage sind, sondern auch der Frauentag, finde ich gut. Berlin ist eine moderne Stadt,

  11. 20.

    Aha - und welchen Sinn soll es für eine Wirtschaftsregion machen, wenn es keine Feiertage mehr gibt und die Menschen 7 Tage pro Woche arbeiten, ausser dass dann durch Burnout die Leistung sinkt? Berlin hat jetzt schon bundesweit wenigsten Feiertage. 12 Feiertage im Jahr wären ein Minimum.

  12. 19.

    verstehe - diesmal ein Freitag, nicht hinzukriegen so schnell, also nicht frei. nächstes mal ein samstag - hat eh keiner schule, frei meist egal (sorry, ärzte, bvg-fahrer...). darauf ein sonntag, noch weniger relevant. dann neue berlin-regierung: abschaffen, umlegen auf den halloween-tag, damit man mit brandenburg gleichzieht - die haben da nämlich reformationstag. endlich haben alle schüler frei, und eltern können MIT ihren kindern zusammen was machen. das wäre doch super.

    ansonsten melde ich mich jeweils freiwillig zum dienst, wenn es ein werktag ist. der achte märz. kind muss zur schule, da kann ich auch arbeiten. danke, senat im anderen bundesland...

  13. 17.

    Der Feiertag bringt mir so absolut gar nichts, ach nee, bringt mir ja doch was: ich werde länger brauchen, um zur Arbeit zu kommen, weil bei der BVG der Sonn-und Feiertags-Fahrplan gilt. Es ist ja nicht so, dass es, außer mir, auch vielen anderen Berlinern, die in der Dienstleistungsbranche arbeiten, für Kunden in ganz Deutschland arbeiten, die am 8. März kein Feiertag haben. Das würde mal wieder nicht zuende gedacht.

  14. 16.

    NACHTRAG
    "Neuer Feiertag geplant: Berlin groovt sich ein"
    Sehr geehrte Frau Friederike Steinberg, auf das FEIERTAGSPROGRAMM des rbb bin ich schon mal gespannt wie ein Flitzebogen!
    Programmvorschläge hätte ich en hauf; "Legende von Paul und Paula", der Klassiker, ... gerade erst "Die Frau, die sich traut" gesehen, spontan fallen uns wohl auch "Sommer vorm Balkon" ein? Und, und, und ...
    Es wäre tatsächlich eine WÜRDIGUNG ("Danke für Ihre Gebühren ..."), wenn sich dieser regionale Feiertag im 24h-Programm des rbb niederschlüge!!!
    Ich hab einfach mal die Karteikarte mit dem Spruch "Eine Gesellschaft kultiviert immer das, was sie für erstrebenswert hält" gezogen.

  15. 15.

    Bitte die Übersetzung oder Definition für das Verb "grooven"! - Kenne ich nicht.

  16. 14.

    Mal davon abgesehen, dass in der Opposition weit und breit keine Kompetenz zu erkennen ist, hat der Berliner Einzelhandel als Teil der Wirtschaft von den bisher unterschiedlichen Feiertagen profitiert. Und ähnliches kann man nun für den Brandenburger Einzelhandel und die Tourismusbranche erwarten: Einkaufs- und Wellness-Angebote - damit kann man doch Frau das Geld aus der Tasche ziehen.

  17. 13.

    Wir müssen endlich verstehen wir leben in einer Wirtschaftregion Berlin/Brandenburg.
    Hier ist es verpflichtend das Alles angepasst wird, auch Feiertage.
    Unser Senat ist einfach fehl am Platz, wir brauchen endlich Kompetenz.

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