Hennen in einer Freilandanlage. Quelle: dpa/Jan Woitas
Video: Brandenburg Aktuell | 10.01.2019 | Juliane Kerber | Bild: dpa/Jan Woitas

Gutachten im Auftrag des BUND - Freiland-Legehennenanlagen in Brandenburg gesetzeswidrig

Zu viele Tiere, zu viel Kot, zu viel Stickstoff: In Brandenburg werden jedes Jahr Freiland-Legehennenanlagen genehmigt, die laut geltendem Recht nicht betrieben werden dürften. Zu dem Ergebnis kommt ein wissenschaftliches Gutachten.

In Brandenburg verstößt das Landesumweltamt bei der Genehmigung von Freiland-Legehennenanlagen gegen geltendes Recht. Zu diesem Ergebnis kommen Juristen in einem Gutachten, das im Auftrag des BUND Brandenburg erstellt und am Donnerstagvormittag in Potsdam vorgestellt wurde [Link zur Mitteilung des BUND].

Demnach seien sämtliche bestehenden und geplanten Freilandanlagen in Brandenburg gesetzeswidrig, in denen bis zu 40.000 Tiere gehalten werden.

Fehlerhafte Genehmigungsverfahren

Der Kot der Tiere führe auf viel zu kleinen Auslaufarealen zu einem überhöhtem Nitrat- und Stickstoffeintrag und dadurch zu schädlichen Bodenveränderungen sowie Gefahren für das Grundwasser, sagte der Berliner Verwaltungsrechtler Tim Stähle im rbb.

In dem Gutachten habe man sich auf Anlagen unter 40.000 Tiere konzentriert, weil das Gesetz vor der Genehmigung größerer Anlagen eine Bürgerbeteiligung vorschreibt. "Deshalb werden in Brandenburg so viele Standorte für knapp unter 40.000 Tiere beantragt und genehmigt", wie Stähle auf Nachfrage von rbb|24 sagte.

Laut Stähle sei das vorliegende Gutachten auf der Basis neuer Forschungsergebnisse der Uni Kassel erstellt worden. Rechtswidrig sei demnach, dass Entscheidungen für den Bau neuer Anlagen vom zuständigen Landesumweltamt einfach durchgewunken würden. "Ob eine Legehennenanlage überhaupt so betrieben werden darf, wird im Grunde nicht geprüft", kritisiert Stähle. 

Auswirkungen auf Boden und Wasser zu wenig berücksichtigt

In der Mark könnte das Gutachten laut BUND in Brandenburg nun Folgen für 20 bereits bestehende und acht geplante Anlagen haben. Gegen fünf weitere Betriebe laufen nach Klagen des BUND bereits Gerichtsverfahren. Das Landesumweltamt müsse sofort die Genehmigungspraxis umstellen, andernfalls werde man Klage einreichen, so Stähle.

Zweifel an dem Gutachten äußerte Richard Geiselhard, Geschäftsführer des Eierproduzenten SVB Landkost, gegenüber dem rbb. Die Menge Kot, die Hühner in Freilandhaltung laut Gutachten austragen würden, seien nie gemessen, sondern willkürlich festgelegt worden. 

Vorsorge statt Schadensbegrenzung

Wie stark der Hühnerkot Böden und Grundwasser belastet, müsste mit neuen Messungen geprüft werden. Axel Wunsch von der Bürgerinitiative Contra Eierfabrik Oranienburg forderte aber noch mehr: Einen grundsätzlichen Wandel in der Genehmigungspolitik. Die Politik solle gegen offensichtliche Gefahren vorsorgen, anstatt hinterher die Schäden zu beseitigen. 

Der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Grüne) übte zudem scharfe Kritik am Brandenburger Agrarministerium. Dieses rolle den Großanlagen den roten Teppich aus und habe offenbar bislang zu wenig berücksichtigt, welche Auswirkungen Großanlagen auf Boden und Wasser haben. Raschke forderte eine Überprüfung aller genehmigten Anlagen. Das Ministerium reagierte mit Verwunderung und will das Gutachten zunächst prüfen lassen.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 10.01.2019, 19:30 Uhr

Kommentar

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Antwort auf [Stefanie Hunscha] vom 22.01.2019 um 08:57
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9 Kommentare

  1. 9.

    Es ist einfach nur unglaublich welche Steine den hiesigen Landwirten in den Weg gelegt werden.....alle wollen Essen.....Aber es darf natürlich nichts kosten und schon gar nicht unter strengen Kontrollen in Deutschland produziert werden...nur her damit wenn es aus dem Ausland kommt und man keine Einblicke hat wie die Tiere dort leben und welche Medikamente sie bekommen-hauptsache wir sehen es nicht!.........Leute wacht doch endlich auf und glaubt nicht jeden Mist den Ihr hört oder lest- die Tiere die heute in den Freiland- oder Biobetrieben leben sind dort manchmal besser dran als bei privatpersonen- schaut euch doch einfach selber mal um und glaubt nicht jeden quatsch....lasst die Landwirte Ihre Arbeit vernünftig und in Ruhe ausüben !!!!

  2. 6.

    Ja Rewe, der Apothekensupermarkt. Da wird gelogen und verkauft was das Zeug hält. Ob es sogenannte Bioeier sind oder noch schlimmer beim Fleisch ( überwiegend ein Händler bei Frischfleisch ). Am Preisunterschied erkennt man es schon. Wollen nur fett absahnen. Ich kaufe dort nur noch Grundnahrungsmittel ein, den Rest versuche ich mir auf den Wochenmärkten direkt vom Erzeuger zu organisieren. Da kann ich die Händler auch ansprechen.

  3. 5.

    Hier der BUND wegen der Tiere, dort die DUH wegen der Diesel. Ist das nun gute Lobbyarbeit oder ist die Exekutive wirklich nicht in der Lage, die gesetzlichen Bestimmungen richtig umzusetzen? Letztendlich entscheiden dann Gerichte. Bin gespannt, was dabei herauskommt.

  4. 4.

    Über das Landesamt für Umwelt Brandenburg mit seinem Präsidenten Dirk Ilgenstein kann man noch von einer ganz besonders perfiden Genehmigung einer Freiland-Legehennenanlage im uckermärkischen Hardenbeck berichten. Hier genehmigte Ilgenstein eine Legehennen-Freiland Anlage mitten in ein geplantes Trinkwasserschutzgebiet. Ein verbotstatbestand mit 855.000,-Euro subventioniert der vor Ort unser Trinkwasser versaut. Subventionsbetrug?,Strafanzeige? Strafgestzbuch §264 ?

  5. 3.

    Hmm Freilandhaltung sehr schlecht für Hühner und Umwelt.
    Heißt für mich-Eier wieder aus Käfighaltung zu erwerben.

  6. 2.

    Sehe ich auch so. Kaufe nur noch Bio-Eier. Doch wenn ich lese, dass nicht mal das eingehalten wird (Rewe-Bio), fällt mir echt nichts mehr dazu ein... I

  7. 1.

    .. man fragt sich was eigentlich geschehen muss Tiere artgerecht zu halten ohne das die Lobbyisten und sonst wer dagegen vorgehen. Sicher ist es schon erstaunlich dass diese Landesregierung die Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung ignoriert, doch wenn man sich die Freilandhaltungen ansieht denkt man schon, dass dies schon eine gute alternative ist.

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