Karstadt und Kaufhof in Düsseldorf (Bild: dpa)
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Fusion mit Karstadt - Kaufhof streicht bundesweit 2.600 Stellen

Bei der kriselnden Kaufhauskette Kaufhof sollen im Zuge der Fusion mit dem Rivalen Karstadt rund 2.600 Stellen abgebaut werden. Das sind zwar weitaus weniger, als vor der Fusion befürchtet. Dennoch müssen alle Mitarbeiter mit Einschnitten rechnen.

Bei der kriselnden Kaufhauskette Kaufhof sollen im Zuge der Fusion mit dem Rivalen Karstadt rund 2.600 Stellen abgebaut werden. Das kündigte Karstadt am Freitag in Essen an. Konzernchef Stephan Fanderl betonte, in seinem derzeitigen Zustand sei der Kaufhof "langfristig nicht überlebensfähig". Ob und wie viele Stellen in Cottbus sowie an den drei Standorten in Berlin in Gefahr sind, wurde nicht mitgeteilt.

Rund 1.000 Vollzeitstellen sollen in den Führungs- und Verwaltungsstrukturen wegfallen, weitere 1.600 Vollzeitstellen in den Filialen, wie der Konzern mitteilte. Sanierungsbedingte Filialschließungen sind dagegen vorläufig nicht geplant. Mehrere Zeitungen hatten zuvor darüber berichtet. Bereits im Spetember, vor der Fusion der beiden Unternehmen, war über die Streichung von bis zu 5.000 Stellen bei Kaufhof spekuliert worden.

Kaufhof steigt umgehend aus der Tarifbindung aus

Der Konzern will die wichtigsten Führungs- und Verwaltungsstrukturen beider Warenhäuser künftig in der bisherigen Karstadt-Zentrale in Essen bündeln. Am Standort Köln, bisher der Sitz der Kaufhof-Zentrale, soll ein Kompetenz-Center für Digitalisierung und E-Commerce aufgebaut werden. Außerdem soll von hier aus das Gastronomie- und Lebensmittelgeschäft gesteuert werden.

Um Kosten zu sparen, wird der Kaufhof umgehend außerdem aus der Tarifbindung aussteigen. Das Unternehmen strebe eine individuelle Tariflösung an, die der wirtschaftlichen Notsituation von Kaufhof Rechnung trage, hieße es.

Fanderl soll aus den beiden schwächelnden Warenhauskonzernen einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden. Dabei steht er unter erheblichem Druck. Nach Karstadt-Angaben blieb das Weihnachtsgeschäft beim Kaufhof deutlich unter den Erwartungen. Auch bei Karstadt soll es nach Angaben aus informierten Kreisen nicht gut gelaufen sein.

Karstadt-Eigner Benko hält Mehrheit

Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof ist aus der Not geboren. Beiden macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren. Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition.

Die Mehrheit am neuen Gemeinschaftsunternehmen hält der bisherige Karstadt-Eigentümer René Benko. Der Kaufhof-Eigentümer Hudson's Bay Company bleibt als Minderheitseigentümer an Bord.

Karstadt öffnet nach hartem Sanierungskurs neue Filialen

Im Gegensatz zu Kaufhof entwickelte sich das Geschäft von Karstadt in den vergangenen Jahren überaus positiv. Der Konzern hat allerdings auch einen harten Sanierungskurs hinter sich, inklusive Kündigungen und Filialschließungen. Parallel dazu hat das Unternehmen seine Infrastruktur für den Online-Handel ausgebaut. Nach zwölf verlustreichen Jahren konnte das Unternehmen 2017 erstmals wieder einen Gewinn ausweisen.

Mittlerweile öffnet Karstadt sogar wieder neue Kaufhäuser. Neben den bestehenden neun Filialen in Berlin und Potsdam will das Unternehmen Oktober eine weitere in den Gropius-Passagen eröffnen. In Berlin-Tegel wurde vor einigen Monaten der Grundstein für ein neues Kaufhaus gelegt – zum ersten Mal seit rund 30 Jahren. Die Filiale im Tegel-Center mit rund 9.000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf vier Etagen soll das klassische Warenhauskonzept mit den Vorzügen des Onlinehandels verbinden und im kommenden Jahr eröffnen.

Sendung: Radioeins, 25.01.2019, 15.30 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Hallo Nerfertari.
    Verdi ist im Handel ein zahnloser Tiger. Es gibt Berufe in denen Mitarbeiter schnell ersetzbar sind. Karstadt hat es doch schon mehrmals erlebt. Erst das große Säbelrasseln und dann .. nichts.
    Die großen Töne hört man nun wieder bei Kaufhof. Wenn Verdi Ärger macht, dann vermietet Kaufhof/Karstadt halt mehr Shops mit Fremdkräften und entlässt noch mehr Stammpersonal.

  2. 11.

    @Barbara: Sind SIE Gewerkschaftsmitglied? Falls ja - was kann die ver.di (Sie ist Tarifvertragspartei) bzgl Eigentümer-Entscheidungen bewirken, außer sachverständig ihre Meinung zu sagen?

  3. 10.

    Nun ja, man konnte sich doch denken , dass mit der Fusion beider Warenhäuser Stellen abgebaut werden.
    Als erstes sollte man die Manager Gehälter deutlich kürzen bevor hier ein Ausstieg aus dem Tarifvertrag diskutiert wird.

    Siehe Globus und Real.
    Hier gibt und gab es deutliche Lohneinbußen. Und das soll nun Kaufhof/Karstadt Mitarbeiter auch passieren.

    Ob der | die Verkäufer kompetent und freundlich sind , ist hier sicher nicht der Grund für die Entlassungen.
    Fakt ist , dass durch den Onlinehandel der stationäre Handel schon leidet, allerdings wer möchte nur noch am PC sitzen und alles von zu Hause bestellen.?

    Auch Verdi ist hier ein Thema.
    Wenn so was passiert ist de Aufschrei nach Gewerkschaften groß.
    Aber die meisten der Arbeitnehmer im Handel sind nicht gewerkschaftlich organisiert.
    Genommen werden die 2 jährlichen Lohnerhöhungen gerne , nur in die Gewerkschaften gehen nur noch wenige.

    Ohne genügend Mitglieder sind die Gewerkschaften machtlos.









  4. 8.

    Vielleicht sollte man sich besinnen und gerade im Verkauf nicht nur „abkassieren“, sondern wieder mehr Wert auf Freundlichkeit und
    eine gute Beratung der Kunden legen, was leider in dieser Zeit die „Kompetenz“ vieler Verkäufer und Verkäuferinnen übersteigt. Auch das ist ein Grund, warum viele online-shopping bevorzugen.

  5. 7.

    Da schluckt ein Kaufhauskonzern den anderen, wer glaubt denn, dass Einsparungen sich nur auf das Toilettenpapier begrenzten?

  6. 6.

    Da sollte man doch lieber im Vorstand einige Leute entlassen.

  7. 5.

    Schwache Leistung von den Unternehmern. Mit den Entlassungen erspart man sich den geistigen Arbeitseinsatz.

  8. 4.

    Die Stellenstreichung ist eine spätkapitalistische Sauerei!

  9. 3.

    Bisher war ich in zwei Kaufhof-Filialen einkaufen. In Berlin-Mitte und Leipzig. Beide Warenhäuser haben keinen positiven Eindruck hinterlassen. An den Kassen stehen jede Menge Verkäuferinnen, die sich miteinander unterhalten und das auch noch, während man dem Kunden das Geld abkassiert. Man hat das Gefühl lästig zu sein. Leipzig war die nackte Katastrophe. Da lässt man Geld und wenn man dann die Toilette benötigt, steht man vor einer Sperre, die einem noch einmal Geld abverlangt. Die Toiletten dahinter waren das aber nicht annähernd wert. Wer sich darüber aufregte, wurde vom Sicherheitspersonal noch bedroht. Dieses Haus sieht uns sowieso nicht wieder.

  10. 2.

    Aber wenn kaum ein Angestellter noch Gewerkschaftsmitglied ist, können die dann auch nichts tun! Hätte man vorher vielleicht sich doch gewerkschaftlich organisieren sollen! ...

  11. 1.

    Bei solchen Nachrichten frage ich immer wo bleibt denn da Verdi ?! wo es um tausende Arbeitsplätze geht. Diese zu erhalten ist die Aufgabe der Gewerkschaft.

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