Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) und wird dabei vom Sonnenuntergang farbig angestrahlt (Quelle: ZB/Patrick Pleul)
Audio: Inforadio | 26.01.2019 | Angela Ulrich | Bild: ZB

Kommentar | Ergebnisse der Kohlekommission - Minimalziel erreicht

Ab 2038 soll in Deutschland kein Strom mehr aus Kohle gewonnen werden. So schlägt es die Kohlekommission vor. Für Umweltschützer wie Stromversorger ist das nicht mehr als ein Minimalziel - und genau deshalb ein guter Kompromiss. Ein Kommentar von Angela Ulrich

Bravo Kohlekommission? Applaus, dass es mit dieser Marathon-Sitzung bis 5 Uhr früh geklappt hat mit dem Ausstieg aus der Braunkohle?

Stopp - so einfach ist das nicht. Denn den Vertretern der Umweltverbände stand es am Morgen danach ins Gesicht geschrieben (und das war nicht nur die Müdigkeit): Es ist ein Minimalziel beim Klimaschutz herauskommen, nicht mehr. Ein Einstieg in den Kohle-Ausstieg – eher ungenaue Zeitpläne, keine klaren Abschaltjahre für einzelne Kraftwerke. Das wirklich konkrete Datum - 2038 für das Ende des Kohlestroms - bringt beide Seiten auf die Palme: Für viele Kumpel ist das ein Eiltempo, für aufrechte Klimaschützer dauert es viel zu lange.

Aber gerade das zeigt, der Kompromiss ist gut angelegt. Stetig immer mehr Kohlestrom aus dem Netz zu nehmen, immer wieder zu kontrollieren: Klappt das, sind die Nebenwirkungen beim Strompreis zum Beispiel so, wie wir gedacht haben? Kommen die Strukturhilfen auch in den Regionen an? Das ist ein sinnvoller Pfad, einer, der die Wirklichkeit spiegelt.

Drei Dinge sind jetzt wichtig

Erstens muss die Bundesregierung die Ergebnisse der Kohlekommission ernst nehmen. Sie muss entschieden dafür einstehen und viel Geld lockermachen. Einzelideen herauszupicken hilft wenig: Es geht um das Zusammenspiel der Kohle-Ausstiegsvorschläge.

Zweitens müssen die anderen Sektoren ran. Soll heißen: Der Energiesektor hat jetzt einen Plan für mehr Klimaschutz. Aber beim Verkehr, bei der Landwirtschaft und beim Energiesparen bei Gebäuden geht es kaum voran. Um die Klimaziele 2030 zu erreichen, müssen auch hier drastische CO2-Einsparungen greifen. Schnell. Wirkungsvoll. Achtung, Frau Klöckner, Herr Scheuer, Herr Seehofer – das geht Sie an!

Und drittens darf niemand vergessen, was die Alternative ist. Ronald Pofalla, Vorsitzender der Kohlekommission, hat sie nochmal benannt. Die deutschen Klimaziele sind nämlich kein wolkiges Wünsch-Dir-Was. Sondern Deutschland hat sich dazu im Rahmen der EU-Vereinbarungen für das Paris-Abkommen verbindlich verpflichtet. Sprich: Wenn Deutschland die Ziele reißt, drohen Milliardensummen an Strafzahlungen. Statt die nach Brüssel zu schicken, lässt sich damit in den Braunkohleregionen der Wandel gestalten.

Deutschland als Vorbild?

Es ist ein Kraftakt, wenn ein Industrieland aus Atom und Kohle aussteigt, klar. Ob Deutschland damit gleich wieder "Klimavorreiter" und "Vorbild" für so viele andere werden kann, ist offen. Aber die Chance ist wieder größer geworden.

Beitrag von Angela Ulrich

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Die Antwort kommt wahrscheinlich schon zu spät,aber egal.
    Der Verweis auf anderes Leben ist Unsinn,wenn es um die Förderung von Öl und Kohle geht.
    Spätestens seit der Erfindung der Atombombe sollte der Mensch wissen,dass er dazu fähig ist seine Umwelt zu zerstören.

    Ich erkenne bei dir eher die Einstellung,dass man mit den Folgen einfach klarkommen und nicht die Ursache abstellen sollte.
    Das ist aber immerhin noch besser als zu glauben,man hätte gar keinen Einfluss.

  2. 15.

    Ich habe Ihre Frage wegen Irrelevanz übergangen und mich auf das Wesentliche konzentriert, nämlich ob die von Ihnen gewünschte Politik vernünftig begründet ist. Aber ich kann die Antwort gern nachliefern: Natürlich beeinflusst der Mensch durch seine Aktivitäten die Umwelt, so wie alle anderen Lebensformen auch. Von mir aus auch durch CO2, das ist per se nicht strittig. Da Beeinflussung der Umwelt aber eine normale, unvermeidliche, und im allgemeinen harmlose und unschädliche Begleiterscheinung jeden Lebens darstellt, ist es quasi das angeborene Recht der Menschheit, so wie aller anderen Arten. Die Feststellung ist mithin eine Binsensweisheit, und keine Begründung Kraftwerke abzuschalten. Genauso wie der Hinweise auf das Klima keine überzeugende Begründung ist, aus Gründen die ich schon erläutert hatte.


  3. 14.

    Lol beeindruckendes Übergehen meiner eigentlichen Frage. Ist aber auch irgendwie eine Antwort..

  4. 13.

    "Das Deutschland alleine nicht groß etwas ändern kann,stimmt natürlich. Ist aber keine Aurede gar nichts zu tun."

    Doch, das ist ein ausgezeichneter Grund gar nichts zu tun. Wirkungslose Symbolpolitik braucht keiner. Wenn diese aus nichts als mutwilliger Selbstbeschädigung besteht, ist es unverantwortlich sowas zu fordern.

  5. 12.

    Ich hab dich ja schon mal erfolglos darauf hingewiesen.. Der Mensch holt seit Millionen Jahren eingelagertes CO2 innerhalb kürzester Zeit an die Oberfläche,glaubst du das bleibt ohne Folgen?

    Das Deutschland alleine nicht groß etwas ändern kann,stimmt natürlich. Ist aber keine Aurede gar nichts zu tun.

  6. 11.

    Was hat der Artikel mit der grundsätzlichen Erkenntnis der Schulkinder zu tun,dass sich etwas ändern muss?

    Wie man diese Änderung erreicht,ist wieder etwas ganz anderes. Da bin ich auch eher skeptisch,denn mit Merkel ist rein gar nichts passiert,wie auf fast allen Gebieten..
    Es bringt natürlich nichts,wenn man dann dreckigen Kohlestrom importiert.

    Interessant fand ich im Artikel aber: "3% aus Windenergie durch Nutzung von 3% der installierten Leistung". Beeindruckend. Auch wenn sonst der Tenor lautet,es soll bitte alles so bleiben,wie es ist..
    Ich würde mir wünschen Deutschland wäre bei diesem Thema Vorreiter und wacht endlich aus dem Merkelschen Dornröschenschlaf auf.

  7. 10.

    Soso, Schulkinder haben begriffen ...

    https://www.achgut.com/artikel/deutschland_an_einem_ganz_normalen_wintertag

    Herzlich willkommen in der Realität!

  8. 9.

    Sie können das aktuelle Klima so schlimm finden wie Sie wollen, ein Argument Kraftwerke abzuschalten ist das nicht. Die willentliche Beeinflussung des Weltklimas durch den Menschen ist Science Fiction, das hat noch nie irgendwer versucht, schon gar nicht erfolgreich. Es gibt keine demonstrierte Technologie die das bewerkstelligen könnte. Mit absoluter Sicherheit wird die Abschaltung der deutschen Kohlekraftwerke keinen messbaren Einfluss auf das Klima haben, selbst dann nicht wenn alle Behauptungen des Klimawandelismus wahr wären. Sie fordern also, die Bevölkerung möchte weitere gigantische Belastungen tragen, ohne dass das auch nur durch den geringsten Nutzen gerechtfertigt wäre.


  9. 8.

    Ist ja toll, was Sie alles "glauben". Ich glaube nicht, dass den Bauern, Forstwirten, Binnenfischern, Binnenschiffern, Gärtnern, der Natur....der Dürresommer 2018 gefallen hat. Ist auch völlig egal. Es geht um Zahlen und Fakten. Der Klimawandel kostet massivst viel Geld, wenn wir ihn nicht aufhalten. Gerade das Jahr 2018 sollte auch Ihnen das glasklar vor Augen geführt haben!

    PS: "CO²" gibt es nicht. Immer wieder sind es die Leute, die den Klimawandel leugnen oder verharmlosen, die solche Probleme mit wissenschaftlichen Grundkenntnissen haben. Oben stehen in chemischen Formeln stehts nur Ladungen!

  10. 7.

    Es geht nicht darum komplett auf Energie zu verzichten und wieder in Höhlen zu leben,sondern die Energie aus regenerativen Quellen zu gewinnen. Sogar Schulkinder haben das schon begriffen..
    Und wer jetzt behauptet,dass das nicht möglich ist,wurde schon zig mal in der Geschichte der Menschheit widerlegt.

    Es ist wohl eh schon zu spät. Der Mensch reagiert halt immer erst kurz vor 12. Nur in diesem Fall dürfte das nicht klappen,da die Auswirkungen erst sehr viel später zu sehen sind.

  11. 6.

    Ich glaube, der überwiegende Anteil der Bevölkerung fand den Sommer super toll.
    Und die Unkenrufe vom Spiegel, der vor 10 Jahren darüber fabulieren, dass es keinen Winter mehr geben wird, ist widerlegt.
    Und, dass führende Wissenschaftler eine Verantwortung von CO² und NOx als eine Bedrohung sehen, wird unisono von den Panikmachern bestritten. Es würde die momentan geschürte Umweltschutzhysterie in Frage stellen.

  12. 5.

    Ein guter Kompromiss? Seltsame Logik. Sie impliziert, dass Umweltschutz und die Profitinteressen der Kohlelobby gleich viel Wert sind. Sind sie aber nicht! Laut Wissenschaft (Studien!) wäre 2030 der Minimalkompromiss. Länger dürfen wir keine Kohle verfeuern, wenn das Klima nicht kippen soll. 2038 ist kein Minimalkompromiss, sondern wäre zu lange, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern!

  13. 4.

    Die Schulschwänzer haben begriffen? Dass ich nicht lache ... Hier ein Zitat aus einem anderen Form, das meine Meinung widerspiegelt:

    "Man muss den Kids aber nur die Handys abnehmen, den Internetanschluss kappen und die Abi-Reise streichen, vom Familienurlaub ganz zu schweigen, dann ist der Spuk schnell vorbei. „Alles für den Klimaschutz“ macht nur Spass wenn dadurch die Schule ausfällt, wenn es dann an den eigenen Verzicht geht ist hört der Spass auf…."

  14. 3.

    Was mich mal interessieren würde, wie läuft das denn so in allen Nachbarländern? Gibt es da verlässliche Aussagen? Wer kennt sich da aus?

  15. 2.

    Die Frage lautet ganz schlicht und einfach: Wollen wir den Blauen Planeten erhalten und mit einer einigermaßen Lebensqualität leben, oder die Welt in den Abgrund stürzen und am Umweltdreck ersticken/absaufen oder in die Luft fliegen (Methan)? Hoffentlich vermasseln die gegenwärtig regierenden Politiker in aller Welt nicht die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen! Die haben im Gegenteil zu den Politikern den Ernst der Lage vollkommen begriffen! Daher gehen sie zu recht auf die Straße und demonstrieren für ihre Zukunft. Merke: Wer bis in die Früh um 5.00 Uhr tagt, kann gar keinen vernünftigen Gedanken mehr fassen und optimale Entscheidungen treffen, weil die kognitiven Funktionen gravierend abfallen (siehe psychophysiologische Leistungskurve). Es wird wohl kolportiert, dass sich die Damen und Herren der Kohlekommission dann auch noch Wein zu später Stunde kredenzen ließen (siehe rbb aktuell vom 25.01. 2019 gegen 21.45).

  16. 1.

    Minimalziel erreicht? Wir Bürger werden das Maximum dafür bezahlen. Das wird auch nicht an den Umwelt-Aktivisten vorbei ziehen. Richten wir uns mal von Preisen um die 70ct/kW ein.
    Kann sich ein Teil der Bevölkerung dann nicht mehr leisten, aber sie werden froh sein, etwas für den Umweltschutz gemacht zu haben.

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