Lkw des Bäckereiunternehmens Lila Bäcker stehen am Produktionsstandort der Bäckerei in Pasewalk hinter einem Zaun (Quelle: ZB/Bernd Wüstneck)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.01.2019 | Gewerkschaftssekretärin Birgit Weiland | Bild: ZB

Hunderte Filialen betroffen - Lila Bäcker meldet Insolvenz an

In Berlin und Brandenburg betreibt Lila Bäcker Hunderte Filialen. Nun ist die Kette insolvent. Weil zuletzt kein Lohn gezahlt worden war, blieben Mitarbeiter zu Hause. Die Gewerkschaft NGG warnt allerdings: Wilde Streiks könnten zu Schadensersatzforderungen führen.

Die Bäckereikette Lila Bäcker hat beim Amtsgericht Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern) Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind alle fünf Unternehmen, aus denen die Kette besteht. "Es handelt sich um eine Gruppeninsolvenz in Eigenverwaltung", erläuterte am Mittwoch eine Sprecherin des zuständigen Gerichtes. Ursache sei Zahlungsunfähigkeit.

Lila Bäcker will das in Verfahren in Eigenverwaltung abarbeiten. Die Produktion und der Verkauf in den rund 400 Filialen in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sollen mit Insolvenzausfallgeld über die Arbeitsagenturen zunächst bis Ende Februar 2019 weiter gesichert sein. Die Geschäftsführung bleibe voll handlungsfähig, teilte die Gerichtssprecherin mit, werde aber vom Sanierungsexperten Jan Markus Plathner unterstützt.

Gewerkschaft warnt vor wilden Streiks

Bei den rund 2.700 Beschäftigten habe die Nachricht große Unsicherheit ausgelöst, sagte Jörg Dahms von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG). So blieben demnach Kraftfahrer in Brandenburg am Mittwoch zu Hause, auch Verkäuferinnen kamen nicht, weil am 15. Januar kein Lohn auf ihrem Konto war. Nach Angaben der Mitarbeiter seien die Verkaufszahlen seit Wochen zurückgegangen, sagte Dahms.

Ein Sprecher der NGG sagte rbb|24, dass mit dem Insolvenzverwalter Gespräche für Dienstag angesetzt wurden. Zudem werde das Gehalt bis Montag nachgezahlt, sobald die betroffenen Mitarbeiter entsprechende Abtretungsvereinbarungen unterschrieben haben. Die Gehälter von Dezember bis Februar seien durch das Insolvenzausgleichsgeld gesichert. Ein Sprecher der Gewerkschaft sagte auf Anfrage: "Wir bitten die Kollegen auch weiterhin zur Arbeit zu gehen und von wilden Streiks abzusehen, weil sie sich sonst schadensersatzpflichtig machen würden."

Gruppeninsolvenz und Insolvenz in Eigenverwaltung sind Spezialfälle des Insolvenzrechts. Bei der Gruppeninsolvenz können die Insolvenzverfahren einer Unternehmensgruppe bei einem Insolvenzgericht zusammengefasst werden; bei der Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt das Management des Unternehmens im Amt.

Ein Sprecher des Hauptgesellschafters Deutsche Beteiligungs AG (DBAG/Frankfurt/Main) nannte hohen Druck im Wettbewerb der Branche wie durch Backstationen bei Discountern, höhere Mindestlöhne und nicht ausreichende Maßnahmen zur Umstrukturierung als Ursachen. Der Umsatz der Gruppe, die auch unter dem Namen Unser Heimatbäcker firmiert, lag 2016 bei 142 Millionen Euro, 2017 bei 138 Millionen und 2018 bei "geplant 130 Millionen Euro."

Die Backkette hat drei Firmen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Hauptstandorte in Pasewalk, Neubrandenburg und Gägelow bei Wismar liegen, und zwei Firmen im brandenburgischen Gägelow.

Angesammelte Überstunden verfallen mit der Insolvenz

Die DBAG hatte die Geschäftsführung erst Anfang 2018 gewechselt. Der jetzige Geschäftsführer, der die Vorgänger-Chefetage für die schlechte Geschäftslage verantwortlich gemacht hatte, soll einen Sanierungsberater bekommen. Im Februar 2018 war bereits 220 Mitarbeitern gekündigt worden. Dabei wurden Kuchenproduktionen und Verwaltungsstandorte in Dahlewitz, Pasewalk und Gägelow geschlossen.

Die NGG kritisierte das Vorgehen bei der Insolvenz: Die aktuelle Geschäftsführung habe über elf Monate kein neues Konzept erkennen lassen. Eine Mitarbeiterin des Betriebsrates sagte: "Wir haben das Vertrauen in die jetzige Geschäftsführung verloren." Mit der Insolvenz büßten etliche Mitarbeiter auch ihre Ansprüche aus bis zu 300 angesammelten Überstunden ein. Der aktuelle Geschäftsführer war am Mittwoch unterwegs zu einer Betriebsversammlung in Dahlewitz und zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Sendung: Radioeins, 17.01.2019, 7.25 Uhr

Kommentar

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20 Kommentare

  1. 20.

    Ich verstehe das Gejammer der Mitarbeiter nicht. Die waren immer unfreundlich und teilweise hochgradig inkompentent. Die Geschäftsführung muss sich also am meisten vorwerfen lassen, solche unfähigen Mitarbeiter nicht gewechselt zu haben! Dieses unfähige und unfreundliche Verhalten, was ich in mehreren Filialen erlebt habe, führt zu einer verdienten Insolvenz und nun sollen die mit diesem Gejammer aufhören, sondern beim nächsten Unternehmen endlich mal richtig arbeiten.

  2. 19.

    Ich muss manchen hier leider zustimmen, seit Dahlback zu Lilabäcker geworden ist, ist auch die Qualität verloren gegangen, Die Brötchen sind wie Pappe und der Kuchen schmeckt auch nicht mehr.
    Mit meinem jetzigen Bäcker bin ich voll zufrieden, keine Aufbackbrötchen oder Brot, wird alles noch selber hergestellt.
    Mal einen Tip in die Runde, die aus der Potsdamer Gegend sind. Bäckerei Paul in Ahrensdorf backt noch selber. Ich hoffe der bleibt uns noch lange erhalten.

  3. 18.

    Die Erträge bei Bio sind geringer. Folglich benötigt man mehr Fläche. Somit wird weniger erwirtschaftet als möglich wäre. Die Pestizide welche bei Bio eingesetzt werden sind teilweise stärkere Umweltgifte als in der konventionellen Landwirtschaft.

  4. 17.

    Bio hat Mitschuld am Hunger in der Welt? Ich bitte um Erläuterung! Billige, qualitativ minderwertige und z.t. "vergiftete" Massenware in den Läden anzubieten, wo der Großteil unverkauft hinterher in den Müll fliegt, hat ja eher wenig gute Aspekte dahinter (Gesundheitsschädigungen, Lieferwege, Billiglöhne, Umweltgifte, Verpackungsmüll uvm.). Das Getreide aus dem Umland für ein selbstgebackenes Brot können da meines Erachtens nur punkten. Bitte um Infos!

  5. 16.

    Zitat: "Wir bitten die Kollegen auch weiterhin zur Arbeit zu gehen und von wilden Streiks abzusehen, weil sie sich sonst schadensersatzpflichtig machen würden." Alles klar, der einfache Arbeitnehmer mit nicht gerade üppigem Einkommen macht sich "schadensersatzpflichtig ", der Arbeitgeber jedoch nicht, wenn er keinen Lohn an seine Angestellten auszahlt. Der wird nicht schadensersatzpflichtig wenn keine Wohnungsmiete, Energiekosten, Versicherung, Fahrkosten, Lebensmittel usw. vom Arbeitnehmer gezahlt werden können?

  6. 15.

    Bio hat allerdings auch eine Mitschuld an dem Hunger in der Welt. Wird leider Zugern vergessen.

  7. 14.

    Ja, das stimmt. Die Produkte aus Dahlewitz waren früher gut; auch die Kuchen.
    Dann verschlechterte sich die Qualität und nach Übernahme durch Lila noch einmal.
    Dorthin, obwohl in der Nähe und im Besitz der Kundenkarte, gehe ich schon lang nicht mehr. So genau wird die Hygiene manchmal leider auch nicht genommen - Geld und Backwaren mit den gleichen Händen.

  8. 13.

    "Abschaffen" lassen die Gesetze nicht zu. Da hilft nur die Selbstabschaffung.
    Wie auch immer das bei Lila gelaufen sein mag oder noch läuft - Hygiene in unserer Verkaufsstelle mangelhaft, Qualität wurde m. E. immer schlechter, z. B. bei den Windbeuteln oder dem Zupfkuchen.
    Und die Sache mit den Kundenkarten ist offensichtlich nicht so optimal.

  9. 12.

    Liebe Störenfrieda, sehr gut angemerkt. Hatte glatt vergessen, das es ja mittlerweile diese Brotbackgeräte schon gibt und ja die sind echt super. Für mich als klassische Single gehe aber weiterhin zu meinem Reformhaus. Denn die verkaufen u.a. da das super leckere Brot des schon mehrfach ausgezeichneten „ Märkischen Landbrot“. Eine Großbäckerei in Neukölln. Zudem verkauft das Reformhaus auch gutes Obst und Gemüse vom Biohändler. Alleine schon die Cherrytomaten sind ne reine Wucht, kein Vergleich zur Massenware aus Marokko. Aber das führt jetzt hier zuweit.

  10. 11.

    Dem kann ich nur zustimmen als der Lila Bäcker hier noch Dahlback hieß. War zwar eine "Großbäckerei" aber Landbrot oder Sonnenblumenbrot und die verschiedenen Brötchensorten waren im Gegensatz zu anderen Großbäckereien aber auch zu manchem heimischen Bäcker topp.

  11. 10.

    Einmal und nie wieder Lila Bäcker. Die Qualität war unterirdisch. Ein gutes Brot kostet nunmal seinen Preis. Und echte Schrippen bekommt man kaum noch. Alles krümelige Pappe. Es ist wie bei allem. Viel Billigware zerstört das Handwerk und die Qualität. Ob Lidl/Aldi/Penny-da schmeckt ja sogar TK besser. Leider gibt es bei uns kaum echte Bäckereien oder Biobäcker. Daher backe ich inzwischen meist selber. Zutaten aus dem Bioladen auf Vorrat und man ist unabhängig und weiß was drin ist. Und unter'm Strich preiswerter als im Bioladen ;-)

  12. 9.

    Vor ein paar Jahren waren die Backwaren vom Lila Bäcker richtig lecker. Besonders die dunklen Brötchen konnte man mit nichts anderem vergleichen. Der Kuchen war allererste Sahne und hat mit Sicherheit zu meiner Stromlinienfigur beigetragen.

    Aber dann haben sie wohl irgendwann den Bäcker rausgeschmissen und einen Betriebswirt eingestellt. In Folge ist alles verloren gegangen, was die Kunden so gemocht haben. Wie steuert man gegen Kundenschwund? Natürlich, Preise erhöhen, die Kuchenproduktion an einem Billigheimer vergeben und die letzten Kunden mit Pappkuchen verjagen.

    Ich bedanke mich für die noch gute Qualität der vorherigen Jahre und hoffe, dass die Geschäftsführung zumindest begreift, was sie falsch gemacht hat. Viel Hoffnung habe ich da allerdings nicht...

  13. 8.

    Wenn ich eine Farbe mit dem Bäckerhandwerk in Verbindung bringen müsste, wäre es als Letztes die Farbe Lila. Was die Marketingmenschen dazu veranlasst hat, ausgesprochen Lila ins Spiel zu bringen, empfinde ich als Weltfremdheit und verkopft. Ich will aber nicht ungerecht sein, vielleicht hat da jemand anders andere Assoziationen?

    Kaufe tue ich selbstverständlich bei wirklich inhabergeführten Bäckereien. In Potsdam sind nur drei übrig geblieben, angesichts all der Ketten, die ihre "Rohlinge" von sonstwoher beziehen, nur nicht aus eigener Hand.

  14. 7.

    Da muß ich Ihnen wiedersprechen. Erst als diese Billigbäckereiketten anfingen die gut angestammten kleinen Bäckereien den Rang abzugrasen, sie sogar in den Ruin stießen und sehr erfolgreich damit waren und sind, haben die Diskounter nachgezogen. Diese beziehen ja die vorgefertigten Brotteige von diesen Brotfabriken. Brauchen nur noch im Ofen fertig gebacken werden. Eine sehr fragwürdige Methode und so entsteht“ Tote Brotware“ was anfangs noch gut riecht, aber nach nichts schmeckt. Aber wer nur auf den Preis schaut beim Broteinkauf, muß sich auch nicht wundern. Machen Sie doch mal einen Vergleichstest mit Biobrot.

  15. 6.

    Lol wenn man nur im Discounter kauft,sind die Preise natürlich teuer. Im Verhältnis zu anderen Bäckern aber immer noch günstiger.
    Wie die Kette mit noch günstigeren Preisen überleben soll,würde ich gerne mal erklärt bekommen.

    Schade,die Schrippen fand ich ganz gut dort.

    Schuld am Bäckersterben sind aber wirklich eher Backstationen in Supermärkten. Wie man diese Billigschrippen vertilgen kann,ist mir ein Rätsel.

  16. 5.

    Es ist schon traurig, wie 2.700 Beschäftigte in eine unsichere Zukunft blicken.
    Aber seid doch mal ehrlich die Verbraucher sind doch selber dran Schuld alles muss immer billiger werden auf Qulität legt doch kaum noch einer Wert sonst wären die kleinen privat Bäckerein nicht pleite gegangen.
    Das grösste Übel sind die Backstationen in den Supermärkten , wie mein Vorgänger schon sagte Hefe oder Sauerteig gibt es nicht mehr.
    Ich möchte hiermit auch eine Lanze für die Ketten brechen.
    Das Familienunternehmen Steinecke ist ein Bäcker wo es bis heute Hefe und Sauerteig gibt und das schmeckt man.
    Es wird freundlich mit den Miarbeitern umgegangen und der Lohn liegt auch über Mindestlohn,was man in vielen Fialen auch an der freundlichkeit des Personals feststellen kann.

  17. 4.

    Bei den völlig überteuerten Preisen, kein Wunder!

    Bin da mal rein, hab die Preise gesehen, und sofort wieder raus!

  18. 3.

    der Vorgänger war schein Mist, lila erst recht! Ich freue mich wirklich nen Kullerkeks, weil ich seit Jahren bei einem kleinem Bäcker einkaufe und nicht nur rummoser....Schade, dass die Menschen ohne Geschmack, die sonntags bei lila Schlange standen mir jetzt meine geilen Brötchen wegfressen und es nicht mal zu schätzen wissen.

  19. 2.

    Die Bäckerketten , nicht nur Lila-Bäcker, sind alle furchtbar: Ware ist vor allem sehr teuer, einfaltslos und nur eine geringe Sortimentsbreite. Hefeteig kennt man da gar nicht mehr. Dafür mußten hunderte kleine Kiez-Bäcker /Familienbetriebe aufgeben. Bäckerketten abschaffen!

  20. 1.

    Bloß weg mit denen. Solche Firmen haben mit dazu geführt, das Kleinbäckereien ( meistens Familienbetriebe ) aufgeben mußten. Zudem werden in den Filialen die Mitarbeiter*innen zu Dumpinglöhnen verdonnert. Das erkennt man schon an deren Gesichtern. Brot schlecht und eine miserable Geschäftsführung.

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