Eine Litfaßsäule steht in Charlottenburg-Wilmersdorf (Quelle: imago/Raimund Müller)
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Bild: imago/Raimund Müller

Neuer Betreiber stellt eigene Säulen auf - Alte Berliner Litfaßsäulen kommen in den Sondermüll

Das Berliner Stadtbild wandelt sich, denn die alten Litfaßsäulen werden derzeit nach und nach entfernt. Zunächst werden die Plakate unifarben überklebt. Der Grund ist ein neuer Betreiber, der eigene Säulen aufstellt.

Überall in Berlin stehen derzeit Litfaßsäulen in Unifarben: in Rot, Grün, Blau und anderen Farben – die bunten Plakate sind an vielen der drei Meter hohen Werbeflächen überklebt. Und es kommt noch rabiater: Die Säulen werden derzeit abmontiert.

Neue Betreiberfirma ILG

Die Hälfte der 2.500 Litfaßsäulen in Berlin sind bereits außer Betrieb.

Wer Erinnerungsfotos mit den alten, plakatierten Säulen haben möchte, sollte sich beeilen: Bis Ende des Monats sollen alle unifaben überklebt und bis Ende Juni 2019 alle abgebaut sein. Der Grund: Die Betreiberfirma der Litfaßsäulen – bisher das Unternehmen Wall - hat gewechselt.

Der Abbau ist teilweise heikel: Im Inneren mancher Säulen ist Eternit verbaut, mit leichten Asbest-Beimischungen. Ein Wall-Sprecher erklärt, dass ein Asbest-Anteil von bis zu fünf Prozent möglich ist. Die Säulen würden deshalb unter Schutzkleidung abgebaut und in Schöneiche (Oder Spree) sonderentsorgt.

Täglich verschwinden rund 20 Säulen aus dem Stadtbild.

ILG: "Werbetechnisch schlechte Standorte"

Die neue Betreiberin ist die Stuttgarter Firma ILG. ILG will 1.500 moderne Säulen aufbauen. Mit dem Aufbau wurde bereits begonnen.

Die neuen Säulen sind dicker als die alten, weiterhin "analog", nicht digital. Sie können beleuchtet werden.

Doch ILG gibt sich nicht ganz zufrieden mit dem Auftrag, denn die vereinbarten Standorte seien "werbetechnisch schlechte Standorte", wie ein Sprecher dem rbb sagte. Man werde versuchen, dies "zu optimieren, und bessere Standorte zu gewinnen." Vor allem aus den Nebenstraßen werden die Litfaßsäulen wohl verschwinden.

Senat will höhere Einnahmen erzielen

Bisher war ein Großteil der Stadtwerbung an Litfaßsäulen, Laternenmasten und auf erleuchteten Plakatflächen an den Betrieb der City-Toiletten gekoppelt. Beides liegt in der Hand des Berliner Unternehmens Wall.

Der Senat will jedoch beides entflechten, um mehr Transparenz herzustellen und höhere Einnahmen zu erzielen. Die Ausschreibung für einen neuen stadtweiten Toilettenbetreiber läuft noch.

Erste Säulen standen schon 1854

Litfaßsäulen sind eine eher günstige Variante für Werbetreibende. 1854 tauchten die ersten in Berlin auf, ihr Erfinder war der Drucker Ernst Litfaß.

Sendung: Abendschau, 25.01.2018, 19.30 Uhr

Kommentar

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16 Kommentare

  1. 16.

    Eine erfolgreiche Stadt lebt von der Veränderung. Wenn der zeitweilige Nutzen nicht mehr nachgefragt wird, kann der Platz gut für Neues verwendet werden. Die Blutegelteiche, Pferdeställe und Müllkippen sind weg. Gewöhnen Sie sich daran!

  2. 15.

    Also hier in Fhain haben die illegalen Spätis vorsorglich stillen Allarm ausgelöst. Was wenn Touristen auf nächtlicher Sauftour keine Litfasssäulen zum gegenpinkeln mehr finden würden? Nicht Auszudenken, wenn dieses Sichtschutz bietende Bordsteinhindernis Knall auf Fall aus Friedrichshainer Seitenstrassen verschwinden würde. Man stelle sich vor: Herden von skandinavischen, britischen, französischen und russischen(!) Besoffskis entleerten notgedrungen ihre Blasen, gegen Nobelkarrossen, in Türeingänge (auch Eigentumswohnungen schwäbischer Neuberliner blieben nicht unberührt). oder womöglich sogar in öffentliche Toiletten, die erst noch gebaut werden müssten, weil dort, wo sie am meisten beötigt wurden, Pinkel-Litfasssäulen aufgestellt waren, - die ja jetzt entfernt werden. Nicht Auszudenken! Und wieder einmal wird die Welt der Berliner durch einschneidende Massnahmen erschüttert. Zuerst die Mauer- und nun das!

  3. 14.

    Schade, wir hätten gerne eine vor unsere Kita gestellt.

  4. 13.

    Einige noch vorhandene historische Litfass-Säulen sollten erhalten und unter Denkmalschutz gestellt werden, soweit sie es nicht schon sind. Um die anderen - wie diejenige auf dem Bild befindliche - ist es nicht unbedingt schade: Sie sind bewusst reizlos von ihrer Form her und ihren von Litfass zugedachten Zweck erfüllen Sie seit mehr als einem halben Jahrhundert nicht mehr. Der bestand nämlich darin, der ausufernden "Zettelwirtschaft" an Bäumen und Hauswänden Einhalt zu gebieten, den Stadtraum damit zu verschönern und die Hinweise an eben einem Ort für alle lesbar zu konzentrieren.

    Die jetzigen Litfass-Säulen würden ihren Erfinder im Grab routieren lassen: Sie sind nichts weiter als eine rund geklebte Form allgegenwärtiger rein kommerzieller Werbeplakate. Die künftig neuen ebenso.

  5. 11.

    an den rbb, zeigt einfach auch mal ein Bild der neuen Säulen. So richtig groß ist der Unterschied nämlich nicht. Etwas mehr Umfang, oben ein Kranz für Leuchtmittel und ansonsten halt eine Säule. Diese Gejammer über den "Verlust" der alten Säulen ist ja schlimm.

  6. 10.

    Berlin wird immer mehr abgeschafft und durch eine neue künstliche Idee verändert.
    Das historische wird eingestampft und Geschichte ignoriert, es sei es geht um sozialistische Errungenschaften

  7. 9.

    Wieder ein kleines Wahrzeichen von Berlin weg. Richtig, es geht ums Geld,- ausgerechnet den Schwaben! Vielleicht sollte die Berliner einmal selbst über ihre Stadt bestimmen,- vor allem Westberliner!

  8. 8.

    Litfaßsäulen informieren sowieso nicht mehr, nur noch 08/15 Werbung wie in den Wartehallen oder Toiletten.
    Eintrümmern und weglassen!

  9. 7.

    Etwas Modernität schadet nie. Weg mit den verstaubten Dingern. Sondermüll passt

  10. 6.

    Hauptsache keine weiteren Elektrodinger! Die brummen ganz nervig, zeigen inhaltlich meist nix Ortsrelevantes und stehen oft dermaßen im Weg, dass sie sogar die Sicht für Verkehrsteilnehmer nehmen und zum Risiko werden.

  11. 5.

    Oh je! Was gibt es da schon wieder zu meckern? Alte werden abgerissen, neue werden aufgestellt! Der Senat soll kein Geld verschleudern aber wenn er aus Werbemitteln etwas mehr erhält, für die Stadt ist es auch falsch? Von 2500 Litfaßsäulen bleiben 1500 übrig. Jetzt könnte man zetern und schimpfen. Aber, wie war das noch gleich? Sie wollten doch weniger Werbeflächen in Berlin oder Werbung gleich ganz verbieten!

  12. 4.

    Shit, die Schwaben überrollen Berlin... und sowas von "hintenrum"...

  13. 3.

    Schande-was ne Schande.

  14. 2.

    Eines der Berliner Wahrzeichensoll weichen - WARUM..?
    Wie zu lesen ist geht es diesem Senat mal wieder nur um's liebe Geld.
    Kein Ahnung ob Ernst Litfaß das so haben wollte....

  15. 1.

    Stuttgart....und Senat Berlin, vielen Dank!

    Dit find ick absolut nicht knorke!!

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