Am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf steht ein Rundlokschuppen. (Bild: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: Inforadio | 18.01.2019 | Annette Miersch | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Bauvorhaben "Pankower Tor" - Investor muss Pankower Rundlokschuppen instand setzen

Auf dem Areal "Pankower Tor" sollen unter anderem 2.000 Wohnungen und ein Möbelhaus entstehen. Doch was passiert mit den denkmalgeschützten Bauruinen? Bei einem Ortstermin hat das Verwaltungsgericht jetzt entschieden. Von Annette Miersch

Eine Ruinenlandschaft direkt am S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf: Der 125 Jahre alte Rundlokschuppen ist ein Wrack. Zerstört und beschmiert rottet das einzigartige Stück Eisenbahntechnik-Geschichte vor sich hin. Oben auf dem zerschlissenen Kuppeldach wachsen sogar schon Bäume.

Ähnlich dramatisch ist der Anblick des Ringlokschuppens und des Verwaltungshauses. Alle drei Gebäude stehen seit 1996 unter Denkmalschutz. 2010 kaufte Investor Kurt Krieger das Areal. Da sei die Substanz noch gut in Schuss gewesen, sagt Bauingenieur Wilfried Wolf von der Baukammer Berlin: "Wir haben Aufnahmen von 2009 oder 2014, wo die Anlagen hier noch intakt waren. Damals haben hier noch die Kinder gespielt und sind mit der Drehscheibe rumgefahren. Die Türen waren noch nicht beschmiert und die Scheiben noch nicht eingefallen. Auch das Bürogebäude war in einem völlig anderen Zustand."

2.000 Wohnungen geplant

Die Krieger Grundstücks-GmbH erwarb nicht nur das alte Bahnbetriebswerk, sondern die ganze langgestreckte Brache zwischen S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf und S-Bahnhof Pankow. Der Möbelhaus-Millionär will hier das Stadtquartier "Pankower Tor" errichten. Im Hauptfeld sollen 2.000 Wohnungen, Schule und Möbelhaus entstehen. Soweit sind sich Investor, Land und Bezirk einig. Nur über den östlichen Zipfel des Gebietes mit den denkmalgeschützten Bahnbauten wird weiter gestritten.

Fünf Jahre schon wehrt sich Krieger gegen die Auflagen und Anordnungen des Bezirksamtes zum Erhalt der Häuser: mit Widersprüchen sowie Anträgen und Klagen bei Gericht. Der Investor habe eigene Vorstellungen, sagt Krieger-Vertreterin Edda Metz: "Unser Ziel ist es, den Ringlokschuppen zu erhalten. Das geht aber nur, wenn man den Rest des Areals wirtschaftlich nutzen kann."

Das heißt: Abriss der anderen Gebäude. Doch dem steht der Denkmalschutz im Wege. Nun hat sich das Berliner Verwaltungsgericht auf den Weg gemacht und zur mündlichen Verhandlung direkt in die Rundlokschuppen-Ruine eingeladen. Unter dem löchrigen Dach wurden vor allem zwei Fragen erörtert: Wie schlimm ist der Zustand der Gebäude? Und ist die Instandsetzungsforderung für den Investor zumutbar?

Zum ersten Punkt sagte der Vorsitzende Richter Matthias Schubert: "Das Denkmal ist unmittelbar gefährdet, weil der Instandsetzungszustand mangelhaft ist: Die Dächer sind undicht, die tragenden Bauteile rosten oder verfaulen. Da muss jetzt unverzüglich etwas geschehen."

Ringlokschuppen zu nah an den Gleisen

Zwei der drei Gebäude muss der Eigentümer instand setzen lassen, entschied die Kammer: das Bürogebäude und den Rundlokschuppen. Der Ringlokschuppen aber liege zu nah an den Gleisen. Dadurch sei unklar, ob er weiter genutzt werden könne. Er muss nicht vom Investor erhalten werden. Wirtschaftlich zumutbar ist die Instandsetzung aus Sicht des Gerichts in jedem Fall. "Bei der wirtschaftlichen Zumutbarkeit spielt eine Rolle, dass die Grundstücke im Zusammenhang mit weiteren Grundstücken erworben worden sind – und das offensichtlich zu einem Nicht-Baulandpreis", sagt Schubert.

Das Gericht geht davon aus, dass aus der hier geplante Bautätigkeit für das Quartier "Pankower Tor" genügend Gewinne wachsen werden, die die Instandhaltungskosten für die Baudenkmale kompensieren.

Sendung: Inforadio, 18.01.2019, 14:45 Uhr

Beitrag von Annette Miersch

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    am 2.Beispiel Marzahn wird man erkennen,das der Hr ... nicht gewillt ist zu verkaufen! seinem Authismus folgend ,will er seinen Willen&wenns nicht funst bleibts halt ohne Endnutzung& wird als Gassifläche für Hunde benutzt...

  2. 5.

    Wenn hier schon die Vermutung naheliegt, das Areal wäre für einen Dumpingpreis verhökert worden, sollte man nicht nachträglich Ermittlungen anstellen? Der Senat sollte diese wichtige Freifläche zurückkaufen und eine Grün- und Erholungsanlage daraus machen. Die braucht Berlin dringender als uferloses Wachstum und Versiegelung.

  3. 4.

    Neue Wohnungen sind schlecht, also Unternehmen die Grünen zusammen mit den Linken unter wohlwollenden Zusehen der SPD alles, um die zu verhindern.

    Die Fussgängerunterführung beim ICC steht laut RBB übrigens auch unter Denkmalschutz, wird aber verkommen lassen anstelle die zumindest perspektivisch ihrem eigentlichen Verwendungszweck als Zugang zur U-Bahn zuzuführen. Und vor allem zeitnah die so zu gestalten, dass Fussgänger diese gerne nutzen, um die extrem vielbefahrene Kreuzung zu queren.

  4. 3.

    Wäre doch prima, dann bleibt es eine wichtige freie Fläche als kaltluftschneise und der Senat muss den schuppen erhalten.

  5. 2.

    War nicht einmal geplant, den Lokschuppen wieder denkmalgerecht aufzubauen und im Innern einen Saal für Konzerte herzurichten? Liefen da nicht wieder die Anwohner Sturm? Standen da nicht Bürger mit selbstgemalten Schilderchen auf der Brücke und protestierten dagegen? Und hatte da nicht auch der unselige grüne Stadtrat Kirchner die Protestkappe auf? Gut, der ist ja jetzt weg und vielleicht wird ja etwas aus dem Projekt.

  6. 1.

    Ich prophezeie mal, dass der Investor das Grundstück wieder verkaufen wird und gar nichts passiert.

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