Auf einer BVG-Anzeigetafel auf dem Alexanderplatz steht am 15.02.2019 "Strike till 12:00" (Bild: rbb/Miriam Keuter)
Video: rbb24 | 14.02.2019 | Bild: rbb/Miriam Keuter

Wichtige Fragen und Antworten - Das müssen Sie zum BVG-Warnstreik wissen

Fährt wirklich gar keine U-Bahn? Kann ich auf die S-Bahn ausweichen? Und wann ist der ganze Spuk wieder vorbei? Lesen Sie hier Antworten auf die wichtigsten Fragen zum BVG-Warnstreik.

1. Was wird bestreikt?

Die Gewerkschaft Verdi hat die BVG-Beschäftigten aufgerufen, am Freitag zwischen Betriebsbeginn um 3:30 Uhr und 12 Uhr mittags die Arbeit ruhen zu lassen. Sie will in den laufenden Tarifverhandlungen Druck auf die Arbeitgeber machen.

Am Freitagfrüh teilte Verdi mit: "Alle Bereiche der BVG, so der Busbetrieb, die Straßenbahnen und U-Bahnen sowie die Werkstätten und Verwaltung werden bestreikt." Die BVG bestätigte, dass keine Straßenbahnen und U-Bahnzüge fahren. "Bahnhöfe sind bis Streikende verschlossen."

Auch Busse fahren nicht - ausgenommen Linien, die von Subunternehmen der BVG betrieben werden. Diese verkehren nach Angaben der BVG vorwiegend am Stadtrand. Nach BVG-Angaben vom Freitagmorgen fahren 24 Buslinien planmäßig, sechs weitere mit leichten Einschränkungen:

Folgende Bus-Linien fahren komplett: 106, 161, 162, 163, 168, 175, 179, 218, 234, 263, 275, 284, 320, 322, 334, 341, 349, 363, 365, 371, 373, 380, 390, 399

Folgende Bus-Linien fahren mit leichten Einschränkungen: 112, 140, 184, 283, 370 und 893

2. Wann läuft der BVG-Verkehr wieder rund?

Der Warnstreik soll bis 12 Uhr dauern - bis aber alles wieder nach Plan fährt, könnte es aber noch einige Stunden länger dauern. "Ab 15 Uhr dürften wir wieder normalen Verkehr haben", schätzte BVG-Sprecherin Petra Nelken am Donnerstag.

Verdi-Sprecher Andreas Splanemann sagte am Freitagmorgen rbb|24, die Zeitspanne, bis der Verkehr wieder rund läuft, hätte verkürzt werden können - die BVG-Geschäftsführung habe sich "geweigert (...), die abgeschlossene Notdienstvereinbarung anzuwenden". Daher werde "die Wiederaufnahme des normalen Betriebes länger dauern, als notwendig". Bei Anwendung dieser Notdienstvereinbarung hätten beispielsweise Personaldisponenten früher anfangen können, die Fahrer einzuteilen. So seien nur sicherheitsrelevante Stellen besetzt. BVG-Sprecherin Petra Nelken zufolge gibt es Personal in den Leitstellen. "Das ist wichtig für Sicherheit und Technik", sagte sie dem rbb.

3. Was für Alternativen gibt es?

Die S-Bahn gehört zur deutschen Bahn, sie wird deshalb nicht bestreikt. Auf den Pendler-Linien S1 (Wannsee - Oranienburg) und S5 (Strausberg Nord - Westkreuz) will die S-Bahn zusätzliche Doppelwagen einsetzen, insgesamt soll es 50 Extra-Fahrten geben. Mehr Entlastung gibt der ausgedünnte Fuhrpark offenbar nicht her. Deshalb könnte es sehr voll werden in den S-Bahnen. Denn an einem Werktag fahren nach BVG-Angaben 2,9 Millionen Fahrgäste mit der BVG - mit der S-Bahn nur 1,4 Millionen Menschen. Die S-Bahn empfiehlt deshalb, während des Warnstreiks "nicht unbedingt notwendige Fahrten zu vermeiden."

Eine weitere Option sind Taxis oder CarSharing oder Taxis. Die beiden größten Anbieter in Berlin, DriveNow und car2go, rechnen während des Warnstreiks mit deutlich höherer Nachfrage. Auch ein Taxi zu bestellen dürfte schwierig werden.

Bleiben noch Fußwege oder das Fahrrad, um zur S-Bahn oder zur Arbeit zu kommen. Wer das plant, sollte sich warm anziehen, laut Vorhersage wird aber sonnig.

4. Was wollen die Streikenden?

Kurz gesagt: mehr Geld und mehr Freizeit. Denn die Bus-, Tram- oder U-Bahn-Fahrer der BVG verdienen auch nach zehn Jahren Berufserfahrung laut Verdi nur 2.270 Euro - rund 900 Euro weniger als Fahrer mit gleicher Berufserfahrung laut Gewerkschaft EVG bei der Berliner S-Bahn verdienen.

Dieser Beispielfahrer soll künftig rund 220 Euro mehr verdienen, fordert Verdi. Weitere Forderungen: Weihnachtsgeld auch für Neulinge, Wegfall der unteren Lohngruppen und schnellere Gehaltssprünge.

Zudem verlangen Verdi und der Beamtenbund, dass für alle rund 14.500 Beschäftigten die 36,5-Stunden-Woche gilt. Knapp die Hälfte muss heute nämlich 39 Stunden arbeiten - jene Mitarbeiter, die ab 2005 eingestellt wurden.  

5. Was spricht gegen die Forderungen?

Allein um die kürzere Arbeitszeit auszugleichen, müsste die BVG 500 zusätzliche Mitarbeiter einstellen, heißt es im Unternehmen. Verdi kontert, dass der hohe Krankenstand sinken würde, wenn die Beschäftigten weniger arbeiten müssten. In der zweiten Verhandlungsrunde habe die BVG angeboten, die Arbeitszeit ab 2021 schrittweise zu reduzieren - das reicht Verdi offenkundig nicht.

Auf 60 Millionen Euro pro Jahr bezifferte Verdi das Forderungspaket. Der Kommunale Arbeitgeberverband nannte keine Zahl. Er hält die Gewerkschaftsvorstellungen in dem Umfang für nicht erfüllbar. Am 5. März wird weiterverhandelt.

Weitere BVG-Warnstreiks schließt Verdi nicht aus - im Gegenteil: "Denkbar wären auch längere Streiks", warnte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann schonmal vor.

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27 Kommentare

  1. 26.

    Wie werden die Fahrgastzahlen gemessen? Jede Fahrt einzeln? Also wenn ich morgens zur Arbeit fahre und abends zurück ... Bin ich dann 1 Fahrgast oder 2? Ich denke mal, da wird jede Fahrt gezählt. Das sind dann aber keine 2 Mio ....

  2. 25.

    Es waren heute morgen von Spandau bis Friedrichsfelde (meine Stecke) zwischen 4-7 Uhr, wenn die arbeitende Werks- und Dienstleistungsbevölkerung in der Stoßzeit unterwegs ist, fast "kaum mehr" Menschen unterwegs, nicht mal in den S-Bahnen war es voller. Von 2 Millionen Fahrgästen, die sich andere Wege suchen kann kaum die Rede sein, eher dass man mal die Fahrgäste richtig zählen und so einiges richtig stellen sollte.

  3. 24.

    Mit dem Auto lief es super. Viel schneller als mit der BVG. Kollegen sehen das auch so. Werde jetzt wieder öfter Auto fahren. Vielleicht kann ich mir die BVG ganz sparen. So hat der Streik doch was Gutes.

  4. 23.

    absolut nix los auf den Straßen. So früh war ich noch nie im Büro. Bitte immer die Busse einsperren, läuft gut ;-)
    Mitfahren musste auch keiner, keiner stand dumm rum. Gut, freitags ist immer so, dass nur noch die Hälfte der Arbeitnehmer arbeitet und die Straßen recht frei sind. Frage mich immer, welche Arbeitgeber das mitmachen, 4-Tage-Woche.

  5. 22.

    36,5 Stundenwoche... Unglaublich. Ich hab 40 Stunden. Leute in der Schicht oder in der Wechselschicht okay, aber die BVG besteht nicht nur aus Schichtarbeitern. Mehr Geld zu fordern versteh ich eher. Also, alle rauf auf 39, die Schichtler entsprechend anders (siehe zb TV-L) und dann mehr Geld.

  6. 21.

    "einfach mal Homeoffice machen" ... nicht bei jedem Arbeitgeber ist dies möglich. Sollten Sie solchen Arbeitgeber haben, herzlichen Glückwunsch. Obwohl mein Arbeitgeber das anbietet...ich darf es trotzdem nicht. Also bitte bei allem die Kirche im Dorf lassen. Ich finde den Streik auch nicht ok, zumindest ein Streik zum jetzigen Zeitpunkt der Verhandlungen. Aber, ich kann auch die Mitarbeiter der BVG verstehen. Sie machen alle einen guten Job und sollten auch entsprechend entlohnt werden. Gerade bei den momentanen Debatten über Grundrente für Geringverdiener und Altersarmut sollte hier ein Zeichen gesetzt werden und die Löhne angehoben werden.

  7. 20.

    Was interessieren Gewerkschafter denn die Kunden der BVG? Die wollen nur maximales Chaoas um zu zeigen, wie sehr man eine Monopolstellung ausnutzen kann, um die Intressen weniger (im Verhältnis zur Zahl der Kunden) durchsetzen will. Ansonsten hätte Verdi ja auch nur Teile bestreiken können, Flächendeckend einen Warn(!)Streik zu machen ist unverhältnismäßig.

  8. 19.

    Wieso spricht niemand hier darüber, dass die BVG der Berlinale einen "Schwarzen Freitag" mit diesem Streik bereitet? Unpünktlich, verdreckt, hundsmiserabler Service und dann ausgerechnet denen vor die Füße kotzen, die am allerwenigsten die Zeche zahlen sollten: Kulturschaffenden!

  9. 18.

    Na gottseidank fährt zum BER eh keine Bahn und kein Bus, da wird man nix vermissen *grins* (fällt einem bei einem Streiktag doch glatt die nahverkehrspolitische Unzulänglichkeit Berlins auf...). Wie gesagt, für 4 Personen habe ich Platz, ganz ohne P-Schein.

  10. 17.

    Gut gekontert. Der Tunnelblick war bestimmt nicht böse gemeint, aber pauschal allen Homeoffice vorzuschlagen und ansonsten wird schon und alles easy ist schon relativ naiv. Trotzdem allen einen guten Freitagvormittag und ein schönes Wochenende ;-)

  11. 16.

    Und was machen all die Menschen, die morgen Vormittag mit dem Flugzeug nach Berlin reisen und in Tegel landen? Dort fahren doch ausschließlich Busse hin und so viele Taxis, wie man dafür nötig hätte, um das auszugleichen, kann man doch gar nicht zur Verfügung stellen. Und ich behaupte mal, dass unter den Betroffenen auch viele Fremde sein werden, die von dem Streik möglicherweise noch nicht einmal etwas wissen.

  12. 14.

    ich nehm noch jemanden im Auto mit - roter Punkt ist angebracht mit Ziel-Angaben.

  13. 13.

    Homeoffice? Wat is dat denn? Der Mittelstand erlaubt seinen Berufstätigen kein Homeoffice. Und nicht jeder ist *Vertreter*, also mit freien Dienstzeiten, Karre und Notebook. Träumt weiter, Helden der startups, es gibt was jenseits eures Bauchnabels und des Tellerrandes.

    Komm, Dachdecker, morgen machen wir Homeoffice ;-)

  14. 12.

    Oder sitzen zwar am Schreibtisch und haben einen PC, müssen aber Kunden bedienen. Homeoffice im Bürgeramt geht zb nicht. Alles tolle Vorschläge. Letztendlich muss jeder für sich eine Lösung finden. Krank melden geht natürlich auch. Nur das belastet die Kollegen.

  15. 11.

    Hört sich vielleicht komisch an in den Ohren von Menschen, die am Schreibtisch sitzen. Aber die meisten Arbeitnehmer sitzen gar nicht am Computer......

  16. 10.

    Einfach mal Home Office machen, dann hat das Ganze auch was Gutes und schont die Umwelt. Lasst doch die Leute streiken, es geht sicher auch ohne und durch solche Streiks kommen auch mal neue Ideen zu Tage oder es bildet sich vielleicht mal ein drittes ÖPNV in Berlin... und Taxi und Co. tut das auch mal gut. Also von Leidtragenden würde ich da nicht sprechen, es freuen sich eben nur mal Andere, die es eventuell auch mal verdient haben.

  17. 9.

    Wer sein Auto abgeschafft hat ist nun angeschmiert. Unsere Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre haben ihr Dienst-Auto.
    Es reicht schon die ewiglangen Bauarbeiten bei der U-Bahn.

  18. 8.

    Nach meinen Informationen (aus den Medien, auch hier im rbb) ist die Demo von verdi für die Zeit von 9 bis 12 angemeldet. Und sorry, ich vertraue nicht darauf, dass die Demo früher beendet wird....

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