Auf einem Stempel steht "Steuererklärung" (Quelle: imago/filmfoto)
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Steuerschulden von Spitzenverdienern - Finanzämter fordern 23,5 Millionen von 51 Berlinern nach

Manche Berliner Spitzenverdiener nehmen es mit der Steuer offensichtlich nicht so genau: Die Finanzämter trieben 2018 bei vermögenden Berlinern, deren Jahreseinkommen 500.000 Euro übersteigt, zusätzliche Steuern in Höhe von 23,5 Millionen Euro ein.

Der Löwenanteil entfiel auf den Zuständigkeitsbereich des Finanzamtes Prenzlauer Berg: Allein hier mussten elf Wohlhabende, bei denen das Finanzamt eine sogenannte Außenprüfung vornahm, 21,4 Millionen Euro Steuern nachzahlen. Das geht aus der Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Fraktion hervor, über die am Donnerstag zuerst die "Berliner Zeitung" berichtete.

Ungewöhnlich hohe Nachzahlung

Insgesamt prüften die Finanzämter im Vorjahr 51 "Steuerpflichtige mit besonderem Einkommen", wie es in der Behördensprache heißt. Jeder von ihnen musste im Durchschnitt 461.000 Euro Steuern nachzahlen.

Die Gesamtsumme von 23,5 Millionen ist ungewöhnlich hoch. In den vergangenen zehn Jahren lag sie - bei einer unterschiedlichen Zahl jährlicher Prüfungen - zwischen 600.000 und und 9,3 Millionen Euro. 2017 ergaben sich aus 67 Prüfungen 5,5 Millionen Euro Steuernachzahlung.

In Berlin lebten 2016 genau 489 Wohlhabende mit mehr als einer halben Millionen Euro Jahreseinkommen. Ihre Zahl wird alle drei Jahre erhoben, also erst Mitte 2019 wieder.

Die meisten Reichen leben im Südwesten

Hotspot der Reichen ist der Südwesten: Allein im Bereich des Finanzamtes Zehlendorf leben 114 Menschen, die zu D-Mark-Zeiten als Einkommensmillionäre bezeichnet wurden. Es folgen Wilmersdorf (80), Charlottenburg (63), Mitte/Tiergarten (59), Steglitz (30) und Prenzlauer Berg (23). Die Finanzämter Wedding, Marzahn-Hellersdorf und Pankow/Weißensee betreuen jeweils weniger als fünf Vermögende dieser Art.

Aus den Unterlagen ergibt sich, das die Finanzämter in unterschiedlichem Ausmaß Außenprüfungen bei Spitzenverdienern vornehmen. Besonders aktiv waren 2018 die Finanzämter Zehlendorf (12 Prüfungen), Prenzlauer Berg (11) und Charlottenburg (10). Die Finanzämter Schöneberg, Spandau, Wedding, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg kommen auf der Liste dagegen gar nicht vor.

"Regelmäßige Außenprüfungen bei Einkommensmillionären lohnen sich", erklärte der rechtspolitische Sprecher der Linke-Fraktion, Sebastian Schlüsselburg. "Innerhalb von einem Jahr haben sich die Steuermehreinnahmen fast verfünffacht. Das ist nicht nur ein Beitrag zu mehr Steuergerechtigkeit, sondern auch zur Finanzierung des Gemeinwohls."

Übrigens muss eine Steuerprüfung des Finanzamtes nicht zwingend zu Nachzahlungen führen, im Gegenteil: In 2 der 51 Prüffälle 2018 erhielten die Betreffenden satte Steuerrückzahlungen von 1,9 Millionen beziehungsweise 4,4 Millionen Euro. 

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4 Kommentare

  1. 4.

    Staats-Bashing geht bei Deutschland gar nicht, so negativ kann man sich gar nicht formulieren wie es ist.

  2. 3.

    In Dänemark hat man aber eine höhere Abgabenlast als in Deutschland! Da ist Ihr Staatsbashing gegen Deutschland, durch offensichtliche Unwissenheit, wohl voll nach hinten losgegangen!

  3. 2.

    Schon klar, Deutschland wäre weitaus lebenswerter, wenn wir den reichsten unter uns, die Steuerschulden erlassen würden... Haben Sie die Meldung überhaupt gelesen?

  4. 1.

    Dänemark erlässt knapp 500 000 Bürgern ihre Schulden
    dpa, 14.12.2018 - 14:57 Uhr
    Die dänischen Behörden haben 485 000 Bürgern Steuerschulden teilweise oder ganz erlassen. Der Staat verzichtet damit umgerechnet auf 778 Millionen Euro.
    Kopenhagen - Die dänischen Behörden haben 485 000 Bürgern Steuerschulden teilweise oder ganz erlassen. Der Staat verzichtet damit umgerechnet auf 778 Millionen Euro. Es geht jeweils um Schulden von geringem Wert wie Parkgebühren, Fernsehlizenzen und Steuern, bei denen die Kosten für die Eintreibung den tatsächlichen Wert der Schulden übersteigen. Ein anderer Grund sind technische Probleme. Das digitale Eintreibungssystem brach 2015 zusammen und musste abgestellt werden. Es soll nun durch ein neues System ersetzt werden.
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    Deswegen steht es an der Spitze, der lebenswertesten Länder der Welt.... anders als hier.

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