Streikende Gewerkschafter stehen am 05.02.2019 in Frankfurt (Oder) vor dem Depot der Straßen-Verkehrsgesellschaft um ein Feuer. (Bild: dpa/Bernd Settnik)
Video: rbb24 | 05.02.2019 | Bild: dpa/Bernd Settnik

Warnstreiks ab Dienstag - Verdi legt Nahverkehr in großen Brandenburger Städten lahm

In Frankfurt (Oder) standen am Dienstagmorgen Busse und Bahnen still: Die Gewerkschaft Verdi hatte die Beschäftigten des öffentlichen Nahverkehrs zum Streik aufgerufen. Am Mittwoch sollen Streiks in Cottbus, am Donnerstag in Brandenburg/Havel folgen.

Wegen Warnstreiks im Brandenburger Nahverkehr sind Dienstagfrüh bis 9 Uhr in Frankfurt keine Busse und Bahnen gefahren. Betroffen war der gesamte öffentliche Nahverkehr in der Stadt, teilte die Gewerkschaft mit.

Am Mittwoch soll im Rahmen der Tarifverhandlungen für Beschäftigte im öffentlichen Personennahverkehr dann in Cottbus und am Donnerstag in Brandenburg an der Havel gestreikt werden. Jeweils ab 9.00 Uhr sollen Busse und Bahnen wieder fahren. Am Donnerstag findet dann die nächste Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern statt.

Brandenburg hinkt bei Bezahlung hinterher

Grund für die Warnstreiks sind Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern. Verdi fordert eine Anhebung um 1,80 Euro pro Stunde für die rund 3.000 Beschäftigten. Das würde einer durchschnittlichen Steigerung um 15 Prozent entsprechen. Derzeit bekommen Bus- und Bahnfahrer in Brandenburg einen Stundenlohn von 11,70 Euro. Das Einstiegsgehalt für einen Busfahrer liegt bei 1.983 Euro brutto. Damit seien sie im bundesweiten Vergleich Schlusslicht, kritisierte Verdi-Verhandlungsführer Jens Gröger. Die von den Arbeitgebern zunächst angebotene Erhöhung sei zu gering.

Gröger sagte, man habe für die Warnstreiks bewusst die Ferien ausgewählt, um die Fahrgäste nicht übermäßig zu belasten.

Streikende Gewerkschafter stehen am 05.02.2019 in Frankfurt (Oder) vor dem Depot der Straßen-Verkehrsgesellschaft um ein Feuer. (Bild: dpa/Bernd Settnik)

Arbeitgeber sprechen von "großzügigem Angebot"

Klaus-Dieter Klapproth, Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Brandenburg (KAV), hält die Forderungen der Gewerkschaft für überzogen. Es sei auch unüblich, dass Verdi plötzlich über Stundenlöhne statt über Monatsgehälter verhandeln wolle, sagte Klapproth rbb|24 am Montag.

Die Arbeitgeberseite habe 8,22 Prozent angeboten. Dazu käme die Anhebung verschiedener Zuschläge, wie zum Beispiel für geteilte Dienste (fünf Euro statt bisher zwei Euro) sowie für Wochenend- und Feiertagsschichten, darunter auch Heiligabend und Silvester. In der Summe würden diese Steigerungen 10,5 Prozent ausmachen. Das sei ein "großzügiges Angebot", sagte Klapproth. Dass Verdi vor diesem Hintergrund in den Streik gehe, sei "sehr ungewöhnlich".

Flächentarifvertrag gilt auch für kleinere Unternehmen

Klapproth wies darauf hin, dass der Nahverkehr in Brandenburg nach wie vor einem Flächentarifvertrag unterliege und bei Abschlüssen auch die Leistungsfähigkeit kleinerer Unternehmen berücksichtigt werden müsse. "Sonst würden wir sie aus der Tarifbindung drängen", sagte der Chef des Arbeitgeberverbandes. Das sei nicht im Sinne der Arbeitgeber.

Dazu zählen laut Klapproth die kommunalen Verkehrsunternehmen in fast allen Brandenburger Landkreisen (bis auf Oberhavel und Elbe-Elster)  sowie die Verkehrsgesellschaften in den vier kreisfreien Städten. 

Sendung: Brandenburg aktuell, 04.02.2019, 19.30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Herr Klapproth scheint sich nicht bewusst zu sein, welche Verantwortung ein Busfahrer hat. Dieser Beruf ist familienfeindlich und der Busfahrer transportiert keine Pakete, wobei ein Paketfahrer bei DHL einen Stundenlohn von 14,75€ hat. Im Monat werden meist mehr als 170 Arbeitsstunden erreicht und man sollte als Busfahrer mehr Wertschätzung finden. Ein Busfahrer fährt nicht auf Schienen, hat direkten Kundenkontakt und bewegt täglich Fahrgäste sicher durch den immer schlimmer werdenden öffentlichen Straßenverkehr. Hier sind die 1,80€ mehr schon viel zu wenig. Ihr wollt gute Busfahrer, aber möchtet diese nicht entlohnen, sodass diese Fachkräfte in andere Berufe gehen, wo man mehr verdient. Auch ist es unzumutbar, das ein EU Berufskraftfahrer mit einer ausgebildeten Fachkraft gleich entlohnt wird....toller Anreiz für unsere Jugend einer Ausbildung als Berufskraftfahrer für Personenverkehr von 3 Jahre zu machen, wobei ein EU Berufskraftfahrer es in 6 Monaten erledigt. Fachkräftemangel?

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