Eine U-Bahn fährt nach dem Ende des BVG-Warnstreiks in den U-Bahnhof Berliner Straße ein. (Quelle: dpa/Christoph Soeder)
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Video: rbb|24 | 15.02.2019 | Bild: dpa/Christoph Soeder

Nacht achtstündigem Ausstand - BVG-Verkehr läuft wieder auf allen Linien

Stundenlang standen U-Bahnen, Trams und Busse der Berliner Verkehrsbetriebe am Freitag in den Depots. Trotz hoher Beteiligung der BVG-Mitarbeiter am Warnstreik gab es kein größeres Chaos. Am Nachmittag war die BVG dann wieder auf allen Linien unterwegs.

Im Überblick:

- Am Freitagvormittag hat es wegen eines Warnstreiks massive Ausfälle bei der BVG gegeben. U-Bahnen und Trams verkehrten gar nicht. Busverbindungen fielen weitgehend aus.

- Der Warnstreik dauerte von Betriebsbeginn bis 12 Uhr, danach lief der BVG-Verkehr langsam wieder an. Gegen 15:30 Uhr meldete die BVG, dass wieder alle Linien bedient würden.

- Die Berliner hatten sich auf den Warnstreik offenbar gut vorbereitet: Der S-Bahnverkehr lief weitgehend reibungslos, es gab nicht viel mehr Staus auf den Straßen als üblich.

Ein Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat am Freitagvormittag den öffentlichen Nahverkehr weitgehend lahmgelegt. Straßenbahnen und U-Bahnen fuhren zwischen Betriebsbeginn und geplantem Streikende um 12 Uhr gar nicht, die Bahnhöfe waren mit Gittern verschlossen. Auch die meisten Busse blieben in den Depots. Die S-Bahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird, war von dem Streik nicht betroffen. 

Seit Mittag lief der Betrieb wieder an; es dauerte allerdings einige Zeit, bis er sich wieder normalisierte. Gegen 15.30 Uhr meldete die BVG, dass wieder alle Linien bedient würden. U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse führen wieder weitgehend im gewohnten Takt. 

Verdi-Sprecher Andreas Splanemann sagte am Freitagmorgen rbb|24, die Zeitspanne, bis der Verkehr wieder rund läuft, hätte verkürzt werden können - die BVG-Geschäftsführung habe sich geweigert, "die abgeschlossene Notdienstvereinbarung anzuwenden". Daher werde "die Wiederaufnahme des normalen Betriebes länger dauern, als notwendig". Bei Anwendung dieser Notdienstvereinbarung hätten beispielsweise Personaldisponenten früher anfangen können, die Fahrer einzuteilen. So seien aber nur sicherheitsrelevante Stellen besetzt gewesen.

Berliner offenbar gut im Improvisieren

Die Gewerkschaft Verdi hatte die rund 14.000 Beschäftigten der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport aufgerufen, für rund acht Stunden die Arbeit niederzulegen. Am Freitagmorgen hieß es, es seien "keine Streikbrecher-Aktivitäten" beobachtet worden. Die BVG bestätigte am Morgen, dass keine Straßenbahnen und U-Bahnzüge fuhren.

Überfüllte S-Bahn am 15.02.2019 (Quelle: REUTERS/Fabrizio Bensch)
Die S-Bahnen fuhren - und waren teilweise entsprechend voll | Bild: REUTERS/Fabrizio Bensch

Weil Fahrgäste auf andere Verkehrsmittel auswichen, wurde es auf den Berliner Straßen und in den S-Bahnen teils etwas voller. Wie rbb-Reporter berichteten, blieb größeres Chaos aber aus: S-Bahnen und Regionalzüge fuhren nach Plan; auf den S-Bahn-Linien S1 und S5 gab es zudem zusätzliche Züge. In Betrieb waren auch die Fähren der BVG und 30 Buslinien, die von Subunternehmen betrieben werden, sechs davon eingeschränkt.

Verschlossene Bahnhöfe, leere Haltestellen, rettende S-Bahn

Unübersichtlich wurde es allerdings zeitweise am Flughafen Tegel: Hier entfiel die Busverbindung vom und zum S-Bahnhof Jungfernheide. Um den Flughafen am Freitag dennoch anzubinden, mietete die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) vier Reisebusse, die zwischen dem S-Bahnhof Jungfernheide und dem Flughafen pendelten. Die Busse waren gut ausgelastet, nach Angaben von Mitarbeitern betrug die Wartezeit im Schnitt 15 Minuten.

Wie ein rbb-Reporter berichtete, verteilten Mitarbeiter am Flughafen zusätzlich Infoflyer, auf denen der Fußweg zwischen TXL und S-Bahnhof Jungfernheide beschrieben wurde: Für 3,1 Kilometer wurde dort eine Gehzeit von 38 Minuten angegeben.

Forderung: Kürzere Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich

Es war der erste größere Warnstreik bei den Berliner Verkehrsbetrieben seit sieben Jahren. Die Gewerkschaft will damit den Druck auf die Arbeitgeber in den laufenden Tarifverhandlungen erhöhen. Am 5. März soll wieder verhandelt werden.

Verdi und der Beamtenbund verlangen für alle Beschäftigten die 36,5-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich - knapp die Hälfte der Belegschaft muss nämlich 39 Stunden ran. Gefordert wird auch Weihnachtsgeld für Neulinge, ein Wegfall der unteren Lohngruppen und schnellere Gehaltssprünge, zudem für Gewerkschaftsmitglieder einmalig 500 Euro.

Tausende demonstrieren vor der BVG-Zentrale

"Das Busfahren ist anstrengender geworden in der Stadt", sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann am Freitagmorgen dem rbb zur Begründung. Die Stimmung bei den BVG-Beschäftigten sei nicht gut. "Viele Beschäftigte erwarten Fortschritte bei den Verhandlungen - dass ihre Arbeit mehr wertgeschätzt wird, dass sie besser bezahlt werden." Das sei auch perspektivisch wichtig, um neue Mitarbeiter gewinnen zu können.

Am Freitagvormittag versammelten sich vor der BVG-Hauptverwaltung in der Holzmarktstraße in Berlin-Mitte Beschäftigte, um für Tarifverbesserungen zu demonstrieren. Nach rbb-Informationen kamen etwa 4.000 BVG-Beschäftigte zu der Kundgebung.

Warnstreik bei der BVG.
Busse in einem geschlossenen Depot | Bild: dpa

Nikutta will "nachsteuern"

BVG-Chefin Sigrid Nikutta zeigte sich am Donnerstag offen gegenüber den Gehaltsforderungen der Mitarbeiter. Berlin habe "eine lange Phase des Sparens hinter sich und da werden wir, glaube ich, schon ganz schön nachsteuern", so Nikutta in der rbb-Abendshow.

Einer Verkürzung der Arbeitszeit erteilte sie hingegen eine deutliche Absage. "Wenn wir die Arbeitszeiten verkürzen, bräuchten wir 500 Fahrerinnen und Fahrer mehr." Da das Unternehmen ohnehin in diesem Jahr 1.100 neue Fahrer einstellen wolle, sei dies für den Moment nicht die richtige Lösung.

Noch während des laufenden Warnstreiks drohte die Gewerkschaft Verdi mit einem weiteren Ausstand. In der nächsten Runde der Tarifverhandlungen müsse ein verhandlungsfähiges Angebot der Arbeitgeber auf den Tisch, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt am Freitag bei einer Warnstreik-Kundgebung vor der BVG-Zentrale. "Sonst müssen wir die nächsten Schritte machen."

Die BVG ist das größte kommunale Verkehrsunternehmen Deutschlands. Mit 2,9 Millionen Kundenfahrten ist sie die Stütze des Berliner Nahverkehrs. Die S-Bahn zählt 1,4 Millionen Fahrgäste täglich.

Sendung: Abendschau, 15.02.2019, 19.30 Uhr

Kommentar

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86 Kommentare

  1. 86.

    Stromausfall ist schlimmer :-)))

  2. 85.

    Keine Sorge, ich fahre Auto. Und ab und an BVG. Hatte noch nie etwas über den ÖPNV zu mecker. Nur über unhöfliche BVG Mitarbeiter. Aber das ist eben so. Berliner Schnauze ist unhöflich.

  3. 84.

    Wenn sie meinen, dann hoffe ich aber sie jammern nicht weil die BVG ständig ausfällt weil Berlin zu wenig Fahrer hat.

  4. 82.

    So langsam gleitet die Diskussion ins Groteske ab. Sie wollen die Metrolinien an Subunternehmer vergeben, das waren ihre Worte! Natürlich unterläuft man dann damit Streikmaßnahmen. Ob das Unternehmen nun privat ist oder wie BT ein BVG eigenes Subunternehmen bleibt doch dann gleich. Weniger Lohn, schlechtere Arbeitsbedingungen und weniger Möglichkeiten gerechtfertigte Forderungen durchzusetzen. Was meinen sie warum BT gegründet wurde?

    Wir reden nicht aneinander vorbei und sie sollten ihren eigenen Tipp beherzigen. Sie drehen und wenden sich hier und stehen nicht zu ihren Forderungen. Zur Erinnerung, das waren ihre Worte:

    "Wenn man die Metrolinien an Subunternehmer vergeben würde, dann wäre es noch besser gelaufen. BVG, denk um. Nicht alles direkt von der BVG betrieben werden."

    Was meinen sie denn sonst damit?

  5. 81.

    Alles falsch was Sie mir unterstellen.... Privatisierung ist etwas anderes... Und von Streikbrechern war auch nicht die Rede. Beschäftigen Sie sich mit Tochterfirmen der BVG als Bsp.. Und mit der derzeitigen Vergabe von Buslinien an Sub... Da ist nichts privatisiert. Gehört alles noch der BVG. Genug, wir reden aneinander vorbei. Machen Sie sich mit der Lage der BVG lieber erstmal vertraut. Schönes Restwochenende.

  6. 80.

    Wir reden nicht aneinander vorbei, sie gehen nur nicht auf meine Argumente ein. Mir ist schon klar dass sie auf Streikbrecher setzen um Streiks und gerechtfertigte (Lohn-) Forderungen zu unterlaufen.

    Sie haben mir unterstellt keine Ahnung von betriebswirtschaftliche Überlegungen zu haben, was ich widerlegt habe. Sie wollen privatisieren und ich habe aufgezeigt dass Privatisierungen immer zum Nachteil der Steuerzahler sind. Deshalb die Beispiele. Sie wollten die "Metrolinien an Subunternehmer vergeben", sprich privatisieren.

  7. 79.

    Wir reden aneinander vorbei. Ich habe nichts von Privatisierung der BVG gesagt. Und die Einnahmenseite haben Sie ins Spiel gebracht. Mit der ÖPP bringen Sie nun noch einen weiteren Aspekt, der nichts mit meinen ersten Kommentar zu tun hat, hinzu. Warum auch immer. Die BVG kann sich so strukturieren, dass ein Streik nicht ihren gesamten Betrieb lahmlegt. Darum ging es.

  8. 78.

    Wenn sie ernsthaft fragen was die Einnahmen mit betriebswirtschaftliche Überlegungen zu tun haben frage ich mich wer hier etwas nicht nachvollziehen kann. Der Staat ist kein gewinnorientiertes Unternehmen. Immer dann wenn staatliche Aufgaben privatisiert werden verdienen daran die Unternehmen, der Staat zahlt drauf. Beispiele, auf die sie nicht eingehen, habe ich genannt. Warum will z.B. der Senat einen eigenen S-Bahn Fuhrpark anschaffen? Weil es sich rechnet.

    Ob nun die privatisierte Bahn in GB, der eigentlich Kosten sparende, tatsächlich aber höhere Kosten für den Steuerzahler verursachende Versand von Behördenpost oder etliche weitere Beispiele, z.B. die von Dobrindt präferierte öffentlich-private Partnerschaft, immer zahlt der Steuerzahler letztendlich drauf.

    https://www.zeit.de/mobilitaet/2014-06/bundesrechnungshof-dobrindt-oeffentlich-private-partnerschaften

  9. 77.

    Na dann schnappen sie sich mal einen Spaten und legen los. Dummerweise dauert der Ausbau von U- und S-Bahnen etwas länger, das ist nicht wie eine Modelleisenbahn. Mal abgesehen von den Kosten.

    Und wenn sie immer noch meinen Busse wären überflüssig dann fragen sie doch mal die Spandauerin oder den von JWD. Wollen sie die alle an U- oder S-Bahnen anbinden? Mit Verlaub, so naiv kann doch keiner sein.

    Das Verkehrshindernis sind nicht die Busse oder Straßenbahnen, das Hindernis sind die vielen überflüssigen KfZ, wo sich eine Person drinnen befindet.

  10. 76.

    Was hat jetzt der Fahrpreis damit zu tun? Der ist eine Einnahmequelle, deckt aber ohnehin nicht die Kosten. Das macht der Steurzahler. Es geht also um die Kosten des Betriebes für den Steuerzahler.... Und um den Ausschluss betrieblicher Risiken (Streik). Hier kann man durchaus mehr Subunternehmer einsetzen. Wenn Sie nicht betriebswirtschaftliche Überlegungen nachvollziehen wollen, dann lassen Sie es doch einfach ;-)

  11. 75.

    Der Bocciaspieler hat ja ooch immer Pankoff jesajt. Dabei weeß jedet Gör dass ditt Pankow wie Spandow heeßt.

    Klar kenn ick noch Lübke, sein Gekrakel hab ich noch irjendwo unter ner Urkunde vonne Bundesjujendspiele.

    Aba jetze krich ich nich so elejant wie Ihnen die Kurve zum Thema wieda hin... ;-)

    Es sei denn wir benennen den Bersarinplatz in Lübkeplatz um und baun da ne U-Bahn hin. Is ja nich weit vonne Frankfurter Tor. Da schlajen wa zwee Fliejen mit eene Klappe, hier krakeelen imma welche jejen den Bersarin und andre wolln mehr U-Bahn. :-D

  12. 74.

    Plattitüden kann ich auch. Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer. Will sagen, das Geld ist vorhanden, alleine nur wenn man Steuerbetrüger endlich konsequent verfolgen würde könnte man die BVG kostenlos anbieten.

  13. 73.

    Ihr Pappnasen von Verdi und BVG. Viele sind zu Hause geblieben mussten Urlaub nehmen oder die Zeit vor oder nach arbeiten. Wenn dann berichtet ehrlich!!! Nur so is das Chaos ausgeblieben. Aber das gemeine Volk interessiert hier keinen. Denkt mal nach wer zum Schluss diese Rechnung bezahlt nicht Verdi sondern alle.Egal wo gestreikt wird und wo schaden entsteht dadurch.

  14. 72.

    Det Problem bei dem Bocciaspieler (U-Bahnhof gleichen Namens...) wa ja ooch, der konnte einfach keen Deutsch! Bemüht hatter sich ja, aba... Erinnert sich noch eener annen Präsi Lübke? et jibt ja keenen Lübke-Platz, aber der hat immer so schön Mech-chi-ko gesagt, vermutlich verdanken wir ihm den Mech-chi-ko-Platz ;-) wo die zuverlässige S-Bahn heut aus Z'dorf fuhr.

  15. 71.

    Der Streik hat gezeigt das Busse und Strassenbahn eigentlich nur Verkehrshindernisse sind. Wenn die U-Bahnen fahren fahren würden, würde ein Streik fast gar nicht auffallen.
    Deshalb so viel Geld wie möglich in die U-Bahn und S-Bahn stecken mit anständigen Löhnen damit es gut läuft!

  16. 70.

    Diese Zahlen sind merkwürdig. Wenn ich 2,9 Mio bei der BVG und 1,4 Mio bei der S Bahn als Basis nehme, dann stimmt was nicht. Wieviel sind denn morgens im Berufsverkehr unterwegs?

  17. 68.

    Hoffnungslos. Wenn Sie meinen.... Aber immer daran denken. Geld wächst nicht auf Bäumen. Und bevor man es ausgeben kann muss es verdient werden.

  18. 67.

    BVG Streiks sind doch mal ein gutes Argument für den Bau von mehr S-Bahn Linien. Das Netz kann durchaus engmaschiger werden, die Ausfallstrecken umd 2, 3 Bahnhöfe verlängert werden.

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