Die Hufeisensiedlung in Berlin-Britz (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Abendschau | 12.02.2019 | U. Barthel/J. Göbel | Studiogespräch mit Jana Göbel | Bild: dpa/Bernd Settnik

Steigende Mieten, aber im Schnitt noch günstig - Die Deutsche Wohnen in Zahlen

Dem größten privaten Berliner Wohnungsunternehmen gehören aktuell 111.000 Wohnungen in der Hauptstadt. Mindestens 95.000 davon waren einst Landeseigentum. Wer ist die Deutsche Wohnen? Eine Faktensammlung. Von Jana Göbel und Götz Gringmuth-Dallmer

111.000 Wohnungen gehören der Deutsche Wohnen in Berlin - damit besitzt die börsennotierte Wohnungsgesellschaft den größten privaten Bestand der Stadt. Deutschlandweit hat die Deutsche Wohnen etwa 165.700 Immobilien, darunter auch Pflegeheime und Appartments für betreutes Wohnen. Die Deutsche Wohnen AG wurde 1998 als Tochtergesellschaft der Deutschen Bank in Frankfurt a. M. gegründet. Das Unternehmen besaß anfangs größtenteils Wohnungsbestände im Rhein-Main-Gebiet und in Rheinland-Pfalz.

Das Gros der Berliner Immobilien des Unternehmens, nämlich 95.000 Wohnungen, waren ehemals in Landesbesitz. Durch den Zusammenschluss mit der ehemals landeseigenen Wohnungsgesellschaft Gehag (Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft) 2007 und der Übernahme der 60.000 GSW-Wohnungen expandierte die Deutsche Wohnen nach Berlin.

Die Deutsche Wohnen ist in allen Berliner Bezirken vertreten. Den größten Bestand gibt es mit 14.875 Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf. Dazu gehören Quartiere wie "Hellersdorfer Promenade“ im Nordosten des Bezirks. Es folgt Spandau mit 13.761 Wohnungen, viele davon in der Großsiedlung Falkenhagener Feld. Auf Platz drei ist Neukölln mit 12.516 Wohnungen. Bekannt ist hier vor allem die Hufeisensiedlung in Britz, die zum Unesco-Welterbe gehört.

Die durchschnittlichen Mieten der Deutsche Wohnen stiegen nach eigenen Angaben seit 2010 von 5,38 auf 6,55 Euro kalt je Quadratmeter im dritten Quartal 2018. Wie die meisten Vermieter nutzt auch die Deutsche Wohnen die gesetzlichen Möglichkeiten und verlangt deutlich mehr bei Neuvermietungen.

Bei den Bestandsmieten liegt die Deutsche Wohnen in Berlin nach eigenen Angaben nur wenige Cent über dem Berliner Durchschnitt. Bei den Neuvermietungen liegt das Unternehmen deutlich unter dem Gesamt-Berliner Durchschnitt. 2017 zahlten Neumieter in der Bundeshauptstadt durchschnittlich 9,79 Euro kalt je Quadratmeter. 

Seit 2010 hat die Deutsche Wohnen in Berlin stetig Wohnungen zugekauft. Damit stieg auch die Summe der Mieteinnahmen. Ein Teil dieser Einnahmen wird an die Aktionäre weitergereicht. Sie erhalten einmal jährlich eine Dividende. 2011 hat das Unternehmen 16,4 Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet, 2017 waren es 262,4 Millionen Euro. Damit stieg die Ausschüttung an die Aktionäre deutlich stärker als die Anzahl der Wohnungen und die Mieteinnahmen.

Ausgaben für Modernisierungsmaßnahmen müssen zunächst von Unternehmen wie der Deutsche Wohnen vorgeschossen werden. Diese Ausgaben konnten bisher zu elf Prozent pro Jahr und seit 2019 zu acht Prozent pro Jahr auf die Mieten umgelegt werden. Mietaktivisten aus verschiedenen Siedlungen der Deutsche Wohnen beklagen, dass diese Ausgaben beispielsweise für Wärmedämmung oder neue Fenster die Mieten enorm erhöhen. Im hier angeführten Beispiel aus der Eisenbahnsiedlung in Britz soll die Warmmiete um mehr als 300 Euro steigen.

Laut einer Umfrage des Unternehmens sind 80 Prozent der Mieter zufrieden mit der Deutsche Wohnen. Zugleich gibt allein in Berlin es fast 30 Mieter-Initiativen, die sich unter dem Dach des Netzwerkes "Bündnis der Deutsche Wohnen MieterInnen Berlin" laut Website "gemeinsam wehren gegen die Deutsche-Wohnen und ihre Mietsteigerungs- und Verdrängungspolitik“. Eine Initiative will den Senat per Volksentscheid zu einem Gesetz zwingen, mit dem alle Konzerne mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin enteignet würden. Betroffen wären unter anderem die Deutsche Wohnen.

Außerdem bemüht sich der Senat aktuell darum, angesichts stark steigender Mieten Wohnungsbestände der Deutsche Wohnen zurückzukaufen.

Sendung: rbb Fernsehen, 12.02.2019, 21:00 Uhr

Beitrag von Jana Göbel und Götz Gringmuth-Dallmer

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