ILLUSTRATION - Auf einem Tisch in Berlin liegen am 25.10.2016 zwei Ausgaben der Tageszeitungen "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier". (Quelle: dpa/Kembowski)
Bild: dpa/Kembowski

Bericht über Zerschlagung der Mediengruppe - DuMont prüft "Veräußerung von Teilen des Portfolios"

Bei der DuMont-Mediengruppe stehen offenbar große Veränderungen bevor: Laut eines Medienberichts will der Verlag sämtliche Zeitungen abstoßen. Ein Brief an die Mitarbeiter bestätgit dies teilweise. Zu DuMont gehören auch "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier".  

Die Mediengruppe DuMont will sich angeblich von sämtlichen Zeitungen trennen. "Berliner Zeitung", "Berliner Kurier", "Kölner Stadtanzeiger" und "Express" stünden ebenso zum Verkauf wie die "Mitteldeutsche Zeitung" und die Hamburger "Morgenpost", berichtete "Horizont" am Dienstag. Das gehe aus Unterlagen hervor, mit denen DuMont eine Münchner Finanzberatung beauftragt habe. Auch alle Anzeigenblätter und Druckereien stehen demnach auf der Verkaufsliste.

Dienstagabend veröffentlichte der Branchendienst "Meedia" ein Schreiben von Verlagschef Christoph Bauer an die Mitarbeiter. Darin wird eine "mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe" als eine von verschiedenen Handlungsoptionen für die zukünftige Ausrichtung des Verlags bezeichnet. "Die Prüfung verschiedener Optionen wird mindestens bis Mitte des Jahres dauern", heißt es in dem Schreiben.

"Berliner Verlag" 2009 übernommen

Die DuMont-Gruppe mit Sitz in Köln gehört zu den traditionsreichsten deutschen Medienhäusern, die Wurzeln reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Vor vier Jahren war der Verleger Alfred Neven DuMont gestorben, mittlerweile wird die Mediengruppe operativ von Christoph Bauer geführt. Das Unternehmen, das auch Beteiligungen an Radiosendern sowie Onlineportale betreibt, befindet sich vollständig im Besitz der Familien DuMont und Schütte.

Die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier" waren 2009 von DuMont übernommen worden - zusammen mit anderen im "Berliner Verlag" gebündelten Medien. Seit 2016 produziert die Berliner Newsroom GmbH die Inhalte für beide Blätter, seit 2018 werden die überregionalen Inhalte vom Redaktionsnetzwerk Deutschland zugeliefert. 

Stark sinkende Auflagen

Die Auflage von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" war nach Angaben aus Branchenkreisen in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken. Laut "Meedia" fiel sie im 3. Quartal 2018 bei der "Berliner Zeitung" um 6,48 Prozent auf 86.595 und beim "Kurier" um 8,54 Prozent auf 68.063 Exemplare.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach im Hinblick auf die Verkaufspläne von einem "verlegerischen Offenbarungseid" und einem Beleg für "eklatantes Managementversagen in der Branche". DJV-Präsident Frank Überall warf der Mediengruppe vor, ihr sei das "verlegerische Verantwortungsgefühl" abhanden gekommen. Die Gewerkschaft Verdi verlangte von DuMont, "die Belegschaft und die Öffentlichkeit unverzüglich und umfassend über eine geplante Zerschlagung der Mediengruppe zu informieren".
 

Sendung:  Radioeins, 26.02.2019, 12.00 Uhr

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18 Kommentare

  1. 18.

    Mir fällt zu einigen Rezensionen nur ein: "Herr lass Hirn vom Himmel fallen". Ich lese die Berliner Zeitung seit über 30 Jahren. Aussagen wie die Berliner Zeitung sei nach links gerückt, oder grün sind einfach quatsch. Diese Zeitung stand mal für eine geniale Seite 3 und ausgewogene, journalistisch hofwertige Arbeit. In Zeiten, in denen für die Zeitungsmacher immer weniger Zeit(weil immer weniger Mitarbeiter) für guten Journalismus vorhanden ist, in diesen Zeiten, werden Inhalte von Drittanbietern übernommen. Es kommt zu Fehlern in der Korrektur . Es kommt zu guten Ausgaben und zu ganz furchtbaren Ausgaben. Die Zeitung hat ihr Profil nach der Übernahme durch die DuMont Gruppe mehrfach verändert, und dies nicht immer zum Besseren. Und eigentlich hat sie gar kein Profil mehr, sie ist eher opportunistisch. So bleibt festzustellen... Es war einmal tolle Zeitung namens "Berliner Zeitung" welche nun vermutlich in Bälde zu Grabe getragen wird. Und dies ist einfach nur zum "Heulen".

  2. 17.

    Stark sinkende Auflagen haben immer etwas mit Inhalten zu tun. Warum soll ich für eine Zeitung Geld bezahlen, deren grösster Teil nur noch aus Werbung und der andere Teil aus einseitiger Berichterstattung?

  3. 16.

    Die Auflage der Berliner Zeitung wird nach der rd. 30%igen (!) Preiserhöhung weiter sinken. Ich habe mein Abonnement deswegen gekündigt.

  4. 14.

    Auflagenverlust bei der "Berliner Zeitung" - wundert mich überhaupt nicht.
    Ich hatte sie auch über Jahre abonniert, letztes Jahr dann gekündigt, mir scheint , dass es ein Parteiblatt der "Grünen" geworden ist !! Jeden Tag nur noch "Trump - Putin - Russland - Bashing - !! Nicht mehr zum Aushalten !!!!
    Mal sehen, vielleicht wird Sie dann bald ganz eingestellt !!

  5. 12.

    @Lito Potsdam
    Interessant, gibt es in Potsdam Nazizeitungen??
    Mir ist das nicht bekannt. Bitte nennen Sie doch mal eine Nazizeitung namentlich....

  6. 11.

    Es wird interessant, wer die Berliner Zeitung kaufen wird. Auf den Kurier kann ich verzichten, ebenso wie auf BZ und BILD. Berliner Zeitung und Tagesspiegel sind schon meine Favoriten in Berlin

  7. 10.

    Wann der wird "Lügen Rudi' in Cottbus seinen Geist aufgeben?

  8. 9.

    Das heißt nicht "links", sondern aufgeklärt und humanistisch! Besser als die zum verblöden einladenden Nazi-Zeitungen!

  9. 8.

    War ja klar, dass die ganzen rechten Gesinnungsforisten jetzt was von "linker" Zeitung schreiben! Obwohl Sie das sogenannte "links" nicht Mal definieren könnten! Für Nazis ist links doch alles was nicht in Ihr dummes pseudo Weltbild passt - einfach armselig diese gescheiterten!

  10. 7.

    Ich habe die Berliner Zeitung gerne gelesen, sogar abonniert....allerdings vor 20 Jahren. Sie ist von Jahr zu Jahr nach links gedriftet, ist jetzt eine linke Zeitung ohne jegliche Objektivität. Daher werde ich nichts vermissen.

  11. 6.

    Für die Beschäftigten tut es mir zwar leid, doch Zeitungen sind heutzutage Fossilien.
    Und besonders wenn es um linke Blätter geht (und das sind die meisten), sehe ich die Sache eindeutig positiv.
    "Die Dinosaurier haben ihre Chance gehabt", und die haben sie nicht genutzt.

  12. 5.

    Keiner liest mehr Zeitung

  13. 4.

    Das mit dem Neuen Deutschland stimmt so nicht. Das ND ist schon lange kein Parteiorgan mehr. Obwohl es der LINKEN noch immer nahe steht und viele Mitglieder und Sympathisanten lesen die Zeitung. Ansonsten ist das ND ein Wirtschaftunternehmen wie alle anderen Zeitungen auch und ist vom Wandel der Zeit genauso betroffen wie diese. Die sinkenden Abozahlen machen auch dieser Zeitung schwer zu schaffen und als Reaktion darauf wurden die Abos - digital und Print - neu geordnet und Preise verändert. Vielleicht werden Zeitungen in Zukunft fast nur noch digital angeboten.

  14. 3.

    Wenn ich von mir ausgehe, kein Wunder. Ich liebe die Haptik einer Tageszeitung aus Papier. Aber der tägliche Preis ist mir inzwischen zu hoch. Ein Abo lohnt aufgrund der schlechten Lieferungen nicht. Also lese ich online. Da würde ich aber nichts für bezahlen, weil es eben der Haptik entbehrt und ich online nur gezielt lese. Schwierige Marktsituation.

  15. 2.

    Ein oft zitiertes Gegenbeispiel aus unserer Stadt ist der Tagesspiegel, aber als eine Parteizeitung würde ich den Verlag nicht einordnen. Es geht also - man muss nur wissen wie.

  16. 1.

    Im Zeitalter der neuen Medien verkaufen sich viele Zeitungen einfach zu schlecht, um sie weiter am Leben zu halten. Hier geht es einfach um die Wirtschaftlichkeit, der sich jedes unternehmen unterzuordnen hat. Bei Parteiorganen wie dem Neuen Deutschland oder der Nationalzeitung spielt so was allerdings keine Rolle.

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