Eine Maschine der Germania Airline ist am 05.02.2019 im Dresdner Flughafen geparkt. (Bild: dpa/Monika Skolimowska)
Video: Abendschau | 05.02.2019 | M.Kell, N. Bader, S. Wendling | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Berliner Airline beantrag Insolvenz - Germania stellt Flugbetrieb ein - Keine Hilfe vom Bund

Die Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt. Der Flugbetrieb wurde eingestellt. Alle Flüge in Tegel und Schönefeld wurden gestrichen. Anders als bei Air Berlin sieht der Bund bisher keinen Grund, helfend einzugreifen.

Die Fluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und stellt mit sofortiger Wirkung ihren Flugbetrieb ein. Der Insolvenzantrag sei am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingereicht worden, teilte das Unternehmen mit. Betroffen sind die Germania Fluggesellschaft mbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH. Nicht betroffen sind die Schweizer Germania Flug AG und die Bulgarian Eagle.

In Berlin fallen am Dienstag 18 Flüge von und nach Berlin-Tegel und Schönefeld aus. Wie eine Sprecherin der Berliner Flughafengesellschaft mitteilte, handelte es sich um jeweils sechs Abflüge und Ankünfte in Tegel sowie jeweils drei Flüge in Schönefeld.

Auf den deutschen Flughäfen bot sich ein unterschiedliches Bild. Stark betroffen war zum Beispiel der Flughafen Rostock-Laage. "Von den knapp 296.000 Passagieren im vergangenen Jahr flogen 46 Prozent mit Germania", sagte Flughafen-Geschäftsführerin Dörthe Hausmann am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Auch die Flughäfen Erfurt und Friedrichshafen sind stark betroffen.

Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie (Quelle: dpa)
Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) bezeichnet die Germania-Pleite als "Fall von Marktwirtschaft" | Bild: dpa

Bundesregierung will nicht helfen

Die Bundesregierung sieht offenbar keinen Anlass, wie damals bei der insolventen Air Berlin einzugreifen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, es handle sich hier um "einen Anwendungsfall von Marktwirtschaft". Dazu gehörten unternehmerischer Erfolg und Misserfolg gleichermaßen. Wenn der Staat "willkürlich" Firmen rette, komme es zu "Fehlallokationen" und hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten, warnte der Minister.

Bei Air Berlin im Sommer 2017 hatte die Bundesregierung dem Unternehmen einen Überbrückungskredit gewährt, um den Flugbetrieb zunächst noch aufrechtzuerhalten. Damals saßen zahlreiche Air-Berlin-Kunden an Flughäfen außerhalb Deutschlands fest.

Bei Germania sei dieses Problem offenbar von "viel begrenzterer Dimension", sagte Altmaier zu Begründung. "Die allermeisten" Passagiere hätten wohl die Chance, sich das Geld für einen Rückflug vom Reiseveranstalter erstatten zu lassen.

Berliner Senat hält alle Optionen offen

Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) hält es derzeit für noch zu früh, über mögliche Hilfen für die Beschäftigten nach dem Vorbild der Air Berlin zu sprechen. Zunächst gehe es darum, ein Insolvenzverfahren durchzuführen, sagte der SPD-Politiker am Dienstag. "Ich gehe davon aus, dass der Insolvenzverwalter versucht, einen Investor im Sinne einer Fortführung der Gesellschaft zu finden. Das wäre auch wünschenswert."

Gleichwohl gebe es keinen Grund, nun die Tür zuzuschlagen, so Kollatz. Das Land Berlin stehe gegebenenfalls für "unterstützende Maßnahmen" zur Verfügung. So könne das Land vielleicht bei Investorengesprächen behilflich sein. "Die Gesellschaft ist kleiner als Air Berlin. Deshalb glauben wir auch, dass die Probleme leichter lösbar sind."

Passagiere haben keinen Anspruch auf Ersatzbeförderung

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung von Germania direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft hat, habe aufgrund der Gesetzeslage keinen Anspruch auf Ersatzbeförderung. Inzwischen haben mehrere Airlines angeboten, die betroffenen Passagiere zu vergünstigten Tarifen zu befördern. Die betroffenen Fluggäste bat Geschäftsführer Karsten Balke in einer Mitteilung um Entschuldigung.

Insolvenzverwalter spricht von 1.700 Mitarbeitern

Von der Pleite der Fluggesellschaft Germania sind nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Rüdiger Wienberg knapp 1.700 Mitarbeiter betroffen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Deren Löhne und Gehälter seien zunächst für drei Monate gesichert, teilte Wienberg am Dienstag mit - für diesen Zeitraum zahlt die Arbeitsagentur das sogenannte Insolvenzgeld, das über einen Kredit vorfinanziert wird.

Laut Wienberg betrifft die Insolvenz 1.426 Mitarbeiter der Germania Fluggesellschaft mbH, 178 Menschen bei der Germania Technik Brandenburg mbH und weitere 74 Angestellte der Germania Flugdienste GmbH.

Ende Januar wurde bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Nun teilte die Airline ihren Mitarbeitern mit, dass jeder hinsichtlich der Januargehälter Anspruch auf Insolvenzausfallgeld habe. Das geht aus einer internen Mitteilung hervor, die rbb|24 vorliegt. Die Vorbereitungen dazu seien bereits abgeschlossen.

Alle Bemühungen waren umsonst

Die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania waren Anfang Januar bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise. Kerosin wird in US-Dollar abgerechnet, Germania verdient ihr Geld aber vor allem in Euro. Zuletzt hatte der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Laut Airline seien die finanziellen Probleme auch auf eine "außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Serviceleistungen an der Flotte" zurückzuführen.

Tegel Fluganzeige (Quelle: Matthias Bartsch/rbb)
Anzeigetafel Flughafen Tegel | Bild: Matthias Bartsch/rbb

Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionen-Betrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe solle auch der frühere Air Berlin-Chef Joachim Hunold gehören. Germania wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. In der Nacht folgte dann die Mitteilung über den Insolvenzantrag.

"Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb", erklärte Balke in einer Mitteilung auf der Webseite von Germania. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten.

Mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr

Germania ist eine deutsche Fluggesellschaft mit einer mehr als 30-jährigen Geschichte. Sie wurde 1986 gegründet, seit 2009 ist Berlin der Firmensitz. Auf der Kurz- und Mittelstrecke beförderte die Airline mehr als vier Millionen Passagiere pro Jahr zu mehr als 60 Zielen innerhalb Europas, nach Nordafrika sowie in den Nahen und Mittleren Osten. Zusammen mit der Schweizer Germania Flugbetrieb AG und der Bulgarian Eagle betrieb Germania zuletzt 37 Flugzeuge.

Erst Ende Oktober 2017 hatte die damals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin ihre Flugbetrieb eingestellt, rund 8.000 Mitarbeiter waren betroffen. Im Herbst 2018 ging die Charterfluggesellschaft Small Planet Airlines mit Sitz in Berlin in die Insolvenz.

Reaktionen auf die Germania-Insolvenz

  • CDU

  • FDP

  • AfD

  • Verdi

  • DRV

  • Grüne

Sendung: Inforadio, 05.02.2019, 06:00 Uhr

Kommentar

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37 Kommentare

  1. 37.

    Erst war AB dran und nun nun ST.
    Welche Fluggesellschaft ist die nächste???

    Mega schade...
    Alle Mitarbeiter von ST haben mein mein Mitgefühl...

    Ich appelliere an unsere Regierung und an allen die hier helfen können. Tut was und lasst die Mitarbeiter von Germania nicht im Stich!!!

  2. 36.

    Erst war AB dran und nun nun ST.
    Welche Fluggesellschaft ist die nächste???

    Mega schade...
    Alle Mitarbeiter von ST haben mein mein Mitgefühl...

    Ich appelliere an unsere Regierung und an allen die hier helfen können. Tut was und lasst die Mitarbeiter von Germania nicht im Stich!!!

  3. 35.

    Wovon reden Sie bloß? Es geht um die Germania und nicht um den BER etc... Im Übrigen können Sie sich gerne mal die steigende Zahl der Fluggäste anschauen... Und zwar weltweit steigend

  4. 34.

    Von Wegen! Die Milliarden-Flughäfen gibt es immer noch. Der BER kostet den Steuerzahler Milliarden. Dann noch die ganzen anderen sinnlosen Flughäfen. Alle auf Kosten der Steuerzahler gebaut und unterhalten. Profitieren tut nur ein winzige Anzahl von Anlegern und Eigentümern von Fluggesellschaften. Unsere Kinder dürfen dann dank klimawandel vertrockneten Sand fressen.

  5. 33.

    @Richard:“...vereinnahmen das Schicksal von Insolvenz betroffener Menschen ...“ - die einen sagen so, die anderen so. Menschen sind verschieden und jede Sache hat mindestens drei Seiten - oder so. Wat den Eenen sin Uhl', ist den Annern sin Nachtigall.

    Vielleicht können Sie angesichts Ihrer thematischen Erweiterung auf „deutsche Airline mit Qualitätsanspruch“ aushalten, dass andere Menschen ebenfalls einen ihnen wichtigen Aspekt in die Betrachtung einbringen. So sind wir alle. :))

  6. 32.

    Dass eine Insolvenz vorliegt, weiss man natürlich erst heute und lässt sämtliche Fluggäste ohne Information stehen. Gibt es für solch ein Verhalten eine Erklärung? Ich würde es als kriminell bezeichnen!

  7. 31.

    Lesen hilft. Der Bund greift bei Germania nicht ein... Ihr Kommentar geht fehl, zumal Martin auch schon festgestellt hat, dass Hilfe durch den Bund unsinnig wäre.

  8. 30.

    Der Bund sollte sich mal um die bundeseigene Bahn kümmern als ständig für irgend welche Fluggesellschaften zu bürgen. Und dann subventioniert der Bund auch noch die Flugbranche durch Steuererleichterungen auf Kerosin. Mal ganz zu schweigen von den ganzen kostelosen Milliarden-Flughäfen die der Staat baut und unterhält.

  9. 29.

    Wieso soll der Bund (Steuerzahler) irgendeine Hilfe leisten. Für die Probleme der Germania ist die Germania und die GL der Firma verantwortlich: Streit um Nachlass/Erbe mit dem Sohn von Dr. Bischoff (der verstorbene Gründer der Firma),
    ein schwachsinniges Projekt mit dem Namen Gambia Bird (die Gründung von der nationalen Fluggesellschaft in Gambia) oder die Einführung eines globalen Buchungssystems ohne genügend Ressourcen in Form von erfahren Mitarbeitern zu haben. Man hat das System eingeführt und unverzeihliche Fehler gemacht, diese haben wiederum zu Verlusten in Millionenhöhe geführt. Nix Konkurrenz, Kerosinkosten oder Dollarkurs. Das sind alles Fehler von Herrn Balke, dem CEO von Germania. Wieso soll der Steuerzahler dafür bezahlen?

  10. 28.

    Too small not to fail

  11. 27.

    Warum wird unter dem Aufklappfeld "SPD" Ramona Pop zitiert? Die gehört zu den Grünen.....

  12. 26.

    Hm, nun ja, ein Unternehmen geht pleite. Gibt genug andere. Ob der Staat jedesmal einspringen muss, kann ich nicht so pauschal sagen. Bis vor kurzem hieß es ja noch, alles sei wieder geregelt bei germania.

  13. 25.

    "Wird ja auch Zeit, das dieser Name, der an frühere Zeiten erinnert, verschwindet ."

    Be manchen Beiträgen kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.

  14. 24.

    Haben potentielle Investoren etwa wegen der angedrohten Mitarbeit des Herrn Hunold kalte Füsse bekommen?

  15. 23.

    Im Artikel geht es um die Insolvenz einer deutschen Airline und den damit verbundenen persönlichen Schicksalen betroffener Mitarbeiter. Es geht darum, dass mal wieder eine deutsche Airline mit Qualitätsanspruch vom Himmel geholt wird und Billigheimern mit all deren Nachteilen der Markt überlassen wird.
    Es ist geschmacklos, dass sofort die "grünen Gutmenschen" diese Schicksal für sich vereinnahmen und in der Hysterie von CO2 , Feinstaub und Erderwärmung jede Empathie verloren geht. Und genau deswegen habe ich den Verweis auf den tatsächlichen Kerosinverbrauch moderner Jets erwähnt. Manchem sei empfohlen, einfach mal die Luft anzuhalten, das spart enorm viel (sinnloses) CO2.

  16. 22.

    die Weissagung lautet anders, ua. wenn der letzte Fisch gegessen... werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.

    Passagiere sind Menschen und haben Anspruch auf einen gut betreuten Flug mit einer minimalen Verpflegung an Bord, wenn der Flugpreis nicht gerade super billig ist. Die Konzernschefs leben ja mit ihren Gehältern etwas anderes vor, ohne Verantwortung an ihre kleinen Fische.

  17. 21.

    Hauptsache Verpflegung an Bord...Das ist eminent wichtig.... Gut, dass Ihre Tickets in die Konkursmasse gehen - gut gemacht.
    Erinnert mich ein wenig an die Weissagung der Cree: Wenn der letzte.........(....)werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann"

  18. 20.

    Zitat:"Für die Ökos: der Kerosinverbrauch pro km und Fluggast eines modernen Jets ist deutlich geringer als der Verbrauch eines Kleinwagens mit einer Person an Bord."
    Abgesehen, dass Ihr Vergleich mehr als hinkt: Sie sind also dafür, dass das Emittieren von Luftschadstoffen in die oberen Luftschichten (bei dem zur Zeit immer weiter zunehmenden Flugirrsinn) noch weiter ausgebaut werden sollte?
    Sind Sie sich der Tragweite Ihres nicht wirklich durchdachten Satzes wirklich bewusst?
    Es mag sein, dass die modernen Triebwerke weniger Schadstoffe ausstoßen - aber es sind trotzdem Schadstoffe, denn wenn zwar weniger pro Flug in die oberen Luftschichten ausgeblasen werden, wird es in der Summe, weil immer mehr geflogen wird, trotzdem bedeutend mehr werden.
    Die oberen Luftschichten sind übrigens, die, die schädliche Strahlungen filtern und durch die Jetstreams die Schadstoffe weitflächig verteilt werden.
    Übrigens: es fahren wohl kaum Leute im Kleinwagen nach Malle.......dies zum Vergleich!

  19. 19.

    Habe meine Flugtickets letztes Jahr im Oktober gekauft, bin vorher mit Germania immer gut und freundlich mit kostenloser Verpflegung geflogen, nachdem Air-Berlin pleite war, das gibt es derzeit nicht mehr von Berlin für die Flüge die Germania bediente. Sie zählten auch nicht zu den absoluten Billigfliegern, und den Unterstützern der Regierung zwecks Keronsinpreisen etc. Damit Schluß.

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