Eine Frau hält sich auf der Fruit Logistica 2018 zwei gelbe Früchte vor die Augen (Quelle: Messe Berlin)
Audio: Inforadio | 06.02.2019 | Ute Holzhey | Bild: Messe Berlin

Fachmesse startet am Mittwoch - Fruit Logistica im Schatten des Brexits

Neue Obstsorten, intelligente Erntemaschinen und plastikfreie Verpackungsideen präsentieren Aussteller auf der Fruit Logistica. Die Fachmesse zeigt Innovationen rund um den Obst- und Gemüseanbau. Doch die Besucher diskutieren auch die Folgen eines Brexits. Von Annika Krempel

Auf der Fachmesse Fruit Logistica, die am Mittwoch in Berlin beginnt, treffen sich drei Tage lang Saatgutproduzenten, Anbautechniker und der Lebensmitteleinzelhandel, um sich über Trends und Innovationen rund um den Anbau und Transport von Obst und Gemüse auszutauschen. 78.000 Besucher werden dazu erwartet.

Erstmals ist in diesem Jahr auch Armenien unter den 3.200 Ausstellern. Damit sei die Messe so international wie noch nie, sagt Madlen Miserius, Senior Product Managerin der Fruit Logistica.

Strategien, um Plastikmüll zu vermeiden

Zu den bestimmenden Themen der Fruit Logistica zählen Innovationen bei Verpackungen. "Verpackungen sind ein großes Thema wegen des Verpackungsgesetzes. Es geht viel darum, Verpackungen möglichst zu vermeiden beziehungsweise noch nachhaltiger anzubieten, damit möglichst wenig Umweltbelastung erfolgt", so Miserius.

So zeigen Unternehmen auf der Messe zum Beispiel Verbesserungen im Bereich Labelling. Laser brennen beispielsweise auf der Frucht Logos ein und machen so Verpackungen überflüssig. Auch ein kompostierbares Erdbeerschälchen aus Holz wird vorgestellt.

Technische Innovationen gibt es viele: Erntemaschinen für Feldsalat, hochkonzentrierter Gel-Dünger oder eine Maschine, die in einer Minute 300 Avocados entkernen kann.

Drohnen auf Insektenjagd

Auch die Digitalisierung spielt in der Agrarwirtschaft eine Rolle. Vor allem Start-ups sind im Bereich Digital Farming oder AgTech – Agrar-Technik – unterwegs. Ihnen gibt die Fruit Logistica mit dem Start-up Day dieses Jahr erstmals eine Plattform. 20 junge Unternehmen präsentieren dort ihre Produkte. "Es gibt eine Mini-Drohne von einem niederländischen Start-up. Sie fliegt durch das Gewächshaus und bekämpft ganz gezielt Schädlinge. Dadurch wird die Benutzung von Schädlingsmitteln reduziert", erzählt Madlen Miserius.

Natürlich gibt es auf der Fruit Logistica auch neue Früchte zu sehen und zu probieren. Wie zum Beispiel die Birne Fred. Sie ist laut Züchter rotbackig und saftig, tropft aber nicht, wenn man reinbeißt. Rotes Fruchtfleisch bietet die Dong-Hong Kiwi und außerdem einen tropisch-exotischen Nachgeschmack.

Schreckgespenst Brexit

Gleich mehrere Verträge und Veranstaltungen während der Messetage beschäftigen sich mit den möglichen Folgen eines Brexit. Denn Großbritannien ist für Exporteure ein wichtiger Markt. Das Land ist nach Deutschland der zweitgrößte Importeur von Obst und Gemüse in der EU. 6,5 Millionen Tonnen an Früchten kaufen britische Händler im Ausland an. Beim Obst beispielsweise deckt die Insel nur 16 Prozent des Bedarfs selbst.

Der Brexit könnte die Einfuhr von Lebensmitteln deutlich erschweren. Nicole Visbeen ist Geschäftsführerin der niederländischen "DailyFresh Logistics". Noch schickt sie jeden Tag etwa 150 Lkw mit frischem Obst und Gemüse auf die Insel. Sie hat schon jemanden eingestellt, der sich bei einem ungeordneten Brexit allein um die Zollformalitäten kümmern wird. "Wenn es einen Deal gibt, haben wir genug Zeit, mit unseren Kunden vorzubereiten, welche Informationen wir für den Zoll brauchen. Aber es geht auch um Lieferzeiten. Heute liefern wir innerhalb von 12 bis 24 Stunden. Ohne Deal könnte es bis zu drei Tage dauern, frische Lebensmittel nach Großbritannien zu liefern."

"Es gibt immer indirekte Effekte"

Für die deutsche Obst- und Gemüsebranche direkt hätte der Brexit dagegen kaum Auswirkungen, weil beide Länder nur wenig Handel in diesem Segment betreiben, erklärt Hans-Christoph Behr, der für die Agrarmarkt-Informations GmbH Daten sammelt und auswertet.

"Trotzdem kann das indirekte Effekte haben. Wenn die Spanier beispielsweise größere Probleme haben, nach England zu exportieren, muss diese Menge woanders hin. Und dann könnte die Menge auf unseren Markt drücken." Nach einem Brexit könnte also Obst und Gemüse in Deutschland günstiger werden.

Die Fruit Logistica geht noch bis einschließlich Freitag, 8. Februar. Die Messe ist nur für Fachpublikum. Rund um den Berliner Funkturm muss mit erhöhtem Verkehrsaufkommen gerechnet werden.

Sendung: Inforadio | 06.02.2019 | 08:35 Uhr

Beitrag von Annika Krempel

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