Der abendliche Berufsverkehr auf der Frankfurter Allee (Quelle: dpa/Uhlemann)
Bild: dpa/Uhlemann

Umstrittener Name für Bürokomplex - Kein "Coppi-Park" in Berlin-Lichtenberg

Ein Bauunternehmer wollte einen neuen Bürokomplex in Berlin-Lichtenberg "Coppi-Park" nennen - nach den ermordeten NS-Widerstandskämpfern Hans und Hilde Coppi. Doch deren Sohn protestierte heftig gegen die Vereinnahmung. Mit Folgen.

Nach den NS-Widerstandskämpfern Hans und Hilde Coppi sind in Deutschland zahlreiche Straßen, Plätze, Schulen und auch Kitas benannt. Auch der niederländische Investor Harry van Caem wollte jetzt den Namen nutzen: "Coppi-Park" sollte der Neubaukomplex heißen, den der Niederländer derzeit in Berlin-Lichtenberg auf einem 11.000 Quadratmeter großen Grundstück errichten lässt. 88.000 Quadratmeter Büroflächen für jeweils 20 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter im Monat sollen in dem Komplex entstehen, der im Norden von der Frankfurter Allee begrenzt wird, und im Süden - von der Coppistraße.

Portrait Hans Coppi junior (Bild: dpa/Hannibal Hanschke)
Hans Coppi junior | Bild: dpa/Hannibal Hanschke

Der Erbe der Coppis, Hans Coppi junior, erfuhr von der Namensgebung aus der Presse, wie er sagt, und protestierte energisch: Er wisse nicht, warum der Namen von zwei ermordeten Widerstandskämpfern einen modernen Bürokomplex schmücken sollte, sagte Coppi der Zeitung "Neues Deutschland" [externer Link].

Jetzt hat sich der Bauunternehmer entschuldigt: "Ich bedauere den gesamten Vorgang und entschuldige mich bei Herrn Dr. Coppi für die Irritation, die unsere Namenswahl bei ihm völlig zu Recht ausgelöst hat", teilte Harry van Caem am Montag in Berlin mit. In Zukunft solle das Bauprojekt als "Van Caem Park" bezeichnet werden. Hans Coppi junior hat die Geste akzeptiert. Allerdings, so versichert er, hätte er anderenfalls geklagt: Er wolle nicht, dass der Name seiner Familie zu kommerziellen Zwecken benutzt werde.

Bildteilung historischer Fotografien - links: Portrait der Widerstandskämpferin Hilde Coppi, rechts: Portrait des Widerstandskämpfers Hans Coppi (Bilder: dpa)
Hilde und Hans Coppi | Bild: dpa-Archivbilder

Hans und Hilde Coppi wurden hingerichtet

Die Eheleute Hans und Hilde Coppi gehörten zur "Roten Kapelle", einem Widerstandsnetzwerk gegen den Nationalsozialismus. Sie verteilten unter anderem Flugblätter gegen das NS-Regime und hörten den Sowjet-Rundfunk ab. Im September 1942 wurden sie von der Gestapo verhaftet, zwei Monate später brachte Hilde im Gefängnis ihren Sohn Hans zur Welt. Vier Wochen später wurde ihr Mann in im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet, sie selbst neun Monate später, im August 1943.

Hans Coppi junior arbeitete als Historiker unter anderem in der Akademie der Wissenschaften der DDR und in der Gedenkstätte Sachsenhausen in verschiedenen Projekten zur Dokumentation des Widerstands gegen das NS-Regime. Von 2004 bis 2017 war er Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes.

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