Bäckereiunternehmens "Lila Bäcker" (Quelle: rbb)
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Filialen in Berlin und Brandenburg - Insolvenzverfahren für Lila Bäcker soll im April starten

Das Insolvenzverfahren für die Bäckerei-Kette Lila Bäcker soll am 1. April eröffnet werden. Das haben die zuständige Geschäftsführung und das Amtsgericht Neubrandenburg am Mittwoch mitgeteilt. Somit seien die Löhne für die rund 2.700 Beschäftigten derzeit ebenfalls bis zum 1. April, und damit einen Monat länger als bisher geplant, gesichert.

Die wirtschaftliche Lage der Kette habe nach der Insolvenzanmeldung im Januar auch dank der Treue der Kunden stabilisiert werden können, hieß es von der Firma. Für die Lohnzahlung im März haben die zuständigen Arbeitsagenturen den Insolvenzzeitraum um einen Monat verlängert, weil die Firma für Dezember 2018 den Lohn aus eigenen Erlösen hatte zahlen können. "Das ist aber eine Ausnahme", sagte die Sprecherin des Amtsgerichtes. Es bringe aber mehr Spielraum, um für alle eine vernünftige Lösung zu finden.

Anfang April soll Sanierungskonzept kommen

Die Bäckerei-Kette, die mehrere Produktionsstandorte und 400 Verkaufsfilialen vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg betreibt, hatte im Januar eine "Gruppeninsolvenz in Eigenverwaltung" angemeldet. Dabei wurde dem Geschäftsführer Stefan Blaschak ein erfahrener Insolvenzanwalt an die Seite gestellt. Beide zusammen leiten die Firma. Vom Amtsgericht wurde zudem ein unabhängiger Insolvenzsachverständiger eingesetzt, der über alle Vorgänge informiert werden muss und ein Gutachten für das Gericht erarbeitet.

Die Firmenleitung will bis Anfang April auch ihr Sanierungskonzept vorlegen. Es sieht unter anderem vor, dass ein Investor einsteigt und mehr Getränke und Snacks als bisher in den rund 400 Backfilialen angeboten werden sollen. Man sei "mit potenziellen Investoren im Gespräch", hieß es dazu. Um wen es sich dabei handelt, wurde aber nicht mitgeteilt. Vom Konzept des Investors hängt nach Angaben von Experten auch ab, ob alle Standorte erhalten bleiben. Ziel sei es, das Unternehmen mit möglichst allen Mitarbeitern zu erhalten, erklärte die Geschäftsführung.

Rechtsstreit zu Kündigungen

Derzeit sei absehbar, dass die Löhne ab April auch wieder aus eigenen Mitteln gezahlt werden könnten. Der Umsatz der Gruppe, die auch als "Unser Heimatbäcker" firmiert, lag nach eigenen Angaben 2016 bei 142 Millionen Euro, 2017 bei 138 Millionen und 2018 bei "etwa 130 Millionen Euro."

Der Lila Bäcker hatte vor einem Jahr bereits für Schlagzeilen gesorgt, als nach einem Wechsel in der Geschäftsführung mehrere Standorte für die Kuchenproduktion, wie in Dahlewitz, Gägelow und Pasewalk geschlossen und mehr als 220 Mitarbeiter entlassen worden waren. Als Ursache für die Zahlungsunfähigkeit im Januar waren unter anderem der zunehmende Druck durch Backstände in Supermärkten und der heiße Sommer angeführt worden, in dem weniger Backwaren konsumiert worden seien.

Im Zusammenhang mit den Kündigungen gibt es einen Rechtsstreit, der seit Ende Januar das Landesarbeitsgericht in Rostock beschäftigt. Nach Gerichtsangaben liegen elf Berufungsverfahren vor. Die Beschäftigten aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hatten die Prozesse in erster Instanz an Arbeitsgerichten gewonnen. Dagegen hat die Kette Rechtsmittel eingelegt. Zu Verhandlungen werde es aber frühestens Mitte 2019 kommen, hieß es.

Sendung: rbb 88,8, 20.02.2019, 11 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wenn ich schon dieses Schild sehe, kommt’s mir hoch. Wieweit müssen solch Fabrikbäckereien sich eigentlich anbiedern, um auf Kundenfang zu gehen. Früher stand da“Bäckerei“ und vielleicht noch der Familienname. Damit hatte es sich. Jetzt steht bei manchen: Bäckerei seit 1900 soundsoviel, was auch nicht stimmt. Denn die Backware wird von Großbäckereien angeliefert. Und was sonst noch so geschrieben steht( Backshop ) läßt übles ahnen.

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